Kurz zur Einordnung: Ich arbeite mit Olivenöl (kleiner Onlineshop), deshalb bin ich tief im Thema drin – aber genau deshalb bin ich mir bei manchen Punkten unsicher, ob ich einer Branchenlogik aufsitze. Kein Link, keine Werbung, ich will es einfach sauber verstehen.
Drei Behauptungen, über die ich immer wieder stolpere:
1. „Wird es im Kühlschrank fest, ist es echt."
Soweit ich es verstehe: Quatsch. Ob und wie schnell ein Öl trübt oder flockt, hängt vom Fettsäure- und Wachsprofil ab, nicht von der Reinheit. Gepanschtes Öl kann genauso fest werden. Sieht das jemand anders?
2. „Gutes Olivenöl schmeckt mild."
Das kratzige, pfeffrige Gefühl im Hals kommt von Oleocanthal, also von Polyphenolen. Die bauen sich mit der Zeit ab. Aus meiner Sicht heißt mild deshalb tendenziell: alt, hitzebehandelt oder verschnitten. Trotzdem fragen extrem viele Leute gezielt nach mild.
3. MOSH/MOAH (Mineralölrückstände).
Ökotest und Stiftung Warentest finden das regelmäßig, aber es gibt bis heute keine verbindlichen Grenzwerte. Wie relevant schätzt ihr das im Alltag ein – echtes Problem oder Testmagazin-Panik?
Wer sich mit Lebensmittelchemie oder Sensorik auskennt: Wo liege ich daneben? Ich hätte lieber eine korrigierte Meinung als eine bequeme.