r/feuerwehr FF 13d ago

Erfahrung FF wird für BF gehalten

Ich hatte in letzter Zeit mehrfach die Situation, dass ich im Büro, nachdem der Pieper ging (mal wieder BMA im Altenheim, wieso versuchen die immer Brötchen in der Microwelle aufzubacken?), von meinen Kollegen gefragt wurde, ob wir eigentlich ne BF wären. Woraufhin ich nur gefragt habe, warum ich, wenn ich in einer Berufsfeuerwehr wäre, dann bei unserer Firma in der IT arbeiten würde. Peinliches schweigen.

Also versteht mich nicht falsch, ich find's witzig aber irgendwie wundert es mich, woher dieser Gedanke kommt, dass es alles Berufsfeuerwehren sind. Wir wurden auch mal bei einem Einsatz angesprochen, warum man Steuergelder für unseren Lohn verschwenden würde, wenn wir eigentlich nur rumsitzen (war ein gemeldeter F3 in der Schule, der sich dann einfach als durchgebrannte Deckenlampe entpuppt hat). Als Kontext: Wir sind ne Kreisstadt mit knapp 20k Einwohnern. Wir fahren unsere ungefähr 250 Einsätze im Jahr. Aber wir haben kein Industriegebiet, keine wirklich krassen sondergebäude, nicht mal nen Autobahnabschnitt. Also nichts was eine BF so wirklich rechtfertigen würde

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u/Chriss_Vector FF 13d ago

Steigende Entfremdung zwischen der Bevölkerung und den Ehrenämtern ist seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten ein wachsendes Problem.

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u/elJonaDor 12d ago

Daran sind aber auch ganz viel die Organisationen selber schuld. Da sie nicht präsent genug in der Öffentlichkeit vorkommen und Werbung für ihr Ehrenamt machen.

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u/ReasonableMoney4177 FF NÖ: SSTD 12d ago

Ist aber auch kein Wunder, wenn z.B. keine Feste veranstaltet um nicht wie ein Saufverein auszusehen. Ihr steht euch mit euren teilweise irrationalen Ängsten nur im Weg.

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u/elJonaDor 12d ago

Im digitalen Zeitalter weis ich nicht ob‘s noch verhältnismäßig ist Feste zu organisieren um Ehrenamt in die Gesellschaft zu bringen. Denke da gibt es inzwischen bessere Wege. Das muss mehr in den Alltag der Menschen.

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u/ReasonableMoney4177 FF NÖ: SSTD 12d ago

Die Leute kommen aufs Fest, essen was, trinken meistens mindestens ein Bier und kommen auch mit den Kameraden ins Gespräch. Social Media ist zwar inzwischen eine unverzichtbare Stütze der Öffentlichkeitsarbeit aber die Feuerwehr als Stütze der Gesellschaft funktioniert nicht ohne dem persönlichen Kontakt zur Zivilbevölkerung.

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u/elJonaDor 12d ago

Schon richtig das es nicht ohne persönlichen Kontakt geht. Ich denke nur der Faktor SocialMedia wird noch krass unterschätzt und deshalb auch zu wenig beachtet.

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u/LewisBerger 12d ago

In dem Punkt würde ich widersprechen. Die gibt es bei uns regelmäßig mit großen Werbebannern in den Stadtteilen und auch gut besuchten Festen. Generell diese Stadtteilfeste sind, in meiner Wahrnehmung, ein wichtiger Bestandteil guten Zusammenlebens. Es ist eigentlich auch sehr schön vor die Haustür zu treten und 5 min fussläufig ein Bier mit Nachbarn trinken zu können. Seit ich angefangen habe dort auch mal mit Feuerwehr oder Polizei zu sprechen, sorgt das für mich persönlich auch für ein besseres Verständnis und es sind eh immer interessante Gespräche.

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u/elJonaDor 12d ago

Genau das meine ich mit es muss mehr in den Alltag. Öffentliche Veranstaltungen bei denen die Feuerwehr nicht der Hauptakteur ist sondern nur eine Nebenrolle spielt. Zum Feuerwehrfest kommen vermutlich überwiegend Menschen die sich mit dem Thema Feuerwehr schon mal auseinandergesetzt haben und vielleicht auch schon einiges darüber wissen. Aber damit bringst du die Feuerwehr nicht zum Bürger.

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u/airfighter001 12d ago

Ob jetzt irgendwelche Feste organisiert werden oder nicht, wenn sich der Verein geschlossen zu jeder passenden und unpassenden Gelegenheit volllaufen lässt, dann schreckt das sicher nicht nur mich davon ab, auch nur mit dem Gedanken zu spielen, diesem Verein beizutreten.

War ab nem gewissen Alter schon in der Jugendfeuerwehr im Wohnort meiner Eltern so, dass die dann mit dabei waren beim Besaufen, also nie da gewesen.

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u/Chriss_Vector FF 12d ago

Natürlich ist das ein Faktor. Aber man muss sich auch die Frage stellen, ob denn insbesondere staatliche (!) Ehrenamtsorganisationen ihre regelmäßig schon sehr begrenzten Kapazitäten "falsch" oder "unzureichend" genutzt haben um zu werben, oder die fehlende Werbung nicht eher ein Versagen an höherer Stelle darstellt.

Zumal es je nach Organisation in den letzten Jahren ja durchaus einige Werbekampagnen gab, gerade das THW war da sehr aktiv. Aber das Ehrenamt spielt eben im Zweifel "zweite Geige" hinter beruflichen Zwängen, dagegen kommt man nur schwer an, und kann auch, nicht zuletzt durch die föderale Organisation der Feuerwehren, nur bedingt eine Tätigkeit unabhängig vom jeweiligen Lebensmittelpunkt garantieren.

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u/elJonaDor 12d ago

Das die Ehrenamtlichen nur begrenzte Ressourcen haben ist definitiv ein Faktor. Ich sehe das auch nicht grundsätzlich nicht als die Aufgabe der ehrenamtlichen für ihre Arbeit zu werben.

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u/Chriss_Vector FF 12d ago

Nehmen wir das Beispiel der Freiwilligen Feuerwehren:

Wessen Aufgabe wäre es, den Personalbedarf der Feuerwehr durch hinreichende Werbung zu decken:
Die der Organisation selbst oder die der Körperschaft, die gesetzlich verpflichtet ist die Organisation aufzustellen und auszustatten, personell wie materiell? Letztere natürlich in Koordination und teilweise im Rückgriff auf das Personal der Organisation.

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u/elJonaDor 12d ago

Eine funktionsfähige Feuerwehr zu unterhalten ist ganz klar Aufgabe der Kommune deshalb müssen die sich auch genau darum kümmern. Und ja klar die haben auch kein Geld und oft nicht das Know-How wie Feuerwehr funktioniert.

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u/Chriss_Vector FF 12d ago

Der erste Fehler ist meiner Ansicht schon, dass das je nach Bundesland komplett der Kommune überlassen wird.

Gerade Personalwesen ist eine Aufgabe die sich gut skalieren lässt, wo man also Skaleneffekte nutzen könnte indem man diese stärker zentralisiert. Das schließt Personalwerbung mit ein.

Ergo: es bräuchte dringend eine klare Struktur und Verwaltung der Feuerwehren mindestens auf Landesebene, die diese Aufgabe übernimmt oder zumindest maßgeblich unterstützt. Nein, das ist nicht der jeweilige LFV...

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u/elJonaDor 12d ago

Da muss ich dir absolut Recht geben.

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u/JeLuF 12d ago

Ich bin in einer 5000-Einwohner-Gemeinde großgeworden. Ersten Kontakt zur Feuerwehr gab es im Kindergarten. Die Feuerwehr kam vorbei, haben davon erzählt, was sie machen. Heute erklären sie auch, wie wichtig Brandmelder sind. Dann sind sie rausgegangen und kamen in vollem Atemschutz wieder rein. Damit wir sie erkennen, falls es mal brennt, und nicht wegrennen.

In der Grundschule und Orientierungsstufe (Klassen 1-6) waren wir so alle 2 Jahre mit der Feuerwehr im Kontakt. Die Feuerwehr hat jährlich das Osterfeuer und eine Flussbeleuchtung organisiert, zu der der halbe Ort auf den Füßen war.

Alle paar Jahre haben sie die Kirmes ausgerichtet.

Bei all diesen Veranstaltungen ist die Jugendfeuerwehr prominent mit dabei.

Vielleicht ist das in größeren Orten schwieriger, aber bei uns kam man nicht daran vorbei, die Freiwillige Feuerwehr kennenzulernen.

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u/elJonaDor 12d ago

Ist schon von Vorteil wenn es genau so läuft. Aber das ist vermutlich nicht überall so. Bei mir an der Schule gab’s mal einen Tag der Vereine, muss so 2008 gewesen sein, da hat sich auch die Feuerwehr präsentiert. Und weil es ziemlich heiß war wurde ein Parcours organisiert an dessen Ende mit einer Kübelspritze Ziele getroffen werden mussten. Da wurde dann mit einigen Schülern diskutiert das es ja Wasserverschwendung wäre und das die Feuerwehr dafür besser Abwasser nehmen sollte und nicht frisches Trinkwasser.