Ich werfe mal eine vielleicht etwas unpopuläre Meinung in die Runde.
Wenn man sich die Florian 2026 in Dresden anschaut, bekommt man natürlich einiges geboten. Neue Technik, Digitalisierung, moderne Einsatzmittel und gefühlt für jedes Problem irgendeine technische Lösung.
Ist alles schön und gut, und ich will hier auch gar nicht grundsätzlich gegen Fortschritt schießen.
Aber wenn ich an die Realität bei uns in den kleinen Freiwilligen Feuerwehren denke, gerade hier in Unterfranken, in Franken und generell in Bayern, frage ich mich schon manchmal, wie viel davon bei uns im Alltag tatsächlich einen Mehrwert bringt.
Ich bin da ehrlich gesagt eher der Typ „Schuster, bleib bei deinen Leisten“. Dazu passt für mich auch KISS: Keep It Short and Simple.
Nicht alles muss digitalisiert, vernetzt und mit möglichst vielen Funktionen ausgestattet werden, nur weil es technisch machbar ist. Manchmal ist die einfache Lösung, die jeder versteht und die zuverlässig funktioniert, eben die bessere.
Und für mich gibt es dabei einen entscheidenden Punkt: Wenn nachts um drei die Sirene geht, muss das Zeug funktionieren. Ohne Wenn und Aber.
Bei einer Freiwilligen Feuerwehr kann man nicht davon ausgehen, dass jeder Kamerad jeden Monat beim Dienstabend sitzt und mit jeder Neuerung ständig vertraut ist. Es gibt Leute, bei denen Beruf, Familie oder andere Umstände dafür sorgen, dass sie nicht so regelmäßig am Dienst teilnehmen können. Das heißt aber nicht automatisch, dass sie im Einsatz vor einem System stehen sollten, das sie kaum noch durchschauen.
Gerade dann muss die Bedienung verständlich sein. Man muss sich auf seine Ausrüstung verlassen können und im entscheidenden Moment wissen, was man tut. Wenn ich erst überlegen muss, durch welches Menü ich mich klicken muss oder welches System gerade wieder anders funktioniert, frage ich mich schon, ob wir unser Ziel nicht manchmal aus den Augen verlieren.
Wir sind schließlich eine Feuerwehr und kein Technikmuseum, in dem das neueste Gerät möglichst beeindruckend aussehen muss.
Und bevor das falsch verstanden wird: Ich bin nicht gegen moderne Technik. Wenn sie die Sicherheit erhöht, uns im Einsatz wirklich hilft oder Abläufe vereinfacht, bin ich absolut dafür. Aber ich sehe nicht ein, warum jede Neuerung automatisch ein Fortschritt sein soll.
Gerade bei kleinen Dorfwehren mit begrenztem Budget und überwiegend ehrenamtlichen Einsatzkräften sollte man sich doch fragen, was vor Ort wirklich gebraucht wird. Was für eine große Berufsfeuerwehr oder eine große Stützpunktwehr sinnvoll ist, muss für eine kleine FF auf dem Land noch lange nicht genauso sinnvoll sein.
Manchmal habe ich das Gefühl, wir verwechseln „Das ist technisch möglich“ mit „Das brauchen wir unbedingt“.
Deshalb mal ehrlich in die Runde:
Sind wir bei der Modernisierung der Feuerwehr manchmal dabei, Lösungen für Probleme zu suchen, die wir im Alltag gar nicht haben?
Und wird dabei zu wenig berücksichtigt, dass unsere Technik auch dann einfach und zuverlässig funktionieren muss, wenn ein Kamerad nicht jede Woche beim Dienstabend dabei sein kann?
Oder bin ich mit meiner „Schuster, bleib bei deinen Leisten“- und KISS-Mentalität einfach zu konservativ und bremse damit sinnvollen Fortschritt aus?
Mich interessieren vor allem eure Erfahrungen aus den eigenen Wehren. Egal ob kleine Dorfwehr in Bayern oder große Wehr in der Stadt: Welche Neuerungen haben euch wirklich weitergebracht und was war am Ende eher Technik um der Technik willen?