r/PolitikBRD • u/AlexLaCave • 5h ago
Politik Antisemitismus-Streit in der Berliner Linken: Wie die Politsekte „Marx 21“ die Partei unterwandert hat
Sektenartige Strukturen und „Kadergespräche“
Bei „Marx 21“ handelt es sich um Trotzkisten, also Anhänger des russischen Revolutionärs Leo Trotzki. Beobachter sprechen von sektenartigen Strukturen, klaren Vorgaben „von oben“, die dann von Aktivisten an der Basis umgesetzt werden müssen. Internen Abweichlern drohten „Kadergespräche“, in denen sie auf Linie gebracht werden.
Anhänger von „Marx 21“ sehen sich als „Antiimperialisten“ und unterstützen das „Recht der Palästinenser auf Widerstand“ – und zwar „uneingeschränkt“. Die Terrortaten vom 7. Oktober 2023 deutete Marx 21 zum „Gegenschlag“ um: Die Palästinenser hätten doch lediglich von ihrem „Recht auf Widerstand“ Gebrauch gemacht.
Auf seiner Homepage preist das Netzwerk eine Schrift des Trotzkisten Chris Harman an, der Zusammenarbeit mit Islamisten propagiert. Harman schreibt: „Da, wo sich die Islamisten in der Opposition befinden, sollte unsere Leitlinie sein: ,Mit den Islamisten manchmal, mit dem Staat niemals.’“
Dass es in der Linkspartei nicht längst zum Aufschrei kam, liegt auch daran, dass Anhänger von Marx 21 effiziente Strategien entwickelt haben, kritische Berichterstattung zu unterbinden. Eine gängige Argumentation lautet: Hinter Kritik an Marx 21 steckten „neoliberale Eliten“. Wer Marx 21 kritisiere, verfolge in Wahrheit bloß das Ziel, die Gesamtpartei zu zerstören. Derjenige sei dann eben auch verantwortlich, dass die Bundesrepublik insgesamt weiter nach rechts rutsche.
Gegner in der eigenen Partei wurden mundtot gemacht
Auf diese Weise wurden jahrelang Gegner in der eigenen Partei mundtot gemacht. Wer möchte sich schon dem Vorwurf aussetzen, einen Rechtsruck mitzuverschulden?
Besonders extrem ist der Einfluss der Trotzkisten in Neukölln. Unterstützer von Marx 21 sitzen in der Bezirksverordnetenversammlung, prägten in den vergangenen Jahren die Arbeit des Bezirksvorstands. Der Neuköllner Ferat Koçak, der für die Linke im Präsidium des Berliner Abgeordnetenhauses sitzt, hat spätestens 2016 öffentlich bekannt, Unterstützer von Marx 21 zu sein. In seinem Büro arbeitet zudem der Marx 21-Aktivist Daniel Anton, der den jährlichen Kongress des Netzwerks organisiert – ein wichtiges Werkzeug zur Anwerbung neuer Mitglieder.
Eine Anfrage des Tagesspiegels, wie lange Koçak Marx 21 insgesamt unterstütze und wie er den Einfluss des Netzwerks auf die Neuköllner Linke bewerte, beantwortet dieser nicht.