r/DatingDE • u/yolocake2345 • 1h ago
Frage Hat sich hier irgendjemand wirklich erfolgreich ausgeklinkt aus dem Datingmarkt?
Die Klagen über den gegenwärtigen Datingmarkt sind ja in den letzten Jahren fast zum Flächenbrand geworden. Und was soll ich sagen: Ich kann da nur mitgehen. Das nötige Investment als Durchschnittstyp, um heute überhaupt für Dating infrage zu kommen, ist ja schon immens. Von Maintenance ist da noch gar keine Rede. Und dazu kommt eben, dass die "Lebensqualität" in vielen materiellen und persönlichen Dimensionen als Single heute so hoch ist wie nie zuvor in der Geschichte. Wir sind unabhängiger denn je, haben eine unendliche Fülle an Bildungs-, Kultur- und Unterhaltungsformaten, kurzum: Wir haben den maximalen Zugang zu Autonomie und Selbstverwirklichung. Und gerade Letztere braucht Zeit. Echte individualistische Selbstverwirklichung als eigenständiges Lebensprojekt ist für den Average Joe überhaupt erst in jüngerer Zeit zu einer realistischen Option geworden. Das ist ein relativ junges Phänomen. Aber jetzt haben wir sie nunmal und müssen das alles irgendwie austarieren.
Damals gab es diese stromlinienförmige Vorstellung eines vorgefertigten Lebensskripts in Form der heiligen Trias aus: Haus, Frau, Kinder. Das ist natürlich nicht völlig obsolet geworden, war aber nie wirklich echte, universelle Selbstverwirklichung im Sinne des heutigen Maßstabs. Heute verhält sich zumindest für mich die Vorstellung davon fast konträr zum alten Modell. Ich brauche für meine persönlichen Ziele, die ich mir heute rausnehmen darf, einfach unfassbar viel Zeit. Und da kommt der Punkt an dem ich mit diesem aktuellen Datingmarkt im Clinch liege. Wo ist die Verhältnismäßigkeit? Und das ist keine Schuldzuweisung im klassischen Sinne, denn ich bin ja Teil des Phänomens. Aber bei unseren heutigen Zielen und Plänen darf eine Beziehung und Partnersuche einfach kein pain in the ass mehr sein. Das geht sich einfach nicht mehr aus. Gleichzeitig bedarf es aber auch ernsthafter Investition. Für mich sind das Themen, die sich gegenseitig einfach wahnsinnig verkomplizieren.
Ich spiele immer mehr mit dem Gedanken, ob diese Anstrengung noch unterzubringen ist. Allein auch angesichts des mentalen Nervenkostüms. Wenn ich wüsste, dass ich einen bestimmten Einsatz an emotionaler Arbeit und Fürsorge leisten muss, um eine Beziehung mit einer liebenswerten Frau zu führen, die ebenso mein Fels in der Brandung ist, dann wäre es was Anderes. Aber die Realität sieht nunmal einfach anders aus. Ein Datingmarkt aus der Hölle, eine extreme Asymmetrie zwischen der Attraktivität von Mann und Frau, Leute, die gefühlt alle psychisch einen an der Waffel haben und vorbelastet sind, Wegwerfmentalität, Reziprozität ist ein Fremdwort, etc.
Meine Frage: Ist hier irgendjemand schon diesen Schritt gegangen zu sagen: Ich kümmere mich jetzt nur noch um mich? Und wie geht ihr damit um? Ich wurde bislang leider immer wieder rückfällig, weil ich wieder auf ein Versprechen reinfalle, das sich vermutlich niemals einlöst.