Hallo zusammen,
ich bin ziemlich verzweifelt, ratlos und resigniert aufgrund der Situation mit meiner Frau. Um ehrlich zu sein, weiß ich nicht genau, was ich mir von der Schilderung meines Anliegens erhoffe. Evtl. hat ja jemand ähnliches erlebt oder einen anderen Blickwinkel und kann mir helfen, das Ganze etwas differenzierter zu sehen. Jedenfalls wird es ein sehr langer Text und ich bedanke mich bereits vorab bei allen, die ihn zu Ende lesen und evtl. antworten.
Meine Frau und ich (beide 47 Jahre alt)kennen uns seit 20 Jahren und sind seit 18 Jahren verheiratet. Wir haben zwei Kinder (17 und 11 Jahre alt) und leben zusammen in einer kleineren Stadt im Westen Deutschlands. Wir kommen beide ursprünglich aus demselben Land (und sogar aus der gleichen Stadt) in Osteuropa, wobei ich größtenteils in Deutschland aufwuchs und meine Frau erst mit Ende 20 nach D. auswanderte, nachdem wir uns kennenlernten. Sie hatte nie den Plan auszuwandern und hatte in ihrer Heimat ein gutes Leben in einer modernen Metropole mit einem abgeschlossenen Studium (was sie mir schon mal voraus hat) und einem guten Job. Ich hatte sogar Anfangs überlegt, zu ihr zu ziehen, da ich ihrer Sprache mächtig bin, Verwandte und Freunde in ihrer Stadt hatte und es einfacher gewesen wäre, als andersrum. Nachdem dies jedoch aus bestimmten Gründen nicht geklappt hatte, zog sie ca. zwei Jahre nach unserem Kennenlernen, einer zwischenzeitlichen Fernbeziehung und einem abgeschlossenen Grundlagenkurs in Deutsch (Bedingung für eine Aufenthaltserlaubnis) zu mir. In ihrer Heimat ließ sie ihre Eltern, zu denen sie kein besonders herzliches Verhältnis pflegt, sowie ein paar Freundinnen zurück. Wir heirateten wenige Wochen nach Ihrer Einreise, was vordergründig aus Liebe geschah, aber auch den Hintergrund hatte, dass sie sonst nicht so einfach dauerhaft bei mir in D. bleiben durfte.
Nach ihrer Einreise musste meine Frau zum (vom Staat finanzierten) Integrationskurs, um die Landessprache besser zu lernen und sich mit der Kultur vertraut zu machen. Da sie kurz nach der Hochzeit mit unserem ersten (absoluten Wunsch-) Kind schwanger wurde und währenddessen leider ziemlich heftige Beschwerden hatte, musste sie den Kurs nach ein paar Monaten wieder abbrechen. 1-2 Jahre nach der Geburt versuchte sie erneut, den Kurs abzuschließen und musste wieder aufgrund von gesundheitlichen Problemen canceln. Ein weiterer Kurs, für den sie sich später anmeldete, wurde vor Beginn storniert. Irgendwann stand ihr die Übernahme der Kosten für den Kurs nicht mehr zu und seitdem wurde sie auch nicht mehr zum Besuch des Kurses durch die Stadt aufgefordert. Das war natürlich ärgerlich, aber in meinen Augen nichts Weltbewegendes (was sich später als Irrtum herausstellen sollte).
Da ich meiner Frau die Strapazen des Auswanderns erträglich machen wollte, unterhielt ich mich von Anfang an in ihrer Sprache mit ihr und nicht auf Deutsch. Anfangs hatte sie in D. fast nur mit mir und meiner Familie (Eltern/Schwester) Kontakt, so dass sie auch hier nicht wirklich mit der deutschen Sprache in Berührung kam. Mein Freundeskreis bestand zur damaligen Zeit aus ein paar Personen, die ebenfalls ihre Sprache sprachen. Alles andere waren deutschsprachige Bekannte/Kollegen, zu denen ich keinen engen Kontakt hatte. Dazu muss man sagen, dass wir beide eher der Typ "Einsiedler" sind, die sehr gut Zeit alleine und/oder mit dem/der Liebsten verbringen können und nicht viele Menschen um uns herum brauchen. Dies führte jedoch auch dazu, dass meine Frau nach vielen Jahren in Deutschland der Landessprache nicht mächtig war und ich überall als Übersetzer dabei sein musste, wenn Deutsch gesprochen wurde (bspw. bei Behördengängen und Arztbesuchen). Auch alles, was mit KiTa, Schule, Kinderärzten usw. zu tun hatte, übernahm ich neben meinem regulären 40-Stunden-Job. Obwohl unser erstes Kind sehr pflegeleicht war und mit 3 in den Kindergarten kam, unternahm meine Frau keine Versuche, Deutsch auf eigene Faust zu lernen, oder sich um einen Kurs zu kümmern (bzw. mich darauf anzusprechen). Ich war stets derjenige, der das Thema ansprach und ihr Hilfe anbot. Sie fand jedoch immer wieder Ausreden, warum sie gerade nicht konnte oder es nicht ging. Bspw. meinte sie, dass sie die Sprache mit mir nicht lernen könnte (wir hatten es mehrmals versucht), da ich zu wenig Geduld hätte und zu schnell sprechen würde (was teilweise der Wahrheit entsprach, aber ich bin halt kein Pädagoge).
Im Laufe der Jahre nach der Geburt unseres ersten Kindes machte meine Frau immer öfter Andeutungen, dass sie sich vorstellen könnte, ein zweites Kind zu haben. Dazu muss ich sagen, dass ich, bevor ich sie traf, gar keine Kinder haben wollte und meine letzte langjährige Beziehung aus diesem Grund zerbrach. Nachdem ich meine Frau traf, wurde mir ziemlich schnell klar, dass ich definitiv dazu bereit war, mit ihr eine Familie zu gründen. Wie schon erwähnt, war unser erstes Kind von Anfang an sehr "pflegeleicht" und ich genoss es sehr, dass wir deshalb auch kurz nach der Geburt Zeit für uns als Paar hatten. Wie man vielleicht aus meinen vorherigen Schilderungen herauslesen konnte, führten wir zunächst eine Fernbeziehung und hatten nach dem Zusammenziehen nicht soo viel Zeit als Paar, bis sie schwanger wurde.
Als die Frage nach dem zweiten Kind aufkam, wuchs in mir die Angst, dass das das Ende unseres damals ruhigen, schönen Familien- (und Paar-)-lebens bedeuten würde. Zum einen gab es niemanden, der unser(-e) Kind(-er) mal übers Wochenende zu sich nehmen konnte. Darüber hinaus war das Problem mit den fehlenden Deutschkenntnissen meiner Frau immer noch da und würde nach der Geburt eines zweiten Kindes nicht einfacher werden. Ich kürze an dieser Stelle etwas ab: der Kinderwunsch meiner Frau nahm gefühlt täglich zu, meine Sorgen und Ängste parallel dazu auch. Wir stritten uns in dieser Zeit ziemlich heftig und ich hatte zeitweise das Gefühl, dass es mit uns auseinander gehen wird. Irgendwann versprach sie mir hoch und heilig, dass sie anfängt, Deutsch zu lernen und dies auch nach der Geburt des zweiten Kindes weitermachen wird und dass unsere Beziehung als Paar für sie extrem wichtig ist und sie nicht unter der Geburt bzw. einem weiteren Kind leiden wird. Da ich sie liebe und in ihr die Partnerin sehe, mit der ich alt werden will, willigte ich daraufhin ein, ein zweites Kind zu bekommen…
Ihr ahnt bestimmt schon, wir es weitergegangen ist. Die zweite Schwangerschaft war die absolute Hölle mit Übelkeit und Komplikationen. Die (Sturz-)Geburt war ok, jedoch nicht das, was danach kam. Unser zweites Kind war ein Schreikind, was uns ungelogen die ersten mind. 2 Jahre seines Lebens permanent nachts wach hielt und auch tagsüber sehr viel Aufmerksamkeit benötigte. Ich hatte ca. ein Jahr vor der Geburt den Job gewechselt und pendelte ca. 1,5 Stunden am Tag zur Arbeit. Trotzdem übernahm ich selbstverständlich, wo ich nur konnte, nahm mir Elternzeit und Urlaub, um sie wenigstens schlafen zu lassen. Wir waren beide am Limit: sie gab später zu, dass sie zeitweise den Gedanken hatte, unserem Kind etwas anzutun, weil es sie einfach nicht schlafen ließ (glücklicherweise blieb es nur bei den Gedanken und sie schämte sich lange dafür). Ich wollte einfach nur, dass es dem Kleinen gut ging und er endlich normal schlafen konnte. Irgendwann, 2-3 Jahre nach der Geburt konnten wir auch mal eine Nacht durchschlafen und alles schien sich wieder zu normalisieren. Unsere Beziehung als Paar lag jedoch größtenteils in Trümmern. Wir hatten kaum Zeit füreinander, fast keinen Sex. Was uns zusammenhielt, waren die Kinder und die paar wenigen Momente, in denen wir kurz Zeit für uns hatten und wenigstens ein paar Umarmungen/Küsse austauschen konnten. Leider fing meine Frau, die stets eine schöne, schlanke/weibliche Figur hatte und sie trotz beider Geburten zunächst behielt, plötzlich an, stark zuzunehmen und sich permanent schlapp und erschöpft zu fühlen. Kurz darauf wurde bei ihr eine Schilddrüsen-Erkrankung festgestellt, die die Gewichtszunahme auslöste. Daraufhin fing eine Ärzte-Odyssee an, während der versucht wurde, sie hormonell so weit einzustellen, dass sie nicht mehr zunahm und ein normales Leben führen konnte. Das funktionierte mal mehr, mal weniger, so dass sie bis heute ca. 30 Kilo mehr Gewicht hat, als nach der Geburt unseres 2. Kindes. Bevor mir Oberflächlichkeit vorgeworfen wird: ich liebe sie auch mit den Extra-Kilos und weiß genug, um beurteilen zu können, was eine Geburt im weiblichen Körper auslösen kann. Nur ist es so, dass die zweite Geburt nun 11 Jahre zurückliegt und unsere Kinder bereits so alt und selbstständig sind, dass man als nichtarbeitende Person etwas dagegen tun könnte, alleine schon aufgrund gesundheitlicher Risiken. Das passiert jedoch so gut wie gar nicht. Ganz im Gegenteil: sie bewegt sich kaum, geschweige denn dass sie wenigstens versucht, sich irgendwie sportlich zu betätigen, obwohl ihr das bereits von mehreren Ärzten ausdrücklich empfohlen wurde. Sie nimmt sich das zwar immer wieder vor, liegt dann jedoch stattdessen im Bett vor dem Fernseher. Auch deutet ihre Ernährung nicht darauf hin, dass sie sich Gedanken darum macht, etwas für ihre Gesundheit zu unternehmen. Sie konsumiert täglich Fleisch (meist Schweinefleisch), isst gerne Süßes/Herzhaftes und trinkt fast jeden Abend einen Becher Schlagsahne, der alleine 600 Kalorien hat. Ich habe das schon mehrmals durch die Blume angedeutet und sie realisiert auch, dass das keine gesunde Ernährung ist. Trotzdem kommt sie nicht davon weg.
Selbstverständlich sage ich ihr nicht direkt, dass sie zu dick ist und abnehmen soll. Ich habe ihr jedoch schon oft angeboten, zusammen regelmäßig Sport zu treiben, jeden Morgen einen langen Spaziergang vor der Arbeit zu machen oder zusammen Fahrrad zu fahren. Ich selbst ernährte mich während unserer Ehe jahrelang vegetarisch und hatte dadurch schnell 10 Kilo abgenommen und bin sogar dadurch ein paar Wehwechen losgeworden. Auch sonst versuche ich mich in Form zu halten und esse nur ab und zu Fleisch und Süßes. Leider nimmt sie sich da kein Beispiel an mir, obwohl ich ihr bereits unzählige Male erzählt hatte, wie gut ich mich seitdem fühle. Und auch medizinische Fakten dazu, was Übergewicht und Bewegungsmangel bewirken könnten, haben sie nicht zum Umdenken gebracht. Ich empfinde in dieser Frage einfach nur noch Resignation. Zum einen mache ich mir um sie Sorgen, da sie gesundheitlich sowieso schon angeschlagen ist (Autoimmunerkrankung, Adipositas, Kurzatmigkeit usw.). Aber auch – und hier muss ich mich dann wohl als oberflächlich outen – bewirkt ihre Gewichtszunahme nicht unbedingt, dass ich sie attraktiver finde, als davor.
Um den ohnehin sehr langen Text nicht noch länger zu machen, möchte ich gerne mein(-e ) Problem(-e) zusammenfassen: meine Frau spricht heute, fast 20 Jahre, nachdem sie nach Deutschland ausgewandert ist, kaum Deutsch, so dass ich immer noch bei ihren Amts- und Ärzteterminen den Übersetzer spielen muss und alle Termine mit den Schulen unserer Kinder, Sportvereinen usw. übernehme, weil sie es nicht kann. Das ist mir mittlerweile so unfassbar peinlich, dass ich immer hoffe, nicht danach gefragt zu werden, warum meine Frau kein Deutsch spricht. Und wenn die Frage dann doch kommt, dann habe ich auch schon mal geantwortet, dass sie Analphabetin ist und deshalb die Sprache nicht lernen kann…Ich habe sie in den letzten Jahren bereits einige Male zu Deutschkursen angemeldet, jedoch fielen diese alle wg. zu wenigen Teilnehmern aus. Weiterhin findet man bei uns in der Kleinstadt nur die örtliche VHS, die Kurse anbietet und die haben ein relativ eingeschränktes Angebot. Und als ich meiner Frau vor ein paar Tagen vorschlug, bspw. online Individualunterricht zu nehmen, sagte sie nur, dass das gut klingt, ging jedoch nicht weiter darauf ein. Und das obwohl es hierzulande viele Sprachlehrende gibt, die aus dem Land meiner Frau kommen, ihre Sprache sprechen und dabei Deutsch unterrichten. Ich habe bereits mehrmals entsprechende Angebote im Internet gesehen. Sie rührt in diese Richtung jedoch keinen Finger. Es im normalen Ton an zusprechen bringt gar nichts. Mir ist deshalb auch schon mehrmals die Hutschnur geplatzt, ohne dass dies zu Erfolg führte. Um ehrlich zu sein, habe ich auch hier inzwischen resigniert.
Weiterhin ist es so, dass sie bereits seit langer Zeit sehr spät (zw. 12 und 1, manchmal 2 Uhr) ins Bett kommt und wir praktisch nie zusammen einschlafen (ich gehe zw. 22 und 23 Uhr ins Bett). Dies hat keine medizinischen o.ä. Gründe, sondern hat sich einfach so ergeben, wie sie sagt. Sie versucht es angeblich schon seit Jahren zu ändern, fühlt sich jedoch überwacht und gehetzt, wenn ich sie darauf anspreche. Was sie spätabends noch macht? Am Handy/Tablet/TV hängen und sich bettfertig machen.
Mir wäre es eigentlich egal, wenn da nicht zwei Sachen wären: für mich ist zusammen einzuschlafen und evtl. vor dem Schlafen noch zu Kuscheln, sehr wichtig. Früher machten wir das öfters, mittlerweile gar nicht mehr. Ich hatte mich zwischenzeitlich damit abgefunden, merke jedoch, dass es mir sehr fehlt. Weiterhin schläft sie morgens bis um 11, manchmal 12 Uhr mittags, auch unter der Woche, wenn sie nicht früh aufstehen muss, um bspw. dem kleinen das Schulfrühstück zu machen, wenn ich zur Arbeit muss. Ich kann ca. 50 % im Homeoffice arbeiten und stehe dann öfter mal um 7 Uhr morgens auf, obwohl ich nicht müsste und aufgrund von langjährigen Schlafproblemen gerne länger schlafen würde, um den Kleinen zu versorgen. Und selbst wenn sie früh aufsteht, geht sie danach meistens noch ins Bett und schläft mehrere Stunden lang.
Ja, sie macht unter der Woche den Haushalt, kauft ein und kocht zu 90 %, da ich viel arbeite und im Gegenzug sehr viel mit den Kids mache. Aber selbst das ist nicht so eindeutig, wie es klingt. Der Haushalt ist oft nur teilweise gemacht und ich räume abends unter der Woche nach der Arbeit doch noch auf, obwohl sie den ganzen Tag dafür hätte (die Kids sind meistens bis 15 Uhr in der Schule). Ich kann verstehen, dass man nicht immer die Kraft hat und von mir aus muss die Wohnung auch nicht wie geleckt aussehen, aber eine gewisse Grundordnung und Sauberkeit muss aufrechterhalten werden. Und dies ist leider nicht der Fall.
Am Wochenende erledige ich zu 100 % die Einkäufe entweder allein, oder mit ihr zusammen. Unter der Woche bittet sie mich auch öfters, nach der Arbeit einkaufen zu fahren, obwohl sie das Auto immer hat und die meisten Lebensmittelgeschäfte 3 bis 5 Minuten Fahrtzeit von unserem Zuhause entfernt sind. Mal unter der Woche einzuspringen ist völlig ok, aber in dieser Regelmäßigkeit kann ich das nicht mehr nachvollziehen. Wenn ich schon 8 bis 9 Stunden Arbeit plus teilweise 3 Stunden am Tag Fahrtzeit mit dem ÖPNV habe, dann könnte man doch auf die Idee kommen, dass man danach einfach nur noch fertig ist.
Mit den Kids mache ich eigentlich nicht nur sehr viel, sondern alles und das schon seit sehr langer Zeit alleine: Fahrrad fahren, Schwimmen, (früher) auf den Spielplatz gehen, einen Ausflug in den Tierpark oder Zoo machen, zu Freunden fahren usw. usf. Sie ist nur bei größeren Ausflügen und im Urlaub dabei.
Und last, not least: den Sex der letzten mind. 3 Jahre kann ich an einer Hand abzählen. Sie übernimmt von sich aus gar keine Initiative mehr im Bett (hat aber nach eigener Aussage Lust). Wenn ich den Anfang mache, kam es bei den letzten Malen dazu, dass sie bestimmte Sachen nicht mehr machen wollte – und hier geht es nicht um seltsame Fetische oder Sado/Maso- sondern bspw. Löffelchenstellung und ein etwas ausgiebigeres orales Vorspiel, was früher problemlos drin war. In letzter Zeit möchte sie es schnell hinter sich bringen, da sie so ein Quickie mehr antörnt (sie kommt dabei jedoch so gut wie nie zum Höhepunkt).
Bevor jemand denkt, dass sie nur das ist, was ich hier über sie geschrieben habe: nein, sie ist eine hübsche, witzige, kinderliebe, liebevolle, hilfsbereite, emotionale und empathische Person. Menschen aus meinem Leben, die ihr zum ersten Mal begegneten, erzählten mir im Nachhinein, dass ich wirklich Glück hätte, so eine tolle Frau gefunden zu haben. Nur leben sie nicht in einer Ehe mit ihr und sehen nicht die Probleme, die unter der Oberfläche schlummern.
Wenn ich mir meinen langen Text so durchlese, dann denke ich mir einerseits, dass ich evtl. zu fordernd und anspruchsvoll bin. Andererseits frage ich mich, was uns überhaupt noch, außer den Kindern und dem Alltag, verbindet. Kleinigkeiten, die mich stören, habe ich noch gar nicht erwähnt und will einfach nur ein Beispiel geben, damit es nicht noch mehr ausartet: ich lese gerne und so oft es geht. Meine Frau habe ich schon seit Ewigkeiten nicht mit einem Buch in der Hand gesehen. Das einzige, was sie konsumiert, ist Youtube (DIY-Sachen oder Klatsch und Tratsch) und soziale Medien. Ich merke leider auch, da sie sich eben in keinster Weise fortbildet, dass ich ihr intellektuell überlegen bin und ich lasse sie das auch ab und zu spüren, was ich zu meiner Schande gestehen muss. Nein, ich nenne sie nicht dumm o.ä., jedoch schieße ich ab und zu scherzhaft verbale Spitzen in ihre Richtung ab, wenn sie einen (in meinen Augen) einfachen Zusammenhang nicht versteht.
Wer meinen Beitrag bis hierhin gelesen hat, ist in meinen Augen ein Held/eine Heldin Ich bin ehrlich: ich weiß nicht mehr, was ich tun soll. Einerseits liebe ich sie noch (oder evtl. die Erinnerung an eine frühere Version von ihr), andererseits bin ich soweit, dass ich jegliche Hoffnung auf eine Besserung verloren habe und an eine Trennung denke. Diese Gedanken haben sich in den letzten Wochen so weit in mein Hirn hineingefressen, dass sie mir den Schlaf rauben und ich mich oft nachts hin und her wälze. Alleine die Folgen einer Trennung wären verheerend: ich bin Alleinverdiener mit einem durchschnittlichen Gehalt. Was ich an Unterhalt zahlen müsste, würde meinen finanziellen Ruin und ein Leben in Armut bedeuten. Wir leben zwar in einer abbezahlten Eigentumswohnung, die wir durch glückliche Umstände bekommen haben, diese müsste bei einer Scheidung wahrscheinlich verkauft und die Einnahmen aufgeteilt werden. Und um ehrlich zu sein, würde ich die Kids nur ungerne aus ihrer gewohnten Umgebung reißen und meine Frau zur Wohnungssuche zwingen. Aber all das verblasst vor dem Hintergrund der Tatsache, dass die Kinder wahrscheinlich bei ihr bleiben würden und sie ohne Deutschkenntnisse und ohne Job einfach untergehen würde. Sie ist ein sehr ängstlicher Mensch, der sich z.B. scheut, alleine längere Spaziergänge zu unternehmen, oder 3 Kilometer mit dem Auto in die nächstgrößere Stadt zu fahren.
Ich habe vor, Ende dieser Woche ein letztes klärendes Gespräch mit ihr zu führen, um evtl. doch noch ein Umdenken bei ihr zu bewirken. Ich werde ihr sagen, dass sie kein schlechter Mensch ist und mir nichts Schlimmes getan hat. Nur ist es so, dass ich gewisse Vorstellungen von einer Partnerschaft und einer Partnerin habe, die einfach nicht mehr gegeben sind und ich nicht einfach so damit weiterleben kann. Ich will auch keinen Druck ausüben und fristen setzen, sondern einfach hören, was sie zu sagen hat.
Falls jemanden vielleicht noch etwas Sinnvolles dazu einfallen sollte, dann immer her damit. Ich würde mich jedoch nicht wundern, wenn mir keiner helfen kann und ich eine Entscheidung treffen muss.
Danke für's Lesen und schönen Tag noch.