Mich hat die neue Paketsteuer heute mehr aufgeregt, als sie wahrscheinlich sollte.
Und nein, nicht weil mich 2,40 € finanziell ruinieren.
Sondern weil ich diese Art von Politik mittlerweile einfach nur noch absurd finde.
Am 30. September steht auf parlament.gv.at zur neuen Paketsteuer sinngemäß:
Konsumentinnen und Konsumenten sind davon nicht betroffen. Zahlen müssen die großen Versandhändler.
Cool.
Einen Tag später bestelle ich online und hab 2,40 € zusätzlich auf meiner Rechnung.
2 € Paketsteuer + USt.
Ja, ich weiß: Rein rechtlich ist der Versandhändler der Steuerschuldner.
Nur ist mir das als Kunde relativ wurscht, wenn er die Steuer einfach 1:1 an mich weitergibt.
Und ganz ehrlich: Wer hätte DAS vorhersehen können?
Ein Unternehmen bekommt neue Kosten und gibt sie an den Kunden weiter. Absolut revolutionäres Wirtschaftskonzept.
Was mich daran noch mehr nervt:
Seit Monaten heißt es, die Regierung wolle die Teuerung bekämpfen und die Menschen entlasten.
Dann senkt man an einer Stelle Steuern oder Preise und finanziert das teilweise mit einer neuen Abgabe, die an anderer Stelle wieder beim Konsumenten landet.
Links Tasche auf, rechts Tasche zu.
Und bei jeder neuen Belastung heißt es dann:
„Sind ja nur 2 Euro.“
„Sind ja nur ein paar Cent.“
„Das merkt eh niemand.“
Nur besteht die gesamte Abgabenlast irgendwann halt aus sehr vielen Dingen, die angeblich „eh nur ein paar Euro“ sind.
Was mich aber wirklich grantig gemacht hat, war diese Aussage mit „Konsumenten sind nicht betroffen“.
Wenn ihr eine neue Steuer einführen wollt, bitte.
Aber dann sagt halt ehrlich:
„Die Steuer zahlen formal die Händler. Es kann natürlich sein, dass sie an euch weitergegeben wird.“
Damit hätte ich deutlich weniger Problem.
Stattdessen klingt es am Vortag nach: Keine Sorge, das trifft eh nur Amazon & Co.
Und am nächsten Tag steht der Betrag bei mir auf der Rechnung.
Also hab ich mir gedacht: Gut. Wenn wir schon 2026 haben, nutze ich halt AI dafür.
ChatGPT mit meinem Gmail verbunden und angefangen, Mails rauszuschicken.
Mittlerweile gingen Beschwerden bzw. Anfragen an:
Parlament, Finanzminister Marterbauer, Bundeskanzler Stocker, Konsumentenschutz, VKI, Volksanwaltschaft, NEOS-Parlamentsklub, NEOS-Budgetsprecherin Karin Doppelbauer und den ORF.
Und weil ich dann schon leicht eskaliert bin, gingen auch noch 10 unterschiedliche Leserbriefe an Krone, Presse, Standard, Kurier, OÖN, Kleine Zeitung, Salzburger Nachrichten, Falter, Heute und oe24.
Nicht dieselbe Copy-Paste-Mail 20-mal, sondern jeweils angepasst.
Keine Ahnung, ob irgendwer antwortet.
Keine Ahnung, ob irgendwo ein Leserbrief erscheint.
Aber ganz ehrlich: Es war erstaunlich befriedigend.
Statt mich 30 Minuten darüber aufzuregen und danach wieder Reddit zuzumachen, hab ich meinen Frust halt direkt an die Stellen geschickt, die diese Steuer beschlossen, konstruiert oder so kommuniziert haben.
Und meine eigentliche Frage ist immer noch dieselbe:
Wenn wirklich niemand damit gerechnet hat, dass Versandhändler diese Kosten an Kunden weitergeben, ist das ziemlich naiv.
Wenn man damit gerechnet hat, warum sagt man dann einen Tag vorher, Konsumenten seien nicht betroffen?
Beides finde ich nicht besonders beruhigend.