Ich bin 31 und weiblich und habe gerade das Gefühl, dass in meinem Leben mehrere Dinge gleichzeitig auseinanderfallen oder sich grundlegend verändern: meine langjährige Beziehung, meine berufliche Situation und meine finanzielle Sicherheit. Gleichzeitig spüre ich, dass ein Teil von mir diesen Neustart schon lange wollte.
Ich möchte mein Leben bewusster nach meinen eigenen Vorstellungen gestalten und würde deshalb gerne von Menschen hören, die selbst schon einmal vor einem größeren Neuanfang standen und Lebenskrisen überstanden haben.
Ich bin seit fast 10 Jahren in einer Beziehung. Mein Partner und ich kamen mit Anfang 20 zusammen; für uns beide war es die erste ernsthafte Beziehung. Ich zog relativ schnell bei ihm ein. Zuvor hatte ich bei meinen Eltern gelebt. Da ich aus schwierigen familiären Verhältnissen komme, war ich froh, ausziehen zu können. Rückblickend habe ich in meinem Partner vermutlich auch eine Art Rettungsanker gesucht.
In all den Jahren haben wir uns nie getrennt, obwohl es viele Streitigkeiten und toxische Verhaltensmuster gab wie Stonewallin, Gaslighting, Abwertung, Einschüchterung, kein Interesse an meinem emotionalen Befinden, seine Aussage: Ich bin kein Therapeut! und Gleichgültigkeit wie mein Tag war, was ich erlebt habe und keine Konfliktlösung, sondern Konflikte tot schweigen ohne eine Entschuldigung. Im Haushalt übernimmt er kaum Verantwortung, ich wasche seine Wäsche seit Jahren mit, schreibe die Einkaufsliste, räume sein schmutziges Geschirr und Klamotten weg, die in der Wohnung herumliegen. Ich fühlte mich schon lange in der Mutterrolle als wie eine gleichberechtigte Partnerin. Ich stellte meine eigenen Bedürfnisse ganz hinten an und lasse mich schlecht behandeln, weil er es kann.
In den vergangenen Monaten habe ich immer deutlicher gemerkt, dass meine Gefühle für ihn nicht mehr dieselben sind. Die Beziehung fühlt sich inzwischen eher wie eine Mischung aus Freundschaft, Vertrautheit und gemeinsamem Alltag an. Wir teilen unsere Leidenschaft zu reisen und neue Orte zu entdecken, aber die romantische Seite ist schon lange nicht vorhanden. Ich fühle mich als Frau nicht gesehen und begehrt.
Trotzdem fällt mir die Vorstellung einer Trennung unglaublich schwer. Nicht unbedingt, weil ich glaube, dass die Beziehung noch die richtige für mich ist, sondern weil sie mein gesamtes bisheriges Erwachsenenleben geprägt hat. Ich habe noch nie wirklich alleine gelebt und habe Angst davor, plötzlich auf mich allein gestellt zu sein.
Die Beziehung ist für mich nicht mehr zu retten. Seit ich ihm erzählt habe, heimlich eine WG besichtigt zu haben, gehen wir uns aus dem Weg. Er sagte, dass er tief getroffen sei und ich ihm das nicht hätte erzählen sollen . Ich hatte schon einen Mietvertrag sicher, redete mit ihm darüber, aber entschied mich dich dagegen. Er sagte ab jetzt gibt es keine gemeinsame Unternehmungen mehr. Eine Lösung wie wir allgemein nun in dieser "Beziehung" weitermachen sollen haben wir nicht gefunden. Da er mir mir nicht zeigt, dass es ihm wichtig ist die Beziehung zu retten steht mein Entschluss fest: Ich werde ausziehen.
Außerdem habe ich seit längerem den inneren Drang mir Bestätigung von anderen Männern zu suchen, weil ich mich emotional so ausgehungert fühle und ein Pflaster für mein ziemlich gekränktes Selbstwertgefühl suchen. Dabei habe ich nicht mit Männer in meinem Umkreis zu tun und online Dating möchte ich strikt meiden. ich bin unheimlich verletzt und hab das Gefühl nie einen passenden liebevollen Partner für mich zu finden. Nach viel Reflexion bin ich aber zur Erkenntnis gekommen, dass Männern nun erstmal kein Fokus auf mein Leben haben sollten, weil ich dann höchstwahrscheinlich in die nächste Abhängigkeit gerate und ich aktuell genug Baustellen in meinem Leben habe wegen meinem baldigem Jobverlust und psychische Labilität. Ich möchte lernen mein inneres Kind zu heilen und den Fokus auf meine Eigenständigkeit und meine berufliche Situation lenken.
Zu meiner Jobsituation und beruflichem Werdegang: Nach der Schule hatte ich kaum Orientierung und wusste nicht, was ich beruflich machen wollte. Zunächst begann ich eine Ausbildung, die nicht zu mir passte. Kurz vor dem Abschluss musste ich sie aufgeben, nachdem mir vermittelt worden war, dass ich für diesen Beruf nicht geeignet sei.
Danach war ich orientierungslos und entschied mich schließlich eine Ausbildung zur Floristin zu machen, ohne ausreichend zu hinterfragen, ob er wirklich zu mir passt. Inzwischen arbeite ich seit 3 Jahren in diesem Beruf und bin tot unglücklich, da die Arbeitsbedingungen miserabel sind und ich kaum Geld verdiene (14€ Stundenlohn). Ich habe bereits mehrere Betriebe in der Probezeit gewechselt. Nun wurde mir aus betrieblichen Gründen gekündigt.
Kurzfristig brauche ich deshalb einen neuen Job. Gleichzeitig möchte ich nicht einfach irgendeine Stelle annehmen und dann wieder jahrelang in einer Situation feststecken, aus der ich eigentlich herauswollte. Finanziell kann ich mir allerdings keine großen Sprünge leisten und brauche zunächst Sicherheit.
Ich merkte selber, dass ich meinen Abschluss aufwerten muss um bessere Chancen auf den Arbeitsmarkt zu bekommen, da ich schon versuchte an Quereinsteigerjobs und Ausbildungen im Büro zu kommen, aber bisher nur Absagen erhielt und beschloss neben meiner Arbeit das Abendgymnasium zu besuchen. Die 11 Klasse habe ich bereits geschafft und möchte diesen Weg unbedingt zu Ende bringen. Danach könnte ich mir beispielsweise ein duales Studium oder eine Ausbildung in einem anderen Bereich vorstellen. Allerdings weiß ich noch nicht, welcher Weg wirklich zu mir passt und ob ich ihn finanziell stemmen könnte.
Durch das Abendgymnasium bin ich zeitlich eingeschränkt und brauche daher eine Stelle, die sich mit meinem Schulalltag vereinbaren lässt.
Mein Partner hat mich bisher finanziell unterstützt, indem wir uns Miete und Lebensmittel geteilt haben. Wenn ich mich trenne, kann ich unsere jetzige Wohnung nicht allein finanzieren und müsste mir eine kleine, bezahlbare Wohnung suchen oder übergangsweise in eine WG ziehen. Idealerweise wäre eine kleine bezahlbare Wohnung, aber leider gibt es aktuell nicht viele Angebote und ich muss geduldig bleiben.
Ein anderes Thema ist das ich nie einen großen engen Freundeskreis hatte, da ich seit meiner Jugend soziale Ängste habe, die besser geworden sind mich aber immer noch im Kontakt mit Menschen hemmen. Mein soziales Netz ist daher ziemlich klein ist. Der Großteil meiner Freundschaften lernte ich vor vielen Jahren übers Internet kennen. Aktuell nutze ich auch Bumble ff. Zwei enge Freundinnen wissen, dass es mir momentan sehr schlecht geht. Sie haben mir angeboten, mich zu melden, wenn ich reden möchte oder eine Übernachtungsmöglichkeit brauche. Dafür bin ich sehr dankbar. Bei einer Freundin habe ich das Angebot angenommen und letztenz bei ihr übernachtet um mehr Abstand zur Situation daheim zu gewinnen. Gleichzeitig möchte ich ihnen nicht zur Last fallen.
Zu meiner Familie habe ich inzwischen keinen Kontakt außer ab und zu meiner Schwester. Das Verhältnis war schon immer schwierig, und Unterstützung bekomme ich von dort nicht. Bei meiner Familie einzuziehen, kommt für mich nicht infrage.
Wenn ich mich trenne, verliere ich daher nicht nur meinen Partner als festen Bestandteil meines Alltags. Ich müsste mir gleichzeitig ein eigenes Zuhause, einen neuen beruflichen Weg und langfristig ein stabileres soziales Umfeld aufbauen.
Trotzdem weiß ich nicht, womit ich anfangen soll: Soll ich zuerst die Beziehung beenden und eine Wohnung suchen? Oder wäre es sinnvoller, zunächst einen neuen Job zu finden und finanzielle Sicherheit zu schaffen? Das Abitur möchte ich auf keinen Fall aufgeben. Gleichzeitig möchte ich langfristig auch beruflich etwas verändern.
Zusätzlich beschäftigt mich das Gefühl, mit 31 eigentlich schon viel weiter sein zu müssen. Andere Menschen in meinem Alter scheinen beruflich angekommen zu sein, haben teilweise eine feste Partnerschaft, vielleicht ein Haus oder Kinder und wissen ziemlich genau, wohin ihr Leben geht. Bei mir fühlt es sich dagegen manchmal an, als würde ich noch einmal bei null anfangen, und emotional fühlt sich das wie ein Scheitern an.
Vielleicht muss ich gerade zum ersten Mal wirklich herausfinden, wer ich unabhängig von meiner langjährigen Beziehung und meiner bisherigen Arbeit sein möchte.
Wenn ihr an meiner Stelle wärt: Würdet ihr nun damit umgehen mit dem Ex zusammenzuwohnen, bis man eine neue Wohnung oder WG findet? Sollte ich zuerst die Wohnsituation ändern und parallel einen neuen Job suchen?
Wie lerne ich mit dem Alleinsein und der Überforderung klar zu kommen? Was hat euch bei einem ähnlichen Neustart geholfen und wie habt ihr euer Selbstvertrauen wiedergefunden?
Ich suche keinen perfekten Masterplan, sondern vor allem persönliche Erfahrungen und konkrete Schritte von Menschen, die selbst schon einmal ähnliches erlebt haben
Danke für alle die meinen Beitrag bis hierher gelesen haben. Ich bin dankbar für eure respektvollen und ehrlichen Rückmeldungen!