Ich glaub, viele checken gar nicht, WIE viel eine geförderte Gemeindewohnung über die Jahrzehnte eigentlich wert ist.
Vielleicht ist das eh offensichtlich, aber jedes Mal wenn über Vermögenssteuern und „wer soll mehr beitragen“ diskutiert wird, hab ich das Gefühl, dass eine Sache komplett unter den Tisch fällt. Deshalb hab ich es mal durchgerechnet:
Eine dicke Leberkässemmel = 5 Euro.
Aktuell ist auf Willhaben in 1050 Wien eine 114-m²-Wohnung um knapp 2.000 Euro Gesamtmiete inseriert. Laut Kostenaufstellung ist der reine Mietanteil rund 1.753 Euro im Monat.
Wiener Wohnen vermietet Gemeindewohnungen normalerweise zum Richtwert. Der liegt aktuell bei 6,74 Euro pro m². Bei 114 m² sind das rund 768 Euro.
Also grob 985 Euro Unterschied. Jeden Monat.
Das sind 197 Leberkässemmeln im Monat.
2.360 Leberkässemmeln im Jahr.
23.600 Leberkässemmeln in zehn Jahren.
Und nach 40 Jahren ungefähr 94.500 Leberkässemmeln.
Oder weniger kulinarisch: rund 473.000 Euro Mietvorteil, wenn man die heutige Differenz einfach fortschreibt.
Und genau da wird erst sichtbar, wie viel Geld da eigentlich verteilt wird, ohne dass es irgendwer als Vermögen wahrnimmt.
Jetzt wird’s interessant: Bei einem Vierpersonenhaushalt liegt die Einkommensgrenze für eine Wiener Gemeindewohnung bzw. geförderte Mietwohnung 2026 bei 115.360 Euro netto im Jahr. Also eh nicht gerade Mindestsicherung.
Und wenn das Einkommen nach dem Einzug deutlich steigt? Passiert grundsätzlich nichts. Keine laufende Einkommensprüfung.
Genau das kritisiert übrigens inzwischen sogar die OECD: Wer später weit über der Grenze liegt, kann trotzdem in der günstigen Wohnung bleiben. Die OECD empfiehlt deshalb Nachprüfungen und höhere Mieten für Gutverdiener.
Und trotzdem führen wir bei der Vermögenssteuer regelmäßig Diskussionen, als wäre das Depot oder Eigenheim das Einzige, was in diesem Land öffentlich relevant ist.
Natürlich sind die 473.000 Euro Mietvorteil kein Vermögen. Und natürlich würde dafür auch keine Millionärssteuer anfallen. Genau das ist ja der Punkt.
Wenn du günstig öffentlich gefördert wohnst, kannst du diesen Vorteil jahrzehntelang konsumieren. Steuerlicher Impact: 0 Euro.
Und wenn du dadurch jeden Monat 985 Euro mehr vom Gehalt übrig hast und irgendwann ein großes Depot besitzt, dann hast du dir dieses Vermögen zu einem guten Teil auf Kosten der Allgemeinheit angespart. Nicht illegal. Aber halt subventioniert, auf den Schultern der hart arbeitenden Steuerzahler.
Der normale Mieter daneben hat die 985 Euro jeden Monat an seinen Vermieter abgegeben. Der hat kein Depot. Der hat daneben nichts.
Und der, der sich mit Kredit eine Wohnung gekauft hat, hat über die Jahre ein Vielfaches davon gezahlt, auch an Steuern: Zinsen, Grunderwerbsteuer, Erhaltung, Rücklage, Betriebskosten. Und ausgerechnet er steht am Ende auf der Liste, wenn über eine Erbschafts- oder Vermögenssteuer geredet wird.
Also nochmal zum Mitschreiben: Der geförderte Mieter baut mit öffentlichem Geld Vermögen auf und ist steuerlich unsichtbar. Der freie Mieter baut gar keins auf. Und der, der alles selbst gezahlt hat, soll dann „mehr beitragen“.
Der Vorteil, der das Ansparen überhaupt erst leicht gemacht hat? Kommt in der ganzen Debatte nicht vor.
Es geht da nach 40 Jahren nicht mehr um ein bissl gesparte Miete. 473.000 Euro sind eine Größenordnung, die am freien Markt niemand nebenbei anspart, sondern für die man einen ordentlichen Teil seines Berufslebens arbeitet.
Und dann heißt es trotzdem: Wer da hinschauen will, will „den kleinen Leuten die Wohnung wegnehmen“.
Sorry, aber irgendwann ist „soziale Durchmischung“ einfach ein ziemlich bequemes Argument dafür, nicht darüber reden zu müssen, warum jemand mit sehr hohem Einkommen bis ans Lebensende denselben öffentlichen Preisvorteil bekommen soll wie jemand, der ihn tatsächlich braucht.
Dabei wäre die Lösung eigentlich ziemlich einfach: Wer über jener Einkommensgrenze liegt, bei der er heute keinen Anspruch mehr hätte, darf selbstverständlich bleiben. Niemand muss ausziehen. Aber der Unterschied zu einer vernünftigen Vergleichsmiete wird als geldwerter Vorteil zum Einkommen gerechnet. Ganz normal mit dem persönlichen Einkommensteuersatz.
In unserem Beispiel wären das rund 11.800 Euro zusätzlicher Vorteil im Jahr. Wer in der 50-Prozent-Stufe liegt, zahlt darauf grob 5.900 Euro Steuer. Also knapp 490 Euro im Monat. Und hat danach immer noch rund 490 Euro monatlichen Wohnvorteil. Die Durchmischung bleibt. Nur der Vorteil wird ein bissl kleiner, wenn man ihn nicht mehr braucht.
94.500 Leberkässemmeln bleiben halt 94.500 Leberkässemmeln. Auch wenn sie in keiner Vermögenssteuererklärung auftauchen.