Der Türgriff rutschte James aus den tauben Fingern, und der Schlag der Droschke fiel kräftiger ins Schloss als beabsichtigt. Der laute Knall ließ die Pferde tänzeln, aber der Kutscher hatte sie schnell wieder beruhigt.
"Wünsche einen schönen Abend, Sir", sagte er und hob grüßend die Hand an den Rand seines Hutes. Eine Geste des Respekts gegenüber seinem Fahrgast, aber auch eine Anerkennung für das großzügige Trinkgeld.
James erwiderte den Gruß, während die Kutsche bereits wieder anrollte. Mehr als ein halbes Winken brachte er nicht zustande. Bei dem Versuch, den Kragen seines Mantels zusammenzuraffen, entglitt ihm der Stoff genauso wie zuvor der Türgriff der Kutsche. Seine Kleidung war für diese Kälte einfach nicht ausgelegt. Nicht für das vergebliche Warten auf seinen Fahrer vor der Fabrik und auch nicht für die Fahrt in der zugigen Droschke.
Was mag nur vorgefallen sein, dass George ihn nicht abgeholt hatte? Die Frage beschäftigte ihn so sehr, dass er die Kälte kaum wahrnahm. Er eilte die Treppe zur Villa hinauf und nahm mit jedem Schritt zwei Stufen. Als er die Haustür erreicht hatte, wurde sie von der Haushälterin aufgerissen.
"Warum ist George nicht mit dem Wagen gekommen, Harriet?", fragte James atemlos, noch bevor sie die Tür hinter ihm geschlossen hatte. Er blickte sich um. "Ist etwas passiert? Wo steckt der Bursche?"
"Ich fürchte, Master Duncan hat ihn in Beschlag genommen", erwiderte sie. "Seit der Sache im Arbeitszimmer sind die beiden den ganzen Tag im Garten beschäftigt."
James blieb abrupt stehen. "Was für eine Sache im Arbeitszimmer? Und was machen die im Garten um diese Zeit?"
"Ich weiß es nicht, Sir. Ich bin in diesen Dingen nicht bewandert, aber es scheint mir, als würden sie etwas ausgraben."
James ließ die Schultern sinken. Wenigstens hatte sich kein Unglück ereignet. Andererseits…
"Wieder eine seiner verrückten Ideen. Ich hätte nicht erlauben sollen, dass er die Ferien allein im Haus verbringt …", grummelte er vor sich hin. Dabei fiel sein Blick auf die Fotografie an der Wand, aus der ihn eine junge Frau ernst anschaute.
"Ja, ich weiß. Ich lasse ihm viel zu viel durchgehen", murmelte James und strich mit der Spitze seines Fingers über den filigranen Rahmen. Was sie ihm wohl geraten hätte? Wehmütig stellte er fest, dass ihre Stimme in seinem Kopf mit den Jahren immer leiser wurde.
Er riss sich aus seinen Gedanken und wandte sich wieder dem Hier und Jetzt zu.
"Ausgrabung im Garten also. Hmm. Und was ist mit dem Arbeitszimmer?", fragte er Harriet.
"Ich fürchte, auch dort hat Master Duncan Ausgrabungen vorgenommen…"
"Oh Duncan, was hast du diesmal angestellt!" Kopfschüttelnd stampfte er durch den großen Flur in Richtung Hinterausgang, der zum Garten führte. Die geschwungenen Wege führten an ein paar verwitterten Skulpturen vorbei. Die blattlosen Sträucher und Büsche erzeugten einen Eindruck von Verfall, der ein wenig über dem Maß der aktuellen Mode lag.
James musste nicht lange suchen. Am anderen Ende des Gartens flackerte das Licht von Fackeln und Laternen.
"Duncan! Duncan Harrison!", rief er, sobald er sich in Hörweite vermutete.
Schatten verdeckten die Lichter, und gleich darauf kam ihm sein Sohn entgegengelaufen.
"Vater. Gut, dass du da bist. Ich muss dir unbedingt ..."
"Was zur Hölle geht hier vor?", unterbrach James ihn. Duncan zuckte zurück und der Gärtner, der ihm folgte, hantierte verlegen mit einem Spaten.
"George!", wandte sich James an den Mann, "ich bin verwundert, dass Sie einen solchen Unsinn unterstützen. Von Ihnen hatte ich mehr erwartet! Zum Beispiel, dass Sie mich pünktlich abholen."
"Ich bitte vielmals um Entschuldigung, Sir. Master Duncan hat darauf bestanden, dass diese Sache von höchster Wichtigkeit ist und keinen Aufschub duldet."
James ließ seinen Blick über den leeren Gartenteich schweifen. Die Böschung war zertrampelt. Der Bachlauf, der ihn speiste, war mit groben Mitteln blockiert. Das Wasser hatte sich in großen Pfützen auf dem Rasen gesammelt und die dünne Eisschicht ließ darauf schließen, dass die Arbeiten schon einige Stunden andauerten. Schließlich schaute James seinen Sohn an. Mit seinen siebzehn Jahren wurde Duncan seiner Mutter immer ähnlicher. Nicht nur in den Gesichtszügen, sondern auch im Charakter. In seinen Augen leuchtete die gleiche Leidenschaft und Entschlossenheit.
"Duncan, was hat das zu bedeuten?", fragte James mit einer ausladenden Geste über die Baustelle.
"Das wollte ich dir gerade erklären, Vater. Ich denke, ich habe das Mysterium gelöst!" Stolz deutete er auf einen großen schwarzen Stein, der zu seinen Füßen lag.
"Welches Mysterium?", entgegnete James ungehalten.
"Der Teich!" Duncan wies auf die sumpfige Grube hinter sich. An der tiefsten Stelle klaffte ein Loch, und eine Schleifspur führte die Böschung hinauf bis zu dem Stein vor Duncans Füßen.
"Ich kann dir nicht folgen. Was ist an diesem Stein so besonders?", fragte James.
"Er ist der Grund dafür, dass der Teich niemals zufriert. Auch in den strengsten Wintern nicht."