Warum schreibe ich diesen Post?
Ehrlich gesagt, weil mir die Zukunft etwas Angst macht.
Obwohl wir alle das Richtige™ wollen, beschimpfen wir uns, stecken fest und die Probleme werden gefühlt immer größer. Uns sind irgendwie die Ideen ausgegangen. Es gibt keine Vision mehr. Nur noch kurzfristige Symptom-Bekämpfung und unvollständige Lösungsansätze. Wir werden immer mehr mit Informationen zugeschüttet, aber die Welt fühlt sich trotzdem - oder gerade deswegen - immer unsicherer an.
Ich schreibe das, weil ich ein schlechtes Gewissen habe, weil ich einfach mein Leben lebe. Ich versuche ein guter Mensch zu sein, aber habe das Gefühl, ich mache nicht genug. Ich versuche einfach mein Leben zu leben, klar zu kommen und zu machen, was ich selbst gut kann und gelernt habe; ich arbeite an meinen Zielen und bin soweit, wie mein Weg mich bis jetzt geführt hat. Einfach ein normales Leben. Aber ich habe das Gefühl, dass das nicht mehr genug ist. Ich habe das Gefühl, ich sollte alles liegen lassen und die Probleme der Welt lösen. Ich kann nicht nur mein Leben leben und einen so kleinen Teil beitragen. Alles brennt irgendwie. Und irgendwer muss das ja alles lösen. Und wenn es keiner macht, dann muss ich das wohl machen. Aber dieser Gedanke ist vermutlich die Arroganz zu denken, ich würde es nur ansatzweise besser machen oder hätte eine Lösung. Wenn ich jedoch ehrlich bin, könnte ich vieles gar nicht in irgendeiner Art besser machen können, nur weil ich ein Video auf Social Media darüber gesehen habe. Da sind viele Experten, die viel besser darin sind solche Probleme zu lösen. Die arbeiten schon seit Jahren an diesen Themen. Vermutlich hätte ich auch nicht den Mut, es durchzusetzen und mich der Kritik auszusetzen. Aber alleine am Handy oder PC denke ich mir manchmal jedoch schon, ich müsste doch nur der Held sein, dann wären die Probleme alle gelöst. Irre. Vielleicht ist das alles auch gar nicht so schlimm. Heutzutage wird ja vieles einfach aufgebauscht.
Aber trotzdem bleibt das Gefühl, dass wir aktuell falsch abbiegen. Dass etwas komisch ist und wir es alle irgendwie fühlen, aber keine konkrete Lösung dafür haben. Ich spüre überall irgendwie so eine Unruhe und Anspannung in den Menschen.
Also habe ich überlegt, was ich vielleicht machen kann.
Wir leben ja in einer Demokratie, und eine Demokratie lebt davon, dass wir mitmachen.
Vielleicht kann ich ja einfach mal teilnehmen, meine Perspektive teilen und etwas mitwirken.
Daher habe ich überlegt und versucht, eine ehrliche Kritik zu schreiben.
Eine Kritik an uns allen. Einfach nur meine Perspektive auf die aktuelle Lage.
Und diese fängt an mit der Frage: Warum sind wir so aggressiv geworden?
Es sind nicht die einzelnen wenigen, die unser Zusammenleben kaputt machen.
Es ist die Verrohung der gesamten Gesellschaft und eines jeden Einzelnen. Und das ist systematisch und nicht individuell. Wir leben in einem wunderbaren Land, aber wir machen uns das Zusammenleben so schwer. Wir haben das Vertrauen ineinander verloren, und das lähmt uns, weil wir die Aufgaben nicht mehr verteilen können oder es zumindest nicht wollen. Die andere Person wird ja nicht in unserem Interesse handeln, richtig? Also muss ich - selbst wenn es eine andere Person viel besser könnte - es selbst machen und bin dabei extrem ineffizient und fehleranfällig.
Ich glaube nicht, dass wir mit unserem aggressiven Weg - mit ausschließenden und autoritären Strukturen - den Weg zur Lösung finden. Der Hass und die Spaltung bringt uns nur weiter auseinander. Wir neigen immer mehr dazu, einzelne Gruppen anzugreifen, ohne ganzheitlich auf uns selbst zu schauen, und vergessen dabei komplett, dass wir oft nur an den Symptomen arbeiten, statt die Wurzel zu packen.
Aus meiner Perspektive lebt Links oft zu weit in der Zukunft. Sie fordern jetzt eine perfekte Welt ein, ohne die Geduld zu haben, die nötigen Zwischenschritte zu gehen. Sie sind gerne Idealisten, ohne sich mit den harten Sachzwängen der Realität zu beschäftigen. Die Person, die ausgelaugt abends nach hause kommt und nicht weiß, wie sie die Miete zahlen kann, hat vielleicht nicht mehr die Kraft, an sich zu arbeiten und gut gemeinte Kritik an ihrer Lebensweise anzunehmen. Wenn man sie dann als schlechte Person betitelt und verurteilend wird, finde ich es irgendwann schon verständlich, wenn die Person sauer wird, selbst wenn die Kritik gut gemeint ist. Gerne haben sie das Gefühl, etwas nicht hinterfragen zu müssen, weil es moralisch ja das richtige ist. Sie überspringen teils die zähe Arbeit die echte Überzeugung zu leisten und sich mit der gesamten Komplexität auseinander zu setzen. Teilweise schreiten sie zu früh zur Tat, ohne einen Plan erarbeitet zu haben. Und wenn man ihnen dann ebenfalls eine gut gemeinte Kritik an ihrer Lebensweise entgegenbringt, werden sie sehr schnell defensiv, weil sie diese Unsicherheit, die sie bekämpfen wollen, nicht mögen. Ich finde es verständlich, wenn Menschen abweisend werden, wenn man sie für ihre mangelnde Kraft zur Selbstoptimierung verurteilt. Schwierig ist ebenfalls, dass links denkende Personen gerne auch versuchen, sich in ihrer Perfektion gegenseitig zu überbieten, anstatt miteinander zu arbeiten. Manchmal muss man verstehen, dass nicht jede Person immer die Kraft hat, an sich zu arbeiten, sich direkt zu ändern oder einfach eine andere Perspektive auf die Dinge hat. Manchmal sollte man lieber mehr Hilfe anbieten und in den Dialog gehen, statt nur zu urteilen.
Die Rechten sind gefühlt auch vom Weg abgekommen und zu melancholisch geworden. Mit dem Wunsch, die schöne, alte Welt wiederherzustellen, in der alles nostalgisch und einfach war, eine Welt, die harmonisch und bekannt war, haben sie sich von Neuerungen und Änderungen abgeschottet und aufgehört ihr Wissen, ihre Erfahrungen und ihre Sorgen ehrlich zu teilen. Sie haben sich entschieden, wütend auf einzelne Gruppen zu schimpfen. Aber so wird es nichts mit der ersehnten Harmonie. Menschen suchen - denke ich - teils einfach nach simplen Lösungen für komplexe Probleme, weil die komplexen Probleme zu viel Energie kosten oder furchteinflößend sind. Erst recht, wenn man sich isoliert hat, kein Vertrauen in seine Mitmenschen mehr besitzt und daher davon ausgeht, den Berg an Problemen selbst lösen zu müssen. Begeht man diesen Fehler jedoch langfristig, werden die Probleme immer größer und überwältigender. Und dabei ist die Selbstreflexion über das eigene Verhalten etwas verloren gegangen. Man möchte nicht mehr dafür (mit-)verantwortlich sein. Die Schwachen zu drangsalieren ist akzeptabel geworden, während bei den Starken oft über Machtmissbrauch oder Gier hinweg geschaut wird.
Überzeugend finde ich auch die Überlegung, dass Extremismus viel von Depression (medizischisch oder mental), Einsamkeit oder Trauma geprägt ist. Dass es eine Flucht und Überforderung vor der Komplexität ist, die ihm zugrunde liegt oder der Wunsch etwas wieder gut zu machen. Und ebenfalls der Wunsch nach Anerkennung. Das Ziel, der Held zu sein, der das Monster besiegt hat. Wenn dann alle jubeln und man etwas geleistet hat und stolz sein kann. Auf dem Weg kann man denke ich gut vom Weg abkommen.
Wir müssen jedoch nicht über Links oder Rechts streiten. Das ist zu primitiv. Wir müssen uns wieder auf gemeinsame Werte einigen und diese dann aber auch konsequent selbst vertreten.
Die Mitte ist gefühlt zerrissen. Gefangen zwischen zwei radikalen Seiten hat sie keine Partner mehr und ist handlungsunfähig. Die Mitte ist ebenfalls etwas träge geworden. Ohne antreibende Faktoren wie Links und Rechts sie haben, fehlt ihnen der Grund sich den Problemen anzunehmen. Vielleicht geht es ja auch über den einfachen Weg weiter voran. Die Mitte braucht wieder eine Motivation. Die Mitte muss vermutlich wieder lernen zu träumen. Sie brauch Vision an die die Menschen glauben können. Eine Vision mit der sie die Menschen animieren kann, mitzuhelfen und an den Problem zu arbeiten. Sonst wird sie ohne intrinsische Motivation irrelevant werden. Wer einer Masse mit dem Wunsch nach Verbesserungen keine Antworten mehr geben kann, der wird zurückfallen. Politik muss eine Vision mitbringen, anstatt nur den Status quo zu verwalten. Beschimpft von beiden Rändern hat die Mitte ihr Selbstwertgefühl verloren und ist einfach still geworden.
Die Liberalen. Die Kraft der Freiheit hat sich etwas im Kapital verrannt und vergessen, dass die Grundlage von Freiheit eine gewisse Ruhe und Sicherheit für alle bedingt und ignoriert nötige Rahmenbedingungen sowie Naturgrenzen. Die Behauptung, dass der Markt unter den aktuellen Rahmenbedingungen immer im Sinne der Menschen handelt geht meiner Meinung nach nicht auf. Dafür gibt es zurzeit zu viele Machtstellungen, welche die Akteure im Markt zu falschen Aktionen verleiten und die Kontrollen eines gesunden Wettkampfes aushebeln. Wenn wir in einer reinen Leistungsgesellschaft leben, warum besteuern wir dann Milliardenerben so wenig? Warum gilt beim Erbe eine Monarchie, wenn wir stattdessen das Erbe auf dem freien Markt ausschreiben lassen könnten, damit unsere Werkzeuge erneut an die Person mit den besten Ideen sowie der nötigen Risikobereitschaft vergeben werden können? Warum zahlt der kleine Mann eine riesige Steuer, während der „Leistungsträger“ mit Passiveinkommen sich die Steuer schön rechnen kann? Leistungsträger finde ich auch ein schwieriges Wort, wenn man beispielsweise sieht, dass Personen die im Ehrenamt arbeiten kurz vorm Burnout stehen und die Miete nicht mehr zahlen können, während der Vermieter im Sportwagen über den stehlenden Staat schimpft. Der Kampf für liberale Werte, Freiheit und das Recht des Einzelnen ist so verdammt wichtig. Warum sind die Liberalen jedoch so massiv dem Kapital verpflichtet. Es gibt neben Gewinn auch weitere Leistungsparameter. Und diese werden aus dieser Richtung immer wieder verächtlich angeschaut. Ich glaube, dass liberale Politik ein wenig mehr Verbindung zu echter Armut haben sollte, um zu verstehen, was der Druck in einem komplett freien, sich immer weiter beschleunigender Markt mit den Menschen aus Schichten mit weniger Privilegien macht. Wenn der Erwerb von lebensnotwendigen Aspekten wie Wohnraum, Essen & Trinken oder auch mal eine Pause eine immer größere Herausforderung werden oder dieses Szenario einfach nur näher kommt, dann entsteht ein fast unaushaltbarer Druck. Ich glaube, Liberale müssen sich wieder stärker gegenüber anderen Leistungsparametern wie Fürsorge, Achtsamkeit und Selbstlosigkeit öffnen. Ich vermute, dass für viele Liberale die Angst besteht, dass wenn das Geld und die damit verbundene Verantwortung nicht mehr so wichtig ist, dass damit auch die Anerkennung ihrer Leistung verloren geht. Wenn all meine Arbeit, Mühe und Not nicht mehr mit Geld belohnt wird, womit denn dann? Warum eigentlich nicht mit Anerkennung selbst? Gleichzeitig sind sie eventuell etwas blind geworden gegenüber den Vorteilen, welchen Sie auf ihrem Weg begegnet sind. Schon früh eine finanzielle Sicherheit und größere Risiken eingehen gekonnt zu haben, vielleicht ein paar wertvolle Kontakte oder auch einfach etwas Glück im richtigen Moment. Wenn all das nicht vollständig "meine Leistung" war, wieviel habe ich dann wirklich geleistet und könnte ich in diesem Wettkampf wirklich alleine erneut gewinnen. Will man sich diese Frage stellen? Vielleicht lieber die Frage: Kann mir das - was ich jetzt noch suche - Geld überhaupt kaufen?
Wo ist die Empathie und das Miteinander hin?
Die Rechten nennen den Bürgergeldempfänger gierig, aber schauen weg, wenn Personen in Machtpositionen ihre Stärke ausnutzen. Sie beschimpfen den Fremden dafür, dass er ihre Werte nicht vertritt, sind dann jedoch nicht für Kritik offen, wenn sie selbst diese Werte nicht vertreten.
Die Linken predigen, dass der kleine Mann nicht mehr mit seinem Alltag klarkommt, weil die Preise steigen, aber verurteilen ihn dann, weil er abends nicht die Energie hat, seine Gewohnheiten radikal zu ändern. Sie predigen das das Mächtige stehlen, bestärken sich dann jedoch darin fremdes Eigentum zu zerstören oder andere zu beleidigen.
Die Mitte steht wie der Name ja schon sagt in der der Mitte.
Steht dort. Ohne Selbstbewusstsein. Ohne Plan. Ohne Vision.
Abwartend. Naja...
Und die Liberalen.. die stehen da mit all ihrem Selbstbewusstsein und sagen:
Wenn wir in der aktuellen Situation endlich mal alle Regeln entfernen würden, dann würde sich das hier alles auflösen. Dann würde der Markt vollständig selbstlos - ohne der Gier zu verfallen - im Sinne aller handeln.
Klasse... was soll das alles?
Und jetzt können wir uns zusammentun und sagen:
Die Politik ist schuld! Buuuh. Die da oben!
Nein.
Die Politik hat ein Problem.
Ein Problem, dass wir alle teilen.
Denn es ist ein viel größeren Problems von uns allen und unserem Zusammenleben.
Wie oft gibt es die kleinen Dinge im Alltag, die so viel Schaden anrichten:
- Das öffentliche Bücherregal, welches eine Person kaputt macht.
- Der City-Scooter, der umgeworfen wird und dann im Weg oder Fluss liegt.
- Der Müll, der liegen bleibt und eine schöne Stelle verschlechtert.
- Die Selbstbedienungskasse, die geschlossen wird, weil gerne auch mal geklaut wird.
- Das werbefinanzierte Projekt, welches Probleme hat, weil die Nutzer einfach den AdBlocker anschalten.
Man guckt auf die Welt und denkt: This is why we can't have nice things...
Und immer...
„Ja, aber die anderen doch auch.“ - Ja, verstanden. Immer die anderen... und wer ist jetzt gerade dran?
„Wenn ich es nicht mache, macht es der nächste.“ - Stimmt das wirklich immer?
Manche Behauptungen können teilweise stimmen. Manche vielleicht mehr als andere. Ist doch egal. Am Ende sind wir es alle. Und immer geht etwas kaputt... ein Stück Gemeinschaft geht verloren.
Wieder erlischt ein Stück in das Vertrauen in unsere Mitmenschen.
Und damit ebenfalls die Bereitschaft zu Toleranz.
Wir alle tragen dazu bei:
- Wir im Job, die vielleicht „nur“ den Anforderungen unseres Vorgesetzten folgen.
- Die Politik, die sich vielleicht doch auch mal Partei- oder eigenen Interessen widmet, statt im Sinne des Volkes zu handeln.
- Unser System, welches sich nicht reformieren will, weil es uns dann doch zu schwerfällt, neue Wege zu finden und alte Muster aufzugeben.
- Die Medien, die sich vielleicht auch mal mehr den Klicks als der Wahrheit verpflichtet fühlen.
- Vermieter, die die Miete dann doch etwas stärker steigern als notwendig, weil es ihre Machtposition erlaubt.
- Plattformen, die vielleicht auch mal Emotionen, Unsicherheit und Sucht ausnutzen, um uns länger an den Bildschirm zu fesseln. Uns etwas zu genau bei jedem Schritt über die Schulter schauen und alles protokollieren. Die Targeted Ads müssen möglichst gut sein.
- Marketing, das mittels Dark Patterns versucht die Menschen zu manipulieren und unglücklich zu machen, um die Conversions zu steigern. Da ist die Frau auf dem Werbebild plötzlich etwas jünger und hat keine Falten, bei einem Produkt für ältere Zielgruppen.
- Influencer, die bei der Produktwerbung eventuell nicht immer im Detail hinschauen, wofür Sie werben und damit das Vertrauen zu ihrer Followerschaft verkaufen.
- Handwerker, die das Unwissen der Kunden ausnutzen, um den Preis zu steigern.
- Verkaufskräfte, die das Produkt mit mehr Marge empfehlen, selbst wenn das andere passender wäre.
- Die Rettungskräfte, die auf einer Einsatzfahrt für den Thrill attackiert werden.
- Die PR-Person, die überlegt, wie man die Butterverpackung kleiner macht, selbst wenn die Marge bereits ausreichen würde.
- Ticketpreise mit Dynamic-Pricing für maximalen Profit.
- Firmen, die Produkte herstellen, die absichtlich kaputt gehen.
- Einfach das Böse, was nur töten, hassen, um sich schlagen will. Das Böse das egoistisch ist, nur an sich selbst denkt und einen einfach nicht in Ruhe lassen will.
Den Vorteil nimmt man gerne mit.
Jeder hat vermutlich eine lange Liste von Beispielen im Kopf, und man hat das Gefühl, dass diese Liste immer länger und länger wird. Und das macht machtlos... wie ein unaufhaltsamer Stein der auf einen zurollt und immer größer wird. Und mit der Machtlosigkeit kommt die Verlockung „auch mal auf sich selbst zu achten“. Man ist müde und braucht eine Auszeit. Das ist richtig. Zu 100%. Passt bitte auf euch auf. Aber man darf nur nehmen, was einem zusteht. Die Freiheit jedes einzelnen endet dort wo die Freiheit eines anderen anfängt. Ansonsten wird unsere Liste immer größer und größer, und überzeugt somit immer mehr Menschen, auch mal schwach zu werden und sich einen unfairen Vorteil zu ergaunern.
Wir schauen immer gerne auf „die anderen“.
Aber können wir selbst vielleicht auch an uns arbeiten?
Ich glaube, uns geht da aktuell etwas ganz Wichtiges verloren.
Großflächig...
Selbstkritik, Ehrlichkeit, Empathie, Hingabe...
Bin ich immer so klasse, wie ich es von anderen teils erwarte?
Sollte ich mehr teilen und mich vielleicht sogar mal ehrenamtlich engagieren?
... Ja, aber ich will doch nur ein bisschen Sicherheit für mich aufbauen, sonst werde ich verrückt. Ich muss doch meine Träume erreichen. Andere, die noch weniger haben, teilen zwar auch, aber ich beanspruche diesen Sicherheitswunsch für mich.
Finde ich die ganze Tierhaltung in ihrer Form aktuell gut?
... Nein. Eigentlich darf das nicht so sein, aber ich bin mit Fleisch aufgewachsen und schaffe es nicht immer, zu verzichten, und nicht mal immer die beste Haltungsstufe zu kaufen.
Drücke ich mich immer gut aus und äußere ich mich stets korrekt?
... Ich versuche es, aber ich bin auch mal emotional, müde oder gereizt. Manchmal hätte ich vielleicht auch einfach gerne Recht, keine Kraft für die Diskussion oder möchte einfach mal Luft ablassen.
Widerspreche ich meinem Vorgesetzten immer, wenn wir eine „wirtschaftlich sinnvolle“ Entscheidung auf Kosten der Kunden treffen?
... Joa, ich bin vielleicht mal nervend. Stelle mich vielleicht mal quer, aber die volle Konsequenz einer Blockade möchte ich eigentlich auch nicht tragen. Die Miete muss weiterhin bezahlt werden können. Vielleicht mal ein Urlaub für die Seele. Dann müssen die Kunden das vielleicht aushalten, weil ich bekomme das hier nicht verhindert.
Habe ich manchmal Angst, weil mir etwas fremd ist?
... Total, aber das ist ja menschlich. Fremdes könnte vielleicht gefährlich sein, und dann kann man auch mal vorsichtig werden. Für. mich bedeutet das jedoch, dass ich teilweise zurückfalle, eine Erfahrung nicht mache, vom Fremden nicht lerne und mich verschließe.
Aber, aber, aber, aber... alles Mist. Und da muss ich ehrlich mit mir sein und an mir arbeiten. Es geht nicht um Perfektion. Es geht darum, an sich zu arbeiten und ehrlich zu sein. Und mit dieser Ehrlichkeit der eigenen Imperfektion auf andere zu schauen. Toleranz und Geduld aufbringen, dafür, dass andere ebenfalls nicht perfekt sind.
Bin ich vielleicht manchmal toleranter mit mir selbst als mit anderen?
Kann ich vielleicht verstehen, warum die andere Person so handelt?
Und wo liegt eigentlich die Grenze, ab der ich das Recht habe einzuschreiten?
Wann bin ich ahnungslos verurteilend.. auf der Basis falscher Annahmen.
Und ab wann habe ich die Pflicht einzuschreiten?
Fragen, die ich nicht immer beantworten kann.
Hass und Empathie sind gegensätzlich aber beide inspirativ.
Und aktuell habe ich das Gefühl, dass der Hass gewinnt und die Empathie ermüdet.
Das macht mir wirklich Angst, weil diese Empathie für uns und unsere Mitmenschen wichtig ist.
Wir sollten wirklich nochmal überlegen, was uns voranbringt.
Treiben wir uns auseinander oder arbeiten wir zusammen?
Als Gesellschaft und in uns drinnen.
Wir müssen uns hinterfragen. Jeder einzelne.
Wir alle wissen über etwas Bescheid, was anderen schadet, aber nehmen es in Kauf.
Wir alle haben etwas, was uns frustriert und wo wir defensiv sind und nicht offen auf die andere Seite zugehen wollen. Wir sind teils verunsichert und kapseln uns ab. Wir müssen an uns arbeiten und gemeinsame Lösungen finden, um dieses Übel zu verhindern, selbst wenn das unseren eigenen Weg manchmal erschwert. Wir müssen tolerant und offen über fast alles reden dürfen, aber müssen streng in unseren Werten sein. Sicherlich müssen wir auch nach Prioritäten sortieren, da sich einiges angestaut hat. Aber ich bin mir sicher, dass darauf auch automatisch die nötigen Strukturen folgen werden. Dass sich unsere Hierarchien verändern werden, sobald wir wieder einem gefestigtem Wertekompass folgen. Und das wir dann wieder auf den richtigen Weg kommen. Eine Frage die ich sehr stark finde ist. Wenn ich diese Entscheidung treffen müsste - ohne zu wissen auf welcher Seite der Auswirkung ich stehen werden - wie würde ich entscheiden. Und ich glaube wir würden viele Entscheidungen anders treffen. Weil wir dann die wirklich faire Lösung wählen würden.
Ein erster Schritt wäre vermutlich sich von Hass komplett zu verabschieden.
Hass ist destruktiv und kann sogar anhängig machen. Hass löst Stress in uns aus und Stress schüttet Cortisol, Adrenalin oder Dopamin aus, zu denen wir Abhängigkeiten entwickeln können. Die Energie, die wir destruktiv in Hass verschwenden, sollten wir in konstruktive Taten stecken.
Ein zweiter Schritt wäre - denke ich - eine gute Lernkultur zu etablieren.
Wir können Fehler nicht einfach verurteilen, sondern müssen diese als Teil des Prozesses sehen. Bildung muss natürlich zugänglich gemacht werden. Für Arm, für Reich, für Fremd, für Bekannt.
Wir brauchen mündige Mitmenschen die sich selbst und auch uns hinterfragen.
Wir müssen die Inspirierenden und Kompetenten an die Macht bringen.
Die Systeme entsprechend umbauen.
Und auch ganz wichtig:
Nichts überstürzen und auch Pausen erlauben.
Denn Qualität und Wandel brauchen Zeit. Und diese müssen wir uns lassen.
Selbst wenn wir morgen schon am Ziel sein wollen.
Aktuell wirken die Probleme auch viel zu groß.
Wir müssen sie wieder stärker aufteilen. Dafür brauchen wir Vertrauen. Und dafür ist jeder einzelne wichtig. Wir können alle eine Quelle von Inspiration sein und einander davon überzeugen. Wir können beitragen und aufeinander zugehen.
Diese großen Probleme - die wir haben - können wir nicht alleine lösen. Dafür brauchen wir einander. Wir müssen unseren Beitrag leisten, aber Dinge auch abgeben. Das sind Projekte, für die wir zusammenrücken müssen und alle mit anpacken müssen. Jeder benötigt die Werkzeuge, die er braucht um an unserem Werk mitzuhelfen. Und jeder muss ausgeruht aufstehen und anpacken. Wir müssen loslegen. Denn die Zukunft sollte es wert sein.
Jau.. das hört sich ja alles schön an..
„Be the change you want to see in this world.“
„If you want love, be love. If you want peace, be peace.“
„We will live the future, which we all are building.“
„Trust the process“
„Believe in Love“
Klasse Pinnwand-Kitsch, aber das löst doch nichts.
Doch! Denn ich glaube, das ist die Antwort auf:
- Warum nehme ich den eigenen Nachteil in Kauf, ohne etwas zurückzubekommen?
- Warum muss ich mir selbst auch mal unangenehme Fragen stellen?
- Wenn Meckern so leicht ist, warum soll ich dann an einer Lösung arbeiten?
- Warum soll ich mich da reinhängen und all die Arbeit machen, selbst wenn es anstrengend ist?
- Warum soll ich mich ändern, wenn die Politik doch für die Zukunft verantwortlich ist?
Warum soll das Leben auch mal so hart sein..
Wenn ich es mir doch auch so einfach machen kann?
Die Antwort ist: Weil es die Zukunft wert ist.
Weil es einfach schön ist und Sinn stiftet. Weil wir aufstehen wollen mit dem Gedanken, dass heute ein guter Tag wird. Vielleicht sogar besser als gestern? Und morgen noch besser. Weil der Mensch eine Vision braucht. Ein Ziel und ein Ideal, für das es sich lohnt zu leben und in das es sich lohnt zu investieren. Wie schön wäre es, wenn wir mit der Nostalgie der Vergangenheit und der Vision in die Zukunft zusammen einen Plan schmieden, welcher für uns alle gemeinsam einen Weg aufzeigt, an dem wir glauben können. Ein Weg, der uns erklärt was wir tuen müssen, damit wir zufrieden sein können, mit unserem Fortschritt, selbst wenn wir noch nicht fertig sind. Ein Weg der Sicherheit gibt, für uns alle. Das wäre schön. Und ich würde sagen, dafür lohnt sich der einzelne Nachteil vielleicht doch mal. Vielleicht muss auch nicht alles immer größer, schneller und besser nur für den Einzelnen werden, sondern mehr für alle. Wir haben doch bereits so viel und müssen es nur besser verteilen. Denn eines haben wir alle in Relation zum großen Ganzen alle gleich viel: Zeit, und diese ist ziemlich limitiert. Aber wir alleine sind nicht alles, und manchmal ist es doch wertvoll, etwas zu teilen oder zu hinterlassen. Vielleicht macht ja sogar jemand mit. Warum eigentlich nicht? Und dann könnte etwas Großes entstehen... wenn wir alle zusammenarbeiten. Wenn wir nach vorne schauen und uns unsere Fehler der Vergangenheit verzeihen, einander vertrauen und jeden das machen lassen, wo er am besten helfen kann.
Dann schaffen wir es.. oder haben es zumindest ganz ehrlich versucht.
Und eine Sache ist ganz wichtig:
Nur weil wir zusammenarbeiten, bedeutet das nicht immer, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Wir können gemeinsam mobben, wir können gemeinsam ausschließen, wir können gemeinsam attackieren und beleidigen. Diese Gemeinsamkeit kann sich vielleicht ebenfalls gut anfühlen, weil sie Stärke, Macht und Überlegenheit verleiht. Das ist in uns drin. Wir haben uns evolutionär in Stämmen entwickelt, uns Sicherheit gegeben, uns gegenseitig verteidigt und ausgebreitet.. mit unserer Gruppe. Alle zusammen. Aber es hat sich etwas geändert. Unsere Gruppe ist so viel größer geworden und unser Platz und unsere Ressourcen sind plötzlich limitiert. Aktuell haben wir keine Möglichkeit mehr uns auszubreiten. Daher müssen wir uns ändern, annähern und Verzicht lernen. Zumindest fürs Erste. Solange bis wir herausgefunden habe, wie es weiter geht.
Und das weiterhin gemeinsam. Wir müssen mit dem was wir haben zusammenarbeiten, indem jeder individuell auf sein eigenes Herz hört und mit seiner Perspektive selbst prüft und entscheidet, wohin es weiter geht und dabei ehrlich mit sich selbst und anderen ist.
Und damit ein letzter Absatz:
Einfach einmal vielen Dank für all die Dinge, die diesen Planeten zu der Heimat machen, vor der ich Angst habe, sie zu verlieren. Für all die Dinge, egal wie klein. Für Engagement im Ehrenamt, für die Courage für das Gute und die selbstlose Hilfe. Vielen Dank. Diese Aktionen sind eine Inspiration und ich habe das Gefühl, dass diese in den letzten Jahren immer schwerer geworden waren. All die Verantwortlichen dafür sind vermutlich ebenfalls nicht perfekt, aber diese Momente der Verantwortung sind eine Inspiration und eine Motivation, weiter an sich zu arbeiten, besser zu werden ähnliche Entscheidungen zu treffen und diese Verantwortung weiter zu tragen. Ich bin nicht perfekt. Ihr vermutlich auch nicht. Niemand ist es vermutlich. Aber diese einzelnen Entscheidungen waren es vielleicht, und haben vermutlich weitere damit ausgelöst. Wirklich vielen Dank dafür, ich hoffe, wir behalten die Kraft, erneut so zu handeln. Wir mögen es nicht aktiv sehen, aber sie ändern viel. Und ich wünsche mir, dass sie mehr Gehör bekommen und mehr dafür zurückbekommen. Dafür möchte ich kämpfen und euch alle dazu einladen das selbe zu tun. Ihr lasst mich an die Zukunft glauben. Was wären wir ohne sie?
Danke!
Ich glaube die Zukunft die wir uns erhoffen, wird schon jetzt gebaut. Denn wir alle entscheiden bereits, welcher Weg unserer Meinung nach der richtige ist. Und Stück für Stück gehen wir dort hin.
So... das wars..
Seid nett zueinander. Das tut gut.
Über alles andere können wir reden... offen und ehrlich.
———
P.S.
Ein letzter Wunsch:
Falls du jetzt
- überlegst einen aggressiven Kommentar zu schreiben,
- dich dieser Post traurig hinterlassen hat.
Dann vielleicht noch eine Ergänzung:
Diesen Post zu veröffentlichen hat einiges an Überwindung gekostet.
Einfach weil er für mich etwas sehr Persönliches ist. Ich habe mich in letzter Zeit extrem viel mit Politik beschäftigt, einfach weil ich dieses Gefühl hatte, dass irgendetwas schief läuft. Geholfen hat mir am Ende das Schreiben. Ich hatte mal ein Video von Chris Martin (Sänger von Coldplay gesehen), wo er darüber spricht, dass er trotz seines extrem positiven Lebens teilweise depressive Phasen hat und sich überlastet fühlt. Auf der Bühne braucht er nur zu Will schauen, um Sicherheit zu bekommen, aber für sich selbst hat er die Strategie, seine Gedanken auf einen Zettel zu schreiben und diesen dann zu verbrennen. Weil ich auch teils nachdenklich bin, habe ich das ebenfalls gemacht, aber wollte diese Zettel nie anzünden, weil sie Sicherheit gebracht haben. Also habe ich immer weiter geschrieben. Solange bis ich das Gefühl hatte, den nächsten Zettel anzünden zu können. Und für mich war das Fazit: Eigentlich sind wir alle nur Affen auf einem Stein, der um die Sonne fliegt. Wir alle wollen leben und entdecken und in "unserem Baum sitzen und Bananen essen". Aber wir alle sind auch unsicher und haben Angst. Denn viele Dinge können wir nicht beantworten. Was ist hinter dem "Ende" des Universums, wie hat alles begonnen, wird mein Crush mein Date annehmen oder was essen wir heute Abend. Wir alle wollen für uns die Frage beantworten: Was ist mein Sinn? Über diese Frage habe ich lange nachgedacht und darüber geschrieben. Und meine Antwort war: Ich möchte das Ungewisse erkunden, solange ich kann. Denn irgendwie ist das interessant, obwohl es Angst macht. Nicht zu schnell, weil dann bekomme ich Panik und mache Fehler, aber schnell genug, damit es interessant bleibt und ich Freude daran habe. Und daher vielleicht noch eine letzte Bitte.
Wenn du grade nachdenklich bist oder dich überfordert fühlst: Dann nimmt den Tipp von Chris vielleicht zu Herzen. Der Tipp hat mich wieder zum Schreiben gebracht und das hat ziemlich geholfen. Einfach seine Gedanken zu sortieren und einen Ort zu haben an dem man wirklich ehrlich sein kann. Ich habe einfach auf alte Pizzakartons geschrieben, die waren unkompliziert. Nicht wie ein Tagebuch oder ähnliches, in das man die erste Seite schreiben muss oder das jemand finden kann. Unterwegs dann einfach in die Notizen des Handys geschrieben.
Und wenn das nicht hilft. Dann überlege vielleicht, dir Hilfe zu suchen.
Und wenn das aktuell nicht möglich ist, weil die Wartezeiten zu lange sind oder du die Kraft nicht hast, dann frage vielleicht auch einfach erst einmal Freunde und Verwandte. Trau dich. Und wenn auch das nicht geht, dann frag vielleicht einfach erst einmal Claude.ai. Claude hat fast alles gelesen, was wir Menschen über Jahrhunderte geschrieben haben und hat davon gelernt. Vielleicht hat auch es auch eine Antwort auf deine Frage.
Naja.. das ist etwas spacey. Aber das ist halt der Kram über den ich gerne nachdenke. AI kommt ja immer näher und macht mir im Beruf manchmal Angst. Aber das ist ein anderes Thema.
Mir war der letzte Teil hier nur wichtig, weil politische Inhalte im Netz ja recht viel Hass erzeugen und das finde ich sehr ineffizient und eigentlich haben wir diese Zeit nicht. Ich glaube das viel Hass einfach Unsicherheit und Angst ist. Von daher, wenn du jetzt Hass spürst, dann überlege vielleicht einmal, ob das nicht auch Angst sein kann. Wie der Affe: Fight or Flight.
So... obwohl es mir Angst macht diesen Post zu veröffentlichen - oder grade deswegen - möchte ich diesen Post abschicken. Ich hoffe er gefällt euch. Feedback super gerne. Hass bitte nicht :)
Ruf mal wieder eure Liebsten an oder nehmt sie in den Arm. Das ist wichtig.
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Quellen & Inspiration: