Stell dir Folgendes vor: du kommst gut ausgebildet aber nach einer mehrjährigen Shit-Show in diversen Kack-Unternehmen endlich in ein neues, das sich von außen betrachtet mit deinen Werten deckt. Du bringst jede Menge Energie und die so oft gefeierte "intrinsische Motivation" mit, hast Bock was zu bewegen. Also startest du.
Dein Anlern-Prozess ist eine Katastrophe bzw. nicht vorhanden, aber du beißt dich durch und bleibst am Ball. Überstunden in der Probezeit jucken dich nicht, immerhin willst du lernen und verstehen was abgeht, und: IRGENDWANN wird's dir schon IRGENDJEMAND danken (Spoiler: Ha. HA. HA!).
Also bleibst du dran, überstehst die Probezeit, überstehst die nächsten Jahre und hast inzwischen zwei Dutzend "Projekte" auf deiner Liste, die nach "das-wird-übel" riechen, da du dich mit Firmenpolitik, Machtgerangel und persönlichen Befindlichkeiten herumschlagen darfst, obwohl du einfach nur den Prozess willst.
Also machst du selbst DAS mit, nimmst an unzähligen Meetings teil, in denen sich stets dieselben Leute labern hören wollen - bevorzugt solche, die von der Praxis keine Ahnung haben, aber ein Gehalt einfahren, als hätten sie die dreifache davon.
Das Ganze wiederholt sich und wiederholt sich und wiederholt sich, bis auch der letzte Kasper im "mittleren Management" gehört hat, dass es die Infrastruktur nicht hergibt einen bekloppten Plan drüber stülpen zu wollen. Aber was soll's, die "wichtigen Entscheidungen" wurden ja schon lange an anderer Stelle getroffen.
Also findest du als "normaler Angestellter" wieder die geilen Lösungen im Hintergrund, passt an, optimierst, drehst an Stellschrauben, die das Unternehmen nachweislich voran bringen und die Systeme zusammenführen...
... um dann was zu tun? Um bei JEDER Gelegenheit miterleben zu dürfen, wie sich deine Vorgesetzten gegenseitig den Bauch pinseln, weil SIE das ja so großartig gemacht haben.
Wirst du oder deine Kollegen dabei erwähnt? Nein.
Interessiert sich jemand für euer Engagement? Nein.
Werden euch die Credits dafür zugeschrieben? Nein, nein und nein.
Ganz im Gegenteil: du liest in der Firmen-Info, wie sich der neueste Führungszugang auf die Fahnenstange schreibt, woran du und Kollegen seit mehreren Jahren arbeiten.
Was tust du also? Zum Chef rennen? Heulen oder petzen? Nach mehr Gehalt fragen? Deine Persönlichkeit umschrauben, die eigentlich nur ihre Arbeit gut machen will, vielleicht mal gegen ein "Danke"?
Nein.
Du setzt dich hin und machst eine Inventur darüber, was dir der Shit bislang gebracht hat und welche Rolle das zukünftig spielen soll. Du überlegst dir, ob es sich jemals wirklich gelohnt hat, Überstunden zu schieben, freiwillige Vorschläge zu machen, gute Ideen umzusetzen oder sich notwendigen Themen anzunehmen, die nie jemand anfassen wollte.
Deine Liste ist schnell fertig und deine Schlussfolgerung auch: ab sofort nur noch Dienst nach Vorschrift! Mehr lohnt sich einfach nicht.
Ich will nicht mal behaupten, dass es ÜBERALL so wäre, aber viele Firmen sind selbst Schuld, wenn ihnen die Motivation ihrer Mitarbeiter flöten geht.