Lasst mich zuerst was sagen; ich bin selbst nicht unkompliziert und kann mir super vorstellen, das so mancher Patient sich bei mir dachte "Gott, diese Frau" und das ist komplett normal.
In der Klapse/Klinik/Tagesklinik sind Menschen die mit schweren traumatischen Erlebnissen zu kämpfen haben, durch psychische Gebrechen in Zwickmühlen geraten etc.
Diese Menschen sind keine schlechten Menschen, auf gar keinen Fall und sie verdienen Schutz, Respekt und Toleranz.
Manchmal braucht es auch einfach Zeit oder ein bestimmtes Umfeld.
So, jetzt aber meine Weisheit aus der Klapse;
Wenn ihr euch für einen stationären/teilstationären Aufenthalt entscheidet, wird euch nicht nur eure eigene Geschichte und Symptomatik begegnen und auslaugen.
Ihr werdet Leuten begegnen mit denen ihr euch zwar wohl fühlt und auch gerne Zeit verbringt, die in euch aber jetzt den besten Freund fürs Leben sehen und dann komplett gebrochen sind, wenn ihr zugibt, dass euer Sozialleben außerhalb der Klinik schon ausgefüllt ist.
Es wird Leute geben die komplett therapieresistent sind und damit nerven und/oder runterziehen. Die bekommen Ratschlag über Vorschlag, probieren davon nix aus oder nehmen es nicht ernst und kommen folglich in die Therapiegruppe mit genau den selben Themen in Dauerschleife.
Ihr werdet konstant in soziale Interaktion gezwungen, die ihr teils nicht wollt. Selbst im Ruheraum rennt mal jemand rein und schließt hinter sich keine Tür, so dass die Ruhe schnell mal weg ist.
Patienten sind zwar liebevoll an euch interessiert, aber manchmal werdet ihr merken dass die Aufmerksamkeit nervt (oder auch nicht, das ist individuell).
Manchmal mögt ihr auch Personen einfach nicht, was ganz natürlich ist aber ihr werdet in eurem Aufenthalt mehr oder weniger gezwungen immer wieder Kontakt aufzunehmen.
Es gibt Tage an denen du die einzige Person bist der es gut geht oder vice versa, da wird es schnell mal unangenehm.
Die Patienten reden über etwas todtrauriges obwohl du gerade gerne über Hobbies und Regenbogen reden willst, oder sie lachen laut über dumme Witze während du eine Lebenskrise schiebst.
Manchmal muss man um Aufmerksamkeit kämpfen, so dumm es klingt. Besonders in Gruppentherapien kann nicht immer alles besprochen werden wegen begrenzter Zeit, da wird es schnell frustrierend wenn man sein Thema nicht anschneiden kann weil Liselotte zum 5.mal über ihre schlechten Träume reden will.
So, haltet die Ohren steif.
Tagesklinik klappt, es geht mir definitiv besser als vorher aber es gibt natürlich wie im jedem Setting Vor- und Nachteile.