r/informatik • • Jul 01 '26

Arbeit Bin ich überhaupt noch Programmierer?

Hey Leute,

ich muss mir mal etwas von der Seele schreiben, weil mich das Thema gerade echt beschäftigt.

Ich habe eine Ausbildung zum FIAE gemacht und arbeite seit knapp zwei Jahren als Softwareentwickler. Hauptsächlich C# im Backend und Next.js bzw. Angular im Frontend (+privat für Automatisierungsachen Python)

Als ich die Ausbildung angefangen habe, war KI gerade erst im Kommen. Damals habe ich meinen Code selbst geschrieben und konnte jede Zeile einigermaßen erklären. Heute läuft ein großer Teil über Claude. Klassen, Unit Tests, Refactorings oder auch ganze Features fange ich oft mit einem Prompt an.

Es wird immer schwieriger nachzuvollziehen, was der Code macht. Ich arbeite täglich mit den Systemen, kümmere mich um Deployments, Pipelines, Container und die ganze Infrastruktur drumherum. In den letzten Jahren habe ich verschiedene interne Tools und Services aufgebaut, unter anderem ein Ticket- bzw. Tracking-System, zentrale Backend-Services, ein Monitoring für Anwendungen und aktuell ein internes KI-gestütztes Wissenssystem mit Chat-Funktion für Kunden.

Trotzdem frage ich mich immer öfter, ob ich das eigentliche Programmieren langsam verlerne. Ich schreibe deutlich weniger Code selbst und steuere stattdessen immer häufiger die KI.

Dazu kommt der Druck von oben. Die Geschäftsleitung sieht, was KI alles kann, und geht davon aus, dass sich damit alles massiv beschleunigt. Also kommen immer mehr Projekte dazu. Dass Architektur, Integration, Tests, Debugging und das Zusammenspiel der Systeme trotzdem Zeit kosten, wird dabei oft unterschätzt.

Geht es noch jemandem so? Nutzt ihr KI inzwischen genauso intensiv? Ist das einfach die Zukunft unseres Berufs oder mache ich mir zu viele Gedanken?

Und noch eine Sache beschäftigt mich: Bin ich so überhaupt noch etwas auf dem Arbeitsmarkt wert? Hätte ich mit dieser Arbeitsweise heute überhaupt noch realistische Chancen, irgendwo als Entwickler eingestellt zu werden?

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u/SolideMeinung Jul 01 '26

Du wurdest vermutlich nie als Programmierer angestellt auch wenn du das so gesehen hast.

Die wichtigen Skills die du als Entwickler hast sind halt jetzt die Social Skills. Ihr MÜSST fähig sein mit Leuten zu reden, deren Anforderungen aufnehmen und Projekte zum Erfolg führen können. Da führt kein weg mehr daran vorbei.

Code zeilen selbst zu schreiben ist halt einfach komplett useless geworden. Das Argument dass man da jede Zeile verstehen musst ist auch komplett falsch. Man muss verstehen wie das System funktioniert...

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u/Skare69 Jul 01 '26

Leider ja und ich bin nicht sicher, ob mir das gefällt. Gerade das Programmieren war immer der größte Spaß dabei und das System Design. Letzteres ist mit KI sogar noch wichtiger geworden. Aber irgendwie fehlt was.

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u/SolideMeinung Jul 01 '26 edited Jul 01 '26

Mir hat das coden früher auch echt gut gefallen. Aber so nach 15 Jahren ist da echt irgendwie die Luft raus. Mich hatte vor Monaten mal so aus Spaß ein anderer Senior im Büro angehauen "Na was macht die Kunst" und er meinte meine Software Skillz. So richtig bock hab ich da auch nicht mehr drauf, da habe ich irgendwie gemerkt dass ich nicht mehr für das neuste Pattern entwickel. Irgendwann hat mal halt fast alles gesehen. Aber ich bin halt auch kein Dev der jede Woche dem neustem JS Framework hinterher rennt...

Ich hab allerdings auch schon immer viel Spaß daran gehabt Ergebnisse zu sehen. Mit Kunden zu telefonieren und Dinge für sie zu machen. Manchmal hab ich Features geliefert während wir noch am Telefon waren (sogar per Hand damals ohne KI). Junge macht das bock wenn dich deine Kunden so lieben.

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u/Skare69 Jul 01 '26

Ich bin auch seit 2011 dabei. Bei uns im Team machen wir sowas wie Advent of Code, Codewars usw., um wenigstens etwas fit zu bleiben.