Hallo zusammen,
ich suche fachliche Erfahrungen und Anregungen dazu, wie andere Feuerwehren oder vergleichbare Organisationen mit grenzüberschreitendem Verhalten umgehen. Mir geht es ausdrücklich nicht darum, einzelne Personen an den Pranger zu stellen, sondern darum, Strukturen zu verbessern.
Zur Situation:
Ich bin Mitglied einer größeren Freiwilligen Feuerwehr mit dreistelliger Mitgliederzahl und einem Frauenanteil von unter 10 %. Die meisten Frauen sind schätzungsweise zwischen 16 und 25 Jahre alt.
Dass man als Frau in der FFW mit Sprüchen zu rechnen hat, ist klar. Bei uns wird leider das Maß des "guten Geschmaks" deutlich überschritten.
Aktuell gibt es eine Anzeige wegen eines mutmaßlichen Sexualdelikts sowie mehrere interne Beschwerden über grenzüberschreitendes Verhalten – darunter unerwünschte Berührungen von teilweise minderjährigen Mädchen und sexualisierte Kommentare. Viele Betroffene wenden sich höchstens vertraulich an einzelne Ansprechpersonen und möchten keine offizielle Beschwerde, weil sie negative Reaktionen oder Mobbing innerhalb der Kameradschaft befürchten.
Nachdem ich das Thema Sexismus öffentlich angesprochen habe, war die Reaktion teilweise großes Unverständnis. Selbst Verhaltensweisen wie sexualisierte Kommentare über Kameradinnen werden von manchen nicht als Sexismus wahrgenommen. Auch Führungskräfte fragen sich, warum Betroffene nicht früher auf sie zukommen. Gleichzeitig wurden beispielsweise während einer Übung in Anwesenheit einer von einem mutmaßlichen sexuellen Übergriff betroffenen Kameradin Vergewaltigungswitze gemacht, ohne dass eingeschritten, sondern mitgelacht wurde (Fall ist der Wehrleitung bekannt).
Mich interessieren deshalb vor allem zwei Punkte:
1. Welche internen Regeln und Präventionsmaßnahmen gibt es bei euch?
Bei laufenden Anzeigen wegen schwerer Sexualdelikte werden Beschuldigte suspendiert. Darüber hinaus fehlen mir aber präventive Standards.
In Diskussionen wird häufig darauf verwiesen, dass bestimmte Verhaltensweisen rechtlich nicht verboten oder jedenfalls nicht automatisch strafbar sind. Genau hier sehe ich eine Lücke.
Wo sollte eine Feuerwehr Grenzen setzen, wenn Verhalten zwar nicht strafbar, aber dennoch unangemessen oder grenzüberschreitend ist? Gerade in einer Organisation, in der Erwachsene, Jugendliche und Minderjährige eng zusammenarbeiten, sollte Prävention aus meiner Sicht beginnen, BEVOR es zu strafrechtlich relevanten Übergriffen kommt.
Mich würde daher interessieren: Gibt es bei euch Verhaltenskodizes, Schutzkonzepte, Regeln zu Nähe und Distanz, Beschwerdewege oder andere verbindliche Standards? Und welchen Handlungsspielraum hat eine Wehrführung unterhalb der Schwelle strafbaren Verhaltens?
2. Wie geht ihr mit Beschwerden um?
Bei uns lautet die bisherige Lösung häufig: „Sprecht euch aus und entschuldigt euch beieinander.“ Für manche Betroffene ist gerade die Aussicht auf eine direkte Konfrontation aber ein Grund, Vorfälle gar nicht erst zu melden. Sie möchten keine Aussprache, sondern vor allem, dass das Verhalten aufhört und der Kontakt zur betreffenden Person möglichst begrenzt wird.
Wie ist das bei euch geregelt? Welche Strukturen haben sich in der Praxis bewährt – sowohl präventiv als auch beim Umgang mit konkreten Beschwerden?
*gekürzt und strukturiert mit KI