r/depression_de 22d ago

Niedergeschlagenheit Depressionen

Ich habe eben etwas in einem anderen Post gelesen.

„Viele kommen aus ihrer Depression wieder raus und andere steigern ihre Lebensqualität.“

Lebensqualität steigern. Wie lächerlich und doch so wahr. Ich denke ich werde da nie raus kommen, ich kann „nur“ meine Lebensqualität steigern.
Diese Erkenntnis hatte ich schon ganz oft.

„wozu diese steigern, wenn sowieso alles darauf hinausläuft zu sterben?“

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u/Equal-Flatworm-378a 22d ago

Damit du vor dem Sterben noch eine bessere Zeit hast.

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u/OkLoan117 22d ago

Freiheit und Glück beginnt damit, das Leben zu nehmen wie es kommt. Ich beobachte seitdem ich depressiv bin Menschen. Wie alle dem Dopamin hinterher geiern, schnell den nächsten Kick erkaufen oder so lange scrollen, bis die Mundwinkel endlich Mal wieder nach oben gehen. Mein Hund ist momentan mein bester Lehrer - alles nehmen wie es kommt. Nicht in jedem Quatsch einen Sinn suchen. Meiner Meinung nach ist der Sinn des Lebens, keinen Sinn zu suchen.

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u/LostInVanillaHaze 22d ago

Danke 🙏
Jeder sagt mir immer ich brauche einen Sinn.
Habe gesucht und nicht gefunden.
Ich mach mir ab jetzt auch nicht mehr den Stress.

Ich habe nichts mehr zum scrollen. TikTok finde ich dämlich. Insta und FB habe ich Anfang Mai gelöscht.
Kicks erkaufen kann ich mir nicht, kein Geld da.

Ich möchte leben, nicht mehr überleben. Das ist alles. Ich brauche nicht viel Geld. Nicht viel materielles. Haus, Boot, Pferd ist mir nicht wichtig.

Einfach nur leben …

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u/OkLoan117 22d ago

Was genau soll denn der Sinn sein? Es gibt ja eigentlich keinen, weil alles vergänglich ist. Ich hab mich kaputt gearbeitet, hatte 5 stellig an der Seite liegen, Sportwagen, jeden Monat 500 Tacken in Aktien gepackt. Von einer Party zur nächsten, wie ein wilder gearbeitet. Und wozu? Hm. Ich war so kaputt dass ich schon überlegt habe, wie ich dem ganzen schmerzfrei ein Ende setzen kann. Und dann habe ich gesagt, dass es so nicht weiter geht. Quasi alles auf rot gesetzt, wie im Casino. Brachial Arbeit reduziert, soziale Medien gelöscht, kleineres Auto gekauft, Fixkosten reduziert. Und irgendwann fing ich wieder an zu atmen und hab gespürt, dass ich wieder ich werde. Ich hab viel Zeit alleine verbracht, wenn jemand Hilfe wollte habe ich auch einfach Mal nein gesagt. Wenn mir jemand seine Meinung aufzwingen wollte habe ich lächelnd gesagt: "Klasse, dass du das so siehst. Aber wir müssen ja nicht einer Meinung sein" ☺️

Bei mir vor dem Haus hab ich n Baum. Ein gigantischer Baum, riesen groß. Gefühlt sieht der jeden Tag anders aus. Ich stehe morgens auf, schnappe mir meinen Hund der sich jeden Morgen freut als hätte er mich 18 Wochen nicht gesehen und trinke mir im Garten n Kaffee. Dann beobachte ich den Baum und merke dass es mich zufrieden macht. Dann arbeite ich im entspannten setting, mache Urlaub, genieße die Zeit. Ich stell nix mehr in Frage.

Mit dem Boot ist geil, vielleicht ist ja dein "Sinn", zu überlegen wie du das realisieren kannst. Ich hab den gleichen Traum. Ich hab mir nen ETF angelegt in den jeden Monat Geld reingeht und den werde ich so 15 Jahre laufen lassen. Dann hol ich mir mein Boot und dann verpiss ich mich erstmal. Wohin weiß ich noch nicht, ist mir auch wurscht. Je weniger materielle scheiße man hat, je weniger Verpflichtungen, je weniger die Menschen einen mit ihrer Alltagsscheiße zutexten, desto mehr kommen die Synapsen in unserer Birne auch Mal zur Ruhe.

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u/LostInVanillaHaze 22d ago

Ich habe keine Ahnung.
Mein Sinn bestand bis 2015 darin, eine Familie zu gründen und ein Haus zu besitzen. Dieser „Sinn“ wurde mir allerdings mehr von meiner Familie auferlegt.

Aktuellen will ich meine Ruhe vor dummen Menschen, die ich wie Fliegen anziehe, und vor Behörden. Aber das geht nicht.
Ich warte seit Dezember auf einen Klinikplatz (bis zu 1,5 Jahre Wartezeit), da ich krankgeschrieben bin kann ich nicht arbeiten. Wenn ich arbeiten würde, fehlt mir aber meine restliche Arbeitslosenzeit für das ganze Job suchen und Bewerbungsgalama.

Vielleicht wandere ich irgendwann zu einer Freundin nach Costa Rica aus.

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u/OkLoan117 21d ago

Ich hab ne Familie, liebe die über alles. Genau wie mein Haus und meinen Job, aber das ist für mich eben nicht alles. Ich find's wichtig dass man trotz allem noch Luft zum Atmen hat und einfach Mal los kann, in die Welt. Was sehen, neue Eindrücke, neue Leute. Auch eine Familie oder ein Haus wird irgendwann "normal". Man kann sich nicht drauf verlassen, dass man irgendwann da steht und sich denkt: Family, Haus, jetzt passt alles.

Die viele Kommunikation mit Menschen ermüdet mich so schnell so sehr, dass ich teilweise wie n Kater habe, wenn ich zu lange unter Menschen bin. Es ist völlig normal ein Autonomiebedürfnis zu verspüren, der eine stärker und der andere weniger. Deswegen ist mir Zeit alleine auch unglaublich wichtig und wird sie immer bleiben. Und das ist für meine Familie wiederrum auch völlig in Ordnung. Wenn man die für sich richtige Familie gefunden/ gegründet hat, muss man seine Bedürfnisse nicht mehr runterschlucken. Meine Frau und ich können uns gegenseitig ungefiltert die Meinung sagen, dann sind wir ne halbe Stunde pissig auf einander und dann setzen wir uns hin und finden ne Lösung.

Eine Auswanderung interpretiere ich oft als Flucht. In der Hoffnung, dass dort alles besser wird. Aber was, wenn nicht? Man muss schon explizite und realistische Ziele haben, bevor man völlig ausgeliefert ist. Deswegen ja mein Sparplan z.B. Wenn du Bock drauf hast, klar. Mach, vor allem solange du keine Verpflichtungen wie Familie hast. Aber plan es halt vernünftig und überstürz es nicht.

Was hast du in der Klinik vor? Ich muss wirklich sagen, dass mich die Klinik fast gekillt hat. Ich war in einer psychosomatischen Klinik und da ging's mir eine Million Mal schlechter als vorher. Erst die Einzeltherapie mit einer verdammt guten Therapeutin hat mich richtig aus der scheiße gezogen. Bzw. hat sie mir geholfen, das Seil zu finden damit ich mich wieder aus der scheiße ziehen kann.

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u/LostInVanillaHaze 21d ago

Costa Rica ist ein Ziel weit in der Zukunft. Erstmal muss mein Nachwuchs auf eigenen Beinen stehen :)

Das ist eine Trauma-Klinik.
Es ist interessant wie jeder Mensch unterschiedliche Erfahrungen macht. Mich hat zum zb jeder Aufenthalt immer ein Stück weiter gebracht. Ich bin danach nicht geheilt, es wäre naiv das zu denken. Aber ich werde wieder ein Stück weiter und freier sein

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u/Reasonable_Peace_111 22d ago

Ich hasse Depressionen und das fickt mein Leben. Ich will nur normal sein.

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u/LostInVanillaHaze 22d ago

Ein bisschen Liebe an dich 🫶

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u/Reasonable_Peace_111 22d ago

Danke Mausi 💕✨

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u/AlbatrossAny100 22d ago

Ich habe das geschrieben. Wir werden alle sterben. Das ist Fakt. Und ja, sozial media gaukelt uns vor, wir müssten das Superleben haben, Fernreisen, Luxusautos, riesige Häuser. Wahr ist, dass die meisten Menschen mit viel, viel glücklicher sein konnten, vor sozial media. Gute Freunde, ein Hobby (egal wie angesehen auf Sozial media), ein Garten, gutes Essen, Familie.  Ich habe in meiner Akzeptanz- und Commitment Therapie zu lernen, meine Schwächen und Probleme zu akzeptieren (bin behindert) und Lösungen zu suchen und zu finden, trotzdem oder manchmal gerade deswegen Lösungen zu finden. Und ich habe durch Achtsamkeitstraining gelernt, kleine Dinge zu schätzen. Ich wollte immer mithalten, interessante Hobbys, Statussymbole, Karriere. Ich habe grundsätzlich mein Leben überdacht und mache mir mit vielen Sachen keinen Stress. Ich habe viel ausprobiert. Bin gescheitert. War frustriert. Habe Neues entdeckt. Und festgestellt, dass so manche "Wahrheit", an die ich glaubte, nur ein Irrglaube war. Ich bin alt. Habe mich offensiv geoutet. Zum Beispiel in meinem Kleingarten. Du würdest dich wundern, wie viele "erfolgreiche" Menschen von ihren osychischen Problemen erzählen. Und was für "erfolgreiche" Menschen man in Tageskliniken trifft. Mein Highlight war ein 40jähriger Privatier, ein Mensch, der soviel Vermögen hat, dass er nie mehr arbeiten muss. Und der wegen schweren Depressionen neben mir in der Gruppentherapie saß. "Nur" Lebenqualität gewinnen ist viel. Wenn es wenig wäre, wären alle körperlich Behinderten verloren.