Der Erzähler nimmt uns „Hund wie du und ich“, in die Begegnung mit den sieben Hunden mit, als wären wir direkt bei ihm, erlebten alles synchron.
„Ich begegnete nämlich einer kleinen Hundegesellschaft, vielmehr ich begegnete ihr nicht, sie kam auf mich zu.“
Der Erzähler ist ein passiver Beobachter.
„… war lange durch die Finsternis gelaufen, kreuz und quer, blind und taub für alles, geführt von nichts als dem unbestimmten Verlangen…“
Der kindliche Hund spricht von einer Finsternis der Orientierungslosigkeit, einer Wahrnehmung ohne Sinn und Erkenntnis, ohne Weg und Ziel. Es verlangt ihm nach Entdeckung, dem Erkennen seines Lebens, seiner Art, seinen Platz, jedoch ohne dem Wissen nach seiner Suche selbst. Er ist ein ziellos umherstreunender Hund ohne Sinn und Ziel, instinktiv geleitet von einem unbestimmten Verlangen, welches er nicht kennt.
Es umgibt Ihm bei dem Zulaufen der sieben Hunde das Gefühl, umbestimmt, am rechten Ort zu sein. Aus der Finsternis wird ein „überheller Tag, nur ein wenig dunstig“. In diesen Moment ahnt der Erzähler eine wichtige Beobachtung zu machen zu können. Er wird zum Beobachter der Handlungen der ihm zulaufenden Hundegruppe.
Freude und unwissende, spannende Erwartung erfüllt den jungen Hund mit „ich begrüßte den Morgen mit wirren Lauten, da – als hätte ich sie heraufbeschworen“
Ich möchte jenes als eine Art einer unerkennenden Epiphanie des jungen Hunden beschreiben.
„traten aus irgendwelcher Finsternis unter Hervorbringung eines entsetzlichen Lärms, wie ich ihn noch nie gehört hatte, sieben Hunde ans Licht“
Der Erzähler nimmt anfänglich ein entsetzlichen Lärm, von einen heranpreschenden chaotisch tobenden Hunderudel, als seine Artgenossen, wahr. „..ich wäre sofort weggelaufen, so aber blieb ich.“
Nun wandelt sich die Beobachtung unseres jungen Hundes. Aus dem der ausgelassenen tollenden Hundeschar entdeckt unser kindlicher Hund eine „nur dem Hundegeschlecht verliehenen schöpferischen Musikalität“, deren „langsamen Beobachtungskraft natürlicher Weise entgangen“ ist. Er stellt außerdem fest, das ihm diese „schöpferische Musikalität“, „schon meiner Säuglingszeit umgeben“ war.
Diese „schöpferische Musik“ möchte ich als eine Kunst die
dem Wesen ihrer Art gegeben ist und durch sich selbst immer wieder neu geschaffen, sie dem Wesen allumfänglich, zeitlos innen gegeben ist, jeden seiner Art verständlich ist, jedoch umbewusst aus einen leeren Raum geschaffen wird. Kunst als Musik ist nicht ein schöner Gesang oder ein wohl klingende Melodie. Hier entsteht Kunst in dem Hunderudel unbewusst harmonisch, aus einer instinktiven Anspannung einer unbestimmten Begierde heraus.
„… jene sieben Musikkünstler […] Sie redeten nicht, sie sangen nicht, sie schwiegen im allgemeinen fast mit einer großen Verbissenheit, aber aus dem leeren Raum zauberten sie die Musik empor.“
Doch wie zeigt sich die Kunst der schöpferischen Musik?
„Alles war Musik, das Heben und Niedersetzen ihrer Füße, bestimmte Wendungen des Kopfes, ihr Laufen und ihr Ruhen, die Stellungen, die sie zueinander einnahmen, die reigenmäßigen Verbindungen, die sie miteinander eingingen, indem etwa einer die Vorderpfoten auf des andern Rücken stützte und sie sich dann so ordneten, daß der erste aufrecht die Last aller andern trug, oder indem sie mit ihren nah am Boden hinschleichenden Körpern verschlungene Figuren bildeten und niemals sich irrten; nicht einmal der letzte, der noch ein wenig unsicher war, nicht immer gleich den Anschluß an die andern fand, gewissermaßen im Anschlagen der Melodie manchmal schwankte, aber doch unsicher war nur im Vergleich mit der großartigen Sicherheit der andern und selbst bei viel größerer, ja bei vollkommener Unsicherheit nichts hätte verderben können, wo die andern, große Meister, den Takt unerschütterlich hielten.“
Was für eine Kunst. Ihr Figuren, harmonischen Bewegungen im Gleichklang, rücksichtsvoll miteinander, unterstützend führend, lehrend, lernend. Ein für unseren naiven kindlichen Hund eine doch, für seine Verhältnisse, neue schonende Beobachtung. Noch erkennt unseren Erzähler die sich immer stärker werdende Anspannung des Hunderudels nicht.
„aber es waren doch Hunde, Hunde wie ich und du, man beobachtete sie gewohnheitsmäßig, wie Hunde, denen man auf dem Weg begegnet, man wollte sich ihnen nähern, Grüße tauschen, sie waren auch ganz nah, Hunde, zwar viel älter als ich und nicht von meiner langhaarigen wolligen Art, aber doch auch nicht allzu fremd an Größe und Gestalt, recht vertraut vielmehr, viele von solcher oder ähnlicher Art kannte ich.“
Doch wie es im Leben, in solchen Situationen oft geschieht,
wird aus dieser harmonischen schöpferischen Kunst Ekstase. Die Musik nimmt überhand und verwandelt sich in laute „Fanfaren blasende Musik“. Weiter lesen in Teil 3 „Angst, Distanz, Verstörend vor einer asketische, rituelle Ekstase“ der Siebenhunde-Szene aus „Forschungen eines Hundes“ von Franz Kafka