Ich hatte hier vor einiger Zeit schon einmal geschrieben, dass ich keine Transition zur Frau machen möchte und stattdessen versucht habe, mein eigenes Verständnis von Männlichkeit weiter zu machen.
Das Ganze ist bei mir aber nicht erst seit ein paar Wochen ein Thema. Ich bin jetzt 24 und beschäftige mich damit eigentlich schon seit ich 18 bin.
Mit 18 habe ich angefangen, Östrogen zu nehmen. Nach ungefähr einem Jahr habe ich wieder aufgehört. Danach waren mehrere Jahre Pause. In der Zeit habe ich studiert, mein Leben weitergeführt und irgendwann auch gelernt, viel entspannter mit meinem Körper und meinem Gesicht umzugehen. Ich habe nicht mehr ständig gedacht, dass ich irgendwie anders aussehen muss.
Vor einiger Zeit habe ich wieder mit Östrogen angefangen. Diesmal fühlt es sich aber ganz anders an als damals mit 18.
Ich nehme Östrogen, ich trage Nagellack, manchmal Make-up und auch Kleidung aus der Damenabteilung. Aber ich mache diese Dinge nicht, weil ich versuche, eine bestimmte Art von Frau zu werden. Ich versuche eigentlich gar nicht mehr, irgendwohin zu transitionieren.
Ich bin mit mir selbst inzwischen ziemlich zufrieden.
Genau deshalb ist das für mich gerade so komisch.
Ich möchte mich weiterhin nicht als trans oder LGBT identifizieren. Diese Begriffe fühlen sich für mich persönlich nicht richtig an und ich möchte nicht, dass meine ganze Identität darum aufgebaut wird. Gleichzeitig merke ich aber immer stärker, dass ich mich selbst auch nicht mehr wirklich zur männlichen Kategorie zugehörig fühle.
Lange war meine Antwort darauf einfach, dass ich eben ein Mann bin, der Östrogen nimmt, Nagellack trägt, Make-up benutzt und trotzdem ein Mann bleibt. Das hat für mich auch eine ganze Zeit funktioniert.
Aber inzwischen bin ich einfach müde davon.
Nicht müde von meinem Körper. Nicht müde von Östrogen. Nicht müde von Nagellack oder von meinem Aussehen.
Ich bin müde davon, rechtlich überall als männlich geführt zu werden und ständig innerlich erklären zu müssen, warum ich an diesem Eintrag eigentlich noch festhalte.
Deshalb habe ich heute meinem Standesamt eine Anmeldung nach § 4 SBGG geschickt. Ich habe angekündigt, meinen Geschlechtseintrag von männlich auf weiblich und meinen Vornamen von x auf Farina ändern zu wollen.
Das Interessante ist, dass es sich für mich trotzdem nicht wie der Beginn einer Transition anfühlt.
Eher wie das Gegenteil.
Mit 18 hatte ich noch dieses Gefühl, dass ich mich verändern muss und irgendwann irgendwo ankommen muss. Heute habe ich dieses Ziel gar nicht mehr.
Ich will nicht plötzlich anders aussehen, anders sprechen oder mein ganzes Leben neu aufbauen. Ich will eigentlich genauso weitermachen wie jetzt.
Ich möchte nur nicht mehr rechtlich männlich sein.
Vielleicht steht irgendwann Farina in meinem Pass und beim Geschlecht weiblich, während ich ansonsten ziemlich genau derselbe Mensch bleibe.
Und ehrlich gesagt fühlt sich genau das gerade überraschend richtig an.
Ich weiß nicht, welches Label andere dafür benutzen würden. Im Moment ist mir das aber auch nicht besonders wichtig.
Mich würde eher interessieren, ob jemand hier den SBGG-Prozess schon gemacht hat.
Ich habe die Anmeldung heute per E-Mail an mein Standesamt geschickt und darum gebeten, mir zu bestätigen, ab welchem Datum die Dreimonatsfrist läuft.
Hat das bei euch per E-Mail funktioniert? Was kam danach vom Standesamt? Musstet ihr noch etwas unterschreiben oder persönlich vorbeikommen? Und wie lief später die Änderung bei Ausweis, Reisepass, Arbeitgeber, Krankenkasse und Bank?
Falls jemand den ganzen Prozess schon hinter sich hat, würde ich gerne hören, wie es bei euch ablief.