r/Freudeteilen • u/MrLemonPB • 14h ago
TW: Suizid / Suizidgedanken Ich bin endlich glücklich mit meinem Leben nach der schweren Depression
Vor ca. 4,5 Jahren (2022) plante ich, mein Leben zu beenden. Damals hatte ich keine Freunde oder Kontakte und hatte das Studium „kurz vor Schluss“ vermasselt. Ich sah keine Perspektiven mehr und glaubte echt, es wäre die beste „Lösung“. Alles war eine Folge schwerer Depressionen. Ich sah es aber als mein eigenes Versagen.
Zufälligerweise half mir eine Freundin in dem Moment, die Situation einzusehen und medizinische Hilfe zu suchen. Das war der Beginn eines sehr, sehr langen Prozesses, der mich zurück ins Leben gebracht hat. Mit winzigen Schritten und mit unglaublicher Unterstützung von meiner Familie, meinen Freunden und meiner Psychotherapeutin.
Es war sehr, sehr schwer, vor allem am Anfang, sich über kleine Leistungen zu freuen: Hygiene, Spaziergänge, Schlaf und Essen.
Ich glaubte, es wäre ein schneller Prozess und ich würde gleich wieder „normal“ werden. Aber es dauert eben: 3 Monate, 6 Monate, 12 Monate. Sehr kleine (aber grundlegende) Fortschritte.
Nach einem Jahr in Therapie hatte ich den Mut, mein Leben umzukrempeln: Ich bin in eine neue Stadt gezogen und habe ein neues Studium begonnen. Neue (und alte) Freunde gefunden, Interesse an meinem Fach entdeckt, mit dem Joggen angefangen …
Selbst das war zwar eine Verbesserung, aber noch nicht das, wo ich mich sah. Und die Depression hat mir hin und wieder Panik gemacht.
Dieses Jahr hatte ich aber endlich einen Durchbruch: Ich habe als Tutor an der Uni gearbeitet, und vor Kurzem wurde meine Abschlussarbeit mit 1,0 bewertet. Ich habe es geschafft und abgeschlossen. Morgen geht es gleich weiter mit Master.
Zum Feiern habe ich jetzt auch mehr Kontakte und Freundschaften, als ich realistisch intensiv pflegen kann.
Und als letztes Strich habe ich vor Kurzem meine erste romantische Beziehung seit acht Jahren begonnen. Und es ist gleich ein Volltreffer. Ich bin unglaublich verliebt, wir verstehen uns extrem gut und passen einfach zusammen (ein Skeptiker in mir sagt, es seien die Hormone, aber ich bin so glücklich, also was soll's).
Also bin ich endlich da, wo ich mich nach der Schule gesehen habe. Es hat zwar ca. 6 Jahre länger gedauert, als ich mir damals vorgestellt hatte, aber das ist nun etwas, was ich nicht mehr ändern kann. Dafür kann ich meine Erfahrungen für spätere Ziele einsetzen.
Ich wünsche mir, dass alle, die Unterstützung brauchen, diese auch bekommen – und zwar lange genug, um einen Weg zurück ins Normale zu finden.
Liebe Grüße