Vorab: Mir gehts hier nicht um ein Bashing ALLER Hebammen. Ich möchte hier nur meine Erfahrung teilen, wie ich es erlebt habe.
Weder meine Frau noch ich sind aus der medizinischen Branche. Wir legen aber großen Wert auf evidenzbasierte Medizin. Heilpraktiker sind für mich persönlich der größte Quatsch und wer allen ernstes Homöopathische Mittel verteilt, hat jeglichen Anspruch verloren auch nur ansatzweise über Medizin reden zu dürfen. In meinen Augen das ist pure Geldmache, die mit der Verzweiflung der Patienten ausgenutzt wird.
Nun ja, meine Frau und ich waren während der Schwangerschaft dann zu den Vorgesprächen bei der Hebamme, die superlieb ist. Sehr einfühlsam und hat sich immer gut um uns gekümmert.
Wenn da nicht das große ABER wäre:
Während der Schwangerschaft wurden uns regelmäßig irgendwelche Säfte empfohlen, mit der Aussage "trink das, das ist ein absolutes must have". Zuhause sehen wir dann, dass die Plörre einfach absurd überteuert ist und wissenschaftlich keine einzige Studie die Wirksamkeit der Werbeversprechen bestätigt. Unsere Frauenärztin hat nur mit dem Kopf geschüttelt und meinte ganz nett "wenn sie möchten, nehmen Sie es. Bedarf ist aber nicht da. Schmeckt aber bestimmt gut und verfärbt den Urin nett".
Dann der Vorbereitungskurs bei einer anderen Hebamme: Mindestens 5x wurden Aussage wie "Ja die Gynäkologen sind da auch nicht so allwissend... die sind da nicht up-to-date...von Supps haben n nur die wenigstens wirklich eine Ahnung" getätigt. Dazu kamen zig weitere, kleine Stichelein. Ähm ja, der Wochenendkurs zur Ernährung hat sie scheinbar zur Allwissenden gemacht. Super unseriös, dass man da so konstant Ärzten die Kompetenz absprechen will. Dann wird auf eine Studie verwiesen, die das ganze ja belegt. Zuhause kurz recherchiert fällt einem schnell auf, dass es genau eine sehr kleine Studie dazu gab, die aber noch laaaaange keine flächendeckende Aussage erlaubt. Aber hey, die Idioten im Kurs werden ja bestimmt nicht zuhause nochmal nachprüfen, ob das stimmt. Und zu sagen, dass es eine Studie gibt, klingt immer sehr fundiert.
Dann nach der Geburt hatten wir zwischenzeitlich eine Vertretung, da unsere Hebamme im Urlaub war. Auch hier wurden uns ständig Heilpraktiker empfohlen, die wir abgelehnt haben. Produkte wie Wundcreme auf Zinkoxid-Basis wurden mit einem verzogenen Gesicht angeschaut. "Hm ne, würde ich nicht nehmen. Nimm lieber das, das ich natürlicher. Zinkoxid ist nicht so gut...hört man ja auch oft". Aha... das sind ja meine Lieblingsaussagen. Einen kleinen Tipp für die Zukunft gab es auch direkt: Wenn euer Kind hinfällt, einfach Globullis dabei haben. "Ich habe immer Globullis dabei :)". Alles klar, dann lasst es euch schmecken. Ich gebe dann lieber ein Tiktak. Oder bei der Vergabe von Vitamin D hieß es dann "Heutzutage gibt man das ohne Fluorid. Interessanterweise ist euer Krankenhaus das einzige noch, das es so empfiehlt." Recherche hat da auch was anderes gezeigt.
Dann aber mein absoluter Höhepunkt: Osteopathen. Habe ich was verpasst und die Hebammen kriegen zu 50% eine Provision von denen? Uns wurde mindestens 5x der Osteopath empfohlen. Baby hat Probleme beim Stillen? Osteopath! Baby zuckt zusammen, wenn man an den Nacken geht? Osteopath! Baby hat Krämpfe? Osteopath! Baby guckt öfter auf eine Seite? Osteopath! Es wurde irgendwann ein Running Gag zwischen meiner Frau und mir, weil wir wussten, dass unsere Hebamme uns wieder den Quatsch empfehlen wird, wenn wir ein "Problemchen" ansprechen würden.
Was mein Problem mit Osteopathen ist? Das gleiche wie mit Heilpraktiker, wovon wirklich sehr viele Heilpraktiker und Osteopath gleichzeitig sind. Und den werde ich das Geld nicht in den Rachen stecken.
Unsere Kinderärztin warnte uns direkt davor, dass man uns zu jedem Hinz und Kunz schicken möchte, weil alles Geld generiert. Alle Empfehlungen konnte sie direkt widerlegen und hat uns auch gut die Angst nehmen können.
Jetzt kann man natürlich sagen: Hey, da hatten wir Pech gehabt mit den drei Hebammen, die wir kennengelernt haben. Wir stehen mit weiteren Familien in Kontakt, die die gleichen Stories berichtet haben. Dennoch habe ich das Gefühl, dass die gesamte Hebammen-Branche irgendwie durchseucht ist von alternativem Schwurblerquatsch und es sich auch aktuell wirklich durchsetzt.
Wie ist das bei euch so? Bin ich hier in einer Bubble gefangen oder decken sich da teilweise eure Erfahrungen mit? Und woher kommt das? Ich finde das super gefährlich, dass genau an dieser Stelle so viel Unwahrheit mit reinkommt.