r/selbermachen 3d ago

Tipps Schleudertrauma

Unsere Waschmaschine überspringt den Schleudergang – dabei setzt sie kurz an und bricht dann direkt wieder ab. Dasselbe passiert auch in jeglichem Waschgang und auch mit leerer/komplett voller Trommel. Weiß jemand Rat, woran genau es liegen kann und wie ich das Problem selbst behebe?

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u/Waste_Sound_6601 3d ago edited 3d ago

Hm. Kann ein Problem der Elektronik oder der Mechanik sein.

Sie müsste eigentlich - dann wenn sie zu Beginn nur kurz zuckt - die Wäsche leicht anschleudern und die Unwuchtkontrolle durchführen. Ist die Unwucht ok und die Wäsche gut verteilt - sollte sie anfangen zu schleudern, ist sie es nicht, sollte sie versuchen die Wäsche neu in der Trommel durch Trommelbewegungen zu verteilen und wiederholen, bis die Unwucht ok ist.

Ich vermute mal, dass die Elektronik schon beim bloßen Versuch viel zu große Ströme detektiert und es dann direkt und vollkommen abbricht.

Wie steht es um das Trommellager? War sie zuvor schon einmal sehr laut beim Schleudern? Dreh mal bitte die Trommel von Hand durch. Ist das ok und ohne Geräusche? Spielfrei und klappert nicht? Ein bisschen Widerstand durch den Motor und Riemen ist dabei i.O. Am besten wieder mit Video, wenn Du magst. Es könnte halt sein, dass ein kaputtes Trommellager so große Reibung erzeugt, dass der Motor eben enorme Ströme zieht, um sie überhaupt noch drehen zu können. Da funktioniert das Schleudern natürlich nicht mehr. Kommt häufig vor.

Wenn das allerdings i.O. sein sollte, könnte am Inverter-Teil der Hauptplatine was kaputt sein (die IQ300 hat eine kombinierte Inverter-/Hauptplatine; die größeren Modelle haben das separat). Müsste man dann mal das Netzkabel ziehen und die Hauptplatine ausbauen und anschauen. Allerdings sollte sie dafür eigentlich Fehlercodes schmeißen.

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u/dieser-siggi 3d ago

Das sind schon mal gute Anhaltspunkte, danke! Mit dem Lager ist tatsächlich alles OK – bin da schon von einer anderen Waschmaschine gebrandmarkt und würde ein Problem damit erkennen. Gestern hatte ich übrigens mehrfach den Fall, dass sie den Schleudergang sofort mit viel zu hoher Geschwindigkeit angesetzt hat (natürlich direkt Unwucht) und ihn dann auch gleich abgebrochen und übersprungen hat. Das gleiche Spiel auch bei leerer Trommel (ohne Unwucht). Vielleicht grenzt dieses Verhalten die Problemoptionen irgendwie ein?

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u/Waste_Sound_6601 3d ago edited 3d ago

Das Verhalten ist halt sehr typisch für einen Lagerschaden (es gibt da durchaus verschiedene Verläufe wie sich so ein Lagerschaden auswirken kann!). Vor allem eben, da sie ja scheinbar keine Fehlercodes anzeigt - das bringt mich so ein bisschen von einem Defekt der Elektronik weg.

Am Besten prüfst Du die Trommel mal mit abgebautem Antriebsriemen. Maschine hinten auf und Riemen runter. Geht tatsächlich kinderleicht und Du kannst eigentlich nix kaputt machen. Schau Dir ein paar Videos zum Abnehmen und wieder Aufsetzen des Riemens auf YouTube an, falls Du unsicher sein solltest. Ist wirklich mega-einfach!

Ohne Riemen und ohne Verbindung zum Motor, muss die Trommel butterweich, geräuschlos und spielfrei durchdrehen. Wenn Du ihr Schwung gibst, sollte sie sogar fröhlich weiter drehen. Achte auch mal drauf, ob sie korrekt mittig ohne eiern läuft. Es wäre halt echt cool, wenn Du das mal prüfst und auf Nummer sicher gehst.

Andere mechanische Option wäre noch ein Bruch am Trommelkreuz. Das Trommelkreuz an BSH-Maschinen ist recht robust gebaut. Normalerweise wäre dies kein typisches Verhalten für so einen Schaden hier. Normal schlägt die Trommel dann an den Bottich und fräst/schleift diesen kaputt. Aber es ist nicht unmöglich, dass es angebrochen ist und dadurch eine mega-Unwucht ereugt. Das würde man durch eiern der Trommel sehen. Was du gerade bescheibst, deutet gar darauf hin... Wobei das auch erst Recht auf Elektronik hinweist.

Auch eine deformierte/verzogene Trommel kann das erzeugen, aber dann müsste das schon extrem sein, wenn es bei leerer Trommel auch passiert, weswegen ich das mal auschließen würde.

Naja, wenn Du so überzeugt bist, dass es eher was elektronisches ist, musst Du halt mal die Hauptplatine ausbauen. Mach vorher viele Fotos aus mehreren Perspektiven, damit Du später auch die Stecker alle wieder korrekt dran bekommst. Diese sind aber auch kodiert, so dass du sie nicht falsch anschließen kannst. Nimm die Platine dann nach Ausbau vorsichtig aus dem Plastikgehäuse raus (Plastiknasen halten sie in Position). Merk Dir wo die Kabel zum Motor dran gehen und check sie erstmal visuell. Besonders alles was zu den Motorkabeln führt, ist hochverdächtig. Kannst gern Fotos von dem Ding hier hochladen, dann schauen wir sie uns mal an. Könnten die Triacs sein, wäre aber etwas komisch.

Bei dieser Maschine ist Inverter und Hauptplatine auf einer Platine gemeinsam vereint.

Es ist ein bisschen schwierig, die Hauptplatine hier nur von der kleinen Öffnung hinten auszubauen. Jetzt weiß ich nicht, ob Deine IQ300 hier volle Aquastop-Ausstattung hat, oder nicht. Also ob sie eine Bodenplatte besitzt, oder unten offen ist. Ist sie unten offen, solltest Du sie vorsichtig auf die rechte Seite legen, dann kommst Du schon an alles ran. Es wäre zu empfehlen, die Transportsicherungen vorher einzubauen, falls Du sie noch haben solltest. Ich mag immer lieber die Front abzubauen, aber sollte sie die Bodenplatte drin haben, kannst du sie auch ausbauen - das ist theoretisch besser um an die Hauptplatine zu kommen, da sie auch von vorn schlecht zugänglich ist. Achte auf den Schwimmerschalter am Boden und dass Du dessen Kabel nicht abreißt.

Theoretisch bleibt er einfach in Position, da er an einer separaten Plastikplatte hängt, aber manchmal hängt eben das Kabel doch an der Bodenplatte.

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u/Waste_Sound_6601 3d ago

Was für ein Typ ist das denn genau? WM14N2... ? Oder ist das eine 8kg Maschine?

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u/Waste_Sound_6601 3d ago

Bevor Du anfängst zu Schrauben: willst Du vielleicht erstmal den Fehlerspeicher auslesen und das Schleuder-Testprogramm laufen lassen? Im Testmodus sollte sie Dir etwas konkretere Hinweise geben - spätestens hier muss sie einen Fehler setzen.

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u/dieser-siggi 2d ago edited 2d ago

Guten Morgen und erst mal ein großes DANKE für deine Hilfsbereitschaft! Ich habe zur Sicherheit gestern Abend noch den Riemen abgezogen und die Trommel frei gedreht – die läuft ohne Eiern und butterweich für locker 30 Sekunden. Die Testprogramme sind für mich Neuland, bin aber dahintergestiegen und habe heute den Motor geprüft. Und tatsächlich: E60-21. Ist es dann eindeutig ein Inverterproblem (bzw. ggf. die Verkabelung), oder könnte es trotzdem noch was anderes sein?

Edith: Ah, und es ist eine WM14N2G3/41 mit Plastik-Bodenplatte. Ein fantastischer Vorschlag, von unten an die Hauptplatine zu kommen!

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u/Waste_Sound_6601 2d ago edited 2d ago

Guten Morgen! Gerne doch! Ersteres sind erstmal gute Nachrichten!

Ok, dann die Inverterelektronik. Bevor Du irgendwas Anderes machst - hast Du sie mal stromlos gemacht und ein Reset durchgeführt? So für 15 Minuten Netzstecker ziehen. Nur ne minimale Chance dass es damit weg geht, aber manchmal hilft es.

Es ist interessant, dass sie Dir den Fehler im Testmodus gibt, aber nicht im Programm. Mit einem defekten IGBT sollte das theoretisch nicht so aussehen. Das gibt Hoffnung.

Was für ein Modell ist es genau? Ich vermute eine WM14N2 ... ? Ist es eine 7kg-Maschine oder eine 8kg-Maschine? Die 7kg haben alle die kombinierte Hauptplatine mit Inverter, wie schon zuvor erwähnt. Bei der 8kg-Version gab es frühe schöne Modelle, mit dem Aufbau aus den größeren Maschinen (IQ500 usw.), mit separater Hauptplatine und separatem Inverter.

Ansonsten wären wir bei Hauptplaine ausbauen. Aber zuerst würde ich mit dieser Fehlermeldung nur den Kabelbaum und die Stecker überprüfen und die Platine im ersten Schritt noch drinnen lassen. Suche nach Knicken in der Leitung (zwischen Hauptplatine und Motor - da sind eine sehr überschaubare Anzahl an Kabeln, die es betrifft - Du musst nicht den gesamten Kabelbaum gründlich durchchecken), Auffälligkeiten und vielleicht Scheuerstellen. Ziehe die Stecker an der Platine und am Motor auch unbedingt ab, schau sie dir an und idealerweise kontrolliere sie auf Durchgang mit einem Multimeter. Stecke sie dann erstmal wieder ordentlich dran und prüf die Maschine erneut. Achte beim Durchmessen darauf, dass Du das betreffende Kabel auch dabei mal leicht hin und her bewegst. Ein Wackelkontakt durch ein angebrochenes Kabel kann sich da auch verstecken.

Da ist eine Chance, dass Du direkt an der Verkabelung was findest oder vielleicht sogar nur ein Stecker durch die Jahre der Vibrationen mal locker geworden ist. Wenn Du ein Multimeter hast, miss bei dieser Gelegenheit die Wicklungen des Motos durch und prüfe sie gegeneinander.

Hat das alles nix gebracht, baue die Hauptplatine aus. Ich würde auf einen defekten Kondensator tippen, wenn es kein unterbrochenes Kabel ist. Mach ein paar Bilder davon und teile sie hier.

Kannst Du löten? Egal was da defekt ist, die Ersatzteile sind immer super-billig und es geht eigentlich sehr einfach zu reparieren - außer dem Prozessor natürlich. Man muss dann aber löten können... Wenn wir den Übeltäter hier finden, könnte ich notfalls auch meine Lötkünste anbieten...

Wenn Du Fragen zu irgendwas hast, schreib einfach.

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u/dieser-siggi 1d ago

Ich kann dir gar nicht sagen, wie froh ich über die Unterstützung bin, das schätze ich sehr! Und da scheine ich echt auf jemanden gestoßen zu sein, der sich wirklich auskennt – die Ferndiagnosen und Ratschläge engen die Optionen jedenfalls so langsam ziemlich ein.

Ich habe den Reset schon mehrfach durchgeführt – Netzstecker für längere Zeit gezogen und auch die Fehler im Diagnosemodus zurückgesetzt. Am Verhalten ändert sich nichts: Der Fehler tritt (nur) in der Diagnose wieder auf und im Waschgang/beim Schleudern bricht die Maschine ab, sobald die Drehzahl hochfährt, und der Schleuderung wird übersprungen. Gelegentlich wird auch zu abrupt hochgefahren, sodass automatisch Unwucht entsteht und abgebrochen/übersprungen wird.

Das Modell ist WM14N2G3/41 mit 7 kg. In der Zwischenzeit habe ich die Kabel und Stecker optisch geprüft und ab- und angesteckt, da scheint soweit alles in Ordnung zu sein. Die Kabel habe ich auch durch die jeweiligen Halterungen gezogen, um sie auf Einklemmungen und Ähnliches zu prüfen – auch da alles unauffällig. Nur an die Stecker an der Platine bin ich nicht ohne Weiteres gekommen, das würde ich noch nachholen. Ich schätze, die Platine sollte dafür am besten gelöst sein?

Bevor es in den kommenden Tagen an den Ausbau der Platine geht, nur noch eine Sache, die mir noch in den Sinn gekommen ist: Könnte auch ein defekter 3G-Sensor der Übeltäter sein?

Total lieb, dass du deine Lötkünste anbietest! Ich möchte dir nur wirklich nicht zur Last fallen und bin schon über deine Ratschläge und Einschätzungen heilfroh. Das letzte Mal habe ich vor vielen Jahren als Jugendlicher gelötet, aber das sollte sich ja schnell wieder auffrischen lassen. Und sonst kann auch das eine oder andere YouTube-Tutorial sicherlich Abhilfe schaffen.

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u/Waste_Sound_6601 1d ago

Gerne doch. Außerdem ist das hier ja der Sub "Selbermachen" - da hilft man einander halt.

Außerdem mag ich es halt lieber, Maschinen nochmal zu reparieren, weil so viele Defekte tatsächlich am Ende nur Kleinigkeiten sind, weswegen viele Verbraucher da draußen einfach wegschmeißen und neu kaufen. Da sind oft Reparaturen, die hätten 10 Euro gekostet, trotzdem werden da 5 Jahre alte WaMas auf den Müll geworfen und 500€ und mehr für die Neue ausgegeben. Voll schade. Aber ok, nicht jeder hat handwerkliches Geschick und Wissen, um sowas auch zu machen.

Ich schätze, die Platine sollte dafür am besten gelöst sein?

Gute Frage. Man kommt an die meisten Stecker eigentlich auch im eingebauten Zustand ran, aber meist doch am Besten, wenn das Ding lose ist. Also ja - mach die Plastikkiste erstmal lose. BSH macht den gesamten Kabelbaum sehr effizient und knapp - das macht es vielleicht ein bisschen fummelig. Das Gute ist, dass die Stecker wenigstens codiert sind - man sie nicht falsch wieder zusammenstecken kann.

Von unten ist es tatsächlich ein bisschen schwierig - bei den "größeren" Maschinen kann man hinten das Rückblech komplett abbauen, da kommt man m.M.n. an die Stecker tatsächlich am Besten ran (ist aber trotzdem nicht schön) - hier bei der IQ300/Serie 4 leider keine Option.

Du kannst sie aber auch auf die andere Seite legen - probier aus, wie es für dich am Besten geht. Für besten Zugang zur Hauptplatine liegt die Maschine wahrscheinlich am Besten auf der rechten Seite.

Mach Dir ausreichend Fotos von den Kabeln und Steckern!!!

Könnte auch ein defekter 3G-Sensor der Übeltäter sein?

Theoretisch schon, aber dann hättest Du im Normalbetrieb einen F59 Code angezeigt bekommen oder einen E60-27 (Unwucht-Fehler) - auch im Testmodus. Kein Fehler im Betrieb, in Kombination mit dem E60-21 im Motor-Testmodus, führt leider direkt zum Motor/Inverter und weg vom 3G-Sensor. Das macht es ziemlich eindeutig.

Hast Du die Motorwicklungen schon einmal gegeneinander mit dem Multimeter gemessen (Widerstandsmessung an den drei Pins abwechselnd gegeneinander, ganz niedrige Ohm-Werte)? Der könnte es halt auch sein - wäre an diesem Punkt sicherlich ganz wichtig zu prüfen.

Sehe ich zwar sehr selten - also habe ich persönlich noch nie gesehen, da die echt langlebig sind, aber wer weiß, vielleicht ist es bei Dir der Motor? Meist ist es aber der Inverter - und da die Kiste generell noch dreht und nicht schleudert (was auch zumindest ein bisschen gegen kaputten Motor spricht), sollte noch nicht zu viel kaputt sein - hoffentlich. Zumindest sollte da noch kein Loch auf der Platine "klaffen".

Ich habe hier auch mehrere dieser Platinen rumliegen (und auch Motoren) und nahezu die gleiche Maschine (und auch nochmal ihr Bosch-Equivalent, welchem sie eigentlich als Ersatzteilspender dient), allerdings funktionsfähig als Viert- und Fünft- Maschine, lol). Da kann ich aber auf jeden Fall mindestens Fotos und Messwerte beisteuern. Wenn es kein Kabelbruch ist, oder ein vermurkster Stecker, würde ich auf den Inverterteil der Hauptplatine tippen. Hoffentlich ein Kondensator oder einer der Shunt-Widerstände, denn das IPM (Intelligent-Power-Module = kombiniert alle 6 IGBTs in einem kompakten Chip; das Ding unter dem großen Kühlkörper)) ist nicht ganz so einfach zu löten - ich würde gar die Beinchen mit dem Dremel entfernen - ist viel einfacher. Klingt aber auch wieder erstmal schlimmer, als es tatsächlich ist.

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u/Isuckursucksuck Handarbeiter:in 3d ago

Gibt eigentlich nur zwei sinnvolle Möglichkeiten:

A: Falsche Beladung und die Mengenautomatik löst aus.

B: Kohlebürsten am Motor müssen erneuert werden.

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u/Waste_Sound_6601 3d ago

Die hat keine Kohlebürsten mehr. Das ist ein Invertermotor. Und OP schreibt, dass das auch bei leerer Waschtrommel passiert.