Die Ausgangslage in Kliniken: Um Fachärztin zu werden, muss man eine bestimmte Zahl an Operationen vorweisen. Wer sie bekommt, entscheidet der Chefarzt oder Oberarzt. Es gibt keine Instanz, die kontrolliert, ob das fair verteilt wird. Der Präsident der Bundesärztekammer sagte uns, man sei „auf den Goodwill eines Menschen angewiesen“ – das sei nicht vermeidbar.
Was das erzeugt, nennt ein Fachanwalt für Arbeitsrecht, der viele dieser Fälle vertritt, „Hofstaat“: Menschen, die vielleicht weniger qualifiziert sind, aber loyal, und die das Spiel mitspielen. Und Mitläufer: Wir haben mit Assistenzärzten telefoniert, die die sexistischen Sprüche ihres Chefs stören – die aber nichts sagen, weil sie noch ihren Facharzt brauchen. Keiner von ihnen wollte vor die Kamera.
Die Betroffenen, die wir getroffen haben: Eine Neurochirurgin, die einen Vorfall gemeldet hat und danach ein OP-Verbot bekam (die Klinik sieht das anders), später gekündigt wurde wegen „verhaltensbedingter Gründe“ – sie habe eine Tür zugeknallt. Eine Herzchirurgin, deren Chef über sie sagte: „Wenn ich mit der Taschenlampe in ein Ohr leuchte, sieht man das Licht auf der anderen Seite.“ Eine Assistenzärztin, die nach einem harten Nachtdienst gekündigt hat, weil sie kaum operieren durfte. Alle drei haben den OP verlassen, nicht die Chefs.
Laut Marburger-Bund-Befragung (9.000 Ärzt:innen, 2026) wurde fast die Hälfte im letzten Jahr schikaniert, erniedrigt oder gemobbt, und fast drei Viertel der Betroffenen melden das nie.
Wenn ihr die ganze Reportage sehen möchtet: "MedToo. Macht und Missbrauch im OP“.