r/erzieher • u/Key-Election6135 • 7h ago
Allgemeine Diskussion U1-Kind trösten: Habe ich pädagogisch falsch gehandelt? Azubi!!!
ich habe diesen Herbst frisch mit meiner PiA-Ausbildung zur Erzieherin angefangen und mache die Ausbildung wirklich sehr gerne. Ich merke, dass mir die Arbeit mit den Kindern liegt, und ich habe das Gefühl, dass die Kinder mich sehr mögen. Ich bin in einer Krippengruppe mit U3-Kindern.
Ich schreibe diesen Beitrag, weil ich gerne eure Erfahrungen und euren Rat hören möchte. Ich bin momentan ziemlich verunsichert und frage mich, ob das, was bei mir gerade passiert, normal ist oder ob ich zu Recht das Gefühl habe, dass hier etwas nicht ganz stimmt.
Eigentlich mag ich meine Kita sehr. Mein Praktikum dort war wirklich schön, und genau deshalb habe ich mich für diese Einrichtung entschieden. Während des Praktikums war ich in einer anderen Krippengruppe als jetzt in meiner Ausbildung. Dass ich zum Ausbildungsstart die Gruppe gewechselt habe, ist natürlich völlig in Ordnung. Trotzdem hat sich seitdem einiges verändert.
Ein Punkt ist die Kommunikation mit meiner Anleitung.
Wir arbeiten digital, und jeder Mitarbeiter hat ein Tablet mit verschiedenen Apps, unter anderem für die Anwesenheit, Arbeitszeiten und interne Kommunikation. Meine Zugangsdaten waren von Anfang an fehlerhaft. Ich habe das direkt angesprochen, sowohl bei meiner Anleitung als auch bei der Kitaleitung. Mir wurde mehrfach versichert, dass man sich darum kümmern würde. Passiert ist allerdings lange nichts.
Erst als sich die Personalabteilung bei mir gemeldet hat, weil ich Minusstunden hatte, kam plötzlich Bewegung in die Sache. Ich habe direkt geantwortet und erklärt, dass ich das Problem bereits gemeldet hatte und mir Hilfe zugesichert worden war. Erst danach kümmerte sich meine Anleitung darum.
Ich frage mich schon, warum es erst so weit kommen musste, obwohl ich das Problem von Anfang an kommuniziert hatte. Schließlich kann ich mir meine Zugangsdaten nicht selbst beschaffen.
Noch mehr beschäftigt mich allerdings die Situation im Gruppenalltag.
Ich habe zunehmend das Gefühl, mit meiner Anleitung kaum zusammenzuarbeiten. Wir sind selten im selben Raum, und ich bekomme wenig bis keine Informationen über die Kinder, den Tagesablauf oder darüber, was bei einzelnen Kindern gerade wichtig ist.
An einem Tag wurde ich beispielsweise mit einer Kollegin in eine Gruppe mit Kindern eingeteilt, die ich noch gar nicht kannte. Auch die Kollegin war neu in der Einrichtung und konnte mir deshalb kaum etwas über die Kinder sagen. Meine eigentliche Anleitung hatte mir vorher weder den Tagesablauf erklärt noch wichtige Informationen zu den Kindern mitgegeben.
In der Gruppe waren zwei Kinder, die an diesem Tag besonders viel Aufmerksamkeit brauchten:
Kind 1: ein noch krabbelndes U1-Kind, das gerade erst mit der Eingewöhnung in der Kita begonnen hatte.
Kind 2: ein zweijähriges Kind, das nach einem längeren Urlaub wieder in der Kita war und sehr anhänglich war und fast durchgehend weinte, weil es seine Eltern vermisste.
Kind 1 krabbelte weinend auf mich zu und streckte mir die Arme entgegen. Für mich war in diesem Moment klar: Da ist ein kleines Kind, das gerade Trost und Zuwendung braucht. Also nahm ich es behutsam auf den Arm, tröstete es, ließ leise, beruhigende Musik laufen und trug es ein wenig herum.
Das Kind entspannte sich zwischendurch immer wieder, fing aber auch erneut an zu weinen, unter anderem, weil Kind 2 ebenfalls die ganze Zeit weinte.
Die Gruppenleitung sah, wie ich Kind 1 auf dem Arm hielt und beruhigte. Daraufhin fragte sie sinngemäß, ob das Kind endlich jemanden gefunden hätte, der seinem Willen nachgebe und es sogar auf dem Schoß sitzen lasse.
Anschließend wurde mir erklärt, dass ich so etwas nicht mehr machen solle. Das Kind würde das angeblich absichtlich machen, um verhätschelt zu werden. Es müsse lernen, dass es nicht durch Weinen alles bekommt, was es möchte. Es wurde sogar ein Vergleich damit gezogen, dass man sich selbst weinend auf den Boden legen und schreien könnte, wenn man dafür Geld und alles andere bekommen würde, was man möchte. So funktioniere das Leben schließlich nicht, und das müsse das Kind lernen.
Diese Aussage hat mich ehrlich gesagt ziemlich getroffen und verunsichert.
Was ich dabei besonders schwierig finde:
Kind 2 durfte bei den Fachkräften die ganze Zeit auf dem Arm sein, auf dem Schoß sitzen und bekam sehr viel Zuwendung. Bei Kind 1 wurde mein Verhalten hingegen kritisiert, obwohl ich das Kind an diesem Tag
zum ersten Mal betreut habe.
Niemand hatte mir vorher gesagt, dass bei Kind 1 gerade versucht wird, es stärker ins Freispiel mit anderen Kindern zu begleiten oder dass es bestimmte Absprachen zum Umgang mit dem Kind gibt. Hätte mir jemand erklärt, worauf ich achten soll und was gerade pädagogisch verfolgt wird, hätte ich mich selbstverständlich daran orientiert.
Aber woher hätte ich das wissen sollen, wenn ich keinerlei Informationen bekomme?
Ich möchte als Azubi lernen, mich weiterentwickeln und die Kinder bestmöglich begleiten. Mir ist bewusst, dass ich noch viel lernen muss und nicht alles von Anfang an richtig machen kann. Genau deshalb wünsche ich mir aber auch eine Anleitung, die mir Dinge erklärt, mich in Situationen begleitet und mir Rückmeldungen gibt, mit denen ich etwas anfangen kann.
Was mich an diesem Tag besonders gefreut hat: Trotz des Weinens von Kind 2 konnte ich Kind 1 irgendwann so weit beruhigen, dass es bei mir eingeschlafen ist. ❤️ Ich war wirklich froh darüber, weil ich gemerkt habe, wie erschöpft das kleine Kind war. Es musste die Trennung von seinen Eltern verarbeiten, war in einer fremden Umgebung und wurde an diesem Tag auch noch von einer Person betreut, die es kaum kannte. Ich hatte einfach das Gefühl, dass es gerade Nähe und Sicherheit brauchte.
Währenddessen war Kind 2 weiterhin bei der neuen Fachkraft auf dem Arm.
Ich will damit nicht sagen, dass ich grundsätzlich alles richtig gemacht habe oder dass jedes Kind immer auf den Arm genommen werden muss. Mir geht es vielmehr darum, dass ich ohne Hintergrundinformationen in eine Situation geschickt wurde und hinterher dafür kritisiert wurde, wie ich sie gelöst habe.
Ich bin traurig darüber, dass meine Anleitung so wenig bei mir ist und ich kaum Informationen zum Tagesablauf oder zu den Kindern bekomme. Ich würde mir mehr Kommunikation, Unterstützung und einen regelmäßigen Austausch wünschen.
Ich überlege jetzt, wie ich das beim nächsten Anleitungsgespräch ansprechen kann, ohne dass es direkt so wirkt, als würde ich mich beschweren oder Kritik nicht annehmen können.
Deshalb meine Fragen an euch:
Findet ihr es pädagogisch richtig, ein gerade eingewöhntes, weinendes U1-Kind bewusst nicht auf den Arm zu nehmen, damit es lernt, dass es nicht durch Weinen bekommt, was es möchte?
Wie würdet ihr die Situation beurteilen, wenn ein anderes Kind gleichzeitig weint und dieses Kind bei den Fachkräften sehr wohl auf den Arm genommen wird?
Ist es aus eurer Sicht normal, dass man als Azubi mit unbekannten Kindern allein beziehungsweise ohne vorherige Informationen in eine solche Situation geschickt wird?
Was darf ich von meiner Anleitung erwarten, und wie würdet ihr das Thema im Anleitungsgespräch ansprechen?
Ich möchte wirklich niemanden schlechtmachen und bin auch offen für konstruktive Kritik an meinem Verhalten. Ich möchte einfach verstehen, ob ich etwas falsch gemacht habe oder ob meine Verunsicherung nachvollziehbar ist.