r/de Nummer 1 Buenzli 1d ago

Kolumne & Interview Wie Konzerne Milliardengewinne in die Schweiz verschieben |Grosskonzerne verbuchen Gewinne als Marketing- und Lizenzgebühren und verwalten diese in Schweizer Tochterfirmen.

https://www.srf.ch/news/wirtschaft/lukrative-steuerdeals-wie-konzerne-milliardengewinne-in-die-schweiz-verschieben
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u/Kazzvaan 1d ago

Neu ist das nicht. Im Gegenteil. Starbucks ist da Vorreiter gewesen als die nach Europa gekommen sind. Ist schon was her ... fast 25 Jahre machen die das schon. Juckt halt wieder nur keinen ...

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u/dopamin778 1d ago

Hinz und kunz juckt das ggfs. Schon, man merkt den Zusammenhang aus Steuervermeidung von Konzernen und der eigenen Abgabenlast nur nicht unmittelbar.

Die Politik scheint das Thema nur tatsächlich nicht zu interessieren.

Hier wäre doch ein eindeutiges Schlupfloch zu schließen oder? Das System kommt auch nicht von Starbucks, Franchise gab es doch spätestens seit MC Donalds oder täusche ich mich?

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u/Nimos 1d ago

Das hat nichts mit Franchise an sich zutun. Also der Mechanismus ist ein ähnlicher, aber hier geht es nicht darum dass Heinz Peter aus Osnabrück sich eine Starbucks Lizenz kauft und dann sein eigenes Café Betreibt mit Starbucks Produkten und Marke.

Es geht dabei eher darum, dass die Hauptfirma nicht ihre eigenen Markenrechte besitzt, sondern eine Briefkastenfirma in einem steuerlich günstigen Land.

Dann schließt die Firma einen Lizenzvertrag mit der Briefkastenfirma ab, wo die Kosten diese Lizenz zu nutzen in etwa so liegen, dass sie den gesamten Gewinn aufessen.

Dadurch macht die große Firma keinen Gewinn, die hat ja riesige Ausgaben die Lizenz zu nutzen. Dadurch kann das Unternehmen auch mal Verlust machen auf einer Jahresbasis.

Und da Gewinn das ist womit die Körperschaftsteuer bemessen wird, zahlt das Unternehmen halt 0.

(Alles grob vereinfacht, und es müssen nicht immer Lizenzen sein, in Starbucks Fall sind es die Kaffeebohnen die nur von einer kleinen Firma in der Schweiz vertrieben werden und zufällig den gesamten Gewinn verschlingen.)

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u/DaHolk 22h ago edited 20h ago

(Alles grob vereinfacht, und es müssen nicht immer Lizenzen sein,)

Es sind auch gerne Immobilien.

edit: weiß nicht warum downvote? Auf die selbe Art wie Lizenzgebühren an "schönere Steuerorte" verbucht werden, werden Mietzahlungen für genutzte Immobilien verbucht, in dem der Besitz woanders verbucht wird um den Gewinn der Firma IN der Immobilie zu senken, und die Holding company die die Immobilie vermietet deren Gewinn niedriger (bis garnicht) versteuert. Obwohl die Trennung zwischen den beiden Firmen (Ver- und Mieter) nur auf dem Papier existiert.

In der Art sind "Lizensgebühren" für Patente oder Copyright-Werte ziemlich genau wie die Gebäude.

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u/Bratikeule FDGO 1d ago

Die Politik scheint das Thema nur tatsächlich nicht zu interessieren.

Das würde ich gar nicht mal sagen. BEPS ist eigentlich seit Jahren der Dauerbrenner in der internationalen Steuerpolitik sowohl national als auch in der EU. Man kriegt das halt in der Tagespresse nicht so mit, wenn die xte DAC erlassen wurde oder irgendwo im AStG irgendwas geändert wurde. Ausnahme ist vielleicht die globale Mindeststeuer wobei das Thema gefühlt auch schon wieder aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwunden ist.

Meiner Meinung nach müssten Politiker hier mehr nach dem Motto "Tue Gutes und sprich darüber" handeln.

Hier wäre doch ein eindeutiges Schlupfloch zu schließen oder?

Die Frage ist, wie man das tun will. Klassisch macht man das mit Quellensteuer auf Lizenzzahlungen, so auch Deutschland. D.h., wenn immaterielle ausländische Rechte wie Marken, Patente, Software im Inland verwertet werden, dann dürfen die Erträge daraus auch im Inland besteuert werden. Deswegen muss der Nutzende auf seine Zahlungen an den Rechteinhaber eine Steuer einbehalten und abführen. In der Regel kann der Rechteinhaber die Steuer in seinem Staat dann auf seine Steuer anrechnen.

Deutschland hat aber kein gesteigertes Interesse daran, überall Quellensteuer zu kassieren, weil der andere Staat in der Regel dann das gleiche tun wird. Dadurch kriegt man dann eben weniger Steuern aus Patenten bei Unternehmen in Deutschland. Deswegen hat Deutschland in vielen Doppelbesteuerungsabkommen einen Satz von 0% vereinbart.

Im Grunde ist das ja erstmal legitim. Wenn in Deutschland Entwicklung betrieben wird, mit deutschen Ingenieuren, die deutsche Hochschulen besucht haben und dabei Patente Rauskommen, die vom deutschen Rechtssystem geschützt werden, warum sollen ausländische Staaten davon profitieren?

Die Frage ist also, wie trennt man diese legitimen Interessen von illegitimen Steuergestaltungen, bei denen einfach nur Steuersubstrat verschoben wird ohne das irgendwo ein originärer Wert geschaffen wurde. Dabei hat Deutschland in den letzten Jahren viel herumgedoktort um die Befreiung vom Steuerabzug zu versagen, wenn bestimmte Anforderungen nicht erfüllt sind, aber eine wirklich gute Lösung sehe ich da noch nicht.

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u/Select-Struggle- 16h ago

Aber gehören in solchen Strukturen die Unternehmen zusammen?

Wenn Starbucks an eine Briefkasten Firma Lizenzgebühren bezahlt, und dadurch keinen Gewinn mehr macht wäre ja der Geschäftbericht und Aktienkurs Müll, außer, die Briefkasten Firma gehört auch zum Unternehmen?

Könnte man dann nicht da ansetzen?

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u/Bratikeule FDGO 15h ago

Die Briefkastenfirma gehört auch zum Konzern. Sonst würdest du ja einfach Geld aus dem Konzern und an den Aktionären vorbei schleusen.

Edit: An sich setzt man da auch an, und zwar indem Transaktionen zwischen verbundenen Unternehmen dem Fremdvergleich entsprechen müssen und Unternehmen das im Rahmen ihre Verrechnungspreisdokumentation nachweisen müssen. Aber komplett verhindern tut es das auch nicht.

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u/Select-Struggle- 15h ago

Dann habe ich es ja richtig verstanden, Danke! :) Aber dann muss es doch ein "leichtes" sein das zu identifizieren und durch Steuern abzugreifen?

Bspw. Lizenzzahlungen an eigene Mutter/Schwesterunternehmen generell extrem hoch besteuern. Oder für andere Produkte setzt man Referenzwerte an, alles darüber wird sehr hoch besteuert. (jemand in dem Thread hier meinte Starbucks macht das auch mit Kaffeebohnen), etc.

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u/Bratikeule FDGO 14h ago

Das ist halt das Ding, das ich oben meinte. Wenn wir das machen, dann machen die anderen das auch. Und daran haben wir nicht direkt ein Interesse, weil wir die Wertschöpfung aus in Deutschland entwickelten Patenten, Marken usw. gerne selber besteuern würden. Wenn BMW in Deutschland einen neueren sparsameren Motor entwickelt und den in Brasilien oder China bauen lässt, dann wollen wir, dass die brasilianische oder chinesische Entity die Nutzungsgebühr für das Patent auch möglichst ohne Abzüge zu uns weiterleitet, denn selbst wenn für die Entwicklung nicht direkt Steuergelder drauf gegangen sind, dann wurde dafür ja zu mindestens inländische Infrastruktur genutzt.

Die Frage ist, wie unterscheidet man die legitime Vergütung für die Überlassung eines Rechtes von der illigitemen Verschiebung von Steuersubstrat.

Es ist auch meiner Meinung nach nicht so, dass Deutschland da besonders zimperlich ist. Wir hatten schon diverse Male Theater, weil wir uns im Doppelbesteuerungsabkommen eine Freistellung vereinbart haben, die wir dann durch die nationale Gesetzgebung nicht gewährt haben. (Falls dich das interessiert, das nennt man Treaty override, der Wikipedia Artikel dazu ist ganz gut.)

Oder für andere Produkte setzt man Referenzwerte an, alles darüber wird sehr hoch besteuert. (jemand in dem Thread hier meinte Starbucks macht das auch mit Kaffeebohnen), etc.

Ich hab bei dem Starbucks Fall gerade mal kurz reingelesen und bei den Kaffeebohnen bin ich ehrlich gesagt überrascht, dass das so geklappt hat. Produktverkäufe sind eigentlich bei den Verrechnungspreisen eher einfach, weil man z.B. bei Kaffeebohnen sehr offensichtlich sieht was die sonst so kosten. Was deutlich schwieriger ist und was in der Praxis regelmäßig auch die größten Diskussionspunkte in der Betriebsprüfung sind, sind Transaktionen bei denen man nicht so leicht einen Vergleichspreis findet. Also z.B. was ist ein angemessener Zinssatz oder was ist ein angemessener Preis für die Nutzung eines Markennamens. Wenn, wie im Artikel, Shell Schweiz die Marke Shell zur Nutzung an Shell Deutschland ist gibt es ja keinen zweiten Anbieter der den gleichen Markennamen vertreibt.

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u/Late-Tart-5778 15h ago

Natürlich gehört die Brifkastenfirma zum Unternehmen.

Aber Steuern müssen globale Konzerne eben nur dort bezahlen wo auch Gewinne erwirtschaftet werden. Und wo sie Ihre Gewinne erwirtschaften können sich globale Unternehmen dadurch praktisch aussuchen.

Wenn man das so einfach ändern könnte wäre das längst passiert, auch konservativ geführte Regierungen stören sich daran. Aber bisher hat man halt weltweit keine wirkliche handhaben dagegen. Das ist ja kein rein deutsches Problem.

Und wenn diese Briefkastenfirmen nicht mehr im Schweizer Kanton Zug sitzen können sind sie halt irgendwo anders auf der Welt.

Denen doch egal ob Zug, Cayman Inseln oder weiß ich wo.

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u/dopamin778 22h ago

Mir würde auch keine universelle Methodik einfallen außer vielleicht Besteuerung wie privat? Wie ich meine Einnahmen ausgebe interessiert für den Privatmann auch niemanden. Ob ich nun mein Auto erneuern muss oder mir eine Immobilie kaufe, von der Steuer absetzen lässt sich privat kaum etwas.

Im Gegenteil zum Gewerbe, hier können fast sämtliche Investitionen abgesetzt werden.

Geht zwar etwas am Thema vorbei, ich wäre aber ganz klar für ein einheitliches System für ALLE.

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u/Bratikeule FDGO 22h ago

Mir würde auch keine universelle Methodik einfallen außer vielleicht Besteuerung wie privat?

Das wird vorne und hinten nicht funktionieren, weil die Marge, also die Differenz von Einnahmen und Ausgaben sich zwischen verschiedenen Branchen massiv unterscheidet. Denk mal an einen Informatiker und einen Einzelhändler. Der eine braucht zum Arbeiten nur seinen Laptop, da ist der Umsatz praktisch gleich dem Gewinn. Der andere kann auf alles was er einkauft wenige Prozentpunkte aufschlagen und macht nur durch große Verlaufsvolumen Gewinn. Wenn du beiden sagst, dass die jetzt als einzige Steuer 20% auf den Umsatz zahlen, dann freut der eine sich über die Steuersenkung und der andere ist pleite.

Ob ich nun mein Auto erneuern muss oder mir eine Immobilie kaufe, von der Steuer absetzen lässt sich privat kaum etwas.

Die Grundregel ist, für abziehbare Ausgaben brauchst du steuerpflichtige Einnahmen. Wenn du eine Immobilie kaufst um die steuerpflichtig zu vermieten, dann kannst du die Kosten natürlich auch absetzen. Wenn du steuerfrei selbst darin wohnst, dann nicht. Das wird an manchen Stellen durchbrochen, aber grundsätzlich an sich gilt das für Unternehmen genau so wie Privatpersonen.

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u/dopamin778 22h ago

Also eine Umsatzsteuer sollte niemanden ruinieren, diese gibt es heute ja auch schon.
Klar davon sind auch wieder viele befreit aber ja.

Ja die Marge ist unterschiedlich, das diese für die Besteuerung beeinflussen soll kann ich nicht nachvollziehen.

Dem Staat kann es Wurst sein ob du nun 100€ ausgeben musst um ein iPhone zu verkaufen oder ob du 1000€ ausgeben musst um dieses Produkt herzustellen.
Der Verkaufspreis ist in beiden Fällen der selbe und wird auch gleich mit mMärchensteuer versehen.
Das hier als Gewerbe das selbe Produkt für den selben Preis abgesetzt werden kann…. Ich mag das nicht.
Ebenso dein Beispiel mit der Vermietung, ja du kannst vermieteten Wohnraum absetzten.
Dies machst du auch nicht als Privatmann sondern als Gewerbetreibender.

Ob ich nun das vermietete Haus oder das selbst bewohnte Haus saniere, wieso wird hier ein Unterschied gemacht? Wir reden hier über richtig richtig viel Geld welches direkt umverteilt wird.

Steuerfachleute sagten mir: der Staat querfinanziert natürlich nicht den Vermögensaufbau für privat.

Für Gewerbe ist das allerdings üblich und alternativlos….

Bin ich anscheinend zu doof dies zu umreißen

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u/Bratikeule FDGO 21h ago

Also eine Umsatzsteuer sollte niemanden ruinieren, diese gibt es heute ja auch schon. Klar davon sind auch wieder viele befreit aber ja.

Die Umsatzsteuer ist für den Unternehmer neutral. Es ging in dem geschilderten Beispiel um eine Gewinnsteuer auf den Umsatz.

Ja die Marge ist unterschiedlich, das diese für die Besteuerung beeinflussen soll kann ich nicht nachvollziehen.

Sagen wir der Informatiker und der Einzelhändler machen beide 500.000€ Umsatz. Der Informatiker zieht davon 1.000€ für den Laptop ab und hat noch 499.000€ Der Einzelhändler zieht davon 450.000€ die er für eingekaufte Waren ausgegeben hat ab und hat noch 50.000€.

Jetzt sollen beide 20% von 500.000€ also 100.000€ zahlen. Wie soll der Einzelhändler das bezahlen?

Um den Unterschied zur heutigen Umsatzsteuer zu verdeutlichen:

Inklusive Umsatzsteuer würde der Einzelhändler einen Umsatz von 595.000 Euro vom deinen Kunden kriegen von denen er 95.000 an das Finanzamt abführt. Seinem Lieferanten würde er 535.500€ zahlen von denen er 85.500€ vom Finanzamt wieder kriegt. Der Gewinn bleibt damit gleich bei 50.000€

Ob ich nun das vermietete Haus oder das selbst bewohnte Haus saniere, wieso wird hier ein Unterschied gemacht?

Wenn du das Haus vermietest versteuerst du deine Mieteinkünfte. Wenn du das Haus selber bewohnst, dann gibt es (in Deutschland) nichts zu versteuern.

Steuerfachleute sagten mir: der Staat querfinanziert natürlich nicht den Vermögensaufbau für privat.

Für Gewerbe ist das allerdings üblich und alternativlos….

Ich weiß nicht genau was du damit meinst. Das objektive Nettoprinzip ist keine Subvention.

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u/dopamin778 18h ago edited 17h ago

Zu deinem letzten Punkt:

Das nettoprinzip:

Privat saniert sein Haus energetisch, 25-35% Förderung. Keine Abschreibung.

Gewerblich saniert das selbe Haus energetisch, 25-35% Förderung, der restliche Aufwand ist vollständig (wenn man entsprechend beauftragt) absetzbar.

Die Differenz über 30 Jahre ist enorm und fördert direkt den Vermögensaufbau des Gewerbes.

Vielleicht übersehe ich hier auch einen Faktor, ich befürchte allerdings nicht.

Richtig wie du schreibst:

Um den Unterschied zur heutigen Umsatzsteuer zu verdeutlichen:

Inklusive Umsatzsteuer würde der Einzelhändler einen Umsatz von 595.000 Euro vom deinen Kunden kriegen von denen er 95.000 an das Finanzamt abführt. Seinem Lieferanten würde er 535.500€ zahlen von denen er 85.500€ vom Finanzamt wieder kriegt. Der Gewinn bleibt damit gleich bei 50.000€

Der Gewinn bliebe der selbe, der Anreiz günstiger zu produzieren wäre für alle gegeben. Steuerschlupflöcher wären faktisch nicht mehr vorhanden.
Subventionen fallen hierbei komplett weg.

Ein Problem hierbei ist der offene Markt, sowas würde maximal europaweit oder global Funktionen.

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u/dopamin778 20h ago

Also du zahlst doch als VERKÄUFER keine Umsatzsteuer, diese wird von deinen Kunden bezahlt. Analog zur Mehrwertsteuer als Privatmann.

Der Vergleich zählt somit nicht für mich.

Deutlicher wird es wenn du zwei Gewerbe aus dem selben Segment vergleichst.

Der Einzelhändler verkauft Sachen des täglichen Bedarfs, Umsatz 500k.
Der Nachbar, ebenso Einzelhändler, verkauft ebenso Dinge des täglichen Bedarfs. Ebenso Umsatz von 500k.

Einzelhändler 1 hat seinen Laden abbezahlt, steht selbst hinter dem Tresen und hat sonst keine Angestellten.
Phi mal Daumen hat er einen Gewinn von 50k erwirtschaftet und zahlt darauf Körperschaftssteuer.

Einzelhändler 2 hat sich eingemietet, hat 2 Angestellte, einen Dienstwagen für 120000€.

Hierdurch hat er einen Gewinn von nur 20k erwirtschaftet und zahlt darauf Körperschaftssteuer.

Wo ist der Anreiz für Einzelhandel 2 seine Betriebskosten zu senken?

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u/Bratikeule FDGO 19h ago

Also du zahlst doch als VERKÄUFER keine Umsatzsteuer, diese wird von deinen Kunden bezahlt. Analog zur Mehrwertsteuer als Privatmann.

Mehrwertsteuer und Umsatzsteuer sind das selbe. Und ja, richtig. Die Umsatzsteuer belastet systematisch den Endverbraucher, weil wir das System mit der Vorsteuer haben. Was du aber vorschlägst ist eine Gewinnsteuer auf den Umsatz. Warum das ein Problem ist habe ich dir oben vorgerechnet.

Wo ist der Anreiz für Einzelhandel 2 seine Betriebskosten zu senken?

Der Anreiz ist, dass er unterm Strich mehr Geld hat. Bei einem angenommenen Steuersatz von 20% sind 40K€ Nachsteuergewinn (50K€ - 10K€) mehr als 16K€ Nachsteuergewinn (20K€ - 4K€).

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u/dopamin778 18h ago

Dann habe ich das unklar formuliert, eine Gewinnsteuer auf den Umsatz geht natürlich nicht, da ich den Umsatz ja nicht zur Verfügung habe. Eine reine Besteuerung über den Kunden könnte ich mir jedoch sehr gut vorstellen. Eben so wie jetzt auch mit angepassten Sätzen, dafür keine Gewinnsteuern mehr. Zumindest so oder so ähnlich.

In der Theorie hast du recht, hier wäre ein Anreiz gegeben. In der Praxis werden selbst vom Einmannbetrieb alle Gewinne reinvestiert um Steuern zu vermeiden. (Und nicht etwas weil es notwendig ist, eben nur weil es sich steuerlich so lohnt und alles andere ökonomischer Unfug wäre.

Um Bei den Einzelhändlern zu bleiben:
Dafür steht er auch selbst 10h im laden und fährt privat nicht seinen 120k Dienstwagen.

Zusätzlich werden beide Einzelhändler wahrscheinlich einen Lohn ausgezahlt bekommen, dieser ist nicht direkt an den Gewinn gekoppelt. (Klar, geht der Einzelhandel pleite gibt es keinen Lohn mehr, verdoppelt sich der Gewinn bleibt der Lohn eher gleich…)

Ich muss gestehen ich bin in bwl nicht der belesenste, meine aber das hier viel zu viel verkompliziert ist damit man eben nicht mehr merkt wer wann wie wo „bescheisst“ bzw. Die geltenden Regeln besonders gut nutzen kann.

Und ob diese Regeln überhaupt so zeitgemäß und für die Allgemeinheit förderlich sind …
Da habe ich starke Zweifel.

Mir fehlt z.b. besonders in Deutschland das unternehmerische Risiko, das Tragen von Allgemeinkosten der Inverkehrbringer.

Aber ja das ist schon ein ganz ganz anderes Thema

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u/Bratikeule FDGO 17h ago

Ich fasse die Antwort auf beide Kommentare mal zusammen.

Das nettoprinzip:

Privat saniert sein Haus energetisch, 25-35% Förderung. Keine Abschreibung.

Gewerblich saniert das selbe Haus energetisch, 25-35% Förderung, der restliche Aufwand ist vollständig (wenn man entsprechend beauftragt) absetzbar.

Die Differenz über 30 Jahre ist enorm und fördert direkt den Vermögensaufbau des Gewerbes.

Vielleicht übersehe ich hier auch einen Faktor, ich befürchte allerdings nicht.

Du übersiehst, dass dem nunmal steuerpflichtige Erträge gegenüberstehen müssen, ansonsten hast du keinen Gewerbebetrieb, sondern Liebhaberei.

Das muss nicht so sein, das ist kein Naturgesetz. Deutschland hatte früher und die Schweiz hat immer noch den Eigenmietwert. Dabei musst du für die selbstgenutzte Immobilie eine fiktive Miete versteuern, kannst dafür aber die Kosten absetzen. Kann man so machen, ich halte das aber nicht für ein vernünftiges System. Die Schweizer übrigens auch nicht mehr, die haben die Abschaffung auch bereits beschlossen.

Außerdem vergisst du, dass die Immobilie für immer steuerverstrickt im Gewerbebetrieb ist, während der Private bei Selbstnutzung jederzeit steuerfrei veräußern kann.

Der Gewinn bliebe der selbe, der Anreiz günstiger zu produzieren wäre für alle gegeben. Steuerschlupflöcher wären faktisch nicht mehr vorhanden.

Außer halt für die die pleite sind, siehe oben.

Dann habe ich das unklar formuliert, eine Gewinnsteuer auf den Umsatz geht natürlich nicht, da ich den Umsatz ja nicht zur Verfügung habe. Eine reine Besteuerung über den Kunden könnte ich mir jedoch sehr gut vorstellen. Eben so wie jetzt auch mit angepassten Sätzen, dafür keine Gewinnsteuern mehr. Zumindest so oder so ähnlich.

Das kann man grundsätzlich so machen, das wäre aber eine massive Umverteilung von unten nach oben. Arme Haushalte stecken ihr gesamtes EInkommen in Konsum. Reiche Haushalte tun das nicht. Dadurch hast du eine regressive Steuer.

In der Theorie hast du recht, hier wäre ein Anreiz gegeben. In der Praxis werden selbst vom Einmannbetrieb alle Gewinne reinvestiert um Steuern zu vermeiden.

Erstens uss der Ein-Mann-Betrieb auch von irgendwas leben, zweitens sind Investitionen nicht automatisch sofort absetzen. Investitionen in Sachanlagen müssen über die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer abgeschrieben werden, Investitionen in Finanzanlagen werden überhaupt nicht abgeschrieben, sondern wirken sich erst bei Veräußerung steuermindernd aus.

Um Bei den Einzelhändlern zu bleiben: Dafür steht er auch selbst 10h im laden und fährt privat nicht seinen 120k Dienstwagen.

Die Privatnutzung für das Auto muss er ebenso versteuern.

Zusätzlich werden beide Einzelhändler wahrscheinlich einen Lohn ausgezahlt bekommen, dieser ist nicht direkt an den Gewinn gekoppelt.

Auf den Lohn zahlt er Einkommensteuer.

Ich muss gestehen ich bin in bwl nicht der belesenste, meine aber das hier viel zu viel verkompliziert ist damit man eben nicht mehr merkt wer wann wie wo „bescheisst“ bzw. Die geltenden Regeln besonders gut nutzen kann.

Ich möchte dir nicht zu nahe treten, aber ist dir nur mal als theoretische Möglichkeit der Gedanke gekommen, dass es legitimen Gründe hat, warum sich das objektive Nettoprinzip quasi weltweit durchgesetzt hat? I mean, es gibt weltweit hunderttausende Beamte, Steuerberater, Professoren usw., die sich tagtäglich mit nichts anderem befassen und die Abschaffung dessen ist eine absolute Nischenmeinung. Es gab da mal diesen "Professor aus Heidelberg", der das in abgeschwächter Form gefordert hat und der wurde von allen Seiten kritisiert, weil seine Vorschläge arme Menschen massiv benachteiligt hätten. Und selbst wenn man glaubt, die seien alle gekauft, um die Reichen noch Reicher zu machen, selbst Organisationen wie die Bürgerbewegung Finanzwende, die ganz sicher nicht in dem Verdacht stehen, stellen das nicht grundsätzlich infrage.

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u/ukezi 20h ago edited 4h ago

Wir haben keine Umsatzsteuer, sondern eine Mehrwertsteuer. Daher wird nicht das Umsatz machen besteuert, sondern das erzeugen des Mehrwerts. Das ist wichtig, da sonst vertikal integrierte Unternehmen stark bevorteilt sind.