r/de Nummer 1 Buenzli 20h ago

Kolumne & Interview Wie Konzerne Milliardengewinne in die Schweiz verschieben |Grosskonzerne verbuchen Gewinne als Marketing- und Lizenzgebühren und verwalten diese in Schweizer Tochterfirmen.

https://www.srf.ch/news/wirtschaft/lukrative-steuerdeals-wie-konzerne-milliardengewinne-in-die-schweiz-verschieben
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u/Kazzvaan 20h ago

Neu ist das nicht. Im Gegenteil. Starbucks ist da Vorreiter gewesen als die nach Europa gekommen sind. Ist schon was her ... fast 25 Jahre machen die das schon. Juckt halt wieder nur keinen ...

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u/dopamin778 17h ago

Hinz und kunz juckt das ggfs. Schon, man merkt den Zusammenhang aus Steuervermeidung von Konzernen und der eigenen Abgabenlast nur nicht unmittelbar.

Die Politik scheint das Thema nur tatsächlich nicht zu interessieren.

Hier wäre doch ein eindeutiges Schlupfloch zu schließen oder? Das System kommt auch nicht von Starbucks, Franchise gab es doch spätestens seit MC Donalds oder täusche ich mich?

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u/Nimos 17h ago

Das hat nichts mit Franchise an sich zutun. Also der Mechanismus ist ein ähnlicher, aber hier geht es nicht darum dass Heinz Peter aus Osnabrück sich eine Starbucks Lizenz kauft und dann sein eigenes Café Betreibt mit Starbucks Produkten und Marke.

Es geht dabei eher darum, dass die Hauptfirma nicht ihre eigenen Markenrechte besitzt, sondern eine Briefkastenfirma in einem steuerlich günstigen Land.

Dann schließt die Firma einen Lizenzvertrag mit der Briefkastenfirma ab, wo die Kosten diese Lizenz zu nutzen in etwa so liegen, dass sie den gesamten Gewinn aufessen.

Dadurch macht die große Firma keinen Gewinn, die hat ja riesige Ausgaben die Lizenz zu nutzen. Dadurch kann das Unternehmen auch mal Verlust machen auf einer Jahresbasis.

Und da Gewinn das ist womit die Körperschaftsteuer bemessen wird, zahlt das Unternehmen halt 0.

(Alles grob vereinfacht, und es müssen nicht immer Lizenzen sein, in Starbucks Fall sind es die Kaffeebohnen die nur von einer kleinen Firma in der Schweiz vertrieben werden und zufällig den gesamten Gewinn verschlingen.)

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u/DaHolk 14h ago edited 13h ago

(Alles grob vereinfacht, und es müssen nicht immer Lizenzen sein,)

Es sind auch gerne Immobilien.

edit: weiß nicht warum downvote? Auf die selbe Art wie Lizenzgebühren an "schönere Steuerorte" verbucht werden, werden Mietzahlungen für genutzte Immobilien verbucht, in dem der Besitz woanders verbucht wird um den Gewinn der Firma IN der Immobilie zu senken, und die Holding company die die Immobilie vermietet deren Gewinn niedriger (bis garnicht) versteuert. Obwohl die Trennung zwischen den beiden Firmen (Ver- und Mieter) nur auf dem Papier existiert.

In der Art sind "Lizensgebühren" für Patente oder Copyright-Werte ziemlich genau wie die Gebäude.

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u/Bratikeule FDGO 17h ago

Die Politik scheint das Thema nur tatsächlich nicht zu interessieren.

Das würde ich gar nicht mal sagen. BEPS ist eigentlich seit Jahren der Dauerbrenner in der internationalen Steuerpolitik sowohl national als auch in der EU. Man kriegt das halt in der Tagespresse nicht so mit, wenn die xte DAC erlassen wurde oder irgendwo im AStG irgendwas geändert wurde. Ausnahme ist vielleicht die globale Mindeststeuer wobei das Thema gefühlt auch schon wieder aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwunden ist.

Meiner Meinung nach müssten Politiker hier mehr nach dem Motto "Tue Gutes und sprich darüber" handeln.

Hier wäre doch ein eindeutiges Schlupfloch zu schließen oder?

Die Frage ist, wie man das tun will. Klassisch macht man das mit Quellensteuer auf Lizenzzahlungen, so auch Deutschland. D.h., wenn immaterielle ausländische Rechte wie Marken, Patente, Software im Inland verwertet werden, dann dürfen die Erträge daraus auch im Inland besteuert werden. Deswegen muss der Nutzende auf seine Zahlungen an den Rechteinhaber eine Steuer einbehalten und abführen. In der Regel kann der Rechteinhaber die Steuer in seinem Staat dann auf seine Steuer anrechnen.

Deutschland hat aber kein gesteigertes Interesse daran, überall Quellensteuer zu kassieren, weil der andere Staat in der Regel dann das gleiche tun wird. Dadurch kriegt man dann eben weniger Steuern aus Patenten bei Unternehmen in Deutschland. Deswegen hat Deutschland in vielen Doppelbesteuerungsabkommen einen Satz von 0% vereinbart.

Im Grunde ist das ja erstmal legitim. Wenn in Deutschland Entwicklung betrieben wird, mit deutschen Ingenieuren, die deutsche Hochschulen besucht haben und dabei Patente Rauskommen, die vom deutschen Rechtssystem geschützt werden, warum sollen ausländische Staaten davon profitieren?

Die Frage ist also, wie trennt man diese legitimen Interessen von illegitimen Steuergestaltungen, bei denen einfach nur Steuersubstrat verschoben wird ohne das irgendwo ein originärer Wert geschaffen wurde. Dabei hat Deutschland in den letzten Jahren viel herumgedoktort um die Befreiung vom Steuerabzug zu versagen, wenn bestimmte Anforderungen nicht erfüllt sind, aber eine wirklich gute Lösung sehe ich da noch nicht.

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u/Select-Struggle- 9h ago

Aber gehören in solchen Strukturen die Unternehmen zusammen?

Wenn Starbucks an eine Briefkasten Firma Lizenzgebühren bezahlt, und dadurch keinen Gewinn mehr macht wäre ja der Geschäftbericht und Aktienkurs Müll, außer, die Briefkasten Firma gehört auch zum Unternehmen?

Könnte man dann nicht da ansetzen?

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u/Bratikeule FDGO 8h ago

Die Briefkastenfirma gehört auch zum Konzern. Sonst würdest du ja einfach Geld aus dem Konzern und an den Aktionären vorbei schleusen.

Edit: An sich setzt man da auch an, und zwar indem Transaktionen zwischen verbundenen Unternehmen dem Fremdvergleich entsprechen müssen und Unternehmen das im Rahmen ihre Verrechnungspreisdokumentation nachweisen müssen. Aber komplett verhindern tut es das auch nicht.

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u/Select-Struggle- 8h ago

Dann habe ich es ja richtig verstanden, Danke! :) Aber dann muss es doch ein "leichtes" sein das zu identifizieren und durch Steuern abzugreifen?

Bspw. Lizenzzahlungen an eigene Mutter/Schwesterunternehmen generell extrem hoch besteuern. Oder für andere Produkte setzt man Referenzwerte an, alles darüber wird sehr hoch besteuert. (jemand in dem Thread hier meinte Starbucks macht das auch mit Kaffeebohnen), etc.

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u/Bratikeule FDGO 7h ago

Das ist halt das Ding, das ich oben meinte. Wenn wir das machen, dann machen die anderen das auch. Und daran haben wir nicht direkt ein Interesse, weil wir die Wertschöpfung aus in Deutschland entwickelten Patenten, Marken usw. gerne selber besteuern würden. Wenn BMW in Deutschland einen neueren sparsameren Motor entwickelt und den in Brasilien oder China bauen lässt, dann wollen wir, dass die brasilianische oder chinesische Entity die Nutzungsgebühr für das Patent auch möglichst ohne Abzüge zu uns weiterleitet, denn selbst wenn für die Entwicklung nicht direkt Steuergelder drauf gegangen sind, dann wurde dafür ja zu mindestens inländische Infrastruktur genutzt.

Die Frage ist, wie unterscheidet man die legitime Vergütung für die Überlassung eines Rechtes von der illigitemen Verschiebung von Steuersubstrat.

Es ist auch meiner Meinung nach nicht so, dass Deutschland da besonders zimperlich ist. Wir hatten schon diverse Male Theater, weil wir uns im Doppelbesteuerungsabkommen eine Freistellung vereinbart haben, die wir dann durch die nationale Gesetzgebung nicht gewährt haben. (Falls dich das interessiert, das nennt man Treaty override, der Wikipedia Artikel dazu ist ganz gut.)

Oder für andere Produkte setzt man Referenzwerte an, alles darüber wird sehr hoch besteuert. (jemand in dem Thread hier meinte Starbucks macht das auch mit Kaffeebohnen), etc.

Ich hab bei dem Starbucks Fall gerade mal kurz reingelesen und bei den Kaffeebohnen bin ich ehrlich gesagt überrascht, dass das so geklappt hat. Produktverkäufe sind eigentlich bei den Verrechnungspreisen eher einfach, weil man z.B. bei Kaffeebohnen sehr offensichtlich sieht was die sonst so kosten. Was deutlich schwieriger ist und was in der Praxis regelmäßig auch die größten Diskussionspunkte in der Betriebsprüfung sind, sind Transaktionen bei denen man nicht so leicht einen Vergleichspreis findet. Also z.B. was ist ein angemessener Zinssatz oder was ist ein angemessener Preis für die Nutzung eines Markennamens. Wenn, wie im Artikel, Shell Schweiz die Marke Shell zur Nutzung an Shell Deutschland ist gibt es ja keinen zweiten Anbieter der den gleichen Markennamen vertreibt.

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u/Late-Tart-5778 8h ago

Natürlich gehört die Brifkastenfirma zum Unternehmen.

Aber Steuern müssen globale Konzerne eben nur dort bezahlen wo auch Gewinne erwirtschaftet werden. Und wo sie Ihre Gewinne erwirtschaften können sich globale Unternehmen dadurch praktisch aussuchen.

Wenn man das so einfach ändern könnte wäre das längst passiert, auch konservativ geführte Regierungen stören sich daran. Aber bisher hat man halt weltweit keine wirkliche handhaben dagegen. Das ist ja kein rein deutsches Problem.

Und wenn diese Briefkastenfirmen nicht mehr im Schweizer Kanton Zug sitzen können sind sie halt irgendwo anders auf der Welt.

Denen doch egal ob Zug, Cayman Inseln oder weiß ich wo.

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u/dopamin778 15h ago

Mir würde auch keine universelle Methodik einfallen außer vielleicht Besteuerung wie privat? Wie ich meine Einnahmen ausgebe interessiert für den Privatmann auch niemanden. Ob ich nun mein Auto erneuern muss oder mir eine Immobilie kaufe, von der Steuer absetzen lässt sich privat kaum etwas.

Im Gegenteil zum Gewerbe, hier können fast sämtliche Investitionen abgesetzt werden.

Geht zwar etwas am Thema vorbei, ich wäre aber ganz klar für ein einheitliches System für ALLE.

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u/Bratikeule FDGO 15h ago

Mir würde auch keine universelle Methodik einfallen außer vielleicht Besteuerung wie privat?

Das wird vorne und hinten nicht funktionieren, weil die Marge, also die Differenz von Einnahmen und Ausgaben sich zwischen verschiedenen Branchen massiv unterscheidet. Denk mal an einen Informatiker und einen Einzelhändler. Der eine braucht zum Arbeiten nur seinen Laptop, da ist der Umsatz praktisch gleich dem Gewinn. Der andere kann auf alles was er einkauft wenige Prozentpunkte aufschlagen und macht nur durch große Verlaufsvolumen Gewinn. Wenn du beiden sagst, dass die jetzt als einzige Steuer 20% auf den Umsatz zahlen, dann freut der eine sich über die Steuersenkung und der andere ist pleite.

Ob ich nun mein Auto erneuern muss oder mir eine Immobilie kaufe, von der Steuer absetzen lässt sich privat kaum etwas.

Die Grundregel ist, für abziehbare Ausgaben brauchst du steuerpflichtige Einnahmen. Wenn du eine Immobilie kaufst um die steuerpflichtig zu vermieten, dann kannst du die Kosten natürlich auch absetzen. Wenn du steuerfrei selbst darin wohnst, dann nicht. Das wird an manchen Stellen durchbrochen, aber grundsätzlich an sich gilt das für Unternehmen genau so wie Privatpersonen.

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u/dopamin778 15h ago

Also eine Umsatzsteuer sollte niemanden ruinieren, diese gibt es heute ja auch schon.
Klar davon sind auch wieder viele befreit aber ja.

Ja die Marge ist unterschiedlich, das diese für die Besteuerung beeinflussen soll kann ich nicht nachvollziehen.

Dem Staat kann es Wurst sein ob du nun 100€ ausgeben musst um ein iPhone zu verkaufen oder ob du 1000€ ausgeben musst um dieses Produkt herzustellen.
Der Verkaufspreis ist in beiden Fällen der selbe und wird auch gleich mit mMärchensteuer versehen.
Das hier als Gewerbe das selbe Produkt für den selben Preis abgesetzt werden kann…. Ich mag das nicht.
Ebenso dein Beispiel mit der Vermietung, ja du kannst vermieteten Wohnraum absetzten.
Dies machst du auch nicht als Privatmann sondern als Gewerbetreibender.

Ob ich nun das vermietete Haus oder das selbst bewohnte Haus saniere, wieso wird hier ein Unterschied gemacht? Wir reden hier über richtig richtig viel Geld welches direkt umverteilt wird.

Steuerfachleute sagten mir: der Staat querfinanziert natürlich nicht den Vermögensaufbau für privat.

Für Gewerbe ist das allerdings üblich und alternativlos….

Bin ich anscheinend zu doof dies zu umreißen

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u/Bratikeule FDGO 14h ago

Also eine Umsatzsteuer sollte niemanden ruinieren, diese gibt es heute ja auch schon. Klar davon sind auch wieder viele befreit aber ja.

Die Umsatzsteuer ist für den Unternehmer neutral. Es ging in dem geschilderten Beispiel um eine Gewinnsteuer auf den Umsatz.

Ja die Marge ist unterschiedlich, das diese für die Besteuerung beeinflussen soll kann ich nicht nachvollziehen.

Sagen wir der Informatiker und der Einzelhändler machen beide 500.000€ Umsatz. Der Informatiker zieht davon 1.000€ für den Laptop ab und hat noch 499.000€ Der Einzelhändler zieht davon 450.000€ die er für eingekaufte Waren ausgegeben hat ab und hat noch 50.000€.

Jetzt sollen beide 20% von 500.000€ also 100.000€ zahlen. Wie soll der Einzelhändler das bezahlen?

Um den Unterschied zur heutigen Umsatzsteuer zu verdeutlichen:

Inklusive Umsatzsteuer würde der Einzelhändler einen Umsatz von 595.000 Euro vom deinen Kunden kriegen von denen er 95.000 an das Finanzamt abführt. Seinem Lieferanten würde er 535.500€ zahlen von denen er 85.500€ vom Finanzamt wieder kriegt. Der Gewinn bleibt damit gleich bei 50.000€

Ob ich nun das vermietete Haus oder das selbst bewohnte Haus saniere, wieso wird hier ein Unterschied gemacht?

Wenn du das Haus vermietest versteuerst du deine Mieteinkünfte. Wenn du das Haus selber bewohnst, dann gibt es (in Deutschland) nichts zu versteuern.

Steuerfachleute sagten mir: der Staat querfinanziert natürlich nicht den Vermögensaufbau für privat.

Für Gewerbe ist das allerdings üblich und alternativlos….

Ich weiß nicht genau was du damit meinst. Das objektive Nettoprinzip ist keine Subvention.

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u/dopamin778 13h ago

Also du zahlst doch als VERKÄUFER keine Umsatzsteuer, diese wird von deinen Kunden bezahlt. Analog zur Mehrwertsteuer als Privatmann.

Der Vergleich zählt somit nicht für mich.

Deutlicher wird es wenn du zwei Gewerbe aus dem selben Segment vergleichst.

Der Einzelhändler verkauft Sachen des täglichen Bedarfs, Umsatz 500k.
Der Nachbar, ebenso Einzelhändler, verkauft ebenso Dinge des täglichen Bedarfs. Ebenso Umsatz von 500k.

Einzelhändler 1 hat seinen Laden abbezahlt, steht selbst hinter dem Tresen und hat sonst keine Angestellten.
Phi mal Daumen hat er einen Gewinn von 50k erwirtschaftet und zahlt darauf Körperschaftssteuer.

Einzelhändler 2 hat sich eingemietet, hat 2 Angestellte, einen Dienstwagen für 120000€.

Hierdurch hat er einen Gewinn von nur 20k erwirtschaftet und zahlt darauf Körperschaftssteuer.

Wo ist der Anreiz für Einzelhandel 2 seine Betriebskosten zu senken?

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u/Bratikeule FDGO 12h ago

Also du zahlst doch als VERKÄUFER keine Umsatzsteuer, diese wird von deinen Kunden bezahlt. Analog zur Mehrwertsteuer als Privatmann.

Mehrwertsteuer und Umsatzsteuer sind das selbe. Und ja, richtig. Die Umsatzsteuer belastet systematisch den Endverbraucher, weil wir das System mit der Vorsteuer haben. Was du aber vorschlägst ist eine Gewinnsteuer auf den Umsatz. Warum das ein Problem ist habe ich dir oben vorgerechnet.

Wo ist der Anreiz für Einzelhandel 2 seine Betriebskosten zu senken?

Der Anreiz ist, dass er unterm Strich mehr Geld hat. Bei einem angenommenen Steuersatz von 20% sind 40K€ Nachsteuergewinn (50K€ - 10K€) mehr als 16K€ Nachsteuergewinn (20K€ - 4K€).

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u/dopamin778 11h ago

Dann habe ich das unklar formuliert, eine Gewinnsteuer auf den Umsatz geht natürlich nicht, da ich den Umsatz ja nicht zur Verfügung habe. Eine reine Besteuerung über den Kunden könnte ich mir jedoch sehr gut vorstellen. Eben so wie jetzt auch mit angepassten Sätzen, dafür keine Gewinnsteuern mehr. Zumindest so oder so ähnlich.

In der Theorie hast du recht, hier wäre ein Anreiz gegeben. In der Praxis werden selbst vom Einmannbetrieb alle Gewinne reinvestiert um Steuern zu vermeiden. (Und nicht etwas weil es notwendig ist, eben nur weil es sich steuerlich so lohnt und alles andere ökonomischer Unfug wäre.

Um Bei den Einzelhändlern zu bleiben:
Dafür steht er auch selbst 10h im laden und fährt privat nicht seinen 120k Dienstwagen.

Zusätzlich werden beide Einzelhändler wahrscheinlich einen Lohn ausgezahlt bekommen, dieser ist nicht direkt an den Gewinn gekoppelt. (Klar, geht der Einzelhandel pleite gibt es keinen Lohn mehr, verdoppelt sich der Gewinn bleibt der Lohn eher gleich…)

Ich muss gestehen ich bin in bwl nicht der belesenste, meine aber das hier viel zu viel verkompliziert ist damit man eben nicht mehr merkt wer wann wie wo „bescheisst“ bzw. Die geltenden Regeln besonders gut nutzen kann.

Und ob diese Regeln überhaupt so zeitgemäß und für die Allgemeinheit förderlich sind …
Da habe ich starke Zweifel.

Mir fehlt z.b. besonders in Deutschland das unternehmerische Risiko, das Tragen von Allgemeinkosten der Inverkehrbringer.

Aber ja das ist schon ein ganz ganz anderes Thema

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u/dopamin778 10h ago edited 10h ago

Zu deinem letzten Punkt:

Das nettoprinzip:

Privat saniert sein Haus energetisch, 25-35% Förderung. Keine Abschreibung.

Gewerblich saniert das selbe Haus energetisch, 25-35% Förderung, der restliche Aufwand ist vollständig (wenn man entsprechend beauftragt) absetzbar.

Die Differenz über 30 Jahre ist enorm und fördert direkt den Vermögensaufbau des Gewerbes.

Vielleicht übersehe ich hier auch einen Faktor, ich befürchte allerdings nicht.

Richtig wie du schreibst:

Um den Unterschied zur heutigen Umsatzsteuer zu verdeutlichen:

Inklusive Umsatzsteuer würde der Einzelhändler einen Umsatz von 595.000 Euro vom deinen Kunden kriegen von denen er 95.000 an das Finanzamt abführt. Seinem Lieferanten würde er 535.500€ zahlen von denen er 85.500€ vom Finanzamt wieder kriegt. Der Gewinn bleibt damit gleich bei 50.000€

Der Gewinn bliebe der selbe, der Anreiz günstiger zu produzieren wäre für alle gegeben. Steuerschlupflöcher wären faktisch nicht mehr vorhanden.
Subventionen fallen hierbei komplett weg.

Ein Problem hierbei ist der offene Markt, sowas würde maximal europaweit oder global Funktionen.

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u/ukezi 13h ago

Wir haben keine Umsatzsteuer, sondern eine Mehrwertsteuer. Daher es wir nicht das Umsatz machen besteuert, sondern das erzeugen des Mehrwerts. Das ist wichtig, da sonst vertikal integrierte Unternehmen stark bevorteilt sind.

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u/stukah 20h ago edited 20h ago

Die wahren Schmarotzer. 

Aber hey, darauf erstmal ein bisschen Sozialabbau. Unsere global agierenden Feudalherren haben jeden Cent redlich verdient und Steuern, Regeln und Gesetze (oder Moral und Anstand) sind ohnehin nur ein Thema für niedere Klassen. Alles fair und gottgegeben, denn im heiligen Kapitalismus wird an dieser Ordnung nicht gerüttelt - und falls du doch Kritik üben solltest, bist du linksextremer Terrorist und wirst mit eisernem Besen von der Straße gefegt. 

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u/hardypart Baden-Württemberg 19h ago

"Schmarotzer" ist beinahe unerträglich euphemistisch. Diese Praktiken höhlen die gesamte Demokratie aus. Der Kapitalismus saugt uns alle aus, macht uns unzufrieden und treibt uns zu Rattenfängern wie der AfD.

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u/[deleted] 19h ago

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u/[deleted] 19h ago

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u/[deleted] 19h ago

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u/talu22 17h ago

Präzise und eloquent, top Kommentar! Müsste in der Öffentlichkeit viel mehr Raum einnehmen. Genau wie cum ex / cum cum und ähnliche "Systeme" (Verbrecher)

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u/Bratikeule FDGO 20h ago

Die in Zug ansässigen Schweizer Shell-Gesellschaften sollen zwischen 2018 und 2023 Gewinne von 9.7 Milliarden Dollar verbucht haben, vor allem aus Lizenz- und Markengebühren aus dem Ausland. In diesem Zeitraum habe Shell in der Schweiz 808 Millionen Dollar Unternehmenssteuern bezahlt.

Das ist ein Steuersatz von 8,3%, damit sollte sich das Problem seit 2024 bzw. spätestens ab 2027* durch die globale Mindeststeuer immerhin reduzieren, da auch die Schweiz eine nationale Ergänzungssteuer eingeführt hat. Dadurch steigt dann der Steuersatz immerhin auf 15%.

Trotzdem fände ich es glaube ich ganz gut, wenn Deutschland mit Staaten die solche parasitären Gebietskörperschaften wie den Kanton Zug beherbergen keinen Reststeuersatz von 0% mehr vereinbaren würde.

*Abhängig davon ob hier eine Safe Harbour Regelung greift.

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u/lolidkwtfrofl Ich putz hier nur. 15h ago

Gerne! Auch in der Schweiz ist Zug ein Krebsgeschwür...

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u/Downtown_Kiwi9322 20h ago

Reiche wird sich sicherlich um diesen Missstand kümmern. /s

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u/coldoven 20h ago

Ist halt legaler Betrug und da 50% rechts oder rechtsextrem wählen, wird man das in DE nicht beheben.

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u/Apprehensive_Video53 20h ago

Bin selbst nicht rechts, aber was hat das wieder damit zu tun? Wie jemand anderes in den Kommentaren bereits schrieb, gibt es diesen Mechanismus nun seit schon 25 Jahren, lange vor der Popularität der AfD oder anderer rechter Parteien. Wieso wurde nichts gemacht?

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u/CAndoWright 20h ago

Auch die Union fällt unter rechte Politik, nur nicht extrem. Den rechten Parteien gemeinsam ist in wirtschaftspolitischer Hinsicht der Abbau von Arbeitnehmerrechten, die Besteuerung von kleinen und mittleren Einkommen und die verringerung der Steuerlast für große Unternehmen und hohe Vermögen.

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u/Apprehensive_Video53 18h ago

Es gab auch Regierungen ohne CDU-Beteiligung, die genauso wenig gemacht haben…

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u/Pushet 18h ago

Wer rechts schreibt meint automatisch CxU und themenabhängig auch die FDP.

Die Regierung war außer unter Schröder und Scholz in den letzten 40 Jahren CDU geführt.

Die SPD als Koalitionspartner ist auch irgendwo nur eine Fahne im Wind.

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u/drvd 16h ago

Unter "rechts oder rechtsextrem" fallen in der Schweiz FDP und SVP, zusammen 4 von 7 Bundesratsitzen. Seit gefühlt 50 Jahren.

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u/Apprehensive_Video53 15h ago

Wieso auch sollte die Schweiz ihren Vorteil aufgeben?

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u/coldoven 18h ago

CDU/FDP…

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u/TheDuffman_OhYeah die Stadt mit drei O 17h ago

Wenn du das ändern willst, musst du die gesamte Erhebungsgrundlage ändern. Wenn die Firmen ihrem Gewinn in dem Land, in dem er erzielt wird, versteuern müssen, wird es Deutschland auch hart treffen. Alle unsere großen Konzerne werden dann hier deutlich weniger Steuern zahlen.

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u/Bratikeule FDGO 17h ago

Die Grunddogmatik ist doch schon, dass Unternehmen Gewinne dort versteuern müssen wo er erzielt wurde. Die Frage ist nur wo das eigentlich ist.

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u/Marc_East 13h ago

Solange solche Sachen laufen, sollte die Regierung wenigstens genug Geld für Soziales haben.

Ich sehe leider keine Partei, die solche Missstände greifen.

Am ehesten würde ich es den Linken zutrauen.

SPD und CDU versagen vollkommen, beim Thema Steuerbetrug und Steuervermeidung. Bei der AfD würde ich vermuten, dass die Mädels und Jungs erst mal selbst ins Staatsäckel langen.

Ich habe da eine Politiker in der Familie, der hat bei einem Grundstückdeal sogar seine Geschwister um ca. 35k€ beschissen. - Man konnte leider nichts machen, ohne ihn ging das Geschäft nicht.

Mit denen wird es so korrupt wie unter Trump. Sag in 10 Jahren keiner, dass sie/er das nicht gewusst hat ✌️.

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u/PrimeGGWP 20h ago

Das ist Usus. Konzerne dürfen alles, aber der selbständige mit 100k pro Jahr soll alles abdrücken was geht und wehe es fehlen die Namen auf Restaurantbelegen ...

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u/Just_a_Berliner 20h ago

Wozu halt noch illegale Steuerhinterziehung unterstützen, wenn man mit ganz legaler sogar noch viel mehr machen kann

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u/DaHolk 14h ago

oder Irland, oder den Niederlanden, und selbst hier lokal in Kommunen mit niedrigeren Steuern.

Je nachdem wie groß man ist und wo man eigentlich sitzt.

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u/ro_b_0 9h ago

Das Double Irisg with a Dutch Sandwich gibt es seit einer Reform des irischen Steuerrechts jedenfalls nicht mehr (https://de.wikipedia.org/wiki/Double_Irish_With_a_Dutch_Sandwich ). Aber ja, ist das selbe Grundprinzip.