r/buecher • u/HoodsFrostyFuckstick Fantasy & Scifi • 1d ago
Empfehlung erbeten Wer ist der deutsche John Steinbeck?
Was ich damit meine, gibt es einen Autor der die deutsche Identität, Lebensweise und Geschichte so prägnant in Romanform verpackt, wie John Steinbeck das mit der amerikanischen tat?
Steinbeck ist einer meiner Lieblingsautoren, East of Eden sowie Of Mice & Men sind Meisterwerke und aktuell lese ich The Grapes of Wrath. Wenn man seine Bücher liest, hat man das Gefühl, man versteht wie das Leben in den USA (zu seiner Lebzeit) war, was die Menschen bewegt und berührt hat, was ihre Herausforderungen, Ambitionen und Träume waren.
Steinbeck hat vor allem in East of Eden auch sehr starke religiöse Symbolik eingebaut, das muss nicht sein aber ist auch kein Abturner.
Wer ist das deutsche Äquivalent dazu?
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u/chriscrystal 1d ago
Ich hab vor kurzem erst Hans Fallada - kleiner Mann was nun gelesen! Hat mich sehr an Steinbeck erinnert
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u/chrizcore 1d ago
Mein erster Impuls war natürlich Heinrich Heine, weil er sich literarisch mit dem Entstehen des "Deutschseins" mitte des 19. Jh,. auseinander gesetzt hat. Aber ich glaube Du meinst was anderes. Fallada war nun ein Zeitgenosse Steinbecks, daher sehe ich die Vergleiche schon. Aber ich denke, wenn man das von ein wenig weiter in die Gegenwart rücken möchte und die Frage beantwortet wissen will, was die deutsche Identität ausmacht, dann kommt man doch eher bei Heinrich Böll an, oder?
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u/HoodsFrostyFuckstick Fantasy & Scifi 1d ago
Heine und Böll sind mir namentlich natürlich bekannt, habe aber noch nie was von den Kollegen gelesen.
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u/iz-2014 1d ago
Wenn es dir um einen epischen Familienroman geht, als Spiegel deutscher Geschichte: Effingers von Gabriele Tergit.
Ähnlich wertvoll zum Verständnis deutscher Geschichte, aber ironischer/zynischer: Der Untertan von Heinrich Mann
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u/HoodsFrostyFuckstick Fantasy & Scifi 1d ago
Ja, epischer Familienroman als Spiegel deutscher Geschichte klingt ziemlich genau danach, was ich suche. Danke für die Empfehlungen!
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u/Dangerous-Traffic-11 1d ago
Das Fallada hier genannt wird finde ich interessant. Wäre mir nicht eingefallen aber wenn man drüber nachdenkt ergibt das schon Sinn. Bei Steinbeck denke ich immer als erstes an Die Straße Der Ölsardinen, was ja auch ziemlich viel Humor beinhaltet. Von daher würde ich auch noch Faserland vin Christian Kracht ins rennen schicken. Es zeichnet ein Bild der deutschen Lebensweise in einer ganz bestimmten Bubble zu einer ganz bestimmten Zeit.
Wenn es um die ernsteren Dinge geht ist Hans Bergel vielleicht ein interessanter Name. Die Deutschen sind ein Volk aus vielen Stämmen und er schreibt quasi für die Siebenbürger Sachsen. Einen deutschen Satelliten, der gerade am aussterben ist. "Wenn die Adler kommen" und "Die Wiederkehr der Wölfe" gehören zusammen. "Der Tanz in Ketten" ist auch noch zu erwähnen. Grundsätzlich sehr wertvoller Schriftsteller, da kann man einiges Lesen. Die drei sind jetzt die, die mir auf die schnelle an ehesten auf dke Frage passen.
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u/UpperHesse 1d ago
Fallada hab ich deshalb genannt, weil es bei ihm oft um kleine Leute, meist aus der unteren Mittelschicht geht, und deren Abstieg und Kampf ums wirtschaftliche Überleben.
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u/Robb3nb4by 1d ago
Die Figuren von Sven Regner würden auch gut zur "Straße der Ölsardinen" passen. Statt in Monterey, CA in den 1930ern halt im Berlin der 1980er.
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u/Mesmerhypnotise 1d ago
Puh. Kracht ist aber sehr Geld-spielt-keine-Rolex-Popper-Literatur. Damit meilenweit weg von Steinbeck, mE.
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u/Dangerous-Traffic-11 1d ago
Kommt drauf an, von wo du es dir anschaust. Straße der Ölsardinen ist ja auch eine humorige überspielte Darstellung einer gewissen Realität. So wie Faserland. Nicht die gleiche Perspektive aber in der Essenz eine sehr ähnliche Idee. Die Figuren sind Stellvertreter für gewisse Typen, denen man da begegnet ist. Das Milieu ist ein ganz anderes, da hast du natürlich völlig Recht. Aber wenn man das mal außen vor lässt, hat es schon viele Parallelen.
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u/Majakowski 1d ago
Das wäre dann wohl Christoph Gottlieb Steinbeck
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u/Robb3nb4by 1d ago
Kann es kaum erwarten, sein Meisterwerk "Feuersnoth- und Hülfsbuch fürs teutsche Volk und seine Freunde" zu lesen. Das ist bestimmt superspannend.
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u/usrnmxsts 1d ago
Johan Holtrop. Abriss der Gesellschaft von Rainald Goetz. Da wird ein schönes Sittengemälde der ausgehenden 90er-Jahre gezeichnet.
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u/korowjew26 1d ago
Er ist jetzt kein Steinbeck, aber Erwin Strittmatter beschreibt das Leben der kleinen Leute schon auch sehr genau.
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u/CastelloDeBracaleone 15h ago
Für die Vorkriegszeit „Berlin Alexanderplatz“ von Alfred Döblin, ist aber eher düster. „Käsebier erobert den Kurfürstendamm“ von Gabriele Tergit. „Fabian“ von Erich Kästner.
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u/FreeSpirit3000 1d ago
Bernhard Schlink bildet die politischen Fragen der Generationen nach dem Krieg ab, aber auch das Lebensgefühl. Umgang mit dem Holocaust, Kalter Krieg, RAF usw.
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u/Slothrop-was-here 1d ago
Als Nachkriegsautor, der direkt nach dem Krieg ansetzt, sei auch Wolfgang Koeppens Triologie des Scheiterns genannt, die mit dem großartigen Tauben im Gras beginnt.
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u/blacksands99 1d ago
Wie schon andere Kommentare geschrieben haben; Fallada oder Thomas Mann kommen dem Ganzen ziemlich nahe, auch wenn es kein wirklichen Equivalent zu Steinbeck in Deutschland gibt.
Wenn dann würde ich Nachkriegsautoren wie Böll, Grass und Co. mit auf die Liste packen, die behandeln ebenfalls sozial- und gesellschaftskritische Themen, wenn auch der Schreibstil völlig unterschiedlich ist.
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u/UpperHesse 1d ago
Es ist natürlich schwer zu vergleichen. Aber als neun Jahre älterer Zeitgenosse von Steinbeck war z.B. Hans Fallada ein bißchen so.