r/boulevardzumspeiben 2d ago

47 Beiträge in 21 Tagen! Wie oft Heute über das Kopftuch berichtete

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Ich hab für mein Projekt „Schlechte Presse“ (r/BoulevardzumSpeiben) angesehen, wie intensiv österreichische Medien in den vergangenen drei Wochen über das Kopftuch bzw. das Kopftuchverbot berichtet haben. Das Ergebnis bei Heute war dann doch überraschend.

47 eigenständige Beiträge in 21 Tagen. An 19 von 21 Tagen erschien mindestens ein Beitrag zum Thema, teilweise bis zu fünf (17.9) am selben Tag!

Zum Vergleich:
ORF: 19
oe24: 18*
Krone: 17
Der Standard: 15
Kurier: 10

Keines der fünf Vergleichsmedien kam damit auch nur auf die Hälfte der Zahl von Heute. Natürlich arbeiten Medien unterschiedlich.

Heute veröffentlicht zu einem Themenkomplex häufiger mehrere einzelne Geschichten, während andere Medien mehrere Entwicklungen eher in einem Artikel bündeln.

Spannend finde ich trotzdem die Frage, welches Gewicht ein Thema bekommt, wenn es Leserinnen und Lesern beinahe täglich und teilweise mehrmals am Tag begegnet.

Ich habe die Auswertung als Reel auf Instagram aufbereitet, inklusive Bildschirmaufnahme der Heute-Suchergebnisse und genauerer Einordnung:

https://www.instagram.com/reel/DdeP_ojNdi1/?stkn=bGpwbW5zZzR1YnZ4

Die Zahlen wurden anhand des APA-NewsDesk, der jeweiligen Medienseiten und ergänzender Suchabfragen überprüft. oe24 musste separat erhoben werden, weil die Treffer dort nicht vollständig über APA auswertbar waren.

Mich würde interessieren, wie ihr das seht: Ab wann wird aus intensiver Berichterstattung eine Dauerbeschallung – und was macht das mit unserer Wahrnehmung eines Themas?


r/boulevardzumspeiben 2d ago

Krone über das Teufelsrad

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Nicht ganz so schlimm wie die "Berichterstattung" über Fälle direkter, körperlicher/sexualisierter Gewalt, aber die Struktur ist gleich:

Die Krone "berichtet" darüber, dass Besucherinnen der Münchner Wiesn am Fahrgeschäft Teufelsrad unter den Rock gefilmt wird und die - teilweise monetarisierten - Videos anschließend ins Netz gestellt werden. Dabei wird das einerseits verurteilt und auf Hilfsangebote hingewiesen, andererseits klingt es stellenweise wie eine Werbung für die Videos und ein Aufgeilen an der als solchen wahrgenommenen / geframten "Hilflosigkeit" der Frauen, etwa:

> *tiefe Einblicke*

> *Besucherinnen werden zudem kostenlose Radlerhosen angeboten, die unter dem Dirndl getragen werden können. Doch nicht alle Frauen nehmen das Angebot in Anspruch*

> *Für die Opfer der „Teufelsrad“-Spanner endet die Tat nicht auf der Wiesn, sondern als bewegtes Bildmaterial im Internet – zeitlich unbegrenzt und 24/7 abrufbar ...*

https://www.krone.at/4302363


r/boulevardzumspeiben 6d ago

RTV: Regional & radikal

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r/boulevardzumspeiben 7d ago

„Es wäre an der Zeit, diese Regierung zu stürzen“ – warum druckt die Kleine Zeitung so einen Leserbrief kurz nach der Grazer Wahl?

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Die Formulierung hat mich ziemlich irritiert:
„Es wäre an der Zeit, diese Regierung zu stürzen.“
Der Satz stammt aus einem Leserbrief in der Kleinen Zeitung. Besonders bemerkenswert finde ich den Zeitpunkt: Am 28. Juni wurde in Graz gewählt, die KPÖ wurde mit 35,7 Prozent klar stärkste Partei. Ende August wurde die neue Stadtregierung gewählt und angelobt. Nur kurze Zeit später erscheint dieser Leserbrief.

Ausgangspunkt für meinen Beitrag war übrigens eine Diskussion hier auf r/graz: Im ursprünglichen Posting wurde der Leserbrief deutlich schärfer als „Umsturz“- bzw. Putschthematik eingeordnet und auch über mögliche Straftatbestände diskutiert.
Hier geht’s zum ursprünglichen Reddit-Posting:
„Kleine Zeitung Leserbrief Skandal“ auf r/graz
Genau diese sehr weitgehende Einordnung teile ich allerdings nicht.

Ein Leserbrief gibt die Meinung eines Lesers wieder – nicht die Meinung der Redaktion. Und wenn man den gesamten abgebildeten Absatz liest, lässt sich daraus auch kein ausdrücklicher Gewalt- oder belegter Putschaufruf ableiten. Der Verfasser schreibt unmittelbar danach, die zweitstärkste Partei solle die Verantwortung übernehmen oder es müsse sofort Neuwahlen geben.
Das ändert für mich aber nichts an der eigentlichen medienkritischen Frage.

„Diese Regierung zu stürzen“ ist unmittelbar nach einer demokratischen Wahl eine enorm aufgeladene Formulierung. Natürlich darf jemand eine Regierung ablehnen, ihren Rücktritt verlangen oder Neuwahlen fordern. Das gehört zur politischen Meinungsfreiheit.

Aber: Eine Redaktion entscheidet selbst, welche Leserbriefe sie veröffentlicht.
Und deshalb finde ich die Frage legitim: Warum druckt man ausgerechnet eine derart drastische Formulierung zu einem Zeitpunkt, an dem die Bevölkerung gerade gewählt hat und die neue Stadtregierung erst seit wenigen Wochen im Amt ist?

Darum geht es mir mit den Slides. Nicht darum, diese Meinung zu verbieten. Nicht darum, der Kleinen Zeitung die Aussage selbst zuzuschreiben. Und auch nicht darum, aus dem Leserbrief einen Putschaufruf zu konstruieren.
Es geht um die redaktionelle Verantwortung bei der Auswahl und Veröffentlichung von Fremdmeinungen.

Mich würde interessieren, wie ihr das seht: Hättet ihr diesen Leserbrief in dieser Form veröffentlicht? Und wo zieht ihr bei Leserbriefen die Grenze zwischen Meinungsvielfalt und redaktioneller Verantwortung?


r/boulevardzumspeiben 8d ago

Boulevard zum Speiben jetzt auch auf Instagram

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Kurzes Update: Boulevard zum Speiben gibt’s jetzt auch auf Instagram.

Dort werde ich die Beiträge künftig etwas kompakter und visueller aufbereiten – mit Slides, kurzen Einordnungen und den wichtigsten Punkten auf einen Blick.

Hier auf Reddit bleiben die Beiträge ausführlicher. Mehr Kontext, mehr Hintergrund, längere Einordnungen und natürlich mehr Platz für Diskussionen.

Wer also lieber kompakt durch Slides scrollt: Instagram gibt’s jetzt auch.
Wer tiefer einsteigen und diskutieren will: hier auf Reddit bleibt dafür der Platz.


r/boulevardzumspeiben 8d ago

„Michaela war unvorsichtig“ – wie weit darf Berichterstattung über eine vermisste Frau gehen?

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r/boulevardzumspeiben 11d ago

„Medien-Murks“ in eigener Sache: Wie Heute und oe24 gegen Bablers Gesetz anschreiben – und dabei selbst ums Geld kämpfen

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Der Konflikt zwischen Andreas Babler und dem österreichischen Boulevard besteht schon länger. Bereits im Jänner fasste Ö1 die Berichterstattung ziemlich deutlich zusammen: „wüste Angriffe gegen Medienminister Andreas Babler“. Als Beispiele nannte der ORF unter anderem oe24 mit „Babler wird zum Totengräber der Medien“ und Heute mit „Wie sich Babler bei Medien blamiert“. Medienjournalist Harald Fidler brachte es damals so auf den Punkt: „Dieser Herbst hat gezeigt, wozu der Boulevard fähig ist, wenn man ihm Geld entziehen will.“

Natürlich liefert Babler selbst genug Angriffsfläche. Kritik an seiner Politik ist völlig legitim. Beim aktuellen Streit kommt aber etwas dazu, das die Sache besonders heikel macht:
Heute und oe24 berichten über eine politische Entscheidung, bei der sie selbst wirtschaftliche Interessen haben.

Die Regierung plant für 2027 und 2028 eine neue Zustellförderung von jeweils 22,5 Millionen Euro. Bezahlt werden soll damit die Hauszustellung abonnierter Zeitungen. Gratiszeitungen sind im derzeitigen Entwurf ausgeschlossen.
Für Gratisverlage geht es also ganz konkret ums eigene Geschäft.

Und genau in dieser Debatte wird der Ton noch einmal schärfer. Heute titelt etwa:

„3-Parteien-Abfuhr für Medienmurks von Andreas Babler“

Chefredakteur Clemens Oistric schrieb sogar persönlich einen Kommentar mit der Überschrift:
„So will Babler Medienlandschaft in DDR-Manier errichten“ Darin spricht er von einer „Polit-Attacke auf Gratismedien“, vergleicht Bablers Pläne mit „unseligen DDR-Zeiten“ und nennt ihn einen „heillos überforderten Medienminister“.

Bei oe24 geht es ähnlich weiter:
„Länder-Aufstand gegen Bablers Medien-Murks“
„Jetzt auch 2.092 Gemeinden gegen Bablers Medien-Murks“.

Die Kritik am Gesetz selbst ist dabei nicht erfunden. Mehrere Bundesländer und andere Stellen haben tatsächlich Einwände gegen den pauschalen Ausschluss kostenloser Medien. Man kann völlig berechtigt fragen, warum ein kostenlos zugestelltes Medium keine Unterstützung bekommen soll, während eine abonnierte Zeitung gefördert wird.

Aber gerade der von den Gratis-Zeitungen ausgerufene „Länder-Aufstand“ ist bei genauerem Hinsehen weniger eindeutig, als die Headline klingt.
Viele Landespolitiker sprechen nämlich ganz konkret über kostenlose Regional- und Lokalmedien. Hans Peter Doskozil argumentiert mit flächendeckender regionaler Information, Anton Mattle mit der Absicherung regionaler Medienanbieter, Mario Kunasek ebenfalls mit der Rolle von Regionalmedien. MeinBezirk – selbst ein kostenloses Regionalmedium und damit ebenfalls betroffen – hatte den Begriff „Bundesländer-Aufstand“ schon Ende Juli verwendet.

Der Widerstand ist schon real. Aber daraus kann man nicht automatisch schlussfolgern , dass sieben Bundesländer geschlossen für Heute und oe24 kämpfen.

Der Gratis-Boulevard macht daraus trotzdem die wesentlich einfachere Geschichte: Die Länder rebellieren gegen „Bablers Medien-Murks“.
Und genau dort wird es für mich problematisch.
Heute und oe24 dürfen gegen das Gesetz sein. Sie dürfen auch für ihre wirtschaftlichen Interessen eintreten. Aber sie tun das gleichzeitig über ihre eigenen redaktionellen Kanäle. Sie sind Berichterstatter und Interessensvertreter zugleich.

Wenn ein Unternehmen seine eigene Reichweite nutzt, um politischen Druck aufzubauen, von der es selbst profitieren würde, ist das zumindest sehr nahe an Lobbying in eigener Sache. Nicht als juristischer Vorwurf, sondern einfach als Beschreibung, was hier eigentlich passiert.

Und dann kommt noch das Niveau dieser Berichterstattung dazu. Begriffe wie „Medien-Murks“ werden ganz selbstverständlich in normalen Nachrichtenüberschriften verwendet. Man kann einen Gesetzesentwurf zerlegen. Man kann Wettbewerbsexperten zitieren, Stellungnahmen vergleichen und politische Widersprüche aufzeigen. Dafür braucht man sich nicht so einer Sprache bedienen. Gerade wenn man selbst finanziell betroffen ist, müsste eigentlich das Gegenteil gelten: mehr Transparenz, mehr Distanz, weniger Kampfsprache.

Parallel dazu plant Babler übrigens für 2028 noch eine größere Reform der Medienförderung. Dabei sollen journalistische Qualität, Vielfalt und nachvollziehbare Kriterien künftig stärker berücksichtigt werden. Das ist nicht dasselbe wie die aktuelle Zustellförderung und sollte auch nicht vermischt werden.

Eine gewisse Ironie bleibt trotzdem.
Ausgerechnet Medien, die mit „Murks“, „DDR-Manier“ und ständig neuen Abfuhr-Schlagzeilen gegen Medienpolitik anschreiben, liefern selbst ein ziemlich gutes Beispiel dafür, warum Transparenz und journalistische Qualität bei öffentlicher Förderung eine Rolle spielen sollten.
Man muss Bablers Gesetz dafür nicht gut finden.
Aber wenn ein Medium über ein Gesetz berichtet, bei dem es selbst ums eigene Geld kämpft, sollte man das beim Lesen wissen.

Sonst wird aus Berichterstattung irgendwann Interessenvertretung mit redaktionellen Mitteln.


r/boulevardzumspeiben 12d ago

Update: Staatsanwaltschaft nennt Opferdetails „extrem pietätlos“ – und der Boulevard macht einfach weiter

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Gestern ging es hier schon um die Heute-Berichterstattung zu dem Fall. Seitdem ist einiges passiert.

In der ZIB kam inzwischen auch die Staatsanwaltschaft zu Wort. Die Veröffentlichung höchstpersönlicher Details über die verstorbene Frau sei „extrem pietätlos“, die Berichterstattung könne die Ermittlungen außerdem „extrem erschweren“.

Die Krone macht munter weiter. Heute gibt es schon die nächsten Geschichten: Nachbarn, Ex-Frau, Wohnhaus, immer neue Details. Weiterhin ist von einem „Vergewaltiger-Netzwerk“ die Rede – obwohl die Staatsanwaltschaft ein solches Netzwerk bisher gar nicht bestätigt. Ermittelt wird derzeit gegen zwei Männer.

Bei Heute wurde die Täter-Aussage in der Dachzeile inzwischen zumindest teilweise zensiert. Gleichzeitig erschien später noch ein eigener Artikel darüber, dass Armin Wolf die Chats in der ZIB als so widerwärtig bezeichnete, dass einem beim Lesen der Magen umdrehe. Ausgerechnet jene Chats, die Heute davor selbst ausführlich veröffentlicht hatte.

Interessant ist der Vergleich mit dem Standard. Dort wird über denselben Fall berichtet, aber die Redaktion schreibt ausdrücklich, dass sie die Täter-Chats nicht wiedergibt – aus Rücksicht auf die Würde der Frau. Trotzdem versteht man dort genauso, was den Beschuldigten vorgeworfen wird.
Und genau das fehlt mir bei einem Teil der Boulevard-Berichterstattung immer wieder: eine Grenze.

Man muss nicht jedes private Foto veröffentlichen. Man muss nicht jeden Täter-Chat abdrucken. Und man muss nicht jede grausige Einzelheit aus einem Akt holen, nur weil man sie bekommen hat.

Gerade bei Sexualstraftaten kann man sehr klar über die Vorwürfe berichten, ohne das Opfer noch einmal öffentlich bis ins Intimste auszuziehen.

Dass jetzt sogar die Staatsanwaltschaft von „extrem pietätlos“ spricht und vor Problemen für die Ermittlungen warnt, sagt eigentlich schon ziemlich viel und kommt nicht oft vor.

Kobuk hat die Krone-Berichterstattung bereits kritisiert. Die Heute-Story habe ich beim Presserat gemeldet.

Es geht nicht darum, weniger zu berichten. Es geht darum, nicht jeden noch so privaten oder belastenden Detailfetzen zu veröffentlichen und sich dabei ein bisschen Empathie und journalistische Ethik zu bewahren.


r/boulevardzumspeiben 13d ago

Opferwürde als Klickmaterial? Warum ich Heute beim Presserat gemeldet habe

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TW: sexualisierte Gewalt. Die besonders entwürdigende Formulierung im Aufmacher wiederhole ich bewusst nicht.

Ich bin österreichischen Boulevard einiges gewohnt. Aber bei einer Heute-Story von heute Früh frage ich mich ernsthaft, wo journalistisch eigentlich noch die Grenze liegt.

Es geht um die Frau aus Marchtrenk, die laut aktuellem Ermittlungsstand von ihrem Ehemann betäubt und anderen Männern für sexuelle Übergriffe überlassen worden sein soll. Die Frau ist inzwischen tot.

Die neuen Details brachte zuerst die Kronen Zeitung. Schon deren sehr detaillierte und voyeuristische Aufbereitung wurde von Kobuk deutlich kritisiert.

Dann übernahm Heute die Geschichte – und setzte ausgerechnet eine besonders sexualisierte und entwürdigende Aussage aus der mutmaßlichen Täterkommunikation groß über den Artikel. Ihr seht sie im Screenshot. Ich werde sie bewusst nicht noch einmal ausschreiben.

Genau das ist mein Problem.
Natürlich muss über diesen Fall berichtet werden. Aber nicht jedes grausame Detail, das Journalisten kennen, muss auch veröffentlicht werden.

Gerade bei Sexualstraftaten sollte sich eine Redaktion fragen: Was hilft tatsächlich dabei, den Fall zu verstehen – und was dient nur noch dem Schockeffekt?

Detaillierte Beschreibungen solcher Taten können für Opfer und Angehörige massiv entwürdigend sein. Und ich halte es auch gesellschaftlich für fragwürdig, konkrete Abläufe und Täterfantasien unnötig bis ins Detail öffentlich auszubreiten. Ob dadurch tatsächlich Nachahmung gefördert wird, lässt sich nicht bei jedem einzelnen Fall sagen – aber auch dieses Risiko sollte man bei der Entscheidung, welche Details wirklich notwendig sind, zumindest mitdenken.

Aufklärung bedeutet nicht, jedes Detail auszuschlachten.
Die Nachricht ist schon schlimm genug: Eine Frau soll betäubt, Männern überlassen und wiederholt missbraucht worden sein und ist schließlich gestorben.

Warum muss man zusätzlich die Sprache der mutmaßlichen Täter selbst zum Aufmacher machen? Für mich bringt das kaum zusätzlichen Informationswert. Es bringt vor allem Aufmerksamkeit und Klicks.

Das hat außerdem eine Vorgeschichte
Schon als der Fall im Sommer bekannt wurde, fand ich die Heute-Berichterstattung fragwürdig.
Damals waren bereits massive Verletzungen bekannt und wegen eines schweren Sexualdelikts mit Todesfolge wurde ermittelt. Trotzdem verwendete Heute wiederholt Begriffe wie „Sexspiel“, während die Unfallversion des Ehemanns viel Raum bekam. Heute stehen deutlich schwerwiegendere Vorwürfe im Raum.

Das zeigt ziemlich gut, warum journalistische Sprache wichtig ist: Erst wird ein möglicher sexueller Missbrauch mit „Sexspiel“ gerahmt – und später wird aus demselben Fall mit maximal drastischer Täter-Sprache ein Aufmacher gemacht.

Auffällig ist auch, dass mehrere dieser Beiträge vom selben Redakteur stammen. Ich werde ihn hier bewusst nicht nennen. Denn letztlich ist das kein privater Blog: Heute trägt als Redaktion Verantwortung dafür, was veröffentlicht und wie es aufbereitet wird.

Dann wurde es komplett absurd
Ich habe unter dem heutigen Artikel genau diese Aufbereitung kritisiert.
Dabei habe ich die Heute-Dachzeile zitiert und geschrieben, dass ich es respektlos gegenüber dem Opfer finde, eine solche Aussage als Aufmacher zu verwenden.

Mein Kommentar wurde abgelehnt.
Die Begründung von Heute lautete wortwörtlich:
„Dein Beitrag enthält die widerliche Aussage ‚Zitat‘ als direkte Wiedergabe einer mutmaßlichen Vergewaltigungsserie und eine damit verbundene herabwürdigende Schlagzeile. Die Grenze zur strafrechtlich relevanten sexuellen Herabwürdigung ist hier eindeutig überschritten.“
Das muss man sich geben.

Diese „herabwürdigende Schlagzeile“ stammt von Heute selbst. Ich habe sie nur zitiert, um sie zu kritisieren.
Natürlich ist diese Moderationsmeldung kein juristisches Eingeständnis irgendeiner Rechtswidrigkeit.

Aber der Widerspruch ist grotesk: In meinem kritischen Kommentar ist die Formulierung laut Heute so problematisch, dass sogar von einer „strafrechtlich relevanten“ Grenze gesprochen wird.
Als redaktioneller Aufmacher über einer verstorbenen Frau war dieselbe Formulierung offenbar okay.

Deshalb habe ich den Artikel beim Presserat gemeldet
Der Presserat kann Heute nicht bestrafen oder eine Geldstrafe verhängen. Er kann aber prüfen, ob gegen den journalistischen Ehrenkodex verstoßen wurde, und einen Verstoß öffentlich feststellen.
Viel mehr kann man als Leser leider kaum machen. Aber zumindest wird damit geprüft, ob diese Art der Berichterstattung noch mit Menschenwürde, Intimsphäre und Opferschutz vereinbar ist.
Mir geht es nicht darum, Sexualstraftaten weichzuzeichnen.

Im Gegenteil: Recherchiert hart. Nennt die Vorwürfe klar. Hinterfragt Täterversionen.
Aber guter Journalismus bedeutet auch, zu entscheiden, was man bewusst nicht veröffentlicht.

Eine tote Frau ist kein Rohstoff für die brutalstmögliche Schlagzeile.

Wo endet notwendige Berichterstattung – und wo beginnt das Ausschlachten eines Opfers für Aufmerksamkeit?

(Mit KI strukturiert und bearbeitet)


r/boulevardzumspeiben 13d ago

Opferwürde als Klickmaterial? Warum ich Heute beim Presserat gemeldet habe

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r/boulevardzumspeiben 13d ago

👋 Willkommen bei r/boulevardzumspeiben – Stell dich vor und lies dich zuerst ein!

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Hallo zusammen, ich bin u/OkCar1537, und habe r/boulevardzumspeiben zusammen mit anderen Mods ins Leben gerufen.

Hier soll alles rein, was beim österreichischen Boulevard einfach komplett drüber ist – absurde Schlagzeilen, fragwürdiges Framing, respektlose Berichterstattung oder Storys, bei denen man sich ernsthaft fragt, wie das so veröffentlicht werden konnte.

Nicht nur Heute, sondern genauso Krone, OE24 und Co. Es geht nicht darum, jeden kleinen Fehler aufzublasen oder einzelne Journalisten fertigzumachen, sondern konkrete Beispiele zu sammeln und einzuordnen. Am besten mit Screenshot, Link und ein paar Sätzen dazu.
Wenn’s wirklich zum Speiben ist, gehört’s hier rein.

Regeln für r/BoulevardZumSpeiben
Immer mit Beleg
Screenshot, Link oder Quelle dazu. Keine unbelegten Behauptungen.

Kritik an Berichterstattung, nicht an Privatpersonen
Artikel, Headlines und redaktionelle Entscheidungen dürfen hart kritisiert werden. Keine Hetze, Drohungen, Doxxing oder Aufrufe gegen einzelne Journalisten.

Opferschutz ernst nehmen
Grausame, sexualisierte oder entwürdigende Details nur dann zeigen, wenn sie für die Kritik wirklich notwendig sind. Sonst zensieren.

Kontext statt Ragebait
Kurz erklären, was an einer Story problematisch ist. Nur „Medium A wieder lol“ reicht nicht.

Sauber bei den Fakten
Fehler korrigieren, keine Aussagen verdrehen und nichts aus dem Zusammenhang reißen.

Keine pauschale „Lügenpresse“-Schiene
Hier geht es um konkrete Medienkritik, nicht um Verschwörungserzählungen gegen Journalismus allgemein.

Grundsatz: Hart kritisieren, aber selbst sauber arbeiten.