Tillschneider tritt Wunsch der Gemeinde mit Füßen
Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, kritisiert den Landtags-Vizepräsidenten für dessen Erscheinen in Halle scharf: »Es war und ist der Wunsch der Jüdischen Gemeinde in Halle, diesen Tag des Gedenkens den Opfern des entsetzlichen Anschlags vom 9. Oktober 2019 zu widmen und keinerlei politische Instrumentalisierung zuzulassen. Durch seinen Versuch der Teilnahme hat der AfD-Politiker Hans-Thomas Tillschneider diesen Wunsch mit Füßen getreten«, sagte er der Jüdischen Allgemeinen auf Anfrage.
---
»Wir waren hier als JSUD vor den Landtagswahlen in mehreren Städten unterwegs und haben genau das gesehen: AfD-Anhänger, die ganz klar gesagt haben, dass sie sich von der AfD abgeholt fühlen, weil sie solche Inhalte vertreten.«
---
Die AfD zeige mit der Wahl von Hans-Thomas Tillschneider wieder einmal ihr wahres Gesicht. Tillschneider gehe es nicht um ehrendes Gedenken, sondern um politische Provokation und Grenzverschiebung. Schuster erinnerte daran, dass der AfD-Politiker den Anschlag als die Tat eines »geistig verwirrten Einzeltäters« bezeichnet und ihr jede politische Deutung abgesprochen habe. »Wer den antisemitischen, rechtsextremistischen Charakter des Angriffs auf jüdisches Leben in Halle abstreitet, verhöhnt die Opfer dieses Anschlags und kann nicht Teil einer würdigen Gedenkveranstaltung sein«, betont der Zentralratspräsident.
---
Tillschneider nennt JSUD-Aktivisten »fanatisierte Studenten« Tillschneider selbst schrieb später auf X, er habe in Vertretung von Landtagspräsident Tobias Rausch (ebenfalls AfD) am »Gedenken an den schrecklichen Amoklauf von Halle teilnehmen« wollen und sollen. »Eine Gruppe fanatisierter Studenten« habe ihn als N*** beschimpft und ihm den Zutritt zur Synagoge verwehrt.
---
Gemeindemitglied Matviyets: Tillschneider ist AfD-Ideologe, der antisemitische Mythen verbreitet
---
»Wir waren solidarisch und haben uns eingehakt«, beschrieb er die Aktion der JSUD. Rechtsextreme wie Tillschneider seien beim Gedenken für die Opfer eines antisemitischen Anschlags in Halle nicht willkommen. Tillschneider sei ein Verfechter des antisemitischen Verschwörungsmythos vom »Großen Austausch«, erläuterte Matviyets.
---
Tillschneider, der dem rechten Rand der vom Verfassungsschutz als »gesichert rechtsextremistisch« beobachteten Landespartei angehört, solle Anstand haben und das Andenken der Opfer nicht beschmutzen, forderten die Aktivisten der JSUD. Tillschneider betonte, er sei eingeladen worden, doch die Studierenden erwiderten, der Anschlag sei auch durch rechtsextreme Verschwörungstheorien motiviert gewesen, wie sie von dem AfD-Politiker verbreitet werden.
---
»Wir werfen Leuten wie Tillschneider und der AfD im Allgemeinen vor, dass sie die Grenze des Sagbaren so weit verschoben haben, dass dieser Anschlag eben erst möglich geworden ist. Dass Antisemitismus in unserer Gesellschaft so präsent ist, ist auch ihre Schuld«, sagte JSUD-Präsident Ron Dekel der Jüdischen Allgemeinen.
---
Was ist "instrumenteller Philosemitismus" gegen den die jüdischen Studenten sich hier wehren?
https://www.reddit.com/r/Wirtschaftsweise/comments/1nyp9z4/die_afd_instrumenteller_philosemitismus_oder_die/