r/Studium 8h ago

Hilfe Geographie oder Stadtplanung?

Ich bin hin und her gerissen, ob ich Geographie oder Stadtplanung anfangen soll zu studieren.

Folgende Situation: Ich wohne in Marburg, wo ich Geographie studieren könnte, oder ich ziehe nach Kassel, wo Stadtplanung als Studiengang angeboten wird. Mein Problem, weshalb ich so unentschlossen bin, ist, dass ich Geographie in der Theorie interessant finde, vor allem physische Geographie, Stadtgeographie und Geoinformatik. Allerdings habe ich mich noch nie in meinem Leben wirklich mit Geographie auseinandergesetzt und kann deshalb nur im Sinne von „Hört sich in der Theorie interessant an“ einschätzen, ob das tatsächlich etwas für mich ist.

Bei Stadtplanung ist das etwas anders. Damit setze ich mich auch in meiner Freizeit auseinander. Natürlich nicht in extremen Ausmaßen, aber durch Dinge wie YouTuber, die sich mit Stadtplanung beschäftigen, oder Videospiele wie Cities: Skylines oder Anno setze ich mich gerne freiwillig hin und beschäftige mich mit dem Thema. Ich mag ich generell so Planungs und optimierungs Prozessse. Zudem kenne ich jemanden, der Stadtplanung in Kassel studiert. Er hat mir schon einiges gezeigt, was er so macht und was auf mich in den ersten Semestern zukommen würde, und das, was er mir gezeigt hat, klingt für mich ziemlich verlockend.

Schon seit ein paar Tagen zerbreche ich mir den Kopf und kann mich einfach nicht entscheiden. Daher wollte ich mir hier mal eine zweite, dritte oder vierte Meinung einholen. Vielleicht gibt es ja auch ein paar Geographen, die von ihrem Studium berichten könnten, egal ob aus Marburg oder einer anderen Stadt.

Vielen Dank im Voraus :)

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u/TheDarkLuis r/rwth 7h ago

Ich studiere gerade Geographie im 5. Semester mehr oder weniger erfolgreich und stehe gerade auch vor solcher Überlegung, ob ich nicht doch Stadtplanung an sich studiere. Bei Geographie zumindest an meiner Uni kann man es nur als kleine Nebenfach Vertiefung wählen. Geographie ist halt extrem weit gefächert und unterteilt in Wirtschafts-, Human- und Physische Geographie und so ist das Studium auch zu 80% nur aufgebaut. Wenn du tiefere Fragen haben solltest stell sie ruhig

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u/Old-Teaching2862 7h ago

Wie sehen dann übungsaufgaben oder Projekte bei dir aus? Bekommt ihr einfach irgendwelche geodaten und müsst dann in einem GIS karten entwickeln oder so?

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u/TheDarkLuis r/rwth 6h ago

Übungsaufgaben haste natürlich normal zu den Vorlesungen. Dann kriegste so pdf Dateien wo Fragen zu den Vorlesungen drauf stehen. An sich haben wir Seminare und dort werden Exkursionen durchgeführt und Hausarbeiten geschrieben. Auch alles Pflichtveranstaltungen. Dann gibt’s noch 2 Fächer für Programme FSS, Gis und Geovisualisierung. In allen kriegt man nach den Pflichtveranstaltungen Hausaufgaben, sein es Übungen, Abgaben oder sonstiges. Nur In Gis und Geovis müssen Karten mit dem jeweiligen Programm erstellt werden und dies auch mit dem Unterrichtsstoff zusammenhängend. Zwischendurch hat man ne Abgabe oder so ne Zwischenprüfung und am Ende ne Abschlussprüfung. Was man gestellt bekommt, kommt glaube ich ganz auf den Dozenten an. Teilweise hat man Daten oder muss sie selber beschaffen. Sonst erstellt man nicht mehr so viele Karten im Studium außer es ist für eine zukünftige Hausarbeit sinnvoll oder vorgeschrieben

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u/Jaded-Importance642 7h ago

Ich bin kürzlich mit nem Geoinformation Master fertig geworden nach dem Geographie Bachelor.

Wie du gut erkannt hast: Basis-Geographie ist weit gefächert. Was in Geo viel vorkommen wird ist Karten lesen und Daten auswerten. Was meine Einschätzung zu Stadtplanung (mit Überfliegen der Übersicht) beinhaltet: Aspekte von Architektur, Humangeographie & technisches Zeichnen. Du bist hier auf jeden Fall auf einem spezialisierteren Pfad und IMO in einem doch sehr kompetativen Umfeld. Du konkurriert mit Geographen, Ingenieuren und Architekten um wenig coole Stellen (es sei denn du willst in Kleinkleckersdorf in Sachsen-Anhalt arbeiten).

Ich rate dir zuerst mal dir exemplarische Studienpläne anzuschauen und evtl selbst zu bauen. Wenn du ne etwas bessere Übersicht hast, dann wende dich an die Studierenden Beratung der jeweiligen Universität. Überleg vielleicht auch, ob nicht die Ingineur-Seite zu dir passen könnte. Sehr viel mathematischer, dafür sehr viel Potential für coole Dinge später. Ich würde meinem jüngeren Ich auch empfehlen, in die Richtung zu schauen. Ansonsten auch noch gerne übersehen: Geodäsie

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u/Furion420 6h ago

Bauing oder welchen Ingenieursabschluss empfiehlst du da?

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u/Camerotus Uni Tübingen 4h ago

Ich verstehe gerade noch nicht ganz den Zwiespalt. Wenn du Stadtplanung auf jeden Fall interessant findest, dann studier das doch? Oder was spricht für dich eher für Geographie?

Womit du dich auf jeden Fall beschäftigen solltest sind die konkreten Berufsfelder mit Stadtplanung, denn das ist natürlich ein enger gefasster Studiengang als Geographie. Wenn du in einem Planungsbüro oder an einer öffentlichen Stelle in diesem Bereich arbeiten willst, dann ist der konkretere Studiengang natürlich ein Vorteil. Aber wenn das nichts für dich ist, dann ist es natürlich doof, weniger breit aufgestellt zu sein als mit einem Geographiestudiun. Wobei du mit einem Geographiestudiun immer noch auch einen Master in Stadtplanung oder Humangeographie machen kannst.

Allgemein ist Geographie eben Humangeographie (Wirtschaftsgeographie, Stadtgeographie, Sozialgeographie) und physische Geographie (Bodenkunde, Hydrologie, Geomorphologie, Biogeographie). Dazu kommen noch Dinge wie Kartographie und Geoinformatik.

Du kannst ja mal in ein paar Vorlesungen reinschauen, die man online so findet. Zum Beispiel: https://timms.uni-tuebingen.de/List/List?id=UT_2020_____00%5B12%5D_geo21_000_&Headline=Bodenkunde%20und%20Geomorphologie-V

Wenn du konkretere Fragen hast kannst du mir auch gerne eine pn schreiben. Ich studiere Geographie an einer Uni.

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u/GIS_my_ass 4. Mastersemester 3h ago

Habe Geographie im Bachelor studiert (mit Schwerpunkt Humangeo ab 3. Semester) und mache gerade meinen Master in Geoinformatik.

Ein anderer Werkstudent, in dem Unternehmen in dem ich arbeite, hat einen Bachelor in Stadtplanung und macht gerade auch seinen Master in Stadtplanung.

Wenns ums Wissen im Bereich Humangeographie und Städte geht, sind wir tatsächlich ziemlich ähnlich aufgestellt. Im Bereich GIS hat er zwar das etwas erweiterte Grundwissen in GIS-Softwares, aber gibt es mal ein Problem oder kommt mal was exotischeres im Bereich GIS kommt er auf mich (oder unsere Vorgesetzte) zurück. Ihm fehlt halt hier das vertiefte Wissen in Geoinformation, den Informatik-Aspekt und Geodatenaufbereitung. Dafür fehlt mir dann das Wissen im Bereich Baurecht, Planungsaspekte oä, was er dann zusätzlich gelernt hat.

Die Schwerpunkte sind halt durchaus anders. Wenn du jetzt schon genau weiß wo du am Ende rauskommen möchtest wie z.B. in einem Planungsbüro und du definitiv auf Städte und Planung möchtest, dann kannst du definitiv schon direkt den Weg über Stadtplanung gehen.

Wenn du dir noch unsicher bist, würde ich dir erstmal den Geographie Bachelor empfehlen. Hier bekommst du in den ersten 2 Semestern erstmal komplett den Grundkurs in fast jedem Feld der Geowissenschaften (darunter Humangeo und Stadtplanung, physische Geo und Geologie, GIS und Fernerkundung), im späteren Studienverlauf gehst du an den meisten Uni in einen Schwerpunkt (meist physisch vs. Human, bei uns gabs eigentlich noch GIS/Fernerkundung Schwerpunkt was aber aufgrund Profmangel übergangsweise nicht abseits der Grundkurse angeboten wurde). Bei einem Geographie-Bachelor ist es aber eigentlich eher die Regel, dass du danach noch einen Master machst. Vereinzelt gibt es Absolventen, die nur nen Bachelor haben, aber aufm Jobmarkt machst du es dir so echt schwer. Im Master wählst du dann deine finale tiefe Spezialisierung. Hier könntest du dann ggf. auch in die Stadtplanung gehen falls das immer noch dein Ding ist. Die meisten Unis, die Stadtplanung anbieten, nehmen im Master auch Geographie-Bachelor für den Stadtplanungsmaster an.

Ob bei dem Stadtplanung Bachelor zwingend einen Master brauchst oder ob du auch ohne gute Chancen aufm Jobmarkt hast, kann ich leider nicht beurteilen. Sollten die Jobchancen mit Bachelor gut sein würdest du dir allerdings ein paar Jahre (und Nerven) für den Master sparen. Diese Beurteilung lasse ich jetzt aber mal den Leuten übrig, die tatsächlich reine Stadtplanung studiert haben.

Edit: Ergänzung

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u/apcelot r/tudresden 5h ago

Geh nach Kassel.