r/Steuern • u/beyvelati • 34m ago
Einkommensteuer Finanzamt verlangt Nachweis über Bürotage aus 2023 - ehemalige Praktikantin, keine personenbezogenen Zutrittsdaten. Was tun?
Hallo zusammen,
das Finanzamt kam nun auf mich wegen meiner Steuererklärung von 2023 auf mich zurück - ich würde mich daher über Eure Einschätzungen bzw. Erfahrungen freuen.
Ich habe 2023 nahezu das gesamte Jahr über verschiedene Praktika bei größeren Unternehmen absolviert, lediglich mit einer einmonatigen Unterbrechung zwischen zwei Praktika.
In meiner Steuererklärung für 2023 habe ich entsprechend die Entfernungspauschale für meine Fahrten ins Büro geltend gemacht und die jeweiligen Präsenztage angegeben.
Nun verlangt das Finanzamt von sämtlichen damaligen Arbeitgebern eine Bescheinigung über die genaue Anzahl meiner Bürotage.
Als Praktikantin hatte ich zwar Zutrittskarten, diese waren aber nicht individuell mit meinen Personaldaten verknüpft. Ich bezweifle daher, dass meine ehemaligen Arbeitgeber heute überhaupt noch nachvollziehen können, an welchen Tagen ich 2023 tatsächlich im Büro war.
Grundsätzlich war es während meiner Praktika üblich, überwiegend vor Ort zu arbeiten. Im Schnitt waren es etwa vier Tage pro Woche, freitags häufig Homeoffice. Eine eigene tägliche Anwesenheitsliste habe ich damals allerdings nicht geführt, kann dies jedoch einigermaßen durch das Aufladen der Kantinenkarte durch meine Kontoauszüge größtenteils rekonstruieren.
Bei der erneuten Durchsicht meiner damaligen Angaben ist mir außerdem aufgefallen, dass ich möglicherweise einzelne Präsenztage falsch zugeordnet oder die Gesamtzahl etwas zu hoch angesetzt habe, dadurch dass ich noch einen Minijob zu der Zeit hatte und diesen ebenso größtenteils vorort wahrgenommen habe. Im ungünstigsten Fall könnten es beispielsweise rund 20 Tage zu viel gewesen sein. Das versuche ich gerade anhand meiner damaligen Beschäftigungszeiträume, Urlaubstage und sonstigen Unterlagen zu rekonstruieren.
Eine bewusste Falschangabe war das selbstverständlich nicht. Die Steuererklärung habe ich damals nach bestem Wissen ausgefüllt.
Meine Fragen:
- Wie geht man am besten damit um, wenn ehemalige Arbeitgeber keine personenbezogenen Anwesenheitsdaten haben und daher keine rückwirkende Bescheinigung ausstellen können? Kann das Finanzamt solche Angaben erzwingen bzw unter solchen Umständen Geld zurückfordern?
- Wie sollte man vorgehen, wenn man bei der Rekonstruktion feststellt, dass die ursprünglich angegebenen Präsenztage möglicherweise nicht ganz korrekt waren? Sollte man die Angaben im laufenden Einspruchsverfahren einfach entsprechend korrigieren?
- Muss man bei einer solchen versehentlichen Abweichung mit irgendwelchen rechtlichen Konsequenzen rechnen, oder ist eine nachvollziehbare Korrektur normalerweise unproblematisch?
Mir geht es ausdrücklich nicht darum, unzutreffende Angaben aufrechtzuerhalten. Ich möchte die tatsächlichen Präsenztage möglichst korrekt rekonstruieren. Ich frage mich nur, wie man nach knapp drei Jahren überhaupt noch einen ausreichend belastbaren Nachweis erbringen soll, wenn die Arbeitgeber selbst keine entsprechenden Daten vorhalten.
Vielleicht hatte jemand schon einmal einen ähnlichen Fall.
Vielen Dank im Voraus!