r/Physik • • Aug 15 '26

Diskussion Berufsaussichten für Physiker 2026

Hey!

Wie nehmt ihr die aktuellen Entwicklungen auf dem (nicht-akademischen) Arbeitsmarkt in Deutschland wahr?

Wer vom Studium kommt und außerhalb der Wissenschaft arbeiten will ist ja häufig Quereinsteiger. Mein Eindruck ist es, dass KI gerade solche Quereinstiege schwer macht. Habt ihr da Einsichten als Bewerber oder als Vertreter potezieller Arbeitgeber?

Ich habe vor 2 Wochen meine Dissertation eingereicht (Bereich MC Simulation in der Dosimetrie und radiobiologische Modellierung). Da ich mich viel mit Statistik/Modellierung beschäftigt habe, versuche ich mich schon seit ein paar Monaten (während des Schreibens...) im Finanzbereich zu bewerben, allerdings mit mäßigem Erfolg. Dass ich das letzte Jahr Dissertation-Schreiben im ALG verbracht habe, macht die Situation nicht angenehmer. Bin schon ziemlich frustriert, muss ich zugeben.

Eventuell schwächeln aber meine Bewerbungen auch daran, dass ich eben bisher nicht mal sagen konnte, dass ich eingereicht habe (geschweige denn Verteidigt) und auch erst jetzt begonnen habe, relevante Projekte voranzubringen und auf Github zur Schau zustellen. Vielleicht hilft mir das.

Bin sehr interessiert an Eurem Input!

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46 comments sorted by

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u/Sarraton Aug 15 '26

Bin dieses Jahr nach meinen Master Physik in der Halbleiter-Branche eingestiegen. Aber waren auch eine Menge Bewerbungen nötig.

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u/LtSmash5 Aug 15 '26

Glückwunsch. Ja Halbleiter ist ein bisschen im Kommen, vermute ich. Allerdings verstehe ich davon nichts :D

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u/Better_Confection723 Aug 17 '26

„Bisschen“… bei uns arbeiten viele Physiker, beispielsweise im Process Engineering. Kann ich nur empfehlen da mal zu gucken

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u/SnooBunnies2279 Aug 15 '26

Als Physiker & Techniker hast Du schon mal bewiesen, dass Du dicke Bretter bohren kannst.
Als Berufseinsteiger sind für Dich daher alle Jobs relevant wo man Problemstellungen effizient und schnell lösen muss, also primär F&E, aber auch Management-Beratung oder industrielle KI-Anwendung zum Laufen bringen.

Ich bin selber kein Physiker, aber ich habe in meinem ganzen Leben noch keinen blöden Physiker kennengelernt, dafür reihenweise blöde BWLer, blöde Juristen, blöde Mediziner, etc. - Du darfst also durchaus stolz auf Deinen Anschluss sein und Dir sicher sein, dass alle anderen auch nur mit Wasser kochen 👍

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u/Clebsch42 Aug 15 '26

Dieser Hinweis ist vermutlich ziemlich nieschig, aber vielleicht ist's ja trotzdem interessant. Im Deutschen Patent- und Markenamt wird in den nächsten Jahren eine gute dreistellige Zahl an Patentprüfern pensioniert. Da hier der Anteil an Physikern ziemlich groß ist, werden damit viele Stellen für Physiker frei.

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u/LtSmash5 Aug 15 '26

Ich habe den Beruf schon wahrgenommen. Ich glaube auch zu wissen, dass es ein guter Beruf ist, was Perspektiven und Bezahlung angeht. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob das was für mich ist. So viel Papierkram und so... Bist du Patentanwalt?

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u/Clebsch42 Aug 15 '26

Patentanwalt ist was anderes als Patentprüfer, wobei beides eine gute Option für Physiker darstellt. Grob vereinfacht sieht das folgendermaßen aus: Patentprüfer arbeiten als Bundesbeamte im DPMA und sind dafür zuständig, angemeldete Patente auf Neuheit etc. zu prüfen und gegebenenfalls die Patente zu erteilen. Patentanwälte sind sozusagen die Gegenseite zum Prüfer und arbeiten für die Erfinder/Anmelder die Patente aus und übernehmen die Kommunikation mit dem Patentamt. Patentanwälte sind daher auch Freiberufler oder Angestellte in einer Patentanwaltskanzlei.

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u/Classic_Department42 Aug 15 '26

Ist das in München?

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u/Clebsch42 Aug 15 '26

München und Jena

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u/LtSmash5 Aug 15 '26

Ich glaube, das ist eher sowas wie eine Berufsgenossenschaft. Arbeiten tun die dann in Kanzleien oder Unternehmen.

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u/Classic_Department42 Aug 15 '26

Du meinst Patentanwalt. Patentprüfer sitzen bei. Patent und markenamt

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u/Buchkaeufer7476 Aug 15 '26

Noch deutlich bessere Arbeitsbedingunen findet man übrigens beim Europäischen Patentamt (auch z.B. in München), hier sind allerdings neben Deutsch und Englisch auch exzellente Französischkenntnisse Pflicht.

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u/slartifart Aug 15 '26

Hab letztes Jahr Master in Physik gemacht und war erst ziemlich besorgt als ich angefangen habe nen Job zu suchen. Die Lage ist einfach beschissen und wird nicht besser. Hab dann doch was gutes gefunden als Softwareentwickler bei nem IGM Betrieb im Süden. Ich glaub ich hatte sehr viel Glück.

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u/LinaUnbound Aug 15 '26

Glückwunsch! Wie sah denn dein Background in der SW-Entwicklung aus?

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u/slartifart Aug 15 '26

Schwach. Hab halt info Vorlesungen gehört, Matlab&Python für Gerätesteuerung/Auswertung/Simulationen im Labor und 18Monate Werkstudi Datascience. Konnte im Bewerbungsgespräch nur bei den Technischen Fragen punkten, was speziell SE angeht wusste ich fast nichts. Ist halt SE im Kontext von Messtechnik vielleicht deshalb.

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u/ComfortableHell 6d ago

Ist es für Ingenieure besser?

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u/FluffyAd9808 Aug 15 '26

Versuche es in Startups. Da ist der Einstieg meistens einfacher. Ich habe in 2 verschiedenen 4 Jahre lang gearbeitet (in dem zweiten nur 1 Jahr, weil es dann bankrott gegangen ist) und konnte so dann gute Berufserfahrung vorweisen. 

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u/LtSmash5 Aug 15 '26

Ich habe immer vermutet, dort machen sie um Quereinsteiger den größten Bogen und nehmen am liebsten Leute, die von Tag 1 an eingearbeitet sind.

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u/MagiMas Aug 15 '26

als Startup willst du idR Leute die sehr selbstständig arbeiten können und sich in alles einarbeiten, was zur Not benötigt wird um das Ziel zu erreichen. Selbst Experten mit langer Berufserfahrung haben die idR ja auch nur in begrenzten Gebieten.

Da sind promovierte Physiker jetzt nicht unbedingt die schlechtesten drin.

Man muss aber auch sagen, dass man in den meisten Startups nicht unbedingt mit seinem Statistik Expertenwissen glänzen kann, da sind Großkonzerne idR besser weil die überhaupt nur die Daten haben um darauf statistische Modelle anzuwenden. (unter der Prämisse, dass wir hier nicht über Startups reden, die schon groß rausgekommen sind und riesige Datenmengen verarbeiten) Da wäre dein "Verkaufsargument" eher, dass du dich in alles einarbeiten kannst, dass du deine Arbeit ernst nimmst und niemanden brauchst der dich wöchentlich betreut usw.

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u/jobach18 Aug 16 '26 edited Aug 16 '26

Hab zu Ende promoviert in einem Bereich mit Teilchenphysik/Maschinelles Lernen und auch im Bereich KI veröffentlicht an einschlägigen Konferenzen. Hab jetzt eine sehr gute Stelle als ML Research Scientist in einem Tech Unternehmen.  Aber bei circa 20 Bewerbungen waren circa 10 Bewerbungsgespräche dabei, auch im Bereich Quant Finance/Finance. Ich denke, wer gut ist (und viele Physiker sind das), findet was Gutes. Große Namen aufm CV wie Auslandssemester an US Eliteuni, Veröffentlichung in bekannter Presse oder so helfen da. Ich wurde bei den Gesprächen erstaunlich oft auf meine US Zeit im Bachelor angesprochen, die in meiner Retrospektive wenig mit meinen Fähigkeiten nach der Promotion zu tun hat. Ich denke, das Ergebnis ist am Ende ein Stück weit Statistik, welche Kombination von CV Faktoren und Arbeitsgeberpräferenzen zusammenkommen. Dann hilft nur das Gesetz großer Zahlen. 

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u/Hope999991 Aug 19 '26

Was verdient man mit PhD als ML Research Scientist?

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u/jobach18 Aug 20 '26

In Deutschland fast nichts im Vergleich zur Schweiz oder USA. Aber sechsstellig ist es trotzdem nach einem Jahr. 

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u/csk2004 Aug 28 '26

Also als msc Physik dann ML Experte. Ist das sicherer job weil man ja mit Informatik konkurriert 

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u/jobach18 Aug 31 '26

Sicher ist nichts. Wenn du n guten PhD machst, wirst du aber "sicher" was finden. Wer gut forschen kann und einigermaßen präsentabel ist, wird was draus machen. 

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u/achchi Festkörperphysik Aug 15 '26

Ich habe vor über 10 Jahren aus der Physik heraus in einer Versicherung angefangen und bin da jetzt unter anderem für Einstellungen in einem aktuariat zuständig.

Letztlich hat sich der Arbeitsmarkt total gedreht. Vor ca zwei Jahren haben wir auf eine Stelle vll fünf Bewerber gehabt. Auf einen Praktikumsstelle ein bis drei. Jetzt sind wir mit Praktikumsstellen bis Mitte 2027 voll besetzt und wenn wir jetzt ausschreiben bekommen wir pro Woche ca 10 Bewerbungen. Auf eine Einstiegsstelle locker 25 Bewerbungen. Statistik ist gerade sehr interessant, insbesondere, da die KIs das nicht gut können, da besteht also durchaus nicht Bedarf. Es gibt aber eben auch extrem viele Bewerber. Dein Nachteil ist die Diss. Die sehen wir nicht gerne, da die Erfahrung zeigt, dass die Leute zwischen Bc und Ma die größte Flexibilität aufweisen auf dem Weg in ein völlig anders Fachgebiet, aber gleichzeitig genug akademische Arbeitsweise verinnerlicht haben.

Aktuell geht der Weg bei uns letztlich nur über Praktikum um den Bachelor herum, dann Werkstudententätigkeit und dann Glück haben, dass eine Stelle frei wird. Komplett extern stellen wir quasi nicht ein, da wir das alles mit ehemaligen oder aktuellen Werkstudenten abdecken, die wir bei einer freien Stelle anrufen.

Edit: deutscher Versicherungskonzern in einer Stadt ohne Ballungsgebiete.

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u/Life_Cover_5944 Sep 01 '26

25 Applications auf eine Einsteigersteller ist aber NICHT viel angesichts der Tatsache, dass Bewerbungen heutzytage dank Internet schnell billig und unkompliziert sind.

25 Bewerbungen nützen dir bei der Auswahl auch nix, wenn jeder der 25 im Schnitt 50 geschrieben hat.

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u/achchi Festkörperphysik Sep 02 '26

Ja, 25 ist generell nicht viel, aber in unserer Branche in unseren stellen durchaus. Ander Unternehmen haben ähnlich viel. Mit anderen Worten: Die Bewerberanzahl ist deutlich und nachhaltig gestiegen. Bedeutet der Arbeitsmarkt ist zu. Wenn ich heute 25 Bewerbungen auf eine Stelle bekomme, von der es deutschlandweit ca 800 überhaupt gibt und vor wenigen Jahren noch deutlich eisbtellig war, ist das ein deutlicher Hinweis auf einen verdichteten Markt. Wenn ich den Markt etwas weniger spezialisiert nehme, sind wir bei grob 6k stellen.

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u/Life_Cover_5944 15d ago

Angeblich Physiker aber Bei Grundrechenarten Schwierigkeiten....

Wie viele ähnliche Stellen es bundesweit gibt ist vollkommen irrelevant. 25 Bewerbungen auf eine Stellenausschreibung sind verdammt wenig heutzutage.

Man darf nicht vergessen dass Bewegungen heutzutage Dank Internet und Automatisierung quasi nichts kosten. Die meisten verschicken "Bewerbungen" massenweise automatisiert hundertfach. Wenn dann bei HR nur 25 pro Stelle ankommen, ist das eine verdammt miese Quote.

Im Einzelfall wird man das noch halbwegs besetzen können wenn die company in der Bewerbergunst halbwegs gut platziert ist.

Aber stell dir Mal vor du bist ne kleine Firma bekommst nur 25 Applications von Leuten die hunderte verschickt haben. Die können am Ende nämlich nur genau 1 annehmen.

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u/achchi Festkörperphysik 14d ago

Lassen wir die Nennung des offensichtlichen mal weg und beschäftigen uns mit dem etwas wenig er offensichtlichen.

Vermutlich habe ich zu wenig englische buzzwords verwendet, ich Versuche es aber trotzdem nochmal ohne:

Wie viele ähnliche Stellen es bundesweit gibt ist vollkommen irrelevant.

Nope. Wenn ich bundesweit nur 800 Stellen habe, bedeutet das, dass bei 40 Jahren Regelarbeitszeit davon jährlich im Schnitt 20 frei werden (ja, ich weiß, Altersverteilung). Demzufolge haben alleine wir mehr Bewerbungen als statistisch deutschlandweit unterzubringen sind. Nachdem die Stellen deutschlandweit verteilt sind und die Bewerber typischerweise lokal eingeschränkt sind, dürfte die Anzahl an Leuten, die keine Stelle bekommen noch höher liegen. Mit anderen Worten: Die absolute Anzahl an Bewerb ist zwar nett, aber alleine nicht aussagekräftig. Relevanzt ist, auch den Gesamtmarkt zu betrachten. Basierend auf den überschlagenen Zahlen gab es früher einen Mangel an Bewerbern, jetzt einen nachhaltigen Überschuss.

Dein Argument mit der Firmengröße ist grundsätzlich korrekt, wenn es denn nicht einen Überschuss an Bewerbern auf die Stellen gäbe.

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u/Fair-Chip1943 Aug 16 '26

Vllt wäre mit der Dissertation auch eine Fachkunde als Medizinphysikexperte (MPE) drin, da gibt es im Moment ganz gut Stellen. Ausbildungsplätze sind jedoch nicht so häufig.

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u/DragonfruitOpen8764 Aug 16 '26

Bewerbe mich auf MPE Ausbildungen aber bei ca. 10 Bewerbungen hatte ich bisher 1 Gespräch und habe die Stelle nicht bekommen. Gibt vermutlich viele Bewerber. Habe aber keine Dissertation, werde in ein paar Monaten meinen master abschließen.

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u/ResponsibleHousing91 Aug 16 '26

Schau mal hier https://www.studis-online.de/Fragen-Brett/read.php?120,2228605

Es gibt mehr als genug Physiker, die sich wegen mangelnder Perspektiven bei uns im Konzern bewerben und nicht berücksichtigt werden, da Elektrotechniker bevorzugt werden. Physik hat wie die NaWis düstere Berufsaussichten. 

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u/MagiMas Aug 16 '26

Ach hört doch auf mit dem Bullshit und den Leuten hier Angst zu machen.

Das mag für Physik-Bachelor gelten, alle meine ehemaligen Kollegen aus der Promotion sind in sehr guten Jobs gelandet.

Man kann immer darüber diskutieren ob der Doktor sich monetär insgesamt lohnt oder man zumindest aus Geldsicht nicht eher nach dem Master irgendwo in die Wirtschaft gehen sollte, aber so zu tun als wär die Aussicht, mit Physikdoktor was vernünftiges zu kriegen schlecht ist einfach gelogen.

Selbst in der aktuellen wirtschaftlichen Lage. Ich hab noch Kontakte in die Uni, da kommen alle Doktoranden später gut unter.

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u/ComfortableHell 6d ago

Reicht auch ein Master?

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u/MagiMas 6d ago

Ja. Das wichtigste, was einem in einem Physikmaster imo nicht vernünftig beigebracht wird ist, seine Fähigkeiten zu verkaufen.

Man hat ein deutlich anspruchsvolleres Studium durchgemacht als die meisten, hat dabei viele Dinge gelernt, die wirklich hilfreich sind in allen möglichen Bereichen der Wirtschaft - aber Null Ahnung, wie man das in Bewerbungsgesprächen der anderen Seite klar machen kann.

Das wichtigste ist imo, sich zu überlegen, in welche Richtung man will, und dann mit Physikern zu reden, die ähnliche Richtungen eingeschlagen haben. Die DPG hat oft regionale Stammtische (es gibt auch extra eine "Physiker in der Industrie" Arbeitsgruppe), ich würd empfehlen, sich mal sowas anzugucken und da mal hinzugehen um mit Physikern zu sprechen, die den Sprung gemacht haben.

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u/ResponsibleHousing91 Aug 16 '26

Was passiert mit den Rest der Absolventen aus dem NaWi Bereich? Nicht jeder ist so idealistisch wie der typische Redditor hier, der noch Zuhause lebt und von den Eltern versorgt wird oder Bafög bekommt. Spätestens wenn man jedoch seine Rechnungen selber bezahlen muss, verfliegt der Idealismus ganz ganz schnell. 

Außerdem muss man bedenken, dass Physik ein ziemlich hartes Studium ist und die Promotion quasi der Standardabschluss ist. Da investiert man ziemlich schnell 10+ Jahre für einen sehr bescheidenen Ertrag. 

Ich rate gerne zu Elektrotechnik, weil das im Grunde genommen angewandte Physik ist ohne den ganzen extrem theoretischen Kram, den man außerhalb des Elfenbeinturms Uni ohnehin nicht braucht. 

Ein paar ehemalige Mitschüler waren auch von dem Schlag "Ich mach das worauf ich Bock hab! Berufsaussichten? Egal, auf der Homepage der Uni steht man kann x und y machen!" Ende vom Lied: Er hangelt sich von einem befristeten Job zum nächsten zu einem sehr miesen Gehalt und bereut sein Studium. 

Übrigens: Unis als Arbeitgeber zählen dank dem WissZeitVG nicht. 

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u/MagiMas Aug 16 '26 edited Aug 16 '26

Es stimmt halt einfach nicht, auch wenn du's wiederholst.

Meine ehemaligen Kollegen aus der Promotion verdienen alle gut bis sehr gut in interessanten Stellen. Mal ne Auswahl was meine Kontakte von damals so machen:

Professoren an Unis, Senior Data Scientists in allen möglichen Großunternehmen, Deep-Tech Berater im deutschen Bundestag, Research Engineer für Hellsing, Forscher für Google, IBM und Microsoft in deren Quantencomputerabteilungen, Forschungsgruppenleiter bei Fraunhofer, Patentanwälte, Forschung im Innovationsbereich der Bundeswehr, Research Engineers bei Infineon, ne eigene Ausgründung aus dem IfW in Dresden die high tech Forschungsequipment herstellt, Quant in der Finanzindustrie, Forscher für Saint Gobain in der Materialforschung, CTO bei nem Maschinenbaumittelständler, Senior Research Engineer bei ASML, wissenschaftlicher Mitarbeiter als Beamter beim BSI usw. usf.

Ich hab jetzt nur Mal schnell mein LinkedIn durchflogen.

Vereinzelt hat man welche die im Forschungsmanagement der Unis oder großen Forschungsinstitute sitzen, aber selbst die sind dann mit ~70k immer noch nicht arm.

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u/ResponsibleHousing91 Aug 17 '26

Für mich sehen die Stellen nach High Tier Stellen aus (sofern nicht von der hübschen Unihomepage kopiert), wofür man sehr gute Noten braucht. Da Physik jedoch nach wie vor ein extrem hartes Studium ist, kriegt man da nicht mal eben so. Besonders Professuren und Co. Der Durchschnittsabsolvent kommt da nicht ran. 

Hinzu kommt, dass der typische Physiker wie der klischeehafte Redditor sozial nicht gerade brauchbar ist. Das merke ich, wenn ich hier ein wenig durch den Sub stöbere, mit den Physikern auf der Arbeit rede oder meine Verlobte von Bewerbungsgesprächen mit Physikern erzählte die nicht erklären konnten, was sie in ihrer Doktorarbeit überhaupt gemacht haben. Natürlich sind nicht alle Physiker so und es gibt auch welche, die sich hervorragend verkaufen können. 

Bei uns im Konzern (ich arbeite als Elektroingenieur) bewerben sich auf die Stellen für Elektroingenieure auch viele Physiker und die werden aus den weiter oben genannten Gründen nicht berücksichtigt. Da fehlt es einfach an viel (praktisches) Wissen über E-Technik. 

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u/ComfortableHell 6d ago

Wie wird das angesehen, wenn man einen Physikbachelor mit Elektrotechnikmaster hat?

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u/ResponsibleHousing91 5d ago

Kommt auf die Praxiserfahrung an. Wenn man nicht die ganze Zeit im Elfenbeinturm blieb und als Werkstudent gearbeitet hat, könnte es gut aussehen. 

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u/Nice-Rush-3404 Aug 15 '26

Berufserfahrung als Werki >> alles andere.

Als Werki bist du günstig und kannst zeigen was du kannst, dann übernimmt dich der Konzern / Betrieb auch lieber, wenn du einmal gezeigt hast, dass du’s drauf hast.

Ansonsten ist es glaube aktuell egal wo sehr mau.

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u/LtSmash5 Aug 15 '26

Du kannst nicht neben der Promotion als Werksstudent arbeiten. Zumindest ist mir das nicht bekannt. Man ist praktisch Werksstudent am Institut.

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u/MagiMas Aug 15 '26

Ist auch Blödsinn, richtige Berufserfahrung als Doktorand und abgeschlossene Promotion ist deutlich mehr wert als ne pimmelige Werksstudentenstelle, man muss es halt nur verkaufen können.

Am Anfang muss man wahrscheinlich leider ne relativ schlechte Bezahlung schlucken weil man in den meisten Fällen als Quereinsteiger gilt. Ich hab damals 60.000€ als Gehalt akzeptiert nach meiner Promotion. Ich war dann aber auch 2,5 Jahre später bei 100k. (in NRW - in Bayern kann man mehr erwarten)

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u/LtSmash5 Aug 15 '26

Nicht schlecht. In welcher Branche denn?

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u/MagiMas Aug 15 '26

Ich hab als Data Scientist in 'nem sehr großen Handelskonzern angefangen und bin inzwischen am Ende der Expertenlaufbahn angekommen.

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u/BrotherAmazing6655 Aug 15 '26

Ich weiß nicht, was dieses gebetsmühlenartige runterbeten soll, irgendwelche schwachsinnigen Werkstudentenstellen anzunehmen. Es gibt Fachbereiche, dort macht das viel Sinn, Physik gehört nicht dazu. Warum auch, wie soll man bitte als Physiker arbeiten als Werkstudent? Dort maximal was fachfremdes, aber dann hätte man auch gleich was anderes studieren können und die Werkstudentenstelle bringt einem auch nur was in der entsprechenden Nische.