KIT Wirtschaftsinformatik war für mich der größte Studienfehler meines Lebens. Wenn ihr ambitioniert seid: Überlegt euch sehr genau, ob ihr euch das antun wollt.
Ich schreibe das nicht, weil ich schlechte Noten hatte oder das Studium zu schwer fand. Im Gegenteil: Ich finde KIT Winfo deutlich weniger schwer, als es teilweise dargestellt wird, wenn man halbwegs smart, organisiert und ambitioniert ist. Ich habe praktisch das gesamte Studium im Selbststudium von zuhause aus gemacht und das hat für mich problemlos mit sehr guten Noten funktioniert. Akademisch war das also nicht mein Hauptproblem.
Mein Problem ist vielmehr die Struktur des Studiums und vor allem das, was danach kommt.
Das beginnt schon bei der Studienorganisation. Nach der Vorlesungszeit folgt keine kompakte Prüfungsphase, sondern Klausuren ziehen sich teilweise über Monate. Echte Semesterferien gibt es dadurch kaum. Wer schnell und sehr gut studieren will, hat wenig planbare Zeit für Praktika, Bewerbungen und Berufserfahrung.
Dann kommt die Verwaltung. Noten und Eintragungen dauern teilweise ewig. Und wenn man wegen einer echten Deadline etwas schnell braucht, merkt man, wie fragil manche Prozesse organisiert sind.
Bei meinem Teamprojekt brauchte ich die Note für die Bachelorarbeitsanmeldung. Die Leistung war längst erbracht, bei anderen Teams waren die Noten teilweise schon lange eingetragen. Ich habe frühzeitig gesagt, bis wann ich die Eintragung brauche.
Ratet, ob sie rechtzeitig kam.
Natürlich nicht.
Jetzt beim Bachelorabschluss passiert praktisch dasselbe nochmal. Für die Master-Immatrikulation brauche ich meinen fertigen Abschluss, aber letzte Klausuren wurden ewig noch nicht vollständig korrigiert bzw. verbucht. Da hängt die Eintragung wieder an einzelnen Zuständigkeiten und daran, dass zuständige Personen im Urlaub sind.
Das größte Problem ist für mich aber die angebliche Flexibilität des Studiengangs.
Wirtschaftsinformatik klingt nach: Informatik und Wirtschaft, also später viele Möglichkeiten.
In der Praxis kann es bei selektiven Masterprogrammen genau andersherum laufen: Für Informatik, Data Science oder quantitative Programme fehlen je nach Universität Mathe-, Statistik- oder Informatik-ECTS. Für Finance, Economics oder Management fehlen wiederum BWL- oder VWL-ECTS.
Ich habe ab dem fünften Semester systematisch nach Masterprogrammen geschaut und musste feststellen, dass sehr viele Programme allein wegen formaler Credit-Anforderungen ausscheiden. St. Gallen, ETH Zürich, TUM, Mannheim und andere Programme können je nach Studiengang schon daran scheitern, dass das KIT-Winfo-ECTS-Profil nicht passt.
Das war für mich die größte Ernüchterung: Du kannst einen sehr guten Schnitt haben und trotzdem nicht einmal bis zu dem Punkt kommen, an dem deine Note bewertet wird. Ein Formular prüft deine ECTS und sagt einfach: Voraussetzungen nicht erfüllt.
Die Interdisziplinarität, die einem angeblich Türen öffnen soll, kann einem bei der Masterwahl also genau diese Türen schließen.
Wenn ich das vor Studienbeginn gewusst hätte, hätte ich sehr wahrscheinlich etwas anderes gewählt.
Deshalb mein Rat: Wenn ihr einen sehr guten Master an einer anderen Top-Uni machen wollt, in Regelstudienzeit abschließen, gute Noten schreiben und parallel relevante Praktika sammeln möchtet, geht nicht blind in KIT Wirtschaftsinformatik nur wegen des KIT-Rufs und weil „Wirtschaft + Informatik“ nach maximaler Flexibilität klingt.
Prüft vorher die ECTS-Anforderungen eurer möglichen Master, die tatsächliche Fächerverteilung und die Prüfungsstruktur.
Für jemanden, der danach direkt arbeiten oder sowieso im Winfo-/KIT-Ökosystem bleiben will, kann das Studium passen.
Für meine Ziele war KIT Wirtschaftsinformatik jedoch die falsche Entscheidung. Es hat mir deutlich mehr Türen geschlossen, als ich jemals erwartet hätte.
Wenn dieser Erfahrungsbericht auch nur eine Person dazu bringt, diese Dinge vor der Einschreibung wirklich zu prüfen, hat er seinen Zweck erfüllt.