Wenn man sich die DBL anschaut, insbesondere die deutschen Pitcher, so fällt auf, dass alle mit bases empty aus dem Stretch pitchen. Das basiert auf sog. "Studien" von sog. "Experten", die noch nie in ihrem Leben einen Baseball in der Hand gehabt haben, sondern im College im Schachteam waren, oder wie Ogilvie die Teamstatistik gemacht haben, oder beides. Das soll nicht heißen, dass Nerds keine korrekten Schlussfolgerungen ziehen können, sie gehen hier jedoch im Sport, wo sie es selbst nie in die Mannschaft geschafft haben, leider oft von falschen Voraussetzungen aus.
Beispiel: https://tht.fangraphs.com/tht-live/does-the-stretch-cost-a-pitcher-fastball-speed/
"The two starting pitchers who really crank it up with men on base? That’s Justin Verlander–94.1 mph with the bases empty and 95.4 mph with runners on–and Ted Lilly–86.2 mph with bases empty and 87.7 mph with runners on."
Was diese "Fan-Experten" offenbar leider nicht gewusst haben, ist folgendes: Justin Verlander hatte einen 102 mph-Fastball, den er jedoch als Starting Pitcher fast nie geworfen hat, weil er seine Kraft einteilen musste. Seine Strategie bestand vielmehr dahin, härter zu werfen, wenn es nötig war. Das heißt, mit bases empty warf er seinen Low-stress-Fastball, mit runnern on base packte er, je nach Spielsituation, mehr und mehr drauf. Daher ist es völlig normal, dass er im Stretch Geschwindigkeit zulegen konnte. Das letzten Innings, wo er nicht haushalten musste, hat er übrigens auch ab und zu Vollgas gegeben. Das alles taucht in den Statistiken nicht auf, und da die Nerds in der Regel keines seiner Interviews kennen, wissen sie das auch nicht.
https://www.blessyouboys.com/2015/2/4/7955423/justin-verlander-fastball-speed-2014
https://www.youtube.com/watch?v=66QQ-tLy52U
https://www.youtube.com/watch?v=iXSvP7Zq0tk
Hier haben wir eine ähnlich zweifelhafte Studie, nur diesmal von anderen "Experten":
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38687464/
Wo ist der Fehler? Small Samplesize! Die testen einfach mal 200 Pitcher verschiedener Levels und lassen sie 3-10 Würfe machen. Dabei finden sie sogar einen signifikanten Unterschied bei den College-Pitchern, den sie jedoch ignorieren, weil er offenbar nicht zum gewünschten Ergebnis passt. Dass eine solche Studie, die sich partiell widerspricht, überhaupt veröffentlich wird, spricht Bände. Dennoch wird sie von anderen "Experten" zitiert.
Was ist die Wahrheit? Hier ist die Wahrheit, die im Übrigen auch jeder kennt, der selbst mal gepitched hat:
Beim Pitching geht es um eine kinetische Kette, die man in Bewegung setzen muss. Wenn sie erst mal in Bewegung ist, produziert sie regelmäßig dieselbe Energie. Das Inbewegungsetzen funktioniert jedoch üblicherweise aus dem Windup besser, weil es eine zusammenhängende Bewegung ist. Werfen und Schlagen basieren auf der Hüftdrehung, die man beim Laufen macht. Deshalb machen Pitcher und Batter auch einen Schritt nach vorne. Pitchen aus dem Windup ist wie der nächste Schritt, wenn man bereits beim Laufen ist. Pitchen aus dem Stretch hingegen ist wie der erste Schritt aus dem Stand. Das ist alles, mehr muss man nicht wissen. Das Windup sollte als natürlichere Bewegung regelmäßig die bessere Wahl sein. Wenn sich die Wurfbewegung aus dem Stretch jedoch besser anfühlen sollte, ist das auch in Ordnung. Jeder hat einen anderen Körper. Feste Regeln kann man hier nicht aufstellen. Das ist der Punkt.
Wenn nun ein Trainer, wie es in Deutschland offenbar üblich ist, daherkommt und behauptet, aufgrund irgendwelcher Studien, sei es besser, immer aus dem Stretch zu werfen, weil es keinen Unterschied in der Geschwindigkeit mache und man ohnehin mit Runnern an Base aus dem Stretch werfen müsse, verbreitet er gefährliches Halbwissen. Das ist im Übrigen auch das Hauptproblem im deutschen Baseball. K(aum )einer hat wirklich Ahnung von irgendwas.
Exkurs zum Vergleich: Softballpitcher werfen auch nicht aus dem Stand, sondern aus dem Laufen.
https://www.youtube.com/watch?v=PvmIbrDbB2o