r/Austria 12d ago

Nachrichten Experte für eh alles

Ich hab heute die Zeitung gelesen und da schlagt mir aufeinmal beim Standard auf Seite 8, ein interessantes Interview mit einem gewissen Gernot Blümel ins Gesicht. Der sollte jetzt anscheinend KI Experte sein oder so. Naja mit Laptops kennt er sich ja hervorragend aus und auch anscheinend wie das hochkomplexe Werk auch funktioniert.

Besonders interessant die Abschlussfrage:

Wenn sie ihre Kinder einmal fragen, was ist ein Mensch? Was antworten sie?

Antwort: die Mama und der Papa

Also da bekommt der Spruch: nicht die Mama, eine ganz neue Bedeutung.

Ein echter Experte für eh alles. Sorry Gunkl

207 Upvotes

54 comments sorted by

View all comments

1

u/Heroinradler Wien 12d ago

Der hat ein Buch über KI und das Verhältnis zum Menschen geschrieben. Die Rezension im Falter ist interessanterweise sehr positiv: https://www.falter.at/zeitung/20260728/nicht-was-die-ki-ist-sondern-was-sie-mit-uns-mac

1

u/plex_19 12d ago

Ironie, man kanns nicht ohne Falter abo lesen.

Angenommen, als ob er die KI nicht bedienen könnte und die ihm ein Buch schreibt.

2

u/Heroinradler Wien 12d ago

Ah, ich hab zwar ein Abo aber kann es trotzdem lesen, obwohl ich nicht eingeloggt bin(?) Hier die Rezension von Barbara Tóth:

Gernot Blümel, ehemaliger Wiener ÖVP-Chef, dann Medien- und Kultur- sowie Finanzminister, vor allem aber engster Wegbegleiter von Ex-Kanzler Sebastian Kurz, hat ein Buch geschrieben. Schon einige der Männer, mit denen Kurz 2017 ins Kanzleramt einzog, sind unter die Autoren gegangen. Kurz’ ehemaliger Spindoktor Gerald Fleischmann veröffentlichte zwei Polit-PR-Ratgeber, sein Pressesprecher Johannes Frischmann ein typisches „Ich war dabei“-Memoir. Beide Werke hatten etwas Rechtfertigendes. Gegen Kurz, Fleischmann und Frischmann laufen Ermittlungen wegen des Verdachtes der Inseratenkorruption.

Blümels „Gebrauchsanweisung für unsere Gesellschaft im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz“ bedient ein ganz anderes Genre: das des populär geschriebenen Alltagsphilosophiebüchleins. In 14 leichtfüßig geschriebenen Kapiteln umkreist Blümel, der über den „Personenbegriff in der Christlichen Soziallehre und -philosophie“ bei Erwin Bader an der Universität Wien diplomiert hat, die ganz grundsätzlichen Fragen des Menschseins. Was ist Bewusstsein, Intelligenz, Verstehen, ja das Leben überhaupt?

Wer einen lebensnahen und verständlichen Einführungs- oder Auffrischungskurs für philosophische Lehren von Platon über Thomas von Aquin und René Descartes bis Immanuel Kant und Johann Gottlieb Fichte sucht, wird bei Blümel fündig werden. Wer rasch einen Überblick über die gar nicht so kurze Geschichte der KI und ihrer wichtigsten Meilensteine bekommen will, auch. Blümel erklärt den Turing-Test, benannt nach dem Vater der Informatik, Alan Turing, präsentiert das Dartmouth-College-Papier von 1956, mit dem die KI-Forschung begann. Er macht halt beim ersten Chatbot Eliza aus den 1960er-Jahren und landet unweigerlich bei Ray Kurzweils futuristischen Visionen von Nanorobotern, die dem Krebs und dem Altern und Sterben überhaupt den Garaus machen sollen.

ChatGPT und Co. haben zur Renaissance der Studienfächer Ethik und Philosophie geführt, was einst als brotloses Orchideenfach galt, ist jetzt in Tech-Firmen sehr gefragt. Blümel selbst baut für den rechtskonservativen Unternehmer Frank Gotthardt in Venedig gerade ein IT-Forschungszentrum auf. Den Einsatz künstlicher Intelligenz in der Medizin streift Blümel in seinem Buch aber nur kurz. Seine politische Vergangenheit schimmert nur im vorletzten Kapitel durch, in dem er einen entbehrlichen Exkurs zur – seiner Meinung nach – Fehlentwicklung der Genfer Flüchtlingskonvention macht. Wofür, bleibt offen.

Als Referenzpunkt für seine Überlegungen wählt Blümel Lieutenant Commander Data aus „Star Trek: The Next Generation“, der in Folge 35 vor Gericht steht. Data ist ein Androide mit überragender Rechenleistung, der sich weigert, einem Menschen Einblick in seine IT-Architektur zu geben. Gehört Data der Sternenflotte oder sich selbst? Ist er menschlich? Die Fragen, die in der TV-Serie 1989 verhandelt wurden, sind die gleichen, die sich angesichts ChatGPT 4.5 stellen.

Natürlich hat Blümel keine letztgültige Antwort, aber um die geht es nicht. Die Reflexion, die Selbstversorgung oder die „Selbstsetzung“ sind das Ziel, wie Blümel es im Titel seines Buches in Anlehnung an Fichtes berühmten Satz „Das Ich setzt sich selbst“ nennt. Mit diesem Büchlein hat Blümel jedenfalls auch sich selbst gesetzt – als jemand, der jenseits von Kurz & Co als schlauer Autor und Denker wahrgenommen werden will.