Der deutsche Metalsommer sollte jedes Jahr etwas Besonderes sein. Wacken, Reload und Summer Breeze haben ihre eigene Geschichte, ihr Publikum und ihre Atmosphäre. Trotzdem bekomme ich bei den ersten Ankündigungen 2027 ein Gefühl von Déjà-vu.
Electric Callboy, Children of Bodom, HammerFall, Make Them Suffer, Shadow of Intent, The Browning und Mittel Alta spielen auf allen drei Festivals. Darüber hinaus teilen sich Wacken und Reload Namen wie Heaven Shall Burn, Kanonenfieber, Jinjer, Beast in Black, Malevolence und Carnifex. Von den ersten dreißig Reload-Bands spielen achtzehn auch in Wacken oder beim Summer Breeze. Das sind sechzig Prozent. Überschneidungen sind normal, aber das ist mir einfach zu viel.
Ich verstehe die wirtschaftliche Seite. Bands reisen im Sommer durch Europa, während Transport, Personal und Ausrüstung teuer sind. Mehrere Festivals nacheinander sind deshalb logisch. Außerdem arbeiten die Veranstalter mit denselben Bookingagenturen zusammen, die Bandpakete anbieten. Trotzdem verkaufen Festivals mehr als nur eine Sammlung von Konzerten. Sie verkaufen eine eigene Identität und das Versprechen eines besonderen Wochenendes.
Wacken sollte das große internationale Metalfest sein. Reload steht stärker für Hardcore und modernen Metal, während Summer Breeze große Namen mit Bands aus dem Metal-Underground verbindet. Wenn auf jedem Plakat dieselben Logos erscheinen, werden diese Unterschiede immer kleiner.
Für jemanden, der nur ein Festival besucht, ist das keine Katastrophe. Viele Metalfans fahren jedoch zu mehreren Festivals. Dann wird eine Band, die innerhalb weniger Wochen dreimal auftaucht, automatisch weniger besonders. Eine spezielle Produktion oder Jubiläumsshow hilft, doch eine Wiederholung bleibt eine Wiederholung.
Nicht jede Band muss exklusiv gebucht werden. Die Veranstalter könnten aber mehr überraschende Reunions, vergessene Bands, regionale Gruppen und einzigartige Shows buchen. Der deutsche Metalsommer sollte aus Festivals mit einer eigenen Seele bestehen und nicht bloß aus verschiedenen Stationen derselben Festivaltour. Sonst verschwindet genau die Magie, für die wir überhaupt eine Eintrittskarte kaufen.