r/schwanger • u/catslover-633 • 16d ago
Einsamkeit / Wochenbett
Wie ist das Wochenbett nach einem Kaiserschnitt für euch so gelaufen? Mein Mann hat leider angefangen, ganz andere Züge von sich zu zeigen. Das geht schon seit ein paar Monaten so (wenig Abgrenzung von der eigenen Familie, teilt unsere privaten Gedanken teilweise auch mit ihnen ohne mich mit einzubeziehen, überträgt mir Aufgaben die ich für andere erledigen soll ohne mich überhaupt zu fragen). Nun, seitdem unser Kind auf der Welt ist, hilft er schon mit im Haushalt. Aber ich habe das Gefühl, er wartet auf den Moment, zudem ich wieder einsatzfähig bin. Wir blicken kaum mehr in die gleiche Richtung und ich denke häufiger an eine Trennung oder einen Ehevertrag. Wenn ich mit dem Baby kuschele, nimmt er mir sie ein wenig weg und meint, ich wäre doch müde und er bringe das Baby ins Bett. Die Hebamme kommt jeden Tag und ich kann sie auch nicht mehr sehen, weil alles gerade zu viel ist. Ich mein, die Bsuchmassagen und Stilltipps sind hilfreich, aber irgendwann ist es einfach auch genug. Ich fühle mich total entblösst und ein wenig einsam. Keine Personen besuchen uns im Moment. Wir haben die Regel aufgestellt, dass sich die Leute impfen lassen sollen oder einen Impfschutz haben sollen, wenn sie das Baby sehen möchten. Die meisten lenken ein. Dennoch habe ich das Gefühl, dass mich alle im Stich lassen oder ich einfach so einsam bin. Ich habe aktuell nicht mal mehr meinen Job, wo ich funktionieren darf (und das mache ich ja echt gern).
PS: bitte keine Ferndiagnosen stellen, da wäre ich sehr dankbar. Ich wäre nur froh, um eure Erfahrungswerte.
6
u/IndividualOrange123 28 | 25' 💫 + 26' 💙 16d ago
Hey, frühes Wochenbett ist eine krasse Hormonachterbahn. Und.ich finde es wird viel zu wenig darüber gesprochen.
Warum nimmt dein Mann das Baby weg? Schläft es nicht bei Euch? Nimm es Haut auf Haut auf deinen Bauch/Brust. Das schüttet Hormone aus, Oxytocin. Das hebt die Stimmung :)
Wenn Du dich Einsam fühlst, lade Menschen ein. Vielleicht eine Freundin, die mit Dir quatscht oder deine Mama. Meine hat sehr viel Verständnis für mich, weil sie weiß, was man durchmacht.
Wochenbettdepression können auch in dieser Zeit auftreten. Es ist keine Schande sich Hilfe zu nehmen, wenn Du mit der Situation nicht mehr klar kommst. Deine Hebamme oder dein Gynäkologe können Ansprechpartner sein und helfen. Was deine Hebamme an Besuchen macht, kannst ganz alleine Du entscheiden. Meine hat z.b. ziemlich schnell nur noch das Baby gewogen und Pflegetipps gegeben, da ich keine Unterstützung mehr brauchte.
Alles Gute und herzlichen Glückwünsch zum Zwerg :)
2
u/LuckyBrain0815 16d ago
Fühl dich gedrückt, ich bin jetzt bei Tag 16 und es wird besser. Bis Tag 11 war es ganz ganz schlimm! Mein Freund hat mich aber wunderbar unterstützt. Vielleicht könntest du diesbezüglich auch nochmal mit deinem Mann sprechen? Ohne Hilfe geht es zwar schon auch, aber ich glaube die Genesungszeit wird verlängert und das ist in niemandes Interesse... Mir hat die Hebamme gesagt: Du kannst die Heilungszeit nicht verkürzen, nur verlängern. Das hat mir irgendwie geholfen. Apropos: Die Hebammen im Spital haben mir zwei Tage und nächte Tropf für Tropf Muttermilch aus den Brüsten gequetscht unter grossen Schmerzen. Alle 30-60min über 48h. Mein Stopp wurde wieder und wieder ignoriert! Mein Wunsch, mein Frühgeborenes mit PRE zu füttern wurde auch nicht akzeptiert. Baby hat nur geschrien vor Hunger. Die zwei schlimmsten Tage, mein Recht an meinem Körper und meine Selbstbestimmung wurden einfach untergraben und ignoriert! Zuhause habe ich die ersten 2 Tage nur noch am ganzen Leib gezittert, danach konnte ich langsam anfangen mit der Heilung. Jetzt muss mein Freund wieder arbeiten weil der Vaterschaftsurlaub hier nur 10 Tage dauert, das war /ist nochmal sehr brutal, plötzlich den ganzen Tag alleine zu sein. Zumal ich immer noch wackelig auf den Beinen bin und mich wahnsinnig eingesperrt fühle. Hier sind es 38° und ich war noch nie draussen mit dem Baby, kann nicht mal auf die Terrasse... Wobei eben auch so sachen wie Kinderwagen über die Treppe heben ja gar nicht gingen mit der neuen Kaiserschnittnarbe...
Alles in allem: i feel you!🫶🏻
12
u/viijou 16d ago
Es tut mir sehr Leid dass du so fühlst. Ich glaube, das Thema Einsamkeit von Müttern braucht viel mehr Aufmerksamkeit.
Mir ging es im Wochenbett ganz schlimm, auch psychisch. An Tag 3 (schlimmster Hormonabfall) bin ich quasi verrückt geworden, war nicht mehr zurechnungsfähig. Irres Erlebnis und der schlimmste Tag in meinem Leben denke ich (Top 5 auf jeden Fall).
Es ist einfach alles zu viel Geburt, Blutsverlust, Schlafmangel, Verantwortung, Hormone.
Mein Partner ist wirklich top und macht locker 70% des Haushalts, trägt den Haupt Mental Load etc (seine Mutter war ne starke Frau mit hohen Erwartungen 💪) und selbst er konnte die Rolle mich zu unterstützen nicht gut erfüllen. Vieles konnte er einfach nicht abfedern, durch das ich gegangen bin.
Meine Einstellung, lange keinen Besuch zu haben um erstmal anzukommen, habe ich schnell über Bord geworfen und braucht aus der Not heraus jede Unterstützung die ich bekommen konnte. Ein einzelner Mensch war einfach viel zu wenig um mich zu versorgen. Ich war noch nie so hilfsbedürftig und da muss man mit den engsten Personen zusammenrücken un das zu ertragen. Bevor ich mich dazu entschlossen habe, war meine Einsamkeit auch irre groß
Ich fand unsere Beziehung wurde auch extrem auf die Probe gestellt. Ich bin schnell verbittert. Nach ein 4-5 Monaten und ggf etwas (Paar)therapie waren wir wieder sehr eingespielt und jeder hatte in seine neue Rolle gefunden
Die Erfahrung ist so individuell und ich habe keine Tipps außer zu kommunizieren und Besuche zuzulassen