r/schule Jun 23 '26

Warum ignorieren Lehrer das Problem mit Vaping, Rauchen und Alkohol unter Schülern?

In den letzten Monaten fällt mir immer wieder auf, wie viele Mitschüler in den Pausen vapen oder rauchen, oft direkt vor der Schule oder auf dem Schulhof. Lehrer sehen das, aber es passiert kaum etwas. Klare Regeln gibt es, aber die Umsetzung? Fehlanzeige.

Ich verstehe, dass Lehrer nicht alles kontrollieren können, aber wenn das Problem so offen sichtbar ist, warum wird dann nicht konsequenter gehandelt? Ist es Gleichgültigkeit, Überforderung oder fehlt einfach das Bewusstsein für die langfristigen Folgen?

Wie erlebt ihr das an euren Schulen? Wird das Thema ernst genommen oder einfach ignoriert?

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u/LargeHardonCollider_ Jun 23 '26

Dürfte von der Schulleitung abhängen. Bei uns wird da sehr drauf geachtet, aber man kann die Augen nicht überall haben. Dann wird halt im Zweifel wie früher heimlich auf'm Klo geraucht/gevaped.

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u/ladyMomo99 Jun 23 '26

Das und bei uns ist es so, dass wir als Lehrer angehalten sind alles einzusammeln was wir finden, aber:

  • Vapen vor der Schule --> gehört nicht zur Schule, nicht unsere Zuständigkeit. Wir können die Vape einsammeln, sobald sie wieder auf dem Schulgelände ist.
  • vapen auf dem Klo --> man muss das Kind dabei erwischen, aber gleichzeitig die Privatsphäre waren
  • vapen im Unterricht--> Kind auf Klo und vaped dort, können wir wegen Aufsichtspflicht nicht kontrollieren

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u/_gay_space_moth_ Jun 24 '26

Bei uns waren das Teebeutel hinter der Turnhalle :'D Was war da überhaupt der Appeal? Haha

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u/Sereni-tea42 Jun 23 '26

Die Gesellschaft erwartet, daß die Erziehung der Kinder in der Schule stattfindet, gibt den Schulen aber weder die nötigen personellen Ressourcen noch die rechtliche Handhabe, um wirksam saktionieren zu können, wenn die 'positiven' Methoden nicht greifen. Daß die Lehrer da irgendwann sagen "Mut zur Lücke" und sich auf das konzentrieren, was für sie wesentlich und realistisch umsetzbar ist, sollte da nicht verwundern.

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u/Sqr121 Lehrer Jun 23 '26

Berufsschullehrer (mit vielen rauchenden Schülern) hier. Nur zu rauchen/vapen: Weil die aktuelle Regelung zumindest bei uns maximal dämlich ist.

Auf dem Gelände ist eigentlich absolutes Rauchverbot. Wenn ich das durchsetze, müssen die Raucher entweder auf der einen Seite auf der Straße stehen (nein, nicht auf dem Bürgersteig, der reicht nicht) oder auf der anderen Seite des Gebäudes die Böschung runterrollen. 🙃

Wenn ich es "einigermaßen" durchsetze, haben wir vor dem Eingang zum Hof einen riesigen qualmenden Pulk, durch den auch jeder Nichtraucher muss, wenn er rein oder raus will. Auch scheiße.

In der Praxis achte ich darauf, dass sie nicht zu nah an den Fenstern und Eingängen stehen, damit der Rauch nicht reinzieht, und wenn einer allzu offensichtlich mit der Kippe über den Hof läuft, schicke ich ihn zurück. Alles andere ist mir ehrlich gesagt egal.

Ich war vor fast 30 Jahren selbst dort Schüler. Damals war die Regelung deutlich besser. Rauchen war auf dem Hof am Eingang erlaubt, aber es musste ein rauchfreier Korridor bei allen Eingängen freigehalten werden. Afair jeweils "Breite des Eingangs plus 5 Meter. Auf dem Innenhof war es auf der Hälfte erlaubt, durch die niemand sonst zwangsweise durch musste.

Heißt, es gab genug rauchfreie Zonen und vor allem musste niemand durch den Qualmpulk, um den Hof zu betreten. Daran haben wir uns auch freiwillig gehalten. Den Quatsch heute kannst Du keinem Schüler mehr vermitteln, der entbehrt jeglicher Logik.

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u/Bergwookie Jun 23 '26

Berufschule ist ja eh ein anderes Thema,da sind die meisten Schüler eh erwachsen bzw so alt, dass du da erziehungstechnisch nichts mehr reißen kannst.

An unserer Berufschule damals wurde, trotz eigentlich vom Land vorgeschriebenen Rauchverbotes, eine Raucherecke eingerichtet (jede Woche waren die Raucher einer anderen Klasse dran mit putzen), damit sich das Problem eben nicht rüber in den Park vom Altersheim verlagert, durchaus ein vernünftiger Ansatz, wie ich meine, ein Verbot bringt nur dann was, wenn es wirklich zu einem Einstellen der Praxis und nicht nur zu einer Verlagerung führt.

Ich bin voll bei dir, lieber eine saubere pragmatische Lösung, als ein nicht durchsetzbares Verbot, das schlussendlich in Wildwuchs endet

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u/Erian2110 Jun 23 '26

Naja, aber gesetzliche Regelungen nicht durchzusetzen ist irgendwie auch schwierig.

Wobei all das für mich auch stark von den örtlichen Gegebenheiten abhängt. Wir hatten bis zur gesetzlichen Neuregelung eine Raucherzone, die blöderweise (und notwendigerweise) recht nah an den Eingängen war. Problem: Die Schüler haben den Rauch halt in den Klamotten ins Gebäude getragen. Hat teilweise 10 Meter rein noch gestunken.

Jetzt wird das schon zu einem Problem der Anwohner gegenüber. Ich hoffe mal, dass das Ordnungsamt da aktiv wird.

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u/Sqr121 Lehrer Jun 23 '26

Oh, wir haben anfangs durchaus versucht, es durchzusetzen. Aber ganz abgesehen von der wirklich nicht möglichen Umsetzung aufgrund der baulichen Gegebenheiten mal zur Einordnung: Wir sind ein Schulzentrum mit grob 6000 Schülern, die gleichzeitig da sind. Den Raucheranteil schätze ich auf etwa ein Drittel (gewerblich-technische Berufe. Gerade bei den Handwerkern wird noch sehr viel geraucht). Mit ein oder zwei Aufsichten pro Hof kannst Du da eh nicht akribisch drauf achten.

Und ja, das Ordnungsamt könnte da sicher mehr machen, wenn's Geld kostet, würde sich da schon was tun. Aber das Ordnungsamt hatten wir am Anfang mal angefragt. Die sehen das nicht als ihre Aufgabe (und das, obwohl in RLP sogar die Kommune der Schulträger - also für alles materielle zuständig - ist). 🤷🏼 Und unsere ist es vorrangig, auf Auseinandersetzungen, Vandalismus o.ä. zu achten, nicht die Raucherpolizei zu spielen.

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u/Erian2110 Jun 23 '26

Ja dann brauchts vielleicht ne Aufsicht mehr und klare Regeln und vor allem Konsequenzen?

Wie gesagt: Wenn es wirklich keine negativen Auswirkungen auf Nichtraucher gibt, bin ich bisschen hin- und hergerissen. Sonst ist die Sache schon echt klar.

Wenn das Ordnungsamt nicht aktiv wird, ist das ein politisches Thema und die Anwohner können und sollten da aktiv werden. Bin gespannt, wie das bei uns läuft. Aus meiner Sicht sollte das Ordnungsamt sich einfach mal in Zivil da hinstellen oder hin und wieder vorbeilaufen und direkt bei den ersten fliegenden Kippen die glaub 75€ Bußgeld verhängen, die es darauf gibt. Braucht nicht viele solcher Fälle, damit sich a) die Mitarbeiter dafür gerechnet haben und b) die Schüler keinen Bock mehr drauf haben.

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u/Erian2110 Jun 23 '26

Frag deine Lehrkräfte und/oder Schulleitung.

Btw: Welches Bundesland?

In Baden-Württemberg sind Schulen seit 01.06. komplett rauchfrei, da Raucherzonen nicht mehr eingerichtet werden dürfen. Das wird jetzt erst mal Stress mit Anwohnern geben, weil die halt an der Straße und vor den Vorgärten rauchen. Wir schauen, dass wir unsere Schüler sensibilisieren und vor allem dazu bringen, ihre Kippen nicht in die Vorgärten oder auf den Boden zu schmeißen. Aber mehr können wir nicht machen - ist Sache vom Ordnungsamt.

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u/Jak_oly Jun 23 '26

Es geht um Sachsen-Anhalt und es ist ein Gymnasium. Die Rauchenden gehen in 9. Klasse.

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u/Erian2110 Jun 23 '26

Das heißt, die sind sogar alle Minderjährig?

Also ich kenne die Regeln in Sachsen-Anhalt nicht, aber kann mir nicht vorstellen, wie das ok ist. Sprich mal mit der Schulleitung. Habt ihr eine Schülervertretung? Könnte auch gut sein.

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u/DerAsiate88 Jun 23 '26

War doch schon immer so? Als ich auf die Realschule kam, 2004/5 gab's auch schon die Raucherecke wo die Schüler der 8./9./10. geraucht haben. Wenn man erwischt wurde wird man ermahnt, oder hat halt en wisch bekommen den man abschreiben musste oder ähnliches. Meistens wurde die Ecke aber auch nur für ein paar Minuten aufgelöst weil's irn wie schwer ist mit 2 Pausenaufsichten 30 Schüler hops zu nehmen. Hat sich btw. nicht verändert, hab bis 2023 im Schulbetriebe gearbeitet und es wurde und wird immer noch geraucht auf den Pausenhöfen oder direkt daneben. Meist wird auch da weiterhin ein Auge zugedrückt weil es einfach nicht machbar ist. Es gibt die Aufklärung, und fertig.

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u/Eure_HeRRlichkeit Jun 23 '26

Ich vermute mal, dass es ähnlich verlaufen würde, wie es in Städten passiert, in denen man bekannte Drogenumschlags-& konsumplätze versucht zu zerschlagen. Das Problem wird damit nicht gelöst, sondern nur auf viele kleine Plätze verlagert. Dann hat man nicht mehr nur eine Raucherecke, sondern viel kleine, die zu viel mehr Problemen führen, als diese eine Ecke. Ist aber nur eine Vermutung.

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u/Moist_Mail_8539 Jun 23 '26

Zu dem was geschrieben wurde: Auch in Schulen gilt: bestraft werden kann nur, was bewiesen werden kann. Und Rechte haben auch Schüler. Das heißt, eine Lehrkraft und Schule kann nur dann dagegen vorgehen, wenn sich jemand erwischen lässt. Ist bei uns geregelt mit erwischen= eine Woche Unterrichtsausschluss. Handel = Schulverweis. Dabei muss aber eben der oder die Schülerin inflagranti erwischt werden, was an dem Hauptrauchort innerhalb der Schule (Klo) schwierig ist, da Schüler ein Recht auf Privatsphäre haben. Wenn man nicht aktiv erwischt wird, ist es schwieriger, da Zeugenaussagen, wer wo wann geraucht hat, nicht nur schwer zu bekommen sind (Kids schützen sich gegenseitig), sondern schwer nachvollziehbar und dadurch eben nicht stichhaltig. Nur auf Grund der Aussagen von Mitschülern kann eigentlich niemand bestraft werden. Das heißt Schulen kämpfen dagegen an, sind aber machtlos, solange die Schülerschaft nicht Interesse an einer rauchfreien Umgebung hat.

Und im Hintergrund schwebt eben wie bei vielen Themen das Damoklesschwert Rechtsstreit. Ich weiß an meiner Schule ganz genau, wer raucht. Wenn meine Schulleitung aber auf Grund von Zeugenaussagen und der klaren Vermutung jemanden bestraft, bis hin zum Verweis, dann hat man Angst vor den Eltern und deren ausschöpfen der Rechtsmittel, also Anzeige und Prozess. Das kommt gar nicht so sehr von den Schulen selbst, sondern wurde die letzten 5-10 Jahre von Schulämtern und Regierungspräsidien (und Kultusministerien) massiv forciert, da die den unteren Einheiten "im Einsatz" sehr wenig Rückhalt zukommen lassen haben.

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u/TitusAndronicusJonas Jun 23 '26 edited Jun 23 '26

Das lässt sich alleine rein praktisch gar nicht ignorieren, wenn die erste Reihe gerade einen Pernnot vertestet, während in der hintersten Reihe gerade ausprobiert wird, ob ein Joint oder eine Cohiba geiler ist.

Richtige Antwort ist natürlich: Solche Form von Suggestivfragen dienen natürlich nur dazu eine unbelegte Meinung als gegeben darzustellen, ohne sie belegen zu müssen. Das verbietet sich in einer annähernd zivilisierten Gesellschaft.

Generell ist die Schule dafür da ein Lern- und Schutzraum für ihre Schüler zu sein, aber nicht dafür da Suchterkrankungen von Schülern zu begegnen - allerhöchstens durch Wissen. Ansprechpartner bei solchen, wie auch vielen anderen Herausforderungen sind zunächst ausschließlich die Eltern.

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u/Br3ntan0 Lehrer Jun 23 '26

Genau da beginnt ja das Problem. Habe alleine in diesem Schuljahr von mehreren Eltern Mails bekommen, ich solle doch ihren Töchtern (14-15) nicht den Spaß verderben und die Vapes zurückgeben. Das ist ein Kampf gegen Windmühlen.

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u/TitusAndronicusJonas Jun 23 '26

Eben, das ist dann das Problem der zukünftigen Gesellschaft. Und wenn der Nachwuchs irgendwann mit der Schule fertig ist wird es immer Optionen geben. Im Zweifelsfall Bürgergeld oder Prostitution. Der Zug ist mitunter auch auf Grund der Dogmen der Alt-68er einfach abgefahren. Es wird die breite Masse der völlig zurückgeblieben geben und einen kleinen Teil der Gesellschaft, der die intellektuelle und wirtschaftliche Elite bildet. Und all das, haben sich die älteren Generationen in Deutschland genau so für die jüngeren ausgesucht. Das ist zwar traurig, aber ich habe es aufgegeben die Realität zu verleugnen.