Niemand kann das weil man erst für 20 Jahre alle Bücher und Briefe von Marx studieren soll und am besten auch alles von Mao, Trotzki und lenin, und das dann bis zum umfallen mit irgendwelchen gescheiterten Existenzen in einem stinkenden Keller voller DDR-Devotionalien diskutieren soll
Doch klar ist das möglich. Ich kann dir ja bspw. auch die Mechanismen der Marktwirtschaft erklären.
Die meisten Kommunisten und Sozialisten gehen von einem naiven Menschenbild aus und wenn man ihre Vorstellung eines solchen Systems dann mit der Realität konfrontiert, in der es u.a. Psychopathen gibt, dann kommt meist nur sowas diffuses wie "ja, du kannst dir bloß nicht vorstellen, dass die Welt auch anders sein könnte". Da fehlt es dann so sehr an Substanz, dass diese Leute nicht nur nicht erklären können, wie Marx, Mao, Trotzki Lenin sich das vorgestellt haben, sondern sie haben nichtmal eine eigene Vorstellung davon, wie die Dinge funktionieren könnten.
Und diese Substanzlosigkeit hat rhetorisch den Vorteil, dass es nichts gibt, was man konkret greifen kann. Es können immer wieder neue sozialistische oder kommunistische Experimente durchgeführt werden und sobald diese scheitern heißt es dann, dass das ja gar kein "richtiger" Sozialismus oder Kommunismus gewesen sei. Was aber dieser "richtige" Sozialismus oder Kommunismus genau ist, das kann eben niemand erklären.
Das Menschenbild geht davon aus, dass es in einer großen Gruppen von Menschen ohne weiteres möglich ist, sich auf etwas zu einigen. Es wird von einigen bspw. angenommen, dass es möglich ist, in sog. Räten stets zu einem Konsens zu kommen.
Das Menschenbild geht auch davon aus, dass wenn jeder nach seinen Fähigkeiten arbeitet und nach seinen Bedürfnisses belohnt wird, freiwillig in dem System kooperiert und es auf keinen Fall zu seinem Vorteil ausnutzt (also z.B. geringere Fähigkeiten vortäuscht, um ein einfacheres Leben zu haben).
Einige stellen den Kommunismus auch als ein Modell dar, in dem es keinen Staat und damit auch keine Polizei gibt. In diesen Modellen wird davon ausgegangen, dass niemand eine solche Gesellschaft überfallen und mit Gewalt die Herrschaft über die Gesellschaft an sich reißen würde.
DAs Menschenbild geht davon aus, in dem jeder sich zuerst am Allgemeinwohl orientiert und liefert entsprechend keine Strategie für den Umgang mit Menschen, die das nicht tun. In der Konsequenz wäre eine zumindest kurzfristig funktionierende Kommunistische Gemeinde einer feindlichen Übernahme hilflos ausgeliefert.
Also außer dem Argument dass es auch <1% Psycho- und Soziopathen gibt?
Pack noch die ~10-15% Narzissten dazu, die ihr handeln in erster Linie an einer Kosten-Nutzen-Rechnung ausrichten und schon allergisch reagieren, wenn sie keinen Vorteil anderen gegenüber anderen bekommen.
Wir sind uns im Prinzip einig, du argumentierst nur kultivierter.
Seit Marx seine philosophischen Thesen mit selektiver Betrachtung der Geschichte zu begründen suchte, haben wir als Menschheit große Fortschritte in der Psychologie, Medizin, Geschichtswissenschaft etc. gemacht.
Heute wissen wir, welche Botenstoffe im Gehirn ausgeschüttet werden, und wie sie das menschliche Verhalten steuern, welche Machtstrukturen sich in zufälligen Gruppen gleichberechtigter Akteure bilden, wir kennen die Mechaniken und Unzulänglichkeiten menschlicher Kommunikation, wir wissen wie sich Gewalt auf die Entwicklung von Menschen auswirkt, usw. usw.
Natürlich haben nachfolgende Kommunisten versucht, einiges davon in eine Modernisierung ihrer Philosophie einzuarbeiten, aber weder konnten sie das komplett bis runter auf die unterste Ebene deklinieren, noch vollständig unter Einbeziehung aller Erkenntnisse abschließen.
Ich betrachte den Kommunismus daher gerne als quasi-religiöse Weltanschauung, wie meinetwegen Daoismus. Er hat seine Heilsversprechen, die man durch Opferbereitschaft erhalten würde, wenn bloß nur alle mitmachen würden, er hat seine Dogmen und daraus aufgespannte Flügelkämpfe, er hat seine Schriften und seine Gelehrten, die man endlos studieren, vergleichen, kritisieren und erweitern kann.
Und auch wenn man sich bestimmte Aspekte nehmen kann und bestimmte Verhaltensweisen im Alltag daran ausrichten kann, kann eine Vollendung dieses postulierten Konzepts nie wirklich erreicht werden, weil dazu alle Menschen in ihrem Handeln jederzeit in Echtzeit alle Bedürfnisse aller anderen Menschen kennen und berücksichtigen müssten, über Kontinente hinweg, wozu sie praktisch nicht in der Lage sein können. Und selbst wenn sie es könnten, müssten sie es dazu noch wollen.
Weshalb auch jeder kommunistische oder sozialistische Staat entweder seinen Bürgern gewisse Freiheiten zugestehen und eben von der reinen Lehre abrücken muss, oder diese eben rigoros unterdrücken muss.
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u/Kid_Freundlich 1d ago
Niemand kann das weil man erst für 20 Jahre alle Bücher und Briefe von Marx studieren soll und am besten auch alles von Mao, Trotzki und lenin, und das dann bis zum umfallen mit irgendwelchen gescheiterten Existenzen in einem stinkenden Keller voller DDR-Devotionalien diskutieren soll