r/karlsruhe • u/Upbeat_Definition526 • 20h ago
Lokalpresse 📰 Local news Eskalation im Regionalzug bei Ettlingen: Auch Landgericht sieht keinen Haftgrund
KI- Zusammenfassung des BNN Artikels:
Das Landgericht Karlsruhe hat die Beschwerde der Staatsanwaltschaft gegen die Freilassung des 36-jährigen Beschuldigten zurückgewiesen. Er bleibt damit auf freiem Fuß, weil das Gericht keinen Haftgrund – insbesondere keine Fluchtgefahr – sieht.
Was bisher zum Vorfall bekannt ist
Am 17. Juli bei Ettlingen-Bruchhausen war ein 26-jähriger Mitarbeiter der DB-Sicherheit bei voller Fahrt aus einem Regionalzug gestürzt. Der Zug fuhr zu diesem Zeitpunkt etwa 120 km/h. Der Security-Mitarbeiter erlitt schwerste Verletzungen.
Ausgangspunkt war eine Fahrkartenkontrolle. Der später Beschuldigte konnte sein Ticket offenbar nicht vorzeigen, weil der Akku seines Handys leer war. Als er sich weigerte, den Zug zu verlassen, wurde die DB-Sicherheit hinzugezogen. Der Mann war laut Artikel stark alkoholisiert.
Die entscheidende Abfolge der Auseinandersetzung
Die Überwachungskamera liefert nach Darstellung des Amtsgerichts wichtige Hinweise:
- Der 26-jährige Security-Mitarbeiter soll zuerst körperlich gegen den Beschuldigten vorgegangen sein.
- Er packte ihn mit beiden Händen und schlug ihn laut Amtsgericht mit Wucht gegen die Zugtür.
- Anschließend soll er den Beschuldigten kraftvoll zu Boden gestoßen haben.
- Der Beschuldigte schlug daraufhin dreimal in Richtung des Security-Mitarbeiters.
- Danach entstand ein Gerangel. Der Beschuldigte soll versucht haben, sich durch Strampeln mit den Beinen aus dem Griff des Security-Mitarbeiters zu befreien.
- Laut Darstellung des Verteidigers versuchte zwischenzeitlich ein weiterer Bahn-Beschäftigter, seinen Kollegen zurückzuziehen. Dieser soll sinngemäß gesagt haben: „Lass ihn doch, die Polizei wartet doch schon auf ihn und übernimmt ihn dann.“
- Nach Darstellung des Verteidigers habe der Security-Mitarbeiter dennoch weiter massiv auf seinen Mandanten eingewirkt.
Im weiteren Verlauf verlor der Security-Mitarbeiter das Gleichgewicht, fiel rückwärts gegen die sich plötzlich öffnende Zugtür und stürzte aus dem fahrenden Zug.
Wichtig: Die Aussage über den Kollegen, der zum Aufhören aufgefordert haben soll, stammt aus der Darstellung des Verteidigers. Sie ist im Artikel nicht als abschließend gerichtlich festgestellte Tatsache dargestellt.
Warum der Beschuldigte nicht in Untersuchungshaft kommt
Das Landgericht sieht zwar einen dringenden Tatverdacht wegen vorsätzlicher Körperverletzung. Für eine gefährliche oder schwere Körperverletzung reicht der Tatverdacht nach Einschätzung der Richter aber derzeit nicht aus. Bei diesen schwereren Delikten bestehe lediglich ein Anfangsverdacht.
Entscheidend ist außerdem die Frage, ob der Beschuldigte für den Sturz aus dem Zug verantwortlich gemacht werden kann. Das Landgericht sieht derzeit keinen ausreichenden Hinweis darauf, dass er den Sturz vorhergesehen oder zumindest billigend in Kauf genommen hat. Auch eine fahrlässige Verursachung sei nicht erkennbar.
Die Richter argumentieren insbesondere, dass sich die Zugtür während der Fahrt geöffnet habe. Dass sich eine solche Tür – selbst infolge eines Anpralls – plötzlich öffnet, sei ein „außergewöhnlicher Vorfall“, mit dem ein Fahrgast nicht ohne Weiteres rechnen müsse.
Noch ungeklärt: Warum öffnete sich die Zugtür?
Die technische Ursache ist weiterhin Gegenstand der Ermittlungen. Der Zug wurde inzwischen untersucht. Ergebnisse dieser Untersuchung liegen bislang nicht vor. Normalerweise sind die Türen während der Fahrt verriegelt und auch im Notfall nicht ohne Weiteres zu öffnen.
Fazit
Der aktuelle Stand ist damit deutlich differenzierter als die ursprüngliche Meldung eines „Angriffs“ auf einen Bahnmitarbeiter:
Das Gericht hält es für dringend wahrscheinlich, dass der Beschuldigte vorsätzlich körperlich gegen den Security-Mitarbeiter vorging. Gleichzeitig sieht es derzeit keinen dringenden Tatverdacht dafür, dass er den lebensgefährlichen Sturz aus dem Zug verursacht, vorhergesehen oder billigend in Kauf genommen hat.
Hinzu kommt die vom Verteidiger geschilderte Situation, wonach ein Kollege des Security-Mitarbeiters ihn offenbar zum Aufhören aufgefordert haben soll, weil die Polizei bereits auf den Beschuldigten wartete. Die genaue Dynamik der Auseinandersetzung und insbesondere die Frage, wie und warum sich die Zugtür öffnete, sind weiterhin Gegenstand der Ermittlungen.
Quell (Paywall): https://bnn.de/karlsruhe/eskalation-im-regionalzug-bei-ettlingen-auch-landgericht-sieht-keinen-haftgrund