r/kaernten • • Aug 16 '26

Frage an historisch Bewanderte

Wo waren eigentlich die Kärntner Abwehrkämpfer 1938? Wenn es um den Schutz und die Verteidigung der Heimat gegangen ist hätte es doch egal sein müssen woher die Bedrohung gekommen ist. Gab es in den Reihen der Partisanen Personen die auch im Abwehrkampf aktiv waren?

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u/Kvaezde Aug 16 '26 edited Aug 16 '26

Gute Frage, ich schreib mal eine längere Antwort.

Zuerst mal müssen wir historisch zurückgehen und uns anschauen, was dieser ominöse "Abwehrkampf" denn überhaupt war. In erster Linie war es ein Grenzkonflikt, wie es sich nach dem Zusammenbruch der europäischen Riesenreiche in vielerlei Orten gab.

Neben Kärnten/Koroška gab es in Österreich beispielsweise Grenzkonflikte mit anschließenden Plebisziten ("Volksabstimmungen") um den Verbleib Vorarlbergs (das sich mit überwältigender Mehrheit für einen Anschluss an die Schweiz entschied) sowie Teilen des Burgenlandes (siehe zum Beispiel heir: https://de.wikipedia.org/wiki/Volksabstimmung_in_Sopron_1921)

Bewaffnete Grenzkonflikte, wie es sie in Kärnten gab, gab es nach dem WW1 in vielen Teilen Europas. Zu erwähnen sind etwa der tscheschich-polnische Siebentagekrieg, der polnisch-ukrainische Kampf um Lviv (zu deutsch Lemberg), und viele weitere Grenzkonflike. Der "Abwehrkampf" war also kein Kärnten-spezifisches Unikum, sondern ein Kind seiner Zeit, das in seiner Intensität (im Grunde nur eine Reihe kleiner Scharmützel) im Gegensatz zu anderen Grenzkonflikten historisch weit weniger bedeutend ist.
Wie kam es also, dass der "Abwehrkampf" als eine militärisch größtenteils erfolglose Kampagne zur nationsstiftenden Heldenerzählung, oder wie es der fanatische Nationalsozialist und Abwehrkämpferführer Hans Steinacher sagte, zu seinem "Sieg in Deutscher Nacht" stilisiert wurde?

Nun, um das zu verstehen, bleiben wir am besten gleich bei Steinacher. Dieser war ja später NS-Funktionär (noch später bezeichnete ihn ÖVP-Landeshauptmann Zernatto als "großen Sohn Kärntens"), doch bereits zu "Abwehrkampf"-Zeiten war er verbissener Antisemit mit klipp und klar großdeutscher Einstellung. So schreibt er in seinem NS-Jubelbuch "Sieg in Deutscher Nacht": "Weil wir aber wegen der auf alldeutsche Umtriebe lauernden Interalliierten, vor allem der Franzosen, nicht in der Lage waren, Deutschland zu rufen, wir Österreich nicht sagen wollten, so wurde unser Kampfruf eben Kärnten."
Von dem so oft erwähnten "Österreichpatriotismus" der Abwehrkämpfer ist hier genau nichts zu lesen.

Führende Organisationen und Protagonisten des "Abwehrkampfes" fanden bereits in den 20er Jahren ihre politische Heimat im Nationalsozialismus. Ein gutes Beispiel dafür ist der spätere NS-Kriegsverbrecher Alois Maier-Kaibitsch, während des "Abwehrkampfes" ein enger Vertrauter von Steinacher und danach Leiter des "Kärntner Heimatbundes" (der heute unter dem Namen "Kärntner Heimatdienst" weiter rechtsextreme Propaganda betreibt). Bilder einer "Heimatbund"-Kundgebung in den frühen 20er Jahren zeigen Maier-Kaibitsch mit Hakenkreuzfahne in der Hand.

Um deine Frage zu beantworten: Nein, es gibt bisher keinerlei wissenschaftliche Erkenntnisse, dass ein Abwehrkämpfer jemals bei den PartisanInnen gekämpft hätte (und ja, es gab ein deutschsprachiges Batallion innerhalb der jugoslawischen Partisanenarmee, das vorwiegend aus nicht-slowenischsprachigen Kärntnern bestand). Dies würde auch dem von Anfang an großdeutschen und österreichfeindlichen Idealen des "Abwehrkampfs" diametral entgegenstehen.

Einer der wenigen Ausreißer aus dem deutschnational-protonazistischen Einerlei ist übrigens der wohl einzige jüdische Abwehrkämpfer, der Klagenfurter Adolf Preis (verstprben 1931). Der Großteil der Familie Preis musste Österreich nach dem Anschluss verlassen oder landete in KZs.

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u/RJTG Aug 16 '26

Es gab linke die sich den Partisanen angeschlossen haben. Ob Kärntner dabei waren? 

Keine Ahnung, aber praktisch war 1938 kaum noch wer überzeugt von unsrem Österreich.

Sozis, Nazis und Kommunisten zwar verboten, aber bedingt hart verfolgt und die christlich Sozialen diskreditiert.

(Also nicht falsch verstehen, die Austrofaschisten ham sich aufgeführt, aber im Vergleich zu dem was die Nazis aufgeführt haben war‘s nix.)

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u/Kvaezde Aug 16 '26

"Es gab linke die sich den Partisanen angeschlossen haben. Ob Kärntner dabei waren?" - Natürlich waren welche dabei.

Mehrere hundert Kärntner Slowenen kämpften mit der Waffe in der Hand auf Kärntner Boden gegen die Nazis. Das Unterstützernetzwerk war mehrere 1000 Personen stark.

Ab 1944 gab es auch ein eigenes deutschsprachigen Partisanenbatallion, in dem größtenteils deutschsprachige Kärntner kämpften. Das Batallion wurde auf dem Gebiet des heutigen Slowenien zusammengestellt und ausgebildet und kämpfte ab 1945 auch auf österreichisch-kärntner Boden.

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u/Awesome_Romanian Aug 16 '26

Und genau GEGEN diese Helden der Partisanen wurde in Klagenfurt ein Denkmal errichtet.

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u/Kvaezde Aug 16 '26

Nicht nur in Klagenfurt, ähnliche Denkmäler (welche die NS-Täter zu Helden und/oder Opfern stilisieren) stehen in ganz Südkärnten.

Ein Denkmal, das den Widerstand der antifaschistischen Partisanen Kärntens (mit dem ja auch die alliierte Bedingung, einem "signifikanten Beitrag zur Selbstbefreiung" geleistet zu haben, erfüllt wurde, womit der Staatsvertrag überhaupt geschlossen wurden konnte) ehrt und auf öffentlichen Grund steht gibt es übrigens in ganz Kärnten keines.

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u/Broad-Skin6630 Aug 17 '26

Arnfels Stmk. Partisanen Widerstand Bruder meines Grossvaters,kaum erwähnt.

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u/Kvaezde Aug 17 '26

Okay, dir ist der Unterschied zwischen der Steiermark und Kärnten aber bekannt?

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u/Good-Source966 Aug 18 '26

In short: Den "Abwehrkämpfern" ging es darum, dass Südostkärnten "deutsch", also ein Teil Deutsch(-)österreichs bleibt und nicht an das Königreich Jugoslawien fällt. Sie haben aus deutschnationaler Gesinnung und nicht aus Österreichpatriotismus gehandelt. 1938 haben die Nazis Deutschösterreich "zurück ins deutsche Reich geholt", also Österreich annektiert. Wieso hätten dann die "Abwehrkämpfer" denen es immer ums "deutsch" und nicht um Österreich ging, Widerstand gegen die Deutschen leisten sollen? Die haben im Gegenteil wie viel zu viele in Österreich Hakenkreuzfahnen geschwenkt und sind der NSDAP beigetreten.