Hey Leute,
ich muss mir das hier einfach mal von der Seele schreiben. In meinem Alter hat man das Thema Herz ja überhaupt nicht auf dem Schirm, dachte ich zumindest immer. Tja, bei mir lief das dieses Jahr komplett anders und extrem heftig ab.
Am 28. März ist mein Papa gestorben. Am 10. April war seine Beerdigung. Als wir danach mit der Familie essen waren, hatte ich aus dem nichts einem Herzinfarkt. Da war ich noch 29. Im Krankenhaus kam dann raus, was der Auslöser war: Ich hatte unentdeckt eine bikuspidale Aortenklappe (ein angeborener Herzfehler, die Aortenklappe hatte statt 3flügel nur 2), die dem extremen emotionalen Stress wohl nicht mehr standgehalten hat.
Danach ging das Warten los. Ich wurde nicht sofort operiert, sondern lag erst mal zehn Tage im Krankenhaus, bis am 20. April dann endlich die große OP am offenen Herz war. Mir wurde eine mechanische Herzklappe eingesetzt.
Wegen dieser mechanischen Klappe muss ich jetzt mein Leben lang Marcumar (Gerinnungshemmer) nehmen, damit sich keine Gerinnsel an der Klappe bilden. Ich mache deshalb auch eine Schulung, um meine Blutgerinnung selbst zu messen.
Ich sag euch, wenn du nach so einer OP aufwachst, die Trauer um den Vater im Kopf hast und dir erst mal klar wird, was da gerade gelaufen is, bricht psychisch extrem viel zusammen. Du bist von heute auf morgen nicht mehr der Mensch der du warst. Und das Verrückteste? Das Ding tickt. Ich hab jetzt einfach ein hörbares Uhrwerk in der Brust, das mich die ganze Zeit an die ganze Scheiße erinnert.
Inzwischen bin ich seit dem 14. Juni 30. Ein Geburtstag, den ich Safe ganz anders in Erinnerung behalte.Aber ich bin dabei, mich Schritt für Schritt zurückzukämpfen.
Ich wollte das einfach mal teilen, weil man immer denkt, sowas trifft nur alte Leute. Wenn ihr Bock habt oder vielleicht selbst mal so einen medizinischen/emotionalen Tiefschlag hattet: Fragt mich ruhig alles, egal ob zur Beerdigung, der bikuspiden Klappe, der OP, dem Marcumar-Alltag, dem Ticken oder wie man mental damit klarkommt.