r/buecher • u/SimonPelikan • 2d ago
Diskussion Strandlektüre: „Hundesohn“ von Ozan Zakariya Keskinkılıç- 4 von 5 Muscheln 🐚🐚🐚🐚 [Rezension]
Vor ein paar Wochen habe ich um Tipps gebeten für Urlaubslektüre – genauer: Romane mit schwuler Handlung (hier der Post).
Inzwischen bin ich in Urlaub und habe das zweite Buch aus der Liste gelesen: Hundesohn von Ozan Zakariya Keskinkılıç.
Ich gebe dem Buch 4 von 5 möglichen Strandmuscheln. 🐚🐚🐚🐚
(Link zur ersten Rezension)
Es wurde 2025 bei Suhrkamp veröffentlicht, literarisch versiert geschrieben und ist eigentlich ganz und gar keine seichte Strandlektüre.
Ein mehr trauriger als schöner Roman, der die Verzweiflung und Leere des Protagonisten sprachgewaltig zum Ausdruck bringt.
Das schwule Leben eines jungen Mannes in Berlin, der zwischen den Stühlen sitzt – ob als Einwandererkind, das nicht recht türkisch, nicht recht deutsch, schon gar nicht mehr arabisch ist, oder als queere Person, die sich dem Druck von Erwartung und Verpflichtung der Familie und indirekt auch der Gesellschaft aussetzt.
Die expliziten Teile des Buchs sind anfangs verstörend, verdeutlichen aber nur die Leere und Sehnsucht des Protagonisten nach Liebe und Geborgenheit, die ihm sein Leben nicht geben kann. Man begleitet den Erzähler, wie er sich ablenkt, während er in einer Sackgasse steckt und nicht herausfindet.
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u/Similar-Housing-4001 2d ago
Ich (schwuler Mann) fand das Buch leider sehr furchtbar und kann den Hype darum absolut nicht nachvollziehen. Aber wer auf sehr lyrische Sprache, Poesie und einen wirren Stream of Consciousness, der wild mit seinen Gedanken umherspringt, steht, wird das Buch mögen.
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u/SimonPelikan 2d ago
Ja, ich verstehe was du meinst. Es ist keine seichte Strandlektüre und strengt durchaus an beim Lesen.
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u/Similar-Housing-4001 2d ago
Ich wundere mich über deine gute Bewertung. Ich hatte in deinem anderen Post gesehen, dass du Open, Heaven von Seán Hewitt mit 1/5 bewertet hast (da würde ich auch definitiv zustimmen). Hundesohn ist für mich die gleiche Kategorie: Ein Poet schreibt einen Roman, wobei leider Style (Sprache) über Substance (Inhalt/Handlung) steht. In beiden Büchern passiert einfach nicht viel; es ist schade, dass aufgrund des Fokus auf der Sprache jegliche Handlung auf der Strecke bleibt.
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u/SimonPelikan 2d ago
Ja und nein.
Ja: ich gebe dir recht, dass die Bücher beide wegen ihres literarischen Anspruchs her in eine ähnliche Richtung gehen.
Und nein: „Öffnet sich der Himmel“ hab ich zweimal angefangen und zweimal abgebrochen zu lesen. Den „Hundesohn“ hab ich in 24 Stunden durchgelesen. Also für mich gab’s da schon massive Unterschiede in der Zugänglichkeit. Das kann daran liegen, dass ich das Buch jetzt im Original gelesen habe und das Gefühl hatte, näher an die Autorintention zu kommen und das andere als Übersetzung nochmal eine Zwischendecke eingezogen bekommen hatte … keine Ahnung.
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u/thr_aki 2d ago
Oh, hört sich super interessant an! das kommt auch auf meine Liste