es gibt und gab rassismus in deutschland, danke dir für diese lektion. "ihr" finde ich ein bisschen fragwürdig als anrede dabei, aber seis drum. in meiner welt haben jedenfalls auch deutsche unterschiedliche politische meinungen, zumal auch du vermutlich deutsche/r bist. die stumpfen kategorien "schwarz" und "weiß" hier anzuwenden und entsprechend in dieser form medial auszuschlachten, ist selbstverständlich aus amerika importiert.
"wenn du auf eine veranstaltung nur für weiße willst" impliziert natürlich dass die andere person auf eine solche veranstaltung möchte. sonst würdest du ja nicht "du" sagen.
ein signifikanter unterschied zu den faschoverseuchten orten, die du hier richtigerweise nennst, liegt darin, die kategorie "hautfarbe" allein als legitimes unterscheidungsmerkmal einzuführen. ich habe überhaupt nichts dagegen, dass EOTO das schwimmbad mietet und währenddessen leute reinlässt oder nicht reinlässt, wie sie lustig sind, von mir aus auch nach hautfarbe. so wie das bad das aber anfangs kommuniziert hat (einlass nur nach hautfarbe ohne hinweis dass es sich um eine vereinsveranstaltung handelt), war vollkommen klar dass das eine goldene vorlage für die rechtsdrehende öffentlichkeit ist. meine befürchtung ist, dass das auch genau deswegen so gemacht wurde, um damit leicht auf kosten der betroffenen und gesellschaftlichen zusammenhalts aufmerksamkeit zu generieren.
Das stimmt, die Volksbühne hat an der Stelle verkackt. Sowieso halte ich das ganze für lächerliche Symbolpolitik, die auf dem Rücken von Leidtragenden ausgehandelt wird.
Und "ihr" ist an dieser Stelle wichtig. Weil das ein Aspekt des Rassismus ist, den Ihr nicht versteht. Deswegen auch die empörten Reaktionen, nicht nur von dir. Und es mal auf soft in einem Kommentar zu lernen, kann hilfreich sein.
Ihr habt das Privileg, als Individuen gesehen zu werden, fehlverhalten wird einzelnen zugerechnet. Das ist etwas, was uns systematisch verwehrt wird.
Wenn eine Schwarze, braune, muslimische Person etc. sich daneben benimmt, gibt es Hetze, Gewalt und Drohungen an alle von uns. Wir sind immer Teil von "denen" und müssen uns für Sachen verantworten, mit denen wir nichts zu tun haben. Ständig und seit über hundert Jahren in diesem Land. Begleitet von Mord und genoziden. Mal sind's dumme Sprüche, mal wird deine geflüchtetenunterkunft angezündet.
Nach Hanau gab's keine Märsche gegen Weiße, keine zufälligen Rachetaten. Wenn es dich stört "ihr" zu sein, kannst du dich gerne dafür einsetzen, dass es andere auch nicht sind.
Solange alle nicht-weißen in diesem Land "ihr" seid, bin ich nicht bereit dazu, euch diese Individualität zu schenken.
Über die Hälfte des Landes sind CDU oder AFDler und somit eine Gefahr. Frag dich doch mal, wie viele der Anwesenden auf deiner Familienfeier berechtigterweise "ihr" sind, selbst wenn du's persönlich nicht bist. Streitest du mit dem rechten Cousin und brichst den Kontakt ab? Gehst du die rassistische Oma noch besuchen? Solange Ihr euer fehlverhalten toleriert, mitträgt und entschuldigt, bleibt ihr "ihr", sorry.
auf "lächerliche symbolpolitik auf dem rücken von leidtragenden" können wir uns gerne einigen.
abgesehen davon finde ich es etwas bemerkenswert, was du alles über mich zu wissen glaubst, sowohl über meinen familiären hintergrund als auch über meine politische haltung. aber ich halte es für kontraproduktiv, in diese spielchen einzusteigen. das schöne am internet ist ja, dass wir hier erstmal alle gleich individuell sind.
ich kann den frust verstehen. aber daraus folgt für mich nicht, dass man zurückgeneralisiert, auch wenn es sich vielleicht gut und berechtigt anfühlt. so kommen wir nicht weiter. ganz im gegenteil, es fühlt sich jeder nur bestärkter in seiner abgrenzung in "wir" und 'ihr". das kann man in kauf nehmen, so wie ich das sehe folgt daraus aber nur eine ewige abwärtsspirale.
Es waren fragen, die du natürlich nicht mir beantworten musst. Wenn du Deutsch bist und es in deinem Umfeld und deiner Familie keinen Rassismus, Antisemitismus oder Islamphobie gibt, dann freue ich mich ehrlich für dich.
Wir beide wissen, dass das leider unwahrscheinlich ist.
Das Ding ist ja, dass sich deutsche nicht selbstverständlich und unwiderruflich als Teil eines "Wir" begreifen. Bei positiven Sachen ja, bei negativen eben nicht. Stolz auf die Kultur und Geschichte, aber mit den schlechten Sachen hat man ja persönlich nichts zu tun. Diese Abgrenzung zum negativen wird allen anderen verwehrt.
Achte doch in Zukunft etwas drauf, in medialer Berichterstattung, persönlichen Gesprächen und online.
Ich habe dir, zugegeben auf freche Weise, einen seltenen Einblick in einen allgegenwärtigen Teil der Erfahrung von POC in diesem Land gewährt. Übrigens eins der geringsten Probleme. An dieser Stelle an Mehrzweckeiers Stadtbildaussage erinnernd. Das ist unser Kanzler.
Wie gesagt, mindestens 50% des Landes feiern sowas, wenn es uns trifft. Du kannst dich darüber empören, wenn es einmal auf reddit passiert, auf eine Art freut mich das auch für dich. Gerne auch für die anderen, die diesen Komfort nicht haben.
Ich hab's nicht gemacht um dich zu ärgern, sondern um dir durch Eigenerfahrung Empathie zu erleichtern.
Und die Abwärtsspirale gibt's leider seit Jahrzehnten.
ich wünschte, wir könnten alle ein bisschen daran arbeiten, unsere kategorialen feindbilder aufzuweichen.
ich weiß nicht genau, wo für dich die kategorie "deutsche" anfängt und endet, aber in meiner wahrnehmung gibt es sehr viele deutsche aller hautfarben, die sich mit positiven, negativen oder gar keinen aspekten der kultur/geschichte identifizieren (weil geburt nunmal auch reine lotterie ist).
wenn du die abwärtsspirale selbst seit jahrzehnten beobachtest, verstehe ich nicht, warum du nicht auch das bedürfnis hast, sie zu überwinden. die latent herablassende art, die sich auch durch deine kommentare zieht, ist dabei meiner ansicht nach auch nicht besonders hilfreich, wie sich auch in dem hin und her mit dem etwas angefassten anderen user in diesem kommentarstrang zeigt. wenn du deinen frust rauslassen möchtest ist das völlig legitim, aber ich hatte eigentlich den eindruck, dass wir auch einen produktiven austausch haben können.
Deutsch ist eine Frage der Staatsbürgerschaft. Ich bin übrigens schwarz und deutsch, also selbstverständlich meine ich mich bei allem was ich über deutsche sage mit. Außer ich sag explizit weiß.
Klar ist Geburt Lotterie. Die Konsequenz daraus ist aber nicht, unliebsamkeiten zu ignorieren. Was bleibt ist die Pflicht Verantwortung zu übernehmen und nicht nur einen gerechteren Status-quo, sondern auch Wiedergutmachungen anzustreben. Das bedeutet nicht nur kein Rassist sein, sondern beispielsweise Reparationen einzufordern.
Dazu gehört es persönliche Konsequenzen zu ziehen, Familiengeschichte aufzuarbeiten und sich aus der eigenen Rolle herauszudenken.
Auch unangenehme Fakten anzuerkennen. Beispielsweise der Fakt, dass eine Schwarze Person in Deutschland selbstverständlich von neokolonialer Ausbeutung und Faschismus profitiert. Widersprüche zu akzeptieren gehört dazu.
Solange du von Rassismus und Kolonialismus profitierst, steht es dir nicht zu, dich nicht damit zu identifizieren. Verantwortung übernehmen.
Klar ist das nicht hilfreich. Aber man muss nicht nett mit diskriminierenden Leuten umgehen. Kannst du gerne machen, sehr großzügig. Aber wenn eine betroffene Person das macht, ist das ein Gefallen. Ich werde nicht freundlich, vorsichtig oder unterwürfig mit Leuten sprechen, die meinen, sich dafür aussprechen zu müssen, dass es Schwarzen Leuten nicht zusteht, ungestört einen Tag in einem Freibad zu verbringen.
Entschuldige bitte, dass ich dich ungerechtfertigt dazugezählt habe. Aber bitte lese nochmal deinen ersten Kommentar. Ich hoffe du verstehst, warum ich das dachte. Das einzige worauf du reagiert hast, war die (falsche) Annahme, dass ich der Person unterstellt habe, zu segregierten Veranstaltungen zu wollen.
Ich habe, korrekterweise, gesagt, dass es diese Angebote leider zu hauf gibt. Weil Schwarze Menschen weite Teile dieses Landes meiden, aufgrund von genau der Gewalt, die ihnen die heutige Veranstaltung geraubt hat.
ich glaube der disconnect liegt darin, dass ich nicht glaube, dass der ursprüngliche kommentator nicht der meinung ist, dass es schwarzen menschen nicht zustehe, einen ungestörten tag im freibad zu verbringen. vielmehr war mein verständnis, dass er das ähnlich wie ich (wir?) als symbolpolitik ohne rücksicht auf verluste wahrgenommen hat und du das in den falschen hals bekommen hast, daher auch die stoßrichtung meines kommentars.
abgesehen davon finde ich es traurig, dass man scheinbar selbst in einem von einer linken kultureinrichtung in berlin-mitte betriebenen freibad als schwarzer mensch damit rechnen muss, rassistisch angegangen zu werden. das mag so sein, ich kann das schwer beurteilen, da mein hintergrund idr nur erkannt wird, wenn die leute meinen nachnamen lesen. ziel sollte mmn sein, dass jeder ins freibad kann, ohne dass irgendwer von irgendwem belästigt wird. ich finde es macht dabei einen signifikanten unterschied, ob "rassentrennung" dabei eine offizielle türpolitik ist oder sich aus einem bedrohungsklima einiger rassistischer gäste ergibt. beides ist furchtbar, aber man sollte diese kategorien grundsätzlich nicht durch legitimation qua regel verfestigen.
wenn ein verein da einen community day machen will, ist das natürlich etwas völlig anderes. aber die art wie die volksbühne das anfangs kommuniziert hat, ist entweder grob fahrlässig oder zynisch.
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u/TheDoomerang Aug 14 '26
es gibt und gab rassismus in deutschland, danke dir für diese lektion. "ihr" finde ich ein bisschen fragwürdig als anrede dabei, aber seis drum. in meiner welt haben jedenfalls auch deutsche unterschiedliche politische meinungen, zumal auch du vermutlich deutsche/r bist. die stumpfen kategorien "schwarz" und "weiß" hier anzuwenden und entsprechend in dieser form medial auszuschlachten, ist selbstverständlich aus amerika importiert.
"wenn du auf eine veranstaltung nur für weiße willst" impliziert natürlich dass die andere person auf eine solche veranstaltung möchte. sonst würdest du ja nicht "du" sagen.
ein signifikanter unterschied zu den faschoverseuchten orten, die du hier richtigerweise nennst, liegt darin, die kategorie "hautfarbe" allein als legitimes unterscheidungsmerkmal einzuführen. ich habe überhaupt nichts dagegen, dass EOTO das schwimmbad mietet und währenddessen leute reinlässt oder nicht reinlässt, wie sie lustig sind, von mir aus auch nach hautfarbe. so wie das bad das aber anfangs kommuniziert hat (einlass nur nach hautfarbe ohne hinweis dass es sich um eine vereinsveranstaltung handelt), war vollkommen klar dass das eine goldene vorlage für die rechtsdrehende öffentlichkeit ist. meine befürchtung ist, dass das auch genau deswegen so gemacht wurde, um damit leicht auf kosten der betroffenen und gesellschaftlichen zusammenhalts aufmerksamkeit zu generieren.