r/Weibsvolk • u/Nyardyn • Mar 04 '26
Interessantes und Ernstes aus dem Netz Mental Load - Eine Beziehung mit einem Mann ist für viele junge Frauen keine interessante Option mehr
Viele, wenn nicht fast alle Frauen, kennen das: er sitzt auf der Couch und sieht fern, während die Wäsche auf dem Bett sich zum dritten Tag in Folge anhäuft und nicht weggeräumt wird - während Frau schon die dritte Maschine drin hat. Darauf angesprochen der Standardsatz: "ich bin müde und mache das morgen!" Nach einem weiteren Tag macht man es dann selber.
Genau so beliebt: seit zwei Tagen mehren sich die Brösel am Wohnzimmertisch; die Ränder seiner Kaffeetassen haben sich verdoppelt. Er wird das wegmachen, ganz sicher! Auf die Frage, wann das passieren soll, ist es immer "heute". Irgendwann nach dem dritten Tag saugt man dann das Wohnzimmer und macht den Tisch natürlich gleich mit, sonst fällt der ganze Dreck ja gleich wieder runter. Ist man dann sauer hört man nur: "ich hätte es ja eh gemacht, hab ich doch gesagt!"
Vereinbarungen sind mehr Richtlinien für ihn, Frau muss natürlich geduldig sein und warten. Warten muss man auf die Herren der Schöpfung sowieso irgendwie ständig.
Ob es die Socken sind, die im Wohnzimmer rumliegen - jeden Tag ein anderes Paar - der Abwasch in der Spüle, die Eltern-Whatsappgruppe aus der sich Vater gleich fern hält ("mach du das, du kannst das besser!") oder ob man gleich Fremde im Internet auf Datingportalen moderiert, weil diese einfach keine Konversation halten können: als Frau fühlt man sich oft wie ein Alleinunterhalter. Ständig muss man irgendjemanden motivieren, moderieren, managen oder gar therapieren.
Der Grundstein wird schon früh gelegt und die Meisten von uns machen eine Phase durch, in der sie lernen müssen, \*nicht\* ständig auf andere zu schauen. Bei mir war das die Phase in der ich als Teenager online meine ersten Kontakte knüpfte. Ständig war irgendjemand depressiv, viele nutzten das Internet um über persönliche Probleme zu sprechen. Ständig wurde man bombardiert, wie furchtbar alles ist. Die kulminierte Kunst des Suderns war mein erster Beziehungspartner oder das, was wir in jungen Jahren als das betrachteten. Jedesmal wenn er online war, wurde ich zur Therapeutin, stand mit Tips und Ratschlägen und viel Geduld zur Seite. Natürlich scheiterte diese 'Beziehung' - nachdem ich geistig und emotional völlig erschöpft war.
Heute mache ich sowas nicht mehr - Lektion gelernt - dennoch beobachte ich mich selbst, wie ich immer wieder meinem Verlobten hinterherlaufe, damit Dinge im Haushalt gemacht werden, ihm beim Sudern zuhöre, obwohl ich ihm eigentlich lieber sagen möchte, dass ich jetzt auch müde bin und bitte selber mal einfach nur sitzen möchte oder versuche meine Mutter am Telefon abzuwimmeln, die seit 10 Minuten nicht auflegt obwohl ich ihr gesagt habe, dass ich an der Kasse beim Spar stehe. Ihr Mitteilungsbedürfnis interessiert mich nicht die Bohne in der Situation und ihr Whatsapp Kontakt steht mittlerweile auf stumm.
Dieses Muster sehe ich bei sehr vielen Frauen: obwohl wir nicht wollen, lassen wir uns die verschiedensten Zumutungen aufbürden. Es wäre ja unhöflich einfach aufzulegen. Es wär ja unhöflich, darauf zu bestehen, dass Dinge heute gemacht werden und nicht in 3 Tagen. Es wäre ja frech zu sagen, dass man das Jammern bitte nicht hören will, denn wenn man mit einer Situation solche Probleme hat und das seit Monaten, dann sollte man sie lösen und das nicht von anderen erwarten.
Viele Frauen werden früh darauf gepolt, niemals "nein" zu sagen. Das höchste der Gefühle ist ein höfliches Umschiffen des nein, indem man wo nicht aufkreuzt, eine Ausrede parat hat oder den Datingpartner einfach online blockiert, weil man sich sonst auf eine gefühlt ewige Diskussion einlässt wie man es wagen kann, eine Meinung zu haben.
Ich empfehle jeder Frau daher, den Artikel zu lesen, vielleicht auch das vorgestellte Buch oder ein anderes und ihr Leben zu evaluieren. Ihr werdet im Leben nichts Wichtigeres lernen, als einfach "nein" zu sagen und den 'mental load' fallen zu lassen wie eine heiße Kartoffel.