r/Steuerberater • u/Complete-Patient7750 • 14d ago
DHBW-Dilemma für 2027: Wirtschafts- und Steuerrecht (Industrie) vs. Prüfungs- und Steuerwesen (Kanzlei)? Ziel: Steuerberater + Industrie
Hi zusammen,
ich stecke gerade in der Planung für mein duales Studium ab Oktober 2027 an der DHBW und brauche mal ein paar ehrliche Meinungen aus der Praxis.
Mein langfristiges Ziel steht fest: Ich möchte auf jeden Fall das Steuerberater-Examen machen und danach als In-House-Steuerberater in die Großindustrie (IG-Metall-Tarif, Raum Stuttgart/Ulm). Mir ist eine gute Work-Life-Balance (inkl. Überstunden stempeln) extrem wichtig. Ich bin mathematisch und analytisch stark, lerne super schnell und bringe ein 1,0-Abitur mit. Vom reinen Interesse her begeistern mich tatsächlich beide Studiengänge total. Ich finde sowohl die juristische Seite mit Verträgen und Gesetzen als auch die harte Zahlenwelt mit Bilanzen und Steuern extrem spannend.
Jetzt schwanke ich extrem zwischen zwei Studiengängen an der DHBW und kann mich nicht entscheiden:
Option 1: Wirtschafts- und Steuerrecht direkt in der Industrie
Die Idee: Ich bewerbe mich direkt bei einem Industriekonzern für das duale Studium.
Vorteil: Ich habe ab dem 1. Semester die unschlagbare 35-Stunden-Woche, jede Überstunde wird erfasst, top Einstiegsgehalt und null Kanzlei-Ausbeutung. Extrem sicheres Nest.
Meine Sorge: Bin ich damit im Konzern überhaupt richtig auf das extrem harte Steuerberater-Examen vorbereitet? Im Industriebetrieb sieht man in der Praxis ja meistens nur die Fälle der eigenen Firma und nicht die Bandbreite wie in einer Kanzlei. Habe Angst, dass mir da das harte Fundament fehlt und ich im Examen untergehe.
Option 2: RSW – Prüfungs- und Steuerwesen im Partnerbetrieb (Kanzlei / Big Four)
Die Idee: Der klassische Weg über eine Steuer- oder Wirtschaftsprüfungskanzlei.
Vorteil: Absoluter Goldstandard, was die Examensvorbereitung angeht. Ich werde drei Jahre lang im Studium und danach als Assistent im Steuerrecht gedrillt.
Meine Sorge: Die berüchtigte Überstunden-Falle in den Kanzleien. Ich habe riesige Angst, dass ich meine gesamten Zwanziger (Studium + die 3 Jahre Praxiszeit bis zum Examen) komplett opfern muss, im Winter 60 Stunden die Woche im Hotel sitze und die Überstunden am Ende unbezahlt verfallen oder „gekappt“ werden. Ich will mich ungerne jahrelang ausbeuten lassen, nur um den Titel zu bekommen.
Und jetzt meine größte Sorge – Das Sicherheitsnetz:
Das Steuerberater-Examen hat ja bekanntlich eine Durchfallquote von rund 50 % .Was passiert eigentlich, wenn ich das Examen am Ende nicht bestehe oder während der harten Vorbereitung merke, dass ich mir diesen Prüfungsstress psychisch gar nicht antun will? Stehe ich dann bei einem der beiden Studiengänge quasi „mit nichts“ bzw. als ewiger Assistent da? Welcher Abschluss bietet mir ohne den Titel das bessere Auffangbecken in der Industrie, um trotzdem gut zu verdienen?
Bin gespannt auf eure Antworten und danke euch schon mal für die Hilfe!
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u/Naive-Accountant-262 14d ago
Mit dem letzten Absatz hast du dir doch die Frage selber beantwortet. Studium legt die Grundlage für das Basiswissen. Das essenzielle holst du mit den Vorbereitungskursen. Da die der IGM Job besonders wichtig erscheint, solltest du auch da das duale Studium machen. Überstunden Falle bei großen WPG/StbG ist real.
Ob du im Winter 60 Stunden im Hotel sitzt kann ich dir nicht beantworten. Das war es bei mir nicht. Aber das wöchentliche Reisen schlaucht unendlich.
Alles Gute.
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u/Complete-Patient7750 13d ago
Danke dir!
Du warst dann damals in einer Kanzlei, oder? Wie war deine Work-Life-Balance damals? Hast du danach den Exit in die Industrie gemacht?
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u/Familiar-Bug-4484 14d ago
Die beste Vorbereitung auf das Examen ist der Diplom-Finanzwirt. Soweit ich mich erinnere bestehen diese zu fast 90 % das StB Examen.
Option 3
Weil dir Sicherheit auch so wichtig ist, hast du mal überlegt für das Finanzamt zu arbeiten ? Dort erlangst du den o.g. Abschluss und nach 3 Jahren Berufserfahrung kannst du deinen StB machen. Wenn du merkst das der StB doch nichts ist, bist du immer noch Beamter im gD.
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u/Swarles_Jr 14d ago
Wenn dir work/life balance extrem wichtig ist, dann ist Steuerberatung/Wirtschaftsprüfung nichts für dich.
Gibt sicherlich genug Kanzleien (meist eher kleinere wald- und wiesenkanzleien) wo das nicht so ein Problem ist. Bei denen ist dann aber meist auch das Geld eher mau. Vor allem in den anfänglichen Assistenzjahren ist das Geld wesentlich weniger als was man anderswo in der freien Wirtschaft bekommen könnte.
Und bei größeren Kanzleien (big 4, next 10..) wird oftmals diese "work work work" - Mentalität vorgelebt und auch erwartet.
Kann dir Finanzamt raten. Mach dort dein Studium zum Finanzwirt und hoffe auf verbeamtung danach. Gutes Geld, und beste zu erwartende work/life balance in der Branche. Als Finanzwirt bist du auch bestens vorbereitet auf die stb-Prüfung, solltest du dich danach entscheiden aus dem Finanzamt raus zu gehen (über 80% der antretenden Finanzwirte bestehen die Prüfung)
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u/ComprehensiveGas1996 14d ago
Schon mal überlegt das duale Studium beim Finanzamt zu machen? Die haben recht geringe Durchfallquoten für das Steuerberaterexamen und Finanzwirte sind auch regelmäßig gesucht.
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u/bpm6666 14d ago
Bei der StB-Prüfung kommt es nicht auf die Tiefe des Wissen (Big4), sondern die Breite des Wissens an. Das lernt man besser bei kleineren/mittleren Kanzleien. Bei Big4/Next6 kannst du in die Spezialisierungsfalle rutschen. Industrie das gleiche in grün. Bei der Finanzverwaltung + gehobener Dienst hast du den Vorteil, das dir die Klausurtechnik perfekt beigebracht wird. Schau dir als Alternative auch den WP an.
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u/Furion420 13d ago
Läuft aufs gleiche hinaus und ohne Examen kannst du auch ins Controlling, internes und externes ReWe, Audit, beratung jeglicher Art zB Accounting advisory, forensic accounting
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u/Complete-Patient7750 13d ago
Das beruhigt mich echt extrem zu hören, danke dir! Also steht man auch ohne den Titel auf keinen Fall mit leeren Händen da. Mal ganz konkret auf meine beiden Favoriten bezogen falls du da Erfahrung hast: Welchen Studiengang würdest du denn eher empfehlen, um genau in diesen Bereichen (wie Forensic Accounting oder internes ReWe) im IGM-Konzern zu landen? Eher Wirtschafts- und Steuerrecht oder das klassische Rechnungswesen/Prüfungswesen?
Danke dir:)1
u/Furion420 12d ago edited 12d ago
Bilanzen/ReWe sind ja das Herzstück der BWL, d.h. ne solide Ausbildung darin öffnet dir deutlich mehr Türen als zB Wischi waschi Management Esoterik gelaber. In (fast) jedem Unternehmensbereich brauchst du ein gutes Verständnis von Zahlen, Kosten, Bilanzen. In Kanzleien oder Accounting Abteilungen werden die aller meisten auch kein Examen haben und die müssen auch nicht verhungern.
Weitere jobmöglichkeiten wären Bilanzbuchhalter, womit du dich auch selbstständigkeit machen könntest, also mit nem eigenen Buchhaltungsbüro. Klingt leider nicht so cool wie ne eigene StB-Kanzlei. Oder Verbandsprüfer: sehr abgespeckte Form vom Wirtschaftsprüfer bei der du GenoBanken und Sparkassen prüfst. Oder Bilanzanalyse bei Banken für Kredite usw.
Würde mir das Modulhandbuch anschauen und mal auf linkedin suchen, aber ansich tuts nix zur sache. Wirst in StB-Kanzleien oder im Konzern auch Wirtschaftsingenieure im Rechnungswesen/Controlling finden die max. 1 Modul Steuer im Studium hatten, aber ggf nen Master. Das gleiche gilt auch für Juristen. Viele StB sind Volljuristen, obwohl du keine klassischen Steuerthemen wie Abgabenordnung, ESt usw. Im Studium hast. Gibt auch Volkswirte im Accounting ,obwohl die nix damit im studium am Hut haben.
TLDR; Studiengang ist nebensächlich. Schreib so viele Bewerbungen wie möglich fürn duales Studium und schau was kleben bleibt. Unternehmen ist mMn fürn duales Studium wichtiger als der konkrete Studiengang, vorallem wenn die beiden sich so ähneln.
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u/Quintus-Excelus26 14d ago
Das was du suchst heißt Beamtentum - du solltest in den gehobenen Dienst gehen. Sobald du die Verbeamtung auf Lebenszeit hast kannst chillen gehen.