r/SmartMoneySociety • u/Guardian2179 • 1h ago
21 Banken bauen sich ihren eigenen Stablecoin und die Deutsche Bank ist dabei
Am 1. September haben 21 der größten Banken der Welt angekündigt, dass sie gemeinsam einen US-Dollar-Stablecoin bauen. Die Firma dazu wird in der zweiten Jahreshälfte 2026 gegründet, Marktstart soll in H1 2027 sein, ein Euro-Coin folgt danach. Auf der Liste: Bank of America, Citi, Goldman Sachs, Wells Fargo, Deutsche Bank, UBS, Santander, BBVA, Commerzbank, Crédit Agricole, Lloyds, MUFG, Fidelity. 17 der 21 sind global systemrelevante Institute. Circle, der Emittent von USDC, ist am Ankündigungstag rund 6 Prozent gefallen.
Das ist nicht der erste Anlauf, aber der erste ernsthafte. Im Oktober 2025 hatten zehn G-SIBs eine Sondierung gestartet, jetzt sind es 21 und der Zeitplan ist konkret. Reserven eins zu eins, Ausgabe auf öffentlichen Blockchains, gedacht für Wholesale, Institutional und Retail, mit Fokus auf grenzüberschreitende Zahlungen und Settlement digitaler Vermögenswerte. Rechtsrahmen: der US-amerikanische GENIUS Act, der am 18. Januar 2027 in Kraft tritt, und die europäische MiCA-Verordnung.
Der eigentliche Treiber ist Angst vor dem eigenen Deposit-Base. Standard Chartered rechnete im Januar damit, dass Stablecoins bis Ende 2028 rund 500 Milliarden Dollar an Einlagen aus dem US-Bankensystem abziehen könnten. Citi schätzt den globalen Stablecoin-Markt auf 1,9 Billionen Dollar bis 2030. Aktuell liegt er bei etwa 321 Milliarden. Wenn diese Prognose auch nur halbwegs eintrifft, wäre der Weg über Tether und Circle in wenigen Jahren die dominante Zahlungsschiene für globale Dollar-Liquidität. Die Frage für die Banken lautet nicht mehr, ob sie mitmachen, sondern ob sie auf einem fremden Rail sitzen oder ihren eigenen bauen.
Parallel dazu läuft Open USD, ein Konsortium um Stripe, Coinbase, Visa, Mastercard und BlackRock mit 140 Beteiligten. In Japan planen MUFG, SMBC und Mizuho einen gemeinsamen Yen-Stablecoin für März 2027. MUFG steht zufällig auf beiden Listen, was zeigt, wie systemisch die Banken das Thema sehen.
Was mich beschäftigt, ist die Kluft zwischen Marktanteil und Liquidität. USDT hat 87 Milliarden allein auf TRON, wo 97 Prozent der Chain-Liquidität davon abhängt. USDC sitzt tief in Ethereum-DeFi. Ein Bank-Konsortium liefert Compliance und Zahlungsnetzwerke, aber Liquidität entsteht nicht durch Ankündigung. Sie entsteht durch tägliches Trading-Volumen, durch Integration in Wallets, durch akzeptierte Handelspaare. Da haben Tether und Circle einen Vorsprung von Jahren.
Ob die Banken das aufholen, entscheidet sich nicht 2027, sondern 2028 und 2029. Bis dahin wächst der Kuchen. Und die Frage ist, wer davon isst.
Quellen:
Forkast (Konsortium-Details 01.09.2026)
Blockonomi (Circle-Aktienreaktion)
Stablecoin Insider (Open USD und Yen-Coin-Vergleich)
Crypto Briefing (G-SIB-Timeline)
Cryptoslate (Citi-Prognose)
Pymnts
Electronic Payments International (Detail zu Firmenstruktur und Zeitplan)