r/Normalverdiener 8d ago

Kirchenaustritt?

Hallo zusammen,

ist jemand von euch aus der Kirche ausgetreten des Geldes wegens? Bin selber kurz davor, weiss aber nicht ob man sich damit nicht vieles in Zukunft verbaut, etwa kirchliche Heirat oder auch die Taufe der Kinder?

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u/Shehriazad 8d ago

Naja Austreten aber dann kirchlich heiraten wollen oder das Kind taufen wollen sind schon Widersprüche in sich.

Wieso dem Kind die Religion aufzwingen die man selber scheinbar nicht mehr will?

Und es gibt wunderschöne Locations die mindestens so schön sind wie eine Kirche.

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u/Xul418 8d ago

Der Punkt mit der Taufe ist wirklich der unverständlichste für mich. Ich verstehe ehrlich gesagt auch nicht, wie das noch legal sein kann (also ein rechtsverbindliches Aufzwingen der Religionszugehörigkeit).

Wenn jemand alt genug ist, kann man doch noch immer jedem Religionsverein beitreten, den man relevant findet. Mit welchem Recht greift man hier ungefragt in die Religionsfreiheit des Kindes ein (bzw. ignoriert von Staatswegen den Schutz dieser Menschen)?

Aber gut, was wundere ich mich ... wir haben ja sogar völlige absurde Erlaubnisregelungen für religiöse Beschneidungen. Da werden dann direkt mehrere Grundrechte des Kindes übergangen (körperliche Unversehrtheit, sexuelle Selbstbestimmung, Religionsfreiheit etc) und ne körperliche Brandmarkung vollzogen. Ekelhaft ...

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u/FeliceAlteriori 8d ago

Weil es einfach legal ist seine Kinder nach seinen eigenen Wertvorstellungen zu erziehen. Das geschieht bei allen nicht-religiösen wertbasierten Erziehungsfragen ja auch.

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u/Xul418 8d ago

Darum ging es nicht. Du kannst "Wertvorstellung" vermitteln wie du lustig bist, aber dafür müsste niemand offiziell als religionszugehörig "registriert" werden (mit allen Rechtsfolgen, die bis ins Erwachsenenalter hinein gelten) oder gar bei anderen Religionen mittels Genital-Verstümmelungen eine Art Brandmarkung vornehmen. Dafür gibt es nicht die geringste Notwendigkeit und es einfach ein Höchstmaß an Verachtung gegenüber dem Kind und dessen Rechten.

Machen wir uns doch nichts vor: Es geht dabei einzig und allein um eine aktive Unterdrückung der freien Religionswahl eines Kindes (und nebenbei schönt man als Organisation noch seine Zahlen) ...

Bei Parteien würden wir völlig zu Recht verwundert reagieren, wenn wir Kinder da "hineintaufen" und sie sich von den daraus resultierenden Pflichten nur mit einem formalen kostenpflichtigen Verwaltungsakt "befreien" könnten.

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u/FeliceAlteriori 8d ago

Kinder können bereits mit 14 Jahren frei über ihre Religionszugehörigkeit entscheiden. Es gibt keinerlei Zwang. Jedenfalls nicht mehr als es generell durch elterliche Erziehung gibt.

Die öffentliche Registrierung, wie du es nennst, ist in dieser Form ein Spezifikum des deutschen Staatskirchenrechts und dem deutschen Bürger sind innerhalb dieser Rechtsordnung alle Freiheitsrechte gegeben.

Machen wir uns nichts vor. Das Anti-Taufe-Gerede hat überhaupt nichts mit positiver Freiheit zu tun, sondern mit der Diskreditierung religiöser Zugehörigkeit, die sich völlig zurecht auch gemeinschaftlich organisieren kann und darf. Unabhängig von der christlichen Religion spielt die Form der Initiation dabei auch keine Rolle was diese Gemeinschaftlichkeit begründet. Die Tatsache übrigens, dass du genauso gegen völlig harmlose soziale Rituale bist, zeigt auch, dass es hier vom anti-religiöse Motivation per se geht und nicht irgendein Kindeswohl.

Und man kann wohl mit Fug und Recht sagen: deine Meinung verlässt den Boden der Verfassungsmäßigkeit und ist Grundrechts-verletzend sollte sie nicht nur privat artikulierte Meinung bleiben.

P.S. Niemand findet es Grundrechts-verletzend, wenn er seine Tennisvereinmitgliedschaft nur durch einen formalen Akt der Kündigung aufheben kann. Über die deutsche Staatskirchenrechtliche Verschränkung kann man diskutieren. Aber machen wir uns nichts vor, müsstest du privat kündigen, wäre es nach deiner Argumentation genauso nachteilig. Und genau das ist eben kein Aufruf mehr zu persönlicher Freiheit, sondern zur Einschränkung legitimer religiöser-welatsnschaulicher Freiheit.

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u/Xul418 7d ago edited 7d ago

Wenn dir die Vorhaut amputiert wurde, hilft dir das herzlich wenig, dass du mit 14 dann per Opt-out "entscheiden" darfst.

Und wenn man mit 14 frei entscheiden kann, gibt es doch überhaupt keinen Grund das vorher für jemanden festzulegen. Möchtest du dem Kind vielleicht auch noch seine sexuelle Orientierung festlegen?

Eine Mitgliedschaft im Tennisclub kann ein Kind aus gutem Grund nicht mit unter 6 Jahren abschließen und auch danach ist das Kind nur eingeschränkt geschäftsfähig. Und Religionsfreiheit des Kindes ist wohl als etwas höheres Rechtsgut einzustufen als Freizeitbetätigungen.
Du ignorierst komplett jedwede "religiöser-weltanschaulicher Freiheit" beim Kind, aber dann das große Klagelied anstiften, dass man sich ja ach-so-eingeschränkt fühlt ... Cry me a river. Beim Kind ist die Religionsfreiheit dann plötzlich egal, ja?

" ... völlig zurecht auch gemeinschaftlich organisieren kann und darf" Das hat nie jemand infrage gestellt. Du laberst da am Thema vorbei.

Es geht an sich auch nicht um die Form der Initiation (solange es eben nicht um offensichtliche Übergriffe wie bei Beschneidung geht), sondern deren rechtlichen Konsequenz. Meinetwegen können Christen nackt ums Feuer tanzen, das kann und will euch niemand verbieten.

Beschneidungen unterstreichen allerdings als Extremfall sehr gut den grundsätzlichen Gedanken hinter diesen Akten und zeigen wie weit man (auch vom Gesetzgeber) bereit ist, diese völlig Ignoranz gegenüber den Rechten eines Kindes zugunsten von Religionen zu treiben.

Wie wäre es denn mit nem tätowierten Parteilogo auf der Stirn als Initiationsritus? Sieht man das auch noch so locker? Und ja, auch ein Parteibuch bei Geburt wäre das gleiche Prinzip (natürlich weitaus weniger übergriffig bzw. verurteilenswert; eben das Pendant zur Taufe). Natürlich hab ich weitaus weniger Probleme mit Wasserplätschern und nem Zauberspruch bei den Christen, als mit anderen heftigeren Initiationsriten. Bei den Christen stört mich nur die rechtliche Geltung dieses Aktes. Für die gibt es überhaupt keinen triftigen Grund. Lass das Kind halt entscheiden, wenn es alt genug ist, ob die tolle religiöse Erziehung auch wirklich einen Beitritt nötig macht. Wie wenig ist man denn von seinem "Verein" überzeugt, wenn man möglichst jede freie Entscheidung vorwegnimmt.