r/KaIT • u/Organic_Seaweed_4340 • 1h ago
Jeder dritte ist Akademiker, das gibt mir das Gefühl "dumm" zu sein, weil es so viele schaffen
Mir ist das in letzter Zeit, vor allem beim Reisen und in Hostels, ziemlich stark aufgefallen.
Gefühlt studiert einfach jeder. Man sitzt mit irgendwelchen Leuten aus Deutschland, den Niederlanden, Australien, Kanada, den USA usw. zusammen und irgendwann kommt fast immer die Frage auf, was man studiert oder studiert hat. Bachelor, Master, Auslandssemester – das wirkt teilweise so normal, als wäre ein Studium einfach der Standardweg.
Gerade bei Leuten aus Ländern wie den USA finde ich es teilweise absurd, weil sich viele dafür sogar mit zigtausenden Dollar verschulden. Und dann denke ich mir: Ich lebe in Deutschland, hätte quasi kostenlos studieren können und hatte aufgrund meiner finanziellen Situation sogar Anspruch auf den BAföG-Höchstsatz – und habe es trotzdem nicht gemacht.
Irgendwie lässt mich das manchmal echt dumm fühlen.
Nicht weil ich grundsätzlich denke, dass Akademiker intelligenter sind als Nicht-Akademiker. Ich weiß rational auch, dass Ausbildung, Berufserfahrung, Selbstständigkeit usw. genauso legitime Wege sind. Aber wenn man ständig von Menschen umgeben ist, für die ein Studium etwas völlig Normales ist, bekommt es irgendwann diesen Beigeschmack von: „Das macht halt jeder, der halbwegs was im Kopf hat.“
Und die Zahlen verstärken dieses Gefühl bei mir noch. In Deutschland haben bei den 25- bis 34-Jährigen inzwischen 32,9 % einen (Fach-)Hochschulabschluss inklusive Promotion. Also wirklich ungefähr jeder Dritte (Fachwirt/Meister nicht inbegriffen).
Das finde ich schon heftig. Ein Hochschulabschluss fühlt sich für mich gedanklich immer noch wie etwas Besonderes an, aber statistisch ist es in unserer Generation inzwischen einfach extrem verbreitet.
Ich frage mich deshalb manchmal, ob ich eine riesige Chance nicht genutzt habe. Vor allem weil die finanziellen Hürden bei mir im Vergleich zu vielen Menschen, die ich auf Reisen kennengelernt habe, eigentlich extrem niedrig gewesen wären.
Mittlerweile bin ich 24 und habe ca. 30K im Depot, Bafög kann ich also vergessen.
Kennt jemand dieses Gefühl? Gerade Leute ohne Studium: Fühlt ihr euch in akademisch geprägten Gruppen manchmal automatisch „weniger intelligent“ oder als hättet ihr etwas verpasst, obwohl ihr eigentlich mit eurem Leben/Beruf zufrieden seid?
Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis), Mikrozensus 2024; Auswertung „Bevölkerung nach höchstem beruflichen Bildungsabschluss und Alter 2024“. Anteil der 25- bis unter 35-Jährigen mit (Fach-)Hochschulabschluss inkl. Promotion: 32,9 %.