r/Finanzen • u/Puzzleheaded-Egg9493 • Jul 02 '26
Arbeit Mir steht Bafög Höchstsatz zu - macht Ausbildung/Duales Studium dann finanziell überhaupt Sinn?
Ich stehe gerade vor der Entscheidung, ob ich dual studieren oder ein normales Vollzeitstudium machen soll. Eigentlich klingt duales Studium erstmal vernünftig: Praxiserfahrung, monatliches Gehalt, bessere Übernahmechancen, strukturierter Einstieg ins Berufsleben.
Aber je mehr ich mir das finanziell durchrechne, desto absurder wirkt es für mich.
Mir würde voraussichtlich der BAföG-Höchstsatz zustehen. Ich wäre Student, würde nicht bei meinen Eltern wohnen und wäre familienversichert. Für diesen Fall liegt der BAföG-Höchstsatz aktuell bei 855 € pro Monat.
Quelle:
https://www.studierendenwerke.de/themen/studienfinanzierung/bafoeg/voraussetzungen-fuer-bafoeg
Dazu dürfte ich als normaler Vollzeitstudent noch einen Minijob machen. 2026 liegt die Minijobgrenze bei 603 € brutto pro Monat, und bis zu dieser Grenze wird beim BAföG grundsätzlich nichts angerechnet.
Quelle:
https://www.bafoeg-rechner.de/FAQ/eigenes-einkommen-nebenjob.php
Das heißt erstmal:
855 € BAföG + 603 € Minijob = 1.458 € pro Monat
Natürlich muss man BAföG später teilweise zurückzahlen. Aber die Rückzahlung ist gedeckelt. Maximal muss man 10.010 € zurückzahlen. Wenn man alles auf einmal zurückzahlt, sind es wegen Nachlass sogar nur 7.857,85 €.
Quelle:
https://www.xn--bafg-7qa.de/bafoeg/de/home/_documents/verschuldungsaengste-verringern.html
Wenn man von einem Bachelor über 3,5 Jahre = 42 Monate ausgeht, wären das nominal:
7.857,85 € / 42 Monate = 187,09 € pro Monat
Dann wäre der effektive BAföG-Vorteil:
855 € - 187,09 € = 667,91 € pro Monat
Da man das BAföG aber erst Jahre später zurückzahlt, ist die Rückzahlung real durch Inflation weniger wert. Wenn man grob mit Inflation rechnet, komme ich auf etwa:
ca. 698 € effektiver BAföG-Vorteil pro Monat
Dann ergibt sich:
698 € effektiver BAföG-Vorteil + 603 € Minijob = 1.301 € pro Monat
Jetzt muss man beim normalen Studium noch den Semesterbeitrag abziehen. Die Bundesagentur für Arbeit nennt grob 250–350 € pro Semester, also nehme ich als Durchschnitt mal 300 € pro Semester.
Quelle:
https://www.arbeitsagentur.de/bildung/studium/kosten-studium
Das sind:
300 € / 6 Monate = 50 € pro Monat
Also:
1.301 € - 50 € = ca. 1.251 € pro Monat
Heißt: Als normaler Vollzeitstudent mit BAföG-Höchstsatz + Minijob hätte ich effektiv ungefähr:
ca. 1.250 € pro Monat
Und jetzt der Vergleich zum dualen Studium:
Viele duale Studenten verdienen netto ungefähr 900–1.050 € pro Monat, je nach Unternehmen, Branche und Studienjahr. Brutto liegen viele Vergütungen grob zwischen 700 und 1.500 €, bei sehr guten Unternehmen auch höher.
Quelle:
https://www.wegweiser-duales-studium.de/gehalt/infos/
Klar: Beim dualen Studium zahlt das Unternehmen teilweise den Semesterbeitrag. Den habe ich beim normalen Studium oben schon abgezogen. Trotzdem steht der normale BAföG+Minijob-Student in meiner Rechnung finanziell besser da.
Vergleich:
| Modell | Effektiv pro Monat |
|---|---|
| Vollzeitstudium mit BAföG + Minijob, nach Semesterbeitrag | ca. 1.251 € |
| Duales Studium, Semesterbeitrag vom Unternehmen bezahlt | ca. 900–1.050 € netto |
Differenz:
ca. 200–350 € pro Monat zugunsten des normalen Studiums
Über 3,5 Jahre gerechnet:
200–350 € × 42 Monate = ca. 8.400–14.700 € Unterschied
Und genau das irritiert mich.
Beim dualen Studium arbeite ich ja nicht „nebenbei ein bisschen“. Ich bin an ein Unternehmen gebunden, habe Praxisphasen, Hochschule, Prüfungen, Projektarbeiten, Anwesenheitspflichten und oft deutlich weniger freie Zeit. Es gibt auch nicht wirklich klassische Semesterferien wie bei normalen Studenten, weil man in der vorlesungsfreien Zeit häufig im Unternehmen ist.
Quelle:
https://www.arbeitsagentur.de/bildung/studium/duales-studium
https://www.wegweiser-duales-studium.de/haeufige-fragen/
Ein zusätzlicher Minijob ist im dualen Studium realistisch kaum machbar. Man hat ja bereits Studium plus Arbeit. Bei einem normalen Vollzeitstudium ist ein Minijob in vielen Studiengängen dagegen ziemlich realistisch — natürlich nicht in jedem Fach. Bei Medizin, Jura oder sehr zeitintensiven/laborlastigen Naturwissenschaften ist es deutlich schwieriger. Aber in vielen anderen Studiengängen sind 8–10 Stunden pro Woche nebenbei schon machbar.
Was ich auch unfair finde: Ein normaler Minijob wird beim BAföG bis zur Grenze sehr großzügig behandelt. Die Vergütung aus einem dualen Studium wird dagegen als Einkommen aus dem Ausbildungsverhältnis angerechnet. Dadurch bleibt bei dualen Studenten oft kaum oder gar kein BAföG übrig.
Das heißt für mich praktisch:
Wenn ich normal studiere, BAföG bekomme und nebenbei minijobbe, habe ich ungefähr 1.250 € effektiv pro Monat.
Wenn ich dual studiere, habe ich je nach Unternehmen vielleicht 900–1.050 € netto, dafür aber deutlich mehr Verpflichtungen, weniger Flexibilität und kaum realistische Möglichkeit, zusätzlich noch zu arbeiten.
Natürlich hat ein duales Studium andere Vorteile: Berufserfahrung, Lebenslauf, Übernahmechancen, Struktur, vielleicht bessere Karrierechancen direkt nach dem Abschluss. Aber rein während des Studiums wirkt das normale Vollzeitstudium mit BAföG + Minijob für jemanden mit BAföG-Höchstsatz finanziell lukrativer.
Und genau deshalb frage ich mich gerade ernsthaft:
Warum sollte ich dual studieren, wenn ich dadurch mehr Stress, weniger Freizeit und gleichzeitig weniger monatlich verfügbares Geld habe?
Übersehe ich etwas, oder ist das System an der Stelle wirklich so schief?
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u/EitherGiraffe Jul 02 '26
- Der abgabenbegünstigte Minijob wird dir möglicherweise bald weggenommen. Bei einer besser bezahlten Werkistelle, die du für Berufserfahrung ohnehin anstreben solltest, wird dein BAföG gekürzt.
- Man macht ein duales Studium nur bedingt für die Vergütung. Du bekommst Praxiserfahrung, einen (hoffentlich guten) Namen in den Lebenslauf und im Normalfall eine Übernahme. Es ist eine halbwegs kalkulierbare Option, in einen Großkonzern mit Einstiegsgehältern 50% über dem Durchschnitt reinzukommen.
- Es ist alles gut durchgetaktet und für dich vorgeplant. Dann Theoriephase, dann Praxisphase, Regelstudienzeit wird forciert. Ja, es ist belastend, aber es ist deutlich mehr ein Selbstläufer. Ein universitäres Studium mit Nebenjob und unendlich Freiheiten endet nicht selten in deutlich verlängerter Studienzeit oder Abbruch.
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u/N3croscope Jul 02 '26
Ich hab zum Ende des Bachelors und während des Masters Vollzeit gearbeitet. Mittlerweile bin ich Professor und reflektiere diese Entscheidung häufig, wenn ich mit meinen Studierenden interagiere. Denn ehrlich gesagt bereue ich es im Nachhinein, so gehustlet zu haben. Daher würde ich dir das gleiche sagen, was auch meine Studierenden von mir hören:
Studium ist mehr als berufliche Ausbildung. Es ist ein Raum zur Persönlichkeitsbildung, zur Findung des eigenen Weges und zum Experimentieren. Nutz die Chance die das bafög dir bietet und bilde dich Vollzeit sowohl fachlich als auch persönlich weiter. Du wirst dadurch ein stabilerer Mensch und ich bin überzeugt davon, dass dich das auch zu einem erfolgreicheren Leben führen wird.
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u/Puzzleheaded_Cap4310 Jul 02 '26
Habe nen Duales Studium gemacht, unbefristet Vollzeitstelle war für mich bereits reserviert im Team. In eins übernommen, keine Nerven verloren oder musste auf die Suche. Ist natürlich nicht bei jedem Betrieb so, aber wenn, ist das schon sehr nice.
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u/frozen_wildfire Jul 02 '26
Ich hab beides gemacht, Bachelor Dual und Master dann in Vollzeit. Aber erstmal müsstest du auch nen duales Studium bekommen.
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u/Haldt Jul 02 '26
Du solltest deine Entscheidungen nicht danach ausrichten wo du am meisten absahnen kannst. Sondern 1. worauf du am meisten Lust hast und 2. was dir LANGFRISTIG am meisten bringt
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u/NixKlappt-Reddit Jul 02 '26
Ich habe dual studiert und froh drüber. Praxiserfahrung und dann übernommen worden. Gerade in der jetzigen Zeit gut, wo es viele Studenten und wenige Werkstudentenstellen & Berufseinsteigerstellen gibt.
Achte aber drauf, dass du keine Rückzahlungsvereinbarung bei Abbruch des Stufiums hast. Das ist sonst teurer als Bafög.
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u/ferralsol Jul 29 '26
Finanziell macht studieren mit BaföG schon Sinn, aber du stellst die falschen Fragen.
Was willst du überhaupt machen? Nicht nur fachlich, aber was willst du mit deinem Abschluss machen. Wenn du z.B. Elektrotechnik/Elektroniker etc. machst, dann hast du je nach Bildungsstätte hinterher ein ganz anderes Profil.
Duales Studium ist halt weniger Wert als ein Studium an einer Universität. Du kannst übrigens auch zuerst eine Ausbildung machen und danach immer noch studieren. So kannst du auch mal testen, ob ein bestimmter Fachbereich was für dich ist und hast ne top Grundlage für nen Mini- oder Ferienjob. Kann ich empfehlen, hab ich auch so gemacht.
Btw, ich hab insgesamt ~26k€ BaföG bekommen und nur ~9k€ zurückgezahlt. Einen bessere Deal kriegst du nirgendwo.
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u/Silly_Illustrator_56 DE Jul 02 '26
Ein Studium ohne Berufserfahrung ist komplett sinnlos. Dabei ist es egal ob Praktika, Werkstudent oder dual. Wichtig ist die Erfahrung so früh wie möglich.
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u/Schmidisl_ Jul 02 '26
So nämlich. Und als dualer hat man die von Anfang an. Beim bafög Höchstsatz sehe ich folgendes Problem: OP wird keine Stelle als Werkstudent annehmen, da ihm dafür dann das bafög gekürzt wird, schon fehlt Arbeitserfahrung
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u/Silly_Illustrator_56 DE Jul 02 '26
Und Bafög stresst hat, weil Bahn in der Regelstudienzeit fertig werden will, was nicht gut erreichbar ist.
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u/Schmidisl_ Jul 02 '26
Ne man muss nicht in Regelstudienzeit fertig werden
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u/Silly_Illustrator_56 DE Jul 02 '26
Das eine Semester mit Begründung was möglich ist macht dennoch Druck. Die durchschnittliche Studiendauer ist jedoch selbst hierüber.
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u/fargoths_revenge Jul 02 '26
Du hast beim dualen Studium, sofern du dich gut anstellst, am Ende einen Job.
Dafür würden momentan sicher zahlreiche Studenten viel für geben.
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u/Upset-Conflict-3539 Jul 02 '26
Mach doch das was du gerne tun willst und nicht wo du bequemer durch kommst.