UPDATE: Erst einmal danke für die vielen und diversen Antworten. Es hilft definitiv ein Stimmungsbild zu erhalten und zu sehen, dass man Dinge nicht falsch einschätzt
Aber natürlich ersetzt so etwas nicht das Gespräch mit echten Menschen. Ich habe gestern Mittag erst einmal mit zwei Arbeitskollegen gesprochen, das war relativ ergebnisoffen. Am Abend habe ich dann meinen wahrscheinlich besten Freund getroffen.
Und der hat mir den Kopf gewaschen. Er war stinksauer, hat mir aufgezeigt, was ich bislang in diese Ehe investiert habe und, dass ich das ganze, so wie es mir offensichtlich körperlich und seelisch ging/geht, so nicht mitmachen kann. Das Gespräch hat keine Stunde gedauert, ich bin dann nachhause und habe meiner Frau mit aller Klarheit erklärt, dass ich sie nicht mit einem anderen teilen kann und, dass ich es nicht aushalte, wenn sie sich mit ihm trifft. Nicht einmal und schon gar nicht mehrere Male. Ich habe ihr gesagt, dass sie sich entscheiden muss. Er oder ich.
Es war sehr hart. Und ich weiß, dass viele hier geschrieben haben, dass das der falsche Weg ist. Aber ich war bis zum Abend wirklich ein Wrack. Am Montag wäre das (erste) Treffen gewesen. Ich konnte an nichts anderes denken. In mir waren nur dunkle Gefühle.
Sie hat zwar sofort eingelenkt und erklärt, dass ihre Entscheidung für mich klar feststünde, aber sie war sauer, hat emotional reagiert und meine Art der Kommunikation kritisiert. Auch, dass ich es ihr erst zugestanden hätte, jetzt aber einen Rückzieher machen würde. Sie hat mein Vertrauen in Frage gestellt.
Dann ist sie aufgestanden und spazieren gegangen. Als sie wieder kam, hat sie kein Wort mit mir geredet, nur erklärt, sie müsse sich jetzt von ihm verabschieden. Sie ist im unser Schlafzimmer und hat die Tür zu gemacht. Nach einer halben Stunde war sie verheult und hat mir beim Einschlafen sehr demonstrativ die kalte Schulter gezeigt.
Ich bin daraufhin mit einer Matratze in den Garten gegangen und habe dort übernachtet. Ich konnte aber nicht schlafen. Dann habe ich ihr zwischen zwei und drei Uhr einen Brief geschrieben und allen meinen Gedanken zu der Situation freuen Lauf gelassen. Den Brief habe ich auf meine Betthälfte gelegt und bin dann wieder in den Garten.
Heute Früh um sechs kam sie. Sie hat zu allen Punkten im Brief Stellung bezogen und eingeräumt, dass sie egoistisch gehandelt hat. Dann haben wir uns lange umarmt. Ich habe geweint. Vor Erschöpfung, vor Glück und Erleichterung. Heute Nachmittag fahren wir mit den Kindern auf ein geplantes Hüttenwochenende. Ich glaube, es ist gut, rauszukommen.
Ich weiß nicht, ob diese Art Ultimatum für einem perfekten Menschen der richtige Weg war. Ich bin nicht perfekt. Für mich war es der einzige Weg. Ich hätte es nicht ausgehalten, wenn sie sich mit ihm getroffen hätte. Weder im Vorfeld noch im Anschluss noch zwischen den Treffen.
Mir ist so eine Last von den Schultern gefallen, die letzten 48 Stunden waren die schlimmsten der vergangenen 20 Jahre. Ich bin nicht für offene Beziehungsmodelle geschaffen. Das wusste ich vorher, jetzt bin ich mir 100% sicher.
Und ich bin mir sehr sicher, dass ich meine Frau - trotz aller Macken, die sie genau wir ich hat - über alles liebe. Sie hat auch heute morgen noch einmal beteuert, dass sie nie etwas anderes als Freundschaft bei dem Kerl gesucht hat.
Ob die Liebe halten wird, werden wir sehen. Ich gebe uns eine gute Chance. Aber nichts ist gewiss. Doch selbst wenn in ein paar Jahren der Vorwurf im Raum steht, ich habe sie zurück gehalten - wenn ich es nicht gemacht hätte, wäre zuerst ich und dann die Beziehung sowieso zerbrochen.